MHP

Hygiene & Medizin 9/2008

Aktuell

  • DNS-Schleuder tötet Bakterien ab

  • Angeborener Immundefekt bei Kindern erkannt
  • Neuer Tuberkulose-Impfstoff geht in die klinische Prüfung
  • Kupfer gegen resistente Krankheitserreger

  • Kolibakterien im Salat
  • Herpes Simplex-Attacke im Fokus

Originalia

  • Erfolgreiches Bündel von Präventionsmaßnahmen bei hoher CDAD-Inzidenz in einem Universitätsklinikum

    Frauke Mattner*, Ingo Winterfeld, Johannes Knobloch, Werner Solbach

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 346–352

    Hintergrund: Nachdem in den letzten Jahren bekannt wurde, dass die Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) weltweit und auch in Deutschland stetig zunahm, stellt sich die Frage, wie man als Hygieneverantwortlicher eines Krankenhauses mit dieser Information umgeht. Wir beschreiben hier, wie man sich einen Überblick über die hausinterne Epidemiologie von CDAD verschaffen kann, und welche Maßnahmen in welchem Zeitrahmen ergriffen werden können, um identifizierte Probleme möglichst in den Griff zu bekommen.

     

    Methode: Zwischen Mai 2007 und April 2008 wurden die folgenden Kontrollmaßnahmen implementiert: Analyse der stationsgebundenen epidemiologischen Verläufe von C.-difficile-Toxin (CdT)-positiven Patienten (2000–2008), Erhöhung der Reinigungsfrequenz mit sporoziden Desinfektionsmitteln, prospektive Surveillance der CDAD-Fälle und Fortbildungen für Ärzte und Pflegepersonal. Weiterhin wurde eine Sensitivitätsbestimmung von drei verschiedenen Kulturmedien für C. difficile durchgeführt und das sensitivste Kulturmedium für die C.-difficile-Diagnostik eingeführt.

     

    Ergebnisse: Von 2000 bis 2006 stiegen die CdT-Fälle pro Jahr dramatisch an. Im Jahr 2007 wurde kein weiterer Anstieg beobachtet. Von elf Stationen, die überdurchschnittlich viele CdT-Fälle zu verzeichnen hatten, kam es zunächst bei acht Stationen zu einem Rückgang der Fälle. Auch nach der Erhöhung der Nachweissensitivität von C. difficile kam es zu einem insgesamt niedrigeren Niveau der Fälle pro Station. Die Testungen von 256 durchfälligen Stuhlproben auf C. difficile auf drei verschiedenen Nährböden erbrachte differierende Sensitivitätswerte von 70 %, 74 % und 89 %. Die Einführung des sensitivsten Kulturmediums erbrachte eine fast 100 %ige Sensitivitätserhöhung der mikrobiologischen Nachweismethode.

     

    Schlussfolgerung: Auch nach der Verdopplung der Sensitivität des C.-difficile-Nachweises wurde hospitalweit ein weiterer Anstieg von CdT-positiven Patienten gestoppt. Die Daten zeigen die Effektivität einer Kombination von Interventionen zur Infektionskontrolle von CDAD an einer Universitätsklinik.

     

  • Inzidenz der Clostridium difficile-assoziierten Diarrhö: Erste Ergebnisse aus dem CDAD-Modul des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems

    Doris Weitzel-Kage*, Michael Behnke, Tim Eckmanns, Petra Gastmeier

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 353–356

    Hintergrund: Das im Jahre 2007 gestartete Modul CDAD-KISS des Nationalen Referenzzentrums für die Surveillance nosokomialer Infektionen ermöglicht eine erste Datenauswertung.

     

    Methode: Ab dem 1. Januar 2007 wurden systematisch krankenhausweit CDAD-Fälle gemäß aktuellem Erfassungsprotokoll erfasst. Die Daten von 34 Krankenhäusern gingen in die Auswertung ein. Es wurde dabei in mitgebrachte und im Krankenhaus aufgetretene Fällen unterschieden. Ebenfalls wurde in milde und schwere Verlaufsformen unterschieden. Die Aufschlüsselung erfolgte abteilungsweise.

