MHP

Hygiene & Medizin 11/2008

Aktuell

  • Tabakpflanzen gegen Atemwegserkrankungen
  • Bundeskabinett stimmt Deutscher Antibiotika-Resistenzstrategie zu
  • Clostridium-difficile-Tests nicht sehr zuverlässig
  • Gefährliches Versteckspiel in der Lunge
  • Patient besiegt HI-Virus dank Knochenmarkspende

Originalia

  • Strikt anaerobe Bakterien im Sputum von Kindern mit Cystischer Fibrose

    Claudia Rintelen, Marianne Borneff-Lipp, Dieter Worlitzsch*

    Hyg Med 2008; 33 [11]: 456–462

    Hintergrund: Die fakultativen Anaerobier Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus werden für die chronischen Lungeninfektionen bei Patienten mit Cystischer Fibrose (CF) verantwortlich gemacht. Vor kurzem wurden auch strikte Anaerobier bei Erwachsenen mit CF gefunden. Bislang ist unklar, ob diese Bakterien auch bei CF-Kindern nachweisbar sind.

     

    Methode: Wir identifizierten und quantifizierten fakultative und strikte Anaerobier in 92 Sputumproben von 8 Kindern und 31 Erwachsenen mit CF. Zusätzlich untersuchten wir Proben aus Bronchiallavagen (BAL) von 6 Kindern mit anderen Lungen-erkrankungen als CF sowie Rachenabstriche von 7 CF-Patienten.

    Ergebnis: Bei den meisten CF-Kindern (75,0 % der Patienten, 78,6 % der Sputumproben) wurden strikte Anaerobier nachgewiesen. Ähnliche Zahlen fanden sich bei Erwachsenen (93,5 % der Patienten, 94,6 % der Sputumproben). Die Anzahl der strikten Anaerobier bei Kindern und Erwachsenen waren ähnlich (5,6 3 106 ± 4,5 3 106 vs. 1,5 3 107 ± 6,2 3 107 KBE/ml, p=0,629). 15 Gattungen und 35 Spezies wurden sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit CF identifiziert. Lediglich in einer non-CF BAL und in 42,9 % der Rachenabstriche wurden strikte Anaerobier gefunden.

     

    Schlussfolgerung: Der Nachweis strikter Anaero-bier bei den meisten CF-Kindern impliziert, dass anaerobe Wachstumsbedingungen verbreitet sind und bereits frühzeitig im Leben der CF-Patienten vorkommen. Diese Tatsache beeinflusst höchstwahrscheinlich Phänotyp und Antibiotika-Empfindlichkeit der Bakterien. Trotzdem muss vor Einsatz einer spezifischen Therapie gegen strikte Anaerobier erst deren Bedeutung für die CF-Lungeninfektion geklärt werden.

     

     

  • Bestimmung der bakteriziden Wirksamkeit von chemischen Desinfektionsmitteln in der Milchwirtschaft gemäß der DVG-Richtlinien

    Salah Fathy Ahmed Abd El Aal*, Birgit Hunsinger, Reinhard Böhm

    Hyg Med 2008; 33 [11]: 463–471

    Hintergrund: In Deutschland besteht die Möglichkeit chemische Desinfektionsmittel in der Lebensmittelindustrie gemäß den kürzlich in überarbeiteter Version publizierten Richtlinien der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG-Richtlinien, 2007) zu prüfen. In der vorliegenden Studie sollte die bakterizide Wirksamkeit von vier Desinfektionsmittelwirkstoffen beurteilt werden, die in den DVG-Richtlinien als Referenzsubstanzen zur Prüfung von Desinfektionsmitteln in Molkereien und der Lebensmittelindustrie herangezogen werden.

     

    Methode: Als Testorganismen wurden entsprechend den DVG-Richtlinien Gram-positive und Gram-negative Bakterien (Staphylococcus aureus (ATCC 6538), Enterococcus hirae (ATCC 10541), Pseudomonas aeruginosa (ATCC 15442), Escherichia coli (ATCC 10536)) gewählt, die in der Milchwirtschaft typischerweise Kontaminationen verursachen. Als Prüfsubstanzen wurden Ameisensäure, Peressigsäure, Glutaraldehyd und Benzylalkyldimethylammoniumchlorid verwendet. Die jeweiligen Suspensions- und Keimträgertests wurden nach den DVG-Richtlinien durchgeführt. Um möglichst praxisnahe Bedingungen zu schaffen, wurde Magermilch als Belastungssubstanz eingesetzt.

