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Hygiene & Medizin 5/2008

Aktuell

  • Hepatitis C: Interferon-Wirkung in den Leberzellen bestimmt den Therapieerfolg

  • Endokarditis-Schutz mit Antibiotika

     

  • HIV-Neudiagnosen sind weiter gestiegen
  • Assadian und Simon in den Herausgeberbeirat von Hygiene & Medizin berufen

     

  • Tropische Infektionserkrankungen nehmen in Südeuropa zu

Originalia

  • Unverträglichkeit von Lavasept® bei Peritoneallavage am Modell der experimentell induzierten Peritonitis beim Meerschweinchen

    Axel Berg, Ojan Assadian, Peter Rudolph, Ralf G. Mundkowski, Jan Janda, Axel Kramer*

    Hyg Med 2008; 33 [5]: 189–193

    Hintergrund: Die diffuse Peritonitis ist trotz Weiterentwicklung der Antibiose, optimierter OP-Techniken, differenzierter Indikationsstellungen zur Laparotomie und vervollkommneter postoperativer Intensivüberwachung und -therapie nach wie vor ein bedrohliches Krankheitsbild mit hoher Letalität. Um die Nebenwirkungen der systemischen Antibiose zu verringern, ist die gleichzeitige antiseptische Peritoneallavage wünschenswert. Hierfür steht aktuell nur Taurolin zur Verfügung, das durch den Nachteil des langsamen Wirkungseintritts gekennzeichnet ist. Da für den antiseptischen Wirkstoff Polihexanid eine Verträglichkeit selbst für Verbrennungs- und chronische Wunden mit gestörter Wundheilung nachgewiesen wurde, sollte seine Eignung zur Peritoneallavage tierexperimentell untersucht werden.

     

    Methoden: Beim Meerschweinchen wurde nach Anlage zweier Braunülen® (interenterisch und im Douglas-Raum) eine Peritonitis durch vorausgehende Applikation von Salzsäure (pH 2), gefolgt von der Applikation einer Suspension von E. coli ATCC 11229 (1,63109 KBE/ml) nach 4 h induziert. Die Lavage wurde mit 0,05 % Lavasept® (0,0025 % Polihexanid + Macrogolum) 6 h nach Azidierung begonnen und über 5 d durchgeführt. Tarivid® wurde ebenfalls für 5 d 23/d in einer Dosis von 1,5 mg i.m. verabreicht. Hauptbewertungskriterium war die Überlebensrate innerhalb von 11 d. Auf Grund der Unverträglichkeit von 0,05 % Lavasept® wurden in einem Nachversuch zwei weitere Gruppen für ebenfalls 5 d mit halbierter Lavasept®-Konzentration ohne bzw. mit experimenteller Infektion behandelt.

    Hauptbewertungskriterium war wiederum die Überlebensrate innerhalb von 11 d. Jeweils vier Tiere beider Gruppen wurden über 21 d beobachtet. In allen sechs Gruppen wurden während der Versuche verendete Tiere unmittelbar eröffnet und in gleicher Weise wie am Versuchende Abstriche des Bauchhöhlenexsudats, Proben vom Peritoneum parietale mit subseröser Bauchwandmuskulatur, Organproben vom Omentum maius und der Leber mikrobiologisch bzw. histologisch nach HE-Färbung ausgewertet.

    In der Gruppe mit Tarivid®-Behandlung wurden zusätzlich Exsudat, Peritonealgewebe und Herzblut zur Messung der Tarivid®-Wirkstoffspiegel entnommen. Die Ofloxacin-

    konzentration wurde mittels High Performance Liquid Chromatography (HPLC) vorgenommen.

     

    Ergebnisse: Im Hauptversuch verstarben nach Peritonitisinduktion ohne Therapie 3/16 Versuchstiere. Bei Spülung mit Ringer® und systemischer Antibiotikagabe überlebten alle Versuchstiere (0/18).

    Für Ofloxacin wurden folgende Wirkspiegel ermittelt: Peritonealgewebe 0,245 mg/kg, Serum 0,137 mg/l und Bauchhöhlenexsudat 0,166 mg/l. Bei Spülung mit 0,05 % Lavasept® verstarben 15/18 bzw. 16/18 Tiere, wobei sich bei Peritonitisinduktion der Zeitpunkt der Sterblichkeit bereits in die Therapiephase vorverlagerte.

    Bei Verabreichung von 0,0025 % Lavasept® verstarb nach Peritonitisinduktion 1/14 Tieren, ohne Peritonitisinduktion dagegen kein Tier (0/14).

    Nach Gabe von 0,05 % Lavasept® waren die serösen Häute von mattweißlichen Belägen überzogen, die die Darmperistaltik stark einschränkten oder aufhoben.

    Histologisch bot das Peritoneum eine serofibrinöse Entzündung mit regressiven Alterationen der subserösen Bauchwandmuskulatur mit Nekrosen und Verkalkungen. Die Lebern zeigten eine diffuse Hyperämie und Steatosis hepatis.

    Die für die Nachbeobachtung im Nachversuch ausgewählten Tiere zeigten analoge Befunde wie die unmittelbar nach 5tägiger Lavasept®-Lavage untersuchten Tiere dieser Gruppen, d. h. abgeheilte Unterbauchperitonitis mit Fibrinverklebungen mit sonst unauffälligen Organen, glänzender Serosa und sonst unauffälligem Organstatus. Es war – wenn auch verzögert – überall Peristaltik sichtbar. Das Darmkonvolut wirkte „trocken“, war aber nicht fixiert. Die Leber wies einmal eine geringe Belagbildung auf. Viermal bestand geringe Steatose. Bei den vier bis 21d nachbeobachteten Tieren war eine erhöhte intraperitoneale Exsudatmenge mit blutiger Tinktion auffällig.

     

    Diskussion: In den geprüften Konzentrationen von 0,05 und 0,025 % kommt Lavasept® wegen lokaler Unverträglichkeit nicht zur Peritonitisspülbehandlung in Betracht. Da das Versuchsmodell die antiseptische peritoneale Spülbehandlung jedoch nur unvollkommen ermöglichte, sollte in weiteren Untersuchungen in einem praxisrelevanten Versuchsmodell (Schwein) die Schwelle der mesothelialen Unverträglichkeit von Lavasept® durch schrittweise Senkung der Konzentration im Bereich mikrobiozid wirksamer Konzentrationen ermittelt werden.

     

     

  • Wirksamkeit sporizid ausgelobter Flächen- und Instrumentendesinfektionsmittel gegenüber Sporen von Clostridium difficile Ribotyp 027

    Stefanie Büttgen*, Jürgen Gebel, Friedrich von Rheinbaben, Britt Hornei, Steffen Engelhart, Martin Exner

    Hyg Med 2008; 33 [5]: 194–200

    Hintergrund: Vor dem Hintergrund der steigenden Inzidenz hypervirulenter Clostridium-difficile-Stämme und dem damit einhergehenden Bedarf an effektiven Desinfektionsmaßnahmen wurde die Wirksamkeit sporizid deklarierter Flächen- und Instrumentendesinfektionsmittel gegenüber Sporen des Ribotyps 027 überprüft.

     

    Methoden: Insgesamt wurden drei sporizid deklarierte Instrumentendesinfektionsmittel und 11 Flächendesinfektionsmittel, die auf unterschiedlichen Wirkstoffen basierten, untersucht. Von den 11 überprüften Flächendesinfektionsmitteln waren acht Produkte als sporizid deklariert. Neben der Wirksamkeitsprüfung der Desinfektionsmittel erfolgte ein Sensitivitätsvergleich zwischen Clostridium difficile Ribotyp 027 (R027) und dem Laborstamm ATCC 9689.

     

    Ergebnisse: In dieser vergleichenden Untersuchung stellte sich der Ribotyp 027 gegenüber Glutaraldehyd und Peressigsäure deutlich widerstandsfähiger als der Laborstamm dar. Die Wirksamkeitsprüfung der Flächen- und Instrumentendesinfektionsmittel ergab folgende Resultate: Alle drei sporizid deklarierten Instrumentendesinfektionsmittel konnten als sporizid wirksam gegenüber Clostridium difficile Ribotyp 027 bestätigt werden. Unter den 11 Flächendesinfektionsmitteln konnten vier von acht sporizid deklarierten Desinfektionsmitteln nach dem 4-Felder-Test als wirksam bestätigt werden. Vier der acht deklarierten Desinfektionsmittel zeigten keine ausreichende Wirksamkeit gegenüber Sporen des Ribotyps 027. Die 3 nicht sporizid angebotenen Desinfektionsmittel zeigten ebenfalls keine ausreichende Wirksamkeit unter praxisnahen Bedingungen.

     

    Schlussfolgerung: Eine unabhängige Überprüfung sporizider Desinfektionsmittel ist auf Grund dieser Erkenntnisse dringend zu empfehlen.

     

Übersicht

  • Das murine Norovirus – ein neues Surrogatvirus für die humanen Noroviren?

    Jochen Steinmann*, Britta Becker, Birte Bischoff, Dajana Paulmann, Jörg Steinmann, Eike Steinmann

    Hyg Med 2008; 33 [5]: 184–188

    In der Vergangenheit konnten Infektiositätstests zur Inaktivierung der humanen Noroviren (NoV) durch chemische Desinfektionsmittel nicht unmittelbar vorgenommen werden, da die Vermehrung der Noroviren in der Zellkultur nicht möglich war. Als Surrogatvirus diente bislang überwiegend das feline Calicivirus (FCV). Kürzlich ist die Anzucht des murinen Norovirus (MNV) in dendritischen Zellen und einer Makrophagenzelllinie als bislang einzigem Vertreter der Gattung Norovirus gelungen. Es besteht somit jetzt die Möglichkeit, neben anderen wichtigen wissenschaftlichen Fragestellungen wie z. B. zur Pathogenese der Norovirus-Infektion, erstmalig auch das Inaktivierungsverhalten eines Norovirus im Zellkultursystem zu untersuchen. Auf diese Weise könnte das MNV in Zukunft anstelle des FCV als Surrogat für die humanpathogenen NoV bei den Viruzidie-Prüfungen von chemischen Desinfektionsmitteln dienen. Das bisher eingesetzte FCV gehört nicht zur Gattung der Noroviren, sondern zur Gattung der Vesiviren und ist damit phylogenetisch nicht so eng mit dem humanen NoV verwandt wie das MNV. Die Verwendung von MNV als Surrogatvirus bei der Viruzidie-Prüfung könnte somit unsere bisher gemachten Aussagen zur Inaktivierung der humanen Noroviren durch chemische Desinfektionsmittel entscheidend präzisieren, wenn entsprechende Daten mit dem MNV in quantitativen Suspensionsversuchen und praxisnahen Testungen vorliegen.

     

DGKH

  • Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen

Blickpunkt

  • Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, Krankenhaushygieniker, Mikrobiologe oder doch „nur“ HFK?

Referate

  • Reduktion von MRSA-Raten durch Hygieneprogramme: Auch in Deutschland sind Erfolge möglich

Veranstaltungen

  • 9. Internationaler Kongress der DGKH

    – In drei Tagen durch die Welt der Hygiene

    – Ehrungen

    – Forschungsarbeiten zu MRSA mit Semmelweis-Preis 2008 ausgezeichnet