     

    Ergebnisse: Berechnet wurden die Inzidenzdichte aller CDAD-Fälle/ 1000 Patiententage mit 0,66, die nosokomiale Inzidenzdichte der CDAD-Fälle/ 1000 Patiententage mit 0,48, die Inzidenzdichte der schweren CDAD-Fälle/ 1000 Patiententage mit 0,06 sowie die CDAD-Fälle pro 100 Aufnahmen mit 0,13.

     

    Schlussfolgerung: Im Vergleich mit bisher veröffentlichten Daten zeigt sich ein deutlich höheres Niveau der Krankenhaus-assoziierten CDAD-Fälle in Deutschland. Im Vergleich zu Kanada liegen die Inzidenzdichten ähnlich, im Vergleich zu den Niederlanden höher. Die CDAD- Daten stellen durch die prospektive Erfassungsmethode eine erste Datenbasis der realen Inzidenz von CDAD in deutschen Krankenhäusern dar.

     

  • CDAD in der Neurologischen Frührehabilitation – Surveillance-Ergebnisse von 2003 bis 2007

    Frank Lauster*, Irene Grosch

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 357–360

    Hintergrund: Die Neurologische Frührehabilitation ist aufgrund der langen stationären Aufenthaltsdauern, der Häufigkeit bakterieller Infektionen und des hohen Antibiotikaeinsatzes besonders betroffen von nosokomialen Infektionen. Wir berichten über die Ergebnisse der CDAD-Surveillance an unserer Klinik seit 2003.

     

    Methode: Die CDAD-Fälle zwischen 2003 und 2007 wurden prospektiv erfasst. Diagnostik, Therapie und Prävention der CDAD sind klinikweit einheitlich geregelt. Die Diagnose CDAD galt als gesichert bei entsprechender klinischer Symptomatik und positivem Toxinnachweis aus dem Stuhl.

     

    Ergebnisse: Die CDAD-Inzidenzdichte in den Jahren von 2003 bis 2006 betrug 0,6; 1,1;1,1 und 1,8 pro 1.000 Patiententage. Das Risikoprofil war in etwa gleichbleibend hoch. Der Anteil der CDAD-Rezidive an der Gesamtzahl der Fälle betrug 66 %; 15 %; 7 % und 15 %. Die Verbesserung der CDAD-Nachweisdiagnostik im Mai 2007 (bei negativem Toxin Anlage einer Stuhlkultur auf C. difficile und ggf. Toxinnachweis aus der Kultur) führte zu einem Anstieg positiver Befunde um ca. 50 %. Die CDAD-Inzidenz an unserer Klinik hat sich von 2003 bis 2006 verdreifacht.

     

    Diskussion: Der Anstieg ist durch interne Faktoren nicht zu erklären, er belegt vielmehr den allgemeinen Eindruck einer landesweiten Zunahme von CDAD in den letzten Jahren durch objektive Daten. Die verminderte Rezidivhäufigkeit ist evtl. Folge einer Umstellung der Therapie von Metronidazol auf das nach unserer Erfahrung effektivere Vancomycin im Jahr 2004. Der kulturelle Nachweis von toxinproduzierenden C. difficile im Stuhl führte im Vergleich zum alleinigen Toxinnachweis zu einer überraschend deutlich höheren Rate positiver Befunde. Allerdings ist anzunehmen, dass damit in unserem Patientengut mit hoher Diarrhöprävalenz aus verschiedensten Gründen und vermutlich hoher enteraler Kolonisationsrate mit C. difficile auch vermehrt klinisch nicht relevante positive CDAD-Befunde auftreten.

     

     

     

Übersicht

  • Prävention der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) – Europäische Guidelines zur Erstellung von nationalen oder lokalen Empfehlungen

    Ralf-Peter Vonberg*, Petra Gastmeier

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 361–365

    Die Inzidenz der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) steigt, und bedingt durch besonders virulente Stämme steigt zudem die Häufigkeit schwerer klinischer Verläufe dieser Erkrankung.

    Aus diesem Grund hat sich das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) dazu entschieden, eine Evidenz-basierte Grundlage zur Erstellung von Empfehlungen für die Prävention von CDAD herauszugeben.