    Ergebnisse: Bei den Keimträgertests waren im Gegensatz zu den Suspensionstests erwartungsgemäß höhere Konzentrationen und längere Einwirkzeiten zur Reduktion der Testorganismen nötig. Die Bakterienstämme zeigten unterschiedliche Sensitivitäten gegenüber den eingesetzen Desinfektiosnmittelwirkstoffen: S. aureus war hochsensitiv gegenüber Ameisensäure. E. hirae war sensitiv gegenüber Peressigsäure, Glutaraldehyd und Benzyl-alkyldimethylammoniumchlorid. P. aeruginosa war hochresistent gegenüber Glutaraldehyd, während E. coli sich gegenüber Glutaraldehyd sensitiv zeigte.

     

    Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Auswahl geeigneter Desinfektionsmittel für kontaminierte Oberflächen in milchwirtschaftlichen Betrieben Vorsicht geboten ist. Ganz besonders gilt dies in Gegenwart von organischen Substanzen (Milch). Deutlich wird auch der Bedarf des Einsatzes an Referenzsubstanzen bei der Bestimmung der bakteriziden Wirkung von Desinfektionsmitteln. Denn nur durch den Einsatz solcher Referenzsubstanzen ist ein objektiver Vergleich der Wirksamkeit verschiedener Produkte und eine interne Kontrolle der Testorganismen auf ihre Empfindlichkeit gegeben.

     

     

Aus der Praxis

  • Ausbrüche von Norovirusinfektionen in Altenheimen und Altenpflegeeinrichtungen – Besonderheiten, Probleme und Lösungsansätze

    Sabine Gleich*, Bettina Supthut-Schröder, Stefan Schweitzer, Ingo Bachem

    Hyg Med 2008; 33 [11]: 472–478

    Hintergrund: Von Norovirus-Infektionen waren in den Wintermonaten der letzten Jahre viele Münchner Altenheime und -pflegeeinrichtungen betroffen. In der Saison 2006 / 2007 wurden im Zeitraum von Oktober 2006 bis März 2007 insgesamt 22 Ausbrüche mit 726 erkrankten Personen gemeldet. Da-raufhin stellte das Münchner Gesundheitsamt Empfehlungen zum Hygienemanagement bei Noroviren zusammen und forderte alle Einrichtungen auf, entsprechende Hygienestandards zu etablieren.

     

    Methode: Nachdem sich die Norovirus-Situation im Herbst 2007 ähnlich wie im Vorjahr entwickelte, unterzog das Münchner Gesundheitsamt das Norovirus-Hygienemanagement dieser Einrichtungen einer genauen Analyse. Dabei wurden nicht nur die Hygieneplanauszüge der Einrichtungen bewertet, sondern auch ausgewählte betroffene Einrichtungen überprüft und beraten.

     

    Ergebnis: Knapp die Hälfte der Einrichtungen erstellte die notwendigen Hygienestandards erst nach schriftlichem Hinweis auf die bestehende Problematik bzw. nach konkreter Aufforderung durch das Gesundheitsamt. Die Sichtung der Hygienepläne ergab insgesamt unzureichende Kenntnisse zu den Übertragungswegen sowie fehlende bzw. unvollständige Aussagen zur Infektionsvermeidung. Auch waren die Kenntnisse zum praktischen Ablauf der Meldung an das Gesundheitsamt mangelhaft. Individuelle, an die Besonderheiten der jeweiligen Einrichtung angepasste Lösungen waren in großem Umfang weder vollständig noch richtig erarbeitet worden. Weniger als ein Fünftel der Hygienepläne war von qualifiziertem Personal erarbeitet worden.

     

    Schlussfolgerung: Offensichtlich erkannten viele Einrichtungen die bestehende Problematik und die hieraus resultierende gesundheitliche Gefährdung für die oftmals multimorbiden und hoch betagten Heimbewohner nicht. Unzureichende Kenntnisse zur Meldepflicht an das Gesundheitsamt lassen eine hohe Dunkelziffer nicht gemeldeter Erkrankungsfälle nicht ausschließen. Bezüglich eines adäquaten, an die Erfordernisse von Altenheimen und Altenpflegeeinrichtungen angepassten Hygienemanagements besteht in den meisten Einrichtungen ein deutlicher Schulungsbedarf. Die Einrichtungen zeigten sich großteils sehr motiviert und erarbeiteten mit Unterstützung des Gesundheits-amtes ein umfassendes Hygienemanagement zu Norovirusgastroenteritiden. Das Münchner Gesundheitsamt beabsichtigt daher, mit Beginn der „Norovirussaison“ eine themenzentrierte Fortbildung für die Einrichtungen anzubieten.

     

     

Blickpunkt

  • „AKTION Saubere Hände“: Erster nationaler Aktionstag zur Händedesinfektion

    Christiane Reichardt, Petra Gastmeier

Referate

  • – Gesundheits-Check für Medizinstudenten zu Beginn des Studiums erhöht Durchimpfungsraten

    – Gefäßkatheter-assoziierte Septikämien: Spielen Krankenhaus- oder Patienten-bezogene Faktoren die entscheidende Rolle