MHP

Hygiene & Medizin 10/2008

Aktuell

  • Vernetzter Kampf gegen Infektionskrankheiten

  • Grippe-Schutzimpfung

  • Zu viele tödliche Infektionen in deutschen Krankenhäusern

  • Atlas zu resistenten Krankheitserregern und Antibiotikaverbrauch für Deutschland erschienen

  • Vom Tier zum Menschen: Wie gefährlich sind Bakterien?

  • Berufsbekleidung für Lebensmittel verarbeitenden Betriebe

Übersicht

  • Prävention von postoperativen Wundinfektionen, Teil 1: Präoperative Maßnahmen – Einfluss der Haarentfernung

    Axel Kramer*, Ojan Assadian, Bernd Gruber, Jürgen Lademann

    Hyg Med 2008; 33 [10]: 402–407

    Hintergrund: Zum Teil wird die präoperative Haar-entfernung noch routinemäßig, überwiegend jedoch nur bei operationstechnischer Notwendigkeit durchgeführt. Falls die Entscheidung zur Haarentfernung getroffen wird, sind Technik und Zeitpunkt der präoperativen Haarentfernung bzw. ihr Verzicht von Einfluss auf die Entstehung postoperativer Wundinfektionen. Deshalb wurden auf der Grundlage des Schrifttums die Vorteile und Risiken der verschiedenen Möglichkeiten der Haarentfernung analysiert und Empfehlungen zur präoperativen Haarentfernung abgeleitet.

     

    Methoden: Die Literaturrecherche wurde für den Zeitraum 1960 bis 2008 in den Datenbanken Medline, Web of Science, the Clinical trails register of the U.S. National Library of Medicine (www.Clinicaltrails.gov) und Google Scholar durchgeführt.

     

    Ergebnisse: Es ergab sich keine strenge Evidenz für oder gegen die präoperative Haarentfernung. Daher sollte die Indikation vom Chirurgen allein unter dem Gesichtspunkt der operationstechnischen Notwendigkeit gestellt werden. Hingegen besteht strenge Evidenz zum Zeitpunkt und zur Technik der Haarentfernung. Wird diese direkt vor dem Eingriff vorgenommen, ist das Infektionsrisiko am niedrigsten. Drei Methoden der Haarentfernung bzw. Kürzung konnten im Schrifttum identifiziert werden – die Rasur, das Clippen, und die Depilation mittels Enthaarungscreme. Anstelle von Rasur (trocken oder nass) ist elektrisches Clipping wegen des geringeren Infektionsrisikos und der geringeren Hautbelastung zu bevorzugen. Im Unterschied dazu ist die Evidenz für Enthaarungscreme anstelle Rasur geringer. Als zusätzliche Einschränkungen sind für die Depilation das Risiko für Unverträglichkeiten und der hohe Zeitbedarf zur Durchführung zu berücksichtigen. Bei selektierten Patienten bietet allerdings der Einsatz von Enthaarungscremes die Möglichkeit der Anwendung durch den Patienten selber an, wodurch eine Sicherung der Intimsphäre gegeben ist. Die höchste Evidenz für eine infektionsarme Haarbehandlung liegt für das Clippen vor.

     

    Diskussion: In Übereinstimmung zur aktuellen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (2007) wird die Empfehlung begründet, dass die präoperative Haarentfernung nur bei operationstechnischer Notwendigkeit und in diesem Fall unmittelbar präoperativ durchzuführen ist. Als Technik für die Enthaarung ist das elektrische Clipping die Methode der Wahl. Die im Vergleich zur Rasur höheren Kosten für das Clipping werden durch die geringere Rate postoperativer Wundinfektionen kompensiert.

Aus der Praxis

  • Erfahrungsbericht über die Prüfmethode zur Messung der Widerstandsfähigkeit gegen Keimdurchtritt im feuchten Zustand nach DIN EN ISO 22610

    Stefan Kokalj*, Manuel Heintz, Sebastian Herbst, Sebastian Jacobi, Guido Kagemann, Markus Wehrl, Lutz Vossebein

    Hyg Med 2008; 33 [10]: 408–411

    Beim Prüfverfahren für die Widerstandsfähigkeit gegen Keimdurchtritt im feuchten Zustand nach DIN EN ISO 22610 handelt es sich um ein wichtiges Verfahren zur Beurteilung der Barrierewirkung von Operationsabdecktüchern und -mänteln, das im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur Verwendung als Medizinprodukte eingesetzt wird.

