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Aktuelle Ausgabe

Wundmanagement 2/2017

Aktuelle Ausgabe

  • Zur Ätiologie von Dekubitus – Neue theoretische Modelle und ihre möglichen Folgen
  • Der Dekubitus – Eine differenzierte Betrachtung von Dekubitusdiagnose und -klassifikation
  • Klassifizierung von Dekubitalulzerationen anhand der Fotodokumentation

Aktuell

  • Deutscher Wundkongress und Bremer Pflegekongress im Mai 2017
  • Lebende Schäume beschleunigen Wundheilung
  • Leitmesse ALTENPFLEGE 2017 lädt zum Branchentreff nach Nürnberg

Übersicht

Zur Ätiologie von Dekubitus – Neue theoretische Modelle und ihre möglichen Folgen

A. Buss, S. Strupeit

WundManagement 2017; 11 (2): 64–68

Schlüsselwörter: Dekubitus, Entstehung, theoretische Modelle, Risikoeinschätzung

Die Grundlage für die Einschätzung des Dekubitusrisikos bilden Kenntnisse über die Entstehung des Phänomens. Theoretische Modelle versuchen, die Entstehungsprozesse zu erklären. Derzeitige Kenntnisse über die Ätiologie von Dekubitus verdeutlichen deren Komplexität und bisher können keine eindeutigen Aussagen darüber gemacht werden, wie ein Dekubitus entsteht. Demzufolge herrscht Unsicherheit was die Bedeutung der vielen vermuteten Risikofaktoren betrifft. Daher wird allgemein eine klinische Einschätzung empfohlen. Aktuell werden neue Theorien zur Dekubitusentstehung diskutiert. In zwei neueren Studien wurden zwei theoretische Modelle vorgestellt, die jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgen. Eine Forschergruppe entwickelte ein Modell, das den Ursachen von Dekubitus (mechanische Rahmenbedingungen und individuelle Anfälligkeit und Toleranz) bestimmten Risikofaktoren zuordnet, wobei beide Elemente in Beziehung zueinander gesetzt werden. In einer weiteren Studie wird ein Modell vorgeschlagen, worin die Risikofaktoren und Ursachen auf zwei gänzlich unterschiedliche Formen von Läsionen (oberflächliche und druckbedingte) hinweisen. Beide Modelle tragen zur Entwicklung des Kenntnisstandes über die Entstehung bei, indem sie neue Ansätze liefern. Kurzfristig können sie jedoch keinen Einfluss auf wesentliche Veränderungen in der Praxis nehmen.

Übersicht

Der Dekubitus – Eine differenzierte Betrachtung von Dekubitusdiagnose und -klassifikation

T. Neubert

WundManagement 2017; 11 (2): 69–75

Schlüsselwörter: Druckulkus, Dekubitus, Dekubitusklassifikation, Dekubitusdiagnose

