MHP

Hygiene & Medizin 3/2007

Aktuell

  • Mit 40.000 Blutproben gegen Grippe & Co
  • Immunzellen gegen Pilze: Auf die Dimension kommt es an Menschen teilweise immun gegen Vogelgrippe
  • Neues Nachweisverfahren für Antibiotika-Resistenz
  • Perfluorierte Verbindungen: falscher Alarm oder berechtigte Sorge
  • Neue Ansätze zur Therapie von Infektionen bei Transplantationspatienten: Verletzungssichere Instrumente auch in Arztpraxen Pflicht

Originalia

  • MRSA-Screening mittels PCR in einem kommunalen Großkrankenhaus der Maximalversorgung

    M. Schulze*, E. Christoph, U. Emmerling, E. Kling, W. Ehret

    Hyg Med 2007; 32 [3]: 58–63

    Fragestellung: 1998–2004 wurde am Klinikum Augsburg (1.750 Betten) wie auch deutschlandweit eine stetige Zunahme von MRSA beobachtet. Ein Screening zur frühzeitigen Identifizierung von MRSA-Trägern wird empfohlen. Die praktische Umsetzung ist häufig schwierig.

     

    Methode: Eine Real-time PCR basierte Methode (Roche Diagnostics) wurde eingeführt und mit Hilfe des Light Cyclers sowohl Staphylococcus aureus-Stämme als auch mecA-Gen identifiziert. Bei zusätzlichem Nachweis koagulasenegativer mecA-positiver Staphylokokken-Spezies erfolgte eine mikrobiologische Abklärung. Die Risikokriterien wurden nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts festgelegt: MRSA-Anamnese, Verlegungen aus Einrichtungen / Ländern mit hoher MRSA-Prävalenz, Kontaktpatienten von MRSA-Trägern, Dialysepflichtigkeit, chronische Wunden, Pflegebedürftigkeit. Ein Abstrich der Nasenvorhöfe und ggf. der Wunden wurde durchgeführt.

     

    Ergebnisse: In 2005 wurde ein risikoadaptiertes Aufnahmescreening bei allen stationären Patienten des Klinikums etabliert. Vom 01.05. bis 31.10.2005 (6 Monate) wurden 6.339 Abstriche mittels PCR untersucht (5.205 Nasenabstriche, 638 Wundabstriche, 496 sonstige Abstriche). Bei der personenbereinigten Auswertung (4.373 Proben) zeigten sich negative Befunde ohne Nachweis bzw. Nachweis eines Methicillin-empfindlichen S. aureus bei 2.403 (55 %) bzw. bei 417 (10 %) Patienten. 643 Patienten (15 %) waren MRSA positiv. Bei 910 Patienten (20 %) war das mecA-Gen zusammen mit S. aureus- DNA und koagulasenegativer Staphylokokken-DNA ohne eindeutige Zuordnung nachweisbar, so dass eine weitere mikrobiologische Abklärung erforderlich war.

     

    Schlussfolgerung: Bei der überwiegenden Mehrheit der untersuchten Patienten ermöglichte die PCR eine zeitnahe Identifikation bzw. ein Ausschluss von MRSA-Trägern innerhalb von zwei bis sechs Stunden, wodurch gezielte Hygienemaßnahmen eingesetzt werden können. Das konsequente Screening erhöhte die MRSA-Prävalenz bei Aufnahme um das fünffache, 80 % der MRSA besiedelten Patienten wären nicht erkannt worden.

     

Übersicht

  • Surveillance von nosokomialen Infektionen in Europa

    Hyg Med 2007; 32 [3]: 64–68

    Im vergangenen Jahrzehnt sind in vielen europäischen Ländern nationale Systeme zur Surveillance von nosokomialen Infektionen aufgebaut worden. Begleitet wurden diese Aktivitäten von verschiedenen europäischen Initiativen zur Stimulation des Aufbaus der Surveillance-Systeme, zur Harmonisierung der Definitionen und Methoden sowie zum Aufbau einer europäischen Datenbank zu nosokomialen Infektionen (HELICS, IPSE). Der Artikel beschreibt diese Entwicklung und gibt ein Beispiel für die existierenden Schwierigkeiten beim Vergleich von Infektionsraten zwischen verschiedenen Ländern. Die Interpretation der nosokomialen Infektionsraten verschiedener Länder muss mit sehr großer Vorsicht erfolgen. Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen sowie rechtliche und kulturelle Aspekte und natürlich Unterschiede hinsichtlich der Methoden der Surveillance-Systeme können einen erheblichen Einfluss haben. Trotzdem bleibt der Erfahrungsaustausch zwischen den Europäischen Netzwerken ein sehr wichtiges Element und kann weitere Aktivitäten in den einzelnen Ländern stimulieren.

Aus der Praxis

  • „Depilation“ im Badesee

    F. Mascher*, F. J. Legat, F. F. Reinthaler, E. Marth

    Hyg Med 2007; 32 [3]: 69–70

    Nach dem Baden in einem Alpensee in der Steiermark/Österreich zeigten sich beim Badenden auffällige Veränderungen der Körperbehaarung und Hautirritationen (brüchige Haare bei mechanischer Beanspruchung, Rötungen, Juckreiz). Anfänglich wurden anthropogene Verunreinigungen des Wassers als kausale Ursache angenommen. Auf Grund weiterer Untersuchungen hat sich eine Massenvermehrung von Kieselalgen der Gattung Cyclotella als Verursacher des beobachteten Phänomens herausgestellt. Mikroskopische Analysen zeigten einen massiven Befall der Haare mit Kieselalgen. Nicht immer sind es anthropogene Verunreinigungen, die zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Badegäste führen, auch biologische Prozesse natürlichen Ursprungs können für die Gesundheit der Badegäste von erheblicher Bedeutung sein.

DGKH

  • Jahresbericht 2006 der Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege / Rehabilitation
  • Prävention von Wundinfektionen u. Therapieoptionen für infizierte Wunden – Fortbildungsveranstaltung der DGKH

VAH

  • Mitteilung Nr. 1 / 2007 der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH

Blickpunkt

  • Zu einem Norovirus-Ausbruch in einem Pflegeheim

Referate

  • Clostridium difficile: Der neue Ribotyp etabliert sich auch in Europa
  • Endständige Wasserfiltration bei Pseudomonas-aeruginosa-Ausbruch

Fragen aus der Praxis

  • „Perlatoren“ und „Strahlregler“ an Wasserarmaturen

Veranstaltungen

  • Herausforderungen an die Hygiene in der Zukunft
  • Ankündigung: 7. Ulmer Symposium