    Die Untersuchung wird mit Hilfe eines Prüfgeräts durchgeführt, bei dem ein Metallfinger die auf einer Folie aufgebrachten Staphylococcus-aureus-Keime auf einer Materialprobe verreibt. Durchgeriebene Keime werden von mit Nährmedium gefüllten Petrischalen aufgenommen und nach Inkubation als koloniebildende Einheit (KBE) erfasst. Die Methode ist in den letzten Jahren auf Grund der Vielzahl technischer Probleme in die Kritik geraten, die Fragen bezüglich der Standardisierbarkeit der Prüfbedingungen aufgeworfen haben. Eine besondere Schwierigkeit stellt die Prüfung von besonders dichten Materialien dar, da die geforderte Messgenauigkeit unter den beschriebenen Randbedingungen nicht erreichbar ist. Da ein einziger Keim die Nichteinhaltung des geforderten Grenzwerts bedeuten kann, wird die Prüfung solcher Materialien in der Praxis z. B. durch Verbesserung der vorgeschriebenen Luftqualität erreicht.

    Andere Lösungsansätze sind ebenfalls denkbar, jedoch stellt der erhöhte Aufwand bei der Prüfung von besonders dichten Materialien insgesamt eine Benachteiligung von Herstellern hochwertiger Materialien dar. Da es sich bei der Prüfnorm hinsichtlich EN 13795-3 um ein Ausschlusskriterium bei der Zulassung von Medizinprodukten handelt, empfehlen die Autoren weitere Untersuchungen der Problematik des Prüfverfahrens nach DIN EN ISO 22610 und eine Verbesserung der Prüfmethode, um den Keimdichtigkeitsindex (IB) von besonders keimdichtem Material genau bestimmen zu können.

  • Entwicklung eines Web-basierten Learning Tools zur Prävention und Bekämpfung von MRSA

    Fenne Verhoeven*, Julia E.W.C. van Gemert-Pijnen, Inka Daniels-Haardt, Alexander W. Friedrich, Ron M.G. Hendrix

    Hyg Med 2008; 33 [10]: 412–416

    Hintergrund: Wichtigstes Instrument für die erfolgreiche Implementierung von Präventionsstrategien und Kontrollmaßnahmen gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind anwendungs- und zielgruppenorientierte Hygienepläne. Während herkömmliche Empfehlungen vor allem Informationen zur Infektionsprävention und -bekämpfung wiedergeben, braucht das Personal vor allem praktische Hinweise für die speziellen klinischen Situationen. Auch Patienten mit einer bakteriellen Infektion haben oft spezielle Fragen. Wegen des Bedarfs benutzerspezifischer Informationen zu MRSA ist durch die Universität Twente (Enschede, Niederlanden) ein sog. Web-basiertes Learning Tool für Gesundheitspersonal und die Öffentlichkeit entwickelt worden.

     

    Methode: Um Inhalts- und Form-Tools auf die Wünsche und Bedürfnisse der Anwendergruppen abzustimmen, wurde eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt. Aktuelle Hygienepläne aus Krankenhäusern wurden auf ihre Akzeptanz, Praktikabilität und Umsetzbarkeit überprüft. Dies erfolgte anhand von standardisierten Anwendertests und Fragebogen-Interviews bei den Anwendergruppen (Patienten, Ärzte, Pflegende, Reinigungskräfte) in den Niederlanden und in Deutschland.