Dekubitalgeschwüre beeinflussen nicht nur die die Lebensqualität betroffener Patienten in hohem Maße negativ, sondern stellen auch eine sehr große ökonomische Belastung für das Gesundheitssystem dar. Angesicht zunehmender Bemühungen durch systematische Prophylaxemaßnahmen Dekubitus zu verhindern, sind Angaben zur Häufigkeit von Dekubitus wesentliche Elemente, um die Wirksamkeit von Prophylaxe­maßnahmen zu überprüfen [12]. Die Validität solcher Kennzahlen zur Dekubitushäufigkeit ist in hohem Maße von der Definition und der Güte der Klassifikation von Dekubitus abhängig. Die hohe Divergenz von Angaben zur Dekubitushäufigkeit lässt jedoch vermuten, dass sie nicht nur durch unterschiedliche Messmethoden sondern auch durch eine möglicherweise unklare Definition von Dekubitus und deren Klassifikation, die sich in nur geringem Maße an der klinischen Realität und der Pathophysiologie von Dekubitus orientiert, zu erklären ist. Wie der aktuellen Literatur zu entnehmen ist, unterliegen rund 60 % aller Dekubitalgeschwüre einer Fehldiagnose oder werden unkorrekt eingestuft. Eine Ursache dafür könnte sein, dass in der allgemein üblichen und konsentierten Klassifikation nach EPUAP/NPUAP unterschiedliche pathophysiologische Vorgänge subsummiert und daher klinisch kaum nachvollziehbar sind. Eine weitere Ursache könnte in der abweichenden Logistik der Dekubitusklassifikation liegen, da allgemein übliche medizinische Klassifikationen von Krankheitszuständen in der Regel eine gemeinsame Pathogenese aufweisen und nahezu immer einen fortschreitenden Krankheitsprogress beschreiben. Das trifft für die Klassifikation von Dekubitus nicht zu. In der Entwicklung von Dekubitalgeschwüren werden nicht alle Stadien/Kategorien von 1–4 sukzessive durchlaufen, sondern es liegen je nach Kategorie den Haut- und Gewebeschäden unterschiedliche pathophysiologische Vorgänge zugrunde. Kategorie 1 umschreibt über die nicht wegdrückbare Rötung einen pathophysiologischen Vorgang, der offensichtlich unterhalb der Epidermis in der Subkutis stattfindet. Dagegen umschreibt die Kategorie 2 einen oberflächlichen Haut- und Gewebeschaden, der durch einen rosigen Wundgrund gekennzeichnet ist und daher kaum Anzeichen für einen tiefergehenden Gewebeschaden sein kann. Kategorie 3 und 4 umschreiben dagegen tiefergehende Gewebeschäden mit Zerstörung der Hautintegrität. Tiefergehende Gewebeschäden, die durch inaktive oder nekrotische oberflächliche Strukturen maskiert sind, werden durch das Klassifikationssystem nicht erfasst. Es erscheint daher sinnvoll, die Klassifikationssysteme für Dekubitus neu zu überdenken und näher an den pathophysiologischen Vorgängen zu orientieren. Ein exogen, d. h. durch äußere physikalische Krafteinwirkung wie Scher- und Reibungskräfte entstandener Hautschaden analog eines Dekubitus der Kategorie 2 mit rosigem Wundgrund könnte als Dekubitus superficialis oder exogener Dekubitus bezeichnet werden. Ein durch vertikalen, länger einwirkenden Druck entstandener tiefer Gewebeschaden, der dann eine Minderperfusion der Haut mit nachfolgender Hautnekrose und schließlich Verlust der Dermis zur Folge hat, bislang als Dekubitus der Kategorie 3 und 4 bezeichnet, könnte als endogener Dekubitus oder Dekubitus internum apertuum (offener interner Dekubitus) bezeichnet werden. Eine näher an der Entstehungsweise von Dekubitus orientierte Nomenklatur bzw. Klassifikation erleichtert die Definition kausaltherapeutischer Vorgehensweisen und die Differenzierung von prophylaktischen Maßnahmen. Klare, klinisch nachvollziehbare Definitionen führen zu weniger Fehldiagnosen und damit zu einer höheren Kongruenz in der Darstellung von Anhaltszahlen zur Dekubitushäufigkeit.

Hätten sie's gewusst?

Klassifizierung von Dekubitalulzerationen anhand der Fotodokumentation

S. Kruschwitz, K. Kröger

WundManagement 2017; 11 (2): 76–77

Übersicht

Der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ – Die pflegerische Haltung mit Fokus auf Menschen mit Dekubitus

E.-M. Panfil

WundManagement 2017; 11 (2): 78–80

Schlüsselwörter: Leitlinie, Expertenstandard, Dekubitus, Pflege

2015 wurde die erste Aktualisierung des Expertenstandard (ES) „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ vorgelegt. Obwohl wieder viele Leitlinien und Studien gesichtet und bewertet wurden, hatte dies für die Standardempfehlungen neben einigen kleinen Änderungen nicht wirklich „neue“ Konsequenzen. Dagegen haben sich jedoch Empfehlungen aus der ersten Version zum pflegerischen Fokus weiter erhärtet. In der Zielsetzung des Standards wurde deutlicher als in der Vorgängerversion betont, dass bei der Planung der Maßnahmen das individuelle Krankheitsverständnis des Patienten berücksichtigt werden muss. Im Rahmen des Assessments brauchen Pflegende eine entsprechend kommunikative Kompetenz, um Einschränkungen, Krankheitsverständnis und gesundheitsbezogene Selbstmanagementfähigkeiten sensibel und verstehend zu erkunden. Kenntnisse aus Studien zum Leben mit einem Dekubitus unterstützen Pflegende dabei beim Assessment. Diese sollten jedoch nicht als Checkliste abgearbeitet werden. Pflegende sollten sich stattdessen darauf basierend in einen wertschätzenden Dialog begeben, der die Sorgen, Vorstellungen und Ängste der Patienten anerkennt und nicht bewertet. Basis für die Umsetzung dieser Empfehlungen ist eine entsprechende pflegerische Haltung.

