MHP

Hygiene & Medizin 4/2008

Aktuell

  • Impfschutz in Deutschland besser, aber noch nicht gut genug
  • Versäumnisse der Politik zu Lasten der Patienten
  • Tuberkulose breitet sich wieder aus

Originalia

  • Bekleidungsimprägnierung mit Akariziden: Effektive und anwendersichere Methode zur Prävention vor Zeckenbefall und zeckenübertragenen Infektionserkrankungen

    Michael K. Faulde*, Klaus G. Mross

    Hyg Med 2008; 33 [4]: 135–141

    Hintergrund: Schildzecken, allen voran der Gemeine Holzbock, Ixodes (I.) ricinus, übertragen in Mitteleuropa mit über 60 % die meisten der endemischen Vektor-übertragenen Infektionskrankheiten. Von diesen ist die Lyme-Borreliose mit jährlich bis zu 100.000 postulierten Fällen in Deutschland, und mehreren 100.000 Fällen in Europa, weitaus am häufigsten. Studien zur Quantifizierung des Befallsdrucks mit

    I. ricinus sowie des Infektionsdrucks mit Borrelia (B.) burgdorferi sensu lato (s.l.)-infizierten Zecken pro Person und Zeiteinheit / Wegstrecke unter Feldbedingungen fehlten bislang. Von den Zecken-übertragenen Erkrankungen ist lediglich die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfpräventabel. Daraus folgt, dass den individuellen Protektionsmaßnahmen gegen Zeckenbefall und nachfolgendem Zeckenstich eine besonders hohe Bedeutung bei der Prävention zukommt. Verfügbare individuelle Schutzmaßnahmen basieren hauptsächlich auf der Anwendung verschiedener, kommerziell verfügbarer Hautrepellenzien in Kombination mit dem Tragen im Beinbereich dicht abschließender, langer, heller Bekleidung und Absammeln am Körper befindlicher Zecken. Um der besonders hohen Gefährdung durch am Körper herumwandernde Zecken zu begegnen, kann Bekleidung mit akarizid wirksamen Bioziden imprägniert werden. Studien zum Nachweis der protektiven Wirksamkeit, vor allem unter Feldbedingungen, stehen gegen den mitteleuropäischen Hauptvektor, I. ricinus allerdings noch aus.

     

    Methode: Um die Anwendung von Bekleidungsbioziden möglichst anwenderfreundlich und -sicher zu gestalten, wurde kürzlich eine werkseitige Polymerbeschichtung mit Permethrin entwickelt, um bei simultaner Erhöhung der Wirksamkeit und Residual-aktivität mögliche humantoxische Nebenwirkungen zu eliminieren, wie sie insbesondere bei unsachgemäßem Umgang mit Mittelkonzentraten bei der Sprüh- und Tauchimprägnierung auftreten können.

     

    Ergebnisse: Felduntersuchungen in dem häufig frequentierten Naherholungsgebiet Kühkopf bei Koblenz belegten eine durchschnittliche Befallsrate von 1,8 ± 1,3 Zecken sowie eine quantitative Exposition von 0,25 B. burgdorferi s.l.-infizierten I. ricinus-Zecken pro Person pro 100 m Migrationsstrecke im untersuchten Zeckenhabitat. Dabei war die Prävalenz der Lyme-Borreliose bei adulten Zeckenweibchen mit 56 % am Menschen signifikant höher (p < 0,023), als bei Zeckensammeln durch Abflaggen (25 %). Abgeleitet von diesen neuen Erkenntnissen lassen sich die durch Abflaggen festgestellten Zeckenpopulationsdichten und Borrelienprävalenzen nicht direkt auf die tatsächliche Exposition am Menschen übertragen. Die Protektionsrate der werkseitig Permethrin-imprägnierten Bekleidung gegen Zeckenbefall betrug 95,5 %.

     

    Schlussfolgerung: Die akarizide Bekleidungsimprägnierung stellt eine einfache, sichere und hervorragend wirksame Methode zur Prävention von Zeckenbefall und Zecken-übertragenen Erkrankungen dar.

     

Übersicht

  • Mikrobiologische Anforderungen an Flächen-, Instrumenten- und Wäschedesinfektionsmittel – eine Übersicht

    Jürgen Gebel*, Anette Kirsch-Altena, Stefanie Büttgen, Martin Exner

    Hyg Med 2008; 33 [4]: 142–152

    Die mikrobiologischen Anforderungen an Desinfektionsmittel für die Flächen-, Instrumenten- und Wäschedesinfektion werden durch die Anwendungsgebiete bestimmt. Sie umfassen in jedem Fall einen Wirksamkeitsnachweis gegen Bakterien sowie evtl. zusätzlich gegen bakterielle Sporen, Mykobakterien, Spross- und Schimmelpilze sowie Viren. Die standardisierte Wirksamkeitstestung von Desinfektionsmitteln sorgt hier für ein höchstmögliches Maß an Sicherheit für