     

    Ergebnisse: Die Information in den getesteten Plänen war entweder zu schwierig, nicht komplett oder einfach nicht zu finden. Aus den Tests resultierten fast 400 praktische Fragen zu MRSA, die durch die bekannten Hygienepläne und Richtlinien nicht konkret beantwortet werden konnten. Die Anwendergruppen bevorzugten eine Website, auf der sie gezielt nach ihren praktischen Fragen suchen konnten. Basierend auf dem so genannten „Kartensortierverfahren“ ist eine Menüstruktur für das Web-basierte Tool entwickelt worden. Anhand von Interviews mit Anwendern wurde ein Layout für das Portal festgelegt. Anschließend wurde ein Prototyp entwickelt, wobei die jeweiligen nationalen MRSA-Richtlinien (RKI/WIP) die inhaltliche Grundlage bilden. Der Prototyp wurde ebenfalls mittels Anwendertests evaluiert.

     

    Schlussfolgerung: Es hat sich herausgestellt, dass die Informationen auf dem Web-basierten MRSA- Portal akzeptabler, praktikaber und anwendungsorientierter sind als bestehende Hygienepläne. Seit dem 19. Februar 2008 ist dieses Web-basierte Learning Tool in deutscher und niederländischer Sprache online verfügbar (www.mrsa-net.nl/de).

  • Kosten-Nutzen-Analyse für den Einsatz von Einweg- versus Mehrwegtüchern für die Flächendesinfektion

    Reiner Kranabetter*, Michael Leier, Markus Ziegler

    Hyg Med 2008; 33 [10]: 417–421

    Hintergrund: Krankenhäuser sind einem zunehmenden Kostendruck ausgesetzt, wobei die Intensivstation die leistungs- und kostenintensivste Einheit darstellt. Durch eine Prozess- und Ablaufoptimierung sowie Präventionsmaßnahmen können Einsparpotenziale weiter ausgeschöpft werden. Durch eine Kosten-Nutzen-Analyse sollte untersucht werden, ob die Umstellung von Mehrweg- auf Einwegtücher auf der Intensivstation zu einer Einsparung von Sach- und Personalkosten führt.

     

    Methode: Ab August 2007 wurde auf der Intensivstation des Klinikums Nürnberg ein Systemwechsel von Mehrweg- zu Einwegtüchern vorgenommen und der Tagesablauf für das Hausservicepersonal optimiert. Es wurden jeweils Material- und Aufbereitungskosten, Personal- sowie Entsorgungskosten ermittelt.

     

    Ergebnisse: Für die Einwegtücher konnten Material- und Aufbereitungskosten von 1,76 e, Personalkosten von 0,23 e und Entsorgungskosten von 0,15 e ermittelt werden, wodurch sich Gesamtkosten von 2,14 e pro Tag pro Zimmer ergeben. Die Kosten für die Verwendung von Einwegtüchern auf der gesamten Intensivstation können mit ca. 9.400 e pro Jahr angegeben werden. Für die Mehrwegtücher konnten Material- und Aufbereitungskosten von 0,51 e, Personalkosten von 2,34 e und Entsorgungskosten von 0,02 e ermittelt werden, wodurch sich Gesamtkosten von 2,87 e pro Tag pro Zimmer ergeben. Die Kosten für die Verwendung von Mehrwegtüchern auf der gesamten Intensivstation können mit ca. 12.600 e pro Jahr angegeben werden.

     

    Schlussfolgerung: Durch die Verwendung von Einwegtüchern kann nicht nur eine Effizienzsteigerung, sondern auch eine deutliche Kostenreduzierung erzielt werden. Gleichzeitig wird für die Patienten eine hohe Sicherheit gewährleistet und den Qualitätsanforderungen des Robert Koch-Instituts entsprochen. Die Untersuchung zeigt, dass sich eine Kostenoptimierung und ein hoher Qualitätsstandard durchaus miteinander vereinbaren lassen.

VAH

  • Fragen & Antworten: Konzentration von Flächendesinfektionsmitteln
  • Gemeinsame Stellungnahme von DVV, RKI und VAH: Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegenüber Viren – Bedeutung der Zertifizierung und Listung entsprechend geeigneter Präparate

Blickpunkt

  • Kontrolle der Weiterverbreitung von MRSA – Personal im Gesundheitsdienst als Carrier

Referate

  • Zitronensäurehaltiges Wundgel eliminiert resistente Erreger aus chronischen Wunden

Veranstaltungen

  • 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in Dresden