MHP

Hygiene & Medizin 1&2/2008

Aktuell

  • Mehr als der Glaube: Probiotika wirken
  • Resistenz gegen den Wirkstoff Oseltamivir bei Influenza-A/H1N1-Viren

     

  • Schutzimpfung gegen Rotavirus vermeidet Krankenhausaufenthalt von Kindern

  • Die „erste“ Grippe-Pandemie: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen anno 1580

  • Mehr Sicherheit für Patienten mit schwerer Blutvergiftung

     

  • Saubere Krankenhausabwässer

  • Mersch-Sundermann wird Nachfolger von Daschner

  • Fresszellen schützen vor Prionen-Infektion

Originalia

  • Das Recall-Screening zur MRSA-Prävention – ein innovativer Ansatz aus den Niederlanden

    J. H. T. Wagenvoort*, E. I. G. B. De Brauwer, H. J. M. Toenbreker, A. M. H. Schopen, J. M. H. Gronenschild

    Hyg Med 2008; 33 [1/2]: 10–15.

    Hintergrund: Durch die erfolgreiche Search & Destroy-Strategie gegen die Ausbreitung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) ist die MRSA-Prävalenz in den Niederlanden mit unter 1 % weiterhin sehr niedrig. Dennoch kommt es infolge von MRSA-Trägern, die durch das Screening-Raster fallen und unerkannt bleiben, immer wieder zu MRSA-Ausbrüchen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, weitere innovative MRSA-Screeningstrategien zu entwickeln und zu testen, inwieweit sie dafür geeignet sind, bislang unerkannte MRSA-Träger effizient aufzuspüren.

     

    Methoden: Im Zeitraum von 2001 bis 2005 wurden am Atrium Medisch Centrum in Parkstadt Limburg (Niederlande) drei verschiedene Screeningmethoden implementiert. Strategie 1: Ausfüllen eines Fragebogens zu einem vorangegangenen Krankenhausaufenthalt im Ausland, Strategie 2: Aufnahmescreening auf den Intensivstationen und Strategie 3: Nachuntersuchungen in Form eines sogenannten Recall-Screenings.

     

    Ergebnisse: Mit Hilfe des Fragebogens konnten insgesamt 227 Patienten identifiziert werden, die aus ausländischen Krankenhäusern überwiesen worden waren, darunter acht MRSA-Träger. Von den etwa 7.000 Patienten, die bei der Aufnahme auf die Intensivstation gescreent wurden, waren 15 Patienten (0,21 %) MRSA-positiv. Die jeweiligen MRSA-Stämme standen jedoch in keinem Zusammenhang mit einem MRSA-Ausbruch. Im Rahmen des Recall-Screenings konnten unter den 1.781 Patienten 37 weitere mit den jeweiligen Ausbruchsstämmen besiedelte MRSA-Träger erfasst werden, sowie sieben MRSA-Stämme, die nichts mit den Ausbrüchen zu tun hatten.

     

    Diskussion: Hinsichtlich der Anzahl neu entdeckter MRSA-Träger schnitt unter den drei verschiedenen Strategien das Recall-Screening am besten ab. Es erweist sich als wichtiges Werkzeug, um bislang unerkannte MRSA-Träger zu identifizieren, die – da sie nicht zu den üblichen Risikopatienten gehören – ansonsten möglicherweise unentdeckt geblieben und bei Wiederaufnahme in das Krankenhaus zu MRSA-Ausbrüchen geführt hätten.

     

     

Übersicht

  • Nahrungsmittelrestriktionen zur Infektionsprävention bei Kindern mit Krebserkrankung: Was ist gesichert und was ist sinnvoll?

    Irene Schmid*, Michael H. Albert, Daniel Stachel, Arne Simon

    Hyg Med 2008; 33 [1/2]: 16–24

    Kinder und Jugendliche haben aufgrund der ausgeprägten Immunsuppression nach intensiver Chemotherapie oder nach Stammzelltransplantation ein erhöhtes Risiko für systemische, potentiell lebensbedrohliche Infektionen. Diese Übersicht geht der Frage nach, inwiefern Restriktionen in Bezug auf Nahrungsmittel zu einer signifikanten Reduktion des Infektionsrisikos führen und welche sinnvollen Empfehlungen zu diesem Bereich gegeben werden können.

     

    Da bislang nur sehr wenige, teils inkonsistente Studien publiziert wurden, muss primär auf die konsequente Beachtung allgemeiner Regeln der Nahrungsmittelsicherheit (food safety) verwiesen werden. Des Weiteren sollen Patienten mit jeglicher Immunsuppression bestimmte Nahrungsmittel meiden: 1. Fleisch (besonders Geflügel), Fisch, Meeresfrüchte und Eier, die nicht ausreichend erhitzt wurden sowie Lebensmittel, die solche Komponenten enthalten; 2. nicht pasteurisierte Rohmilch und alle Rohmilchprodukte, 3. Salat aus Salatbars in Restaurants, 4. Leitungswasser und Eis, das aus Leitungswasser zubereitet wurde (kommerzielles, in Flaschen abgefülltes Trinkwasser und 0,2 µm sterilfiltriertes Wasser sind zu empfehlen) und 5. nicht autoklavierte getrocknete Kräuter und Pfeffer (sollten den Lebensmitteln immer vor dem Erhitzen zugesetzt werden). Sterile (geschälte) Nüsse sind unbedenklich, sollten aber sofort konsumiert werden; sachgerecht gewaschenes und ggf. geschältes Obst und Gemüse dürfen ebenfalls ohne Einschränkung verzehrt werden.

     

    Durch die Beachtung einiger Grundregeln der Nahrungsmittelsicherheit kann möglicherweise das Risiko von Infektionen, die durch Nahrungsmittel übertragen werden, minimiert und das Spektrum der „erlaubten“ Nahrungsmittel deutlich erweitert werden. Dies wird sich günstig auf die Versorgungs- und die Lebensqualität von Kindern mit Krebserkrankungen auswirken.

     

     

Empfehlung

  • Consensus-Empfehlung Baden-Württemberg: Umgang mit MRSA-positivem Personal

    Heike von Baum*, Markus Dettenkofer, Michael Föll, Peter Heeg, Susanne Sernetz, Constanze Wendt

    Hyg Med 2008; 33 [1/2]: 25–29

    Jede Besiedelung oder Infektion eines Mitarbeiters des medizinischen Personals mit MRSA stellt eine Herausforderung dar. Deshalb sollten die Abläufe für diese Situation von jedem Krankenhaus festgelegt sein. Die vorliegende Consensus-Empfehlung bietet Hintergrundinformationen und konkrete Vorschläge zu Screening, Sanierung, Beratung und Umgang mit MRSA positivem Personal.

     

Blickpunkt

  • Die Aktion Saubere Hände – keine Chance den Krankenhausinfektionen

DGKH

  • Zum Gedenken an Herrn Dr. med. Paul Kober

VAH

  • Ergebnisse des Erfahrungsaustausches zur Begutachtung von chemischen Desinfektionsmitteln

Referate

  • Direkte Beobachtung führt zu verbesserter Compliance in der Händehygiene: Der „Hawthorne“-Effekt

Veranstaltungen

  • Prävention von nosokomialen Diarrhoen – Workshop der Fachgruppe Krankenhaushygiene der DGHM