 

 

Standards in der Wundversorgung

Standards des ICW e. V. für die Diagnostik und Therapie chronischer Wunden

J. Dissemond, A. Bültemann, V. Gerber, B. Jäger, K. Kröger, C. Münter

WundManagement 2017; 11 (2): 81–86

Schlüsselwörter: Chronische Wunden, ABCDE-Regel, Essener Kreisel, Levine-Technik, M.O.I.S.T.-Konzept

Die Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronischen Wunden ist eine enorme Herausforderung in den verschiedenen medizinischen Bereichen. In diese sehr komplexen Prozesse sind Experten verschiedener medizinischer Berufsgruppen mit unterschiedlichen Ausbildungen involviert. Eine obligat notwendige Grundlage für die Kommunikation und Dokumentation ist eine einheitliche Nomenklatur. Daher hat der Vorstand des Initiative Chronische Wunde (ICW) e. V. aktuell damit begonnen verschiedene Begrifflichkeiten und Vorgehensweisen zu definieren, damit hier ein einheitlicher Standard verwendet werden kann. Für die strukturierte Diagnostik chronischer Wunden wurde ein einfach zu merkender Algorithmus in Form der ABCDE-Regel entwickelt. Die Grundlage der erfolgreichen Therapie chronischer Wunden basiert dann auf einer möglichst kausal ansetzenden Behandlung der zugrundeliegenden, pathophysiologisch relevanten Erkrankungen. Mit dem M.O.I.S.T.-Konzept wurde ein Akronym vorgestellt, dass Therapeuten eine Hilfestellung bei der systematischen Planung der Lokaltherapie bei Patienten mit chronischen Wunden entsprechend der neusten Erkenntnissen bieten soll. Durch die Verwendung von einheitlichen Definitionen und Standards in der Wundbehandlung, können aktuelle Diagnostik- und Behandlungsstrategien optimiert und besser nachvollziehbar werden.

 

Pflegelexikon

Informationen zum Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), zu Vancomycin resistenten Enterokokken (VRE) und zu Multi-Resistenten Gram-Negativen Keimen (3MRGN/4MRGN), Teil 2

K. Protz

„Dr. Gadget"

Die WundUhr®-Modellbahn – Ein spielerisches Edukationstool

G. Riepe, A. Bültemann, N. Weiler

Seit kurzem steht als Wundstandardmodell im Zentrum für Wundbehandlung und Gefäßmedizin (ZfGW) in Boppard die WundUhr®-Modellbahn zur Verfügung. Damit konnte Betroffenen anhand des detailreichen Modells „spielerisch“ ihre Wundbehandlung erklärt werden. Es zeigte sich, dass es angenehmer für die Patienten ist, am Landschaftsmodell als an der gräßlichen Wunde die Behandlung zu erklären. Und Patienten, die den zugrundeliegenden Wunduhr-Standard schon länger kannten, gaben zu, sie auch jetzt erst richtig wahrgenommen und verstanden zu haben.

Nachrichten des ICW e. V.

  • Mehr als einen gut sitzender Verband
  • Erfolg für den ICW e. V.: Erforderliche Wundauflagen für chronische Wunden werden weiterhin erstattet
  • Bericht von den Förderprojekten des ICW e. V. aus 2015
  • Neues aus den regionalen Arbeitsgruppen
  • ICW e. V. Wundsiegel
  • Einladung zur Mitgliederversammlung 2017

Nachrichten der SAfW

    • Decubitus – gibt es Neues seit Florence Nightingale?
    • Zentrum Kinderhaut – eine neue Form der interprofessionellen Zusammenarbeit am Universitätskinderspital Zürich

    Nachrichten des Wundzentrum Hamburg e. V.

    • 60. Mitgliederversammlung des Wundzentrum Hamburg e. V. am 2.3.2017

    Veranstaltungen

    • Nachbericht zum Treffen der World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) 2016 in Florenz
    • 4. Bad Staffelsteiner Wundkongress am 29.10.2016
    • 9. Freiburger Wundsymposium
    • Interdisziplinärer WundCongress 2016 am 24.11.2016 in Köln
    • HWX/ICW-Süd-Kongress 2017