    Die hier vorgestellten Empfehlungen betreffen die zehn Themengebiete: Screening bei Diarrhö, Surveillance von Patienten mit CDAD, Fortbildung aller involvierten Personen, Isolierungsmaßnahmen für Patienten, adäquate Maßnahmen zur Händehygiene, Verwendung von Schutzkleidung, sporozide Flächendesinfektion, Umgang mit Medizinprodukten, Antibiotikatherapie und besondere Maßnahmen bei nosokomialen Ausbrüchen durch Clostridium (C.) difficile.

    Angesichts der großen Bedeutung von CDAD – klinisch wie auch ökonomisch – wird dringend angeraten, alle empfohlenen Hygienemaßnahmen konsequent umzusetzen. Aktuelle Hygienepläne sollten daher überprüft und ggf. an die hier vorgestellten Empfehlungen adaptiert werden.

     

     

  • Hygienemaßnahmen bei CDAD in Österreich

    Markus Hell*, Daniela Schmid

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 366–373

    Die hohe Umgebungskontamination von Patienten mit Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö (CDAD), die ausgeprägte Widerstandsfähigkeit des obligat anaeroben Sporenbildners Clostridium (C.) difficile gegenüber Austrocknung und konventionellen Flächen- und Händedesinfektionsmitteln sowie das epidemische Auftreten von hypervirulenten C. difficile-Stämmen erfordern verstärkte Hygienemaßnahmen im Krankenhaus. Basierend auf der Europäischen Leitlinie zur Prävention und Kontrolle von C. difficile-Erkrankungen hat Österreich die nationale Leitlinie „Prävention und Kontrolle von Clostridium difficile in Krankenhäusern und Einrichtungen der stationären Pflege“ erarbeitet, die folgende Punkte umfasst:

    1. Räumliche Isolierung und Transport von CDAD-Patienten innerhalb der Gesundheitseinrichtung oder zu anderen Gesundheitseinrichtungen

    2. Händehygiene

    3. Tragen von Schutzkleidung

    4. Reinigung und Desinfektion von Flächen

    5. Abfallentsorgung und Textilien

    6. Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Instrumenten

    7. Krankenhaus-basierte CDAD-Surveillance

    Die vorliegende Übersichtsarbeit erläutert die einzelnen Punkte der Leitlinie.

  • Glucosylierende Toxine von Clostridium difficile

    Torsten Giesemann, Klaus Aktories*

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 374–378

    Zunehmend schwere Krankheitsverläufe der Pseudomembranösen Kolitis und eine gesteigerte Virulenz von Clostridium (C.) difficile bei nosokomialen Infektionen haben zu großer Besorgnis geführt. Die Hauptpathogenitätsfaktoren von C. difficile sind die glucosylierenden Proteintoxine A und B. Kürzlich wurden neue Erkenntnisse über die Aufnahme und Prozessierung der Toxine bei der Pathogen-Wirt-Interaktion erhalten. In der vorliegenden Übersicht werden Struktur, Aufnahmemechanismen und intrazelluläre Wirkungen der Toxine dargestellt.

     

     

Aus der Praxis

  • Zum Stand der Meldungen schwer verlaufender Clostridium-difficile-Infektionen in Deutschland

    Niels Kleinkauf*, Tim Eckmanns

    Hyg Med 2008; 33 [9]: 379–381

    Die Inzidenz der Clostridium-difficile-Infektion hat in den letzten Jahren auch in Deutschland stark zugenommen. Eine neue Erregervariante, die in der Vergangenheit bereits in mehreren europäischen Ländern, sowie in Kanada und den U.S.A zu Ausbrüchen mit erhöhter Morbidität und Mortalität geführt hat, breitet sich zunehmend auch hierzulande aus. Um die epidemiologischen Veränderungen erfassen und verfolgen zu können, wurden in Deutschland kürzlich Kriterien für eine Meldepflicht gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 5 a IfSG für schwer verlaufende Clostridium-difficile-Infektionen eingeführt.

     

     

Referate

  • Verbreitung von Clostridium difficile: Welche Rolle spielt die Kontamination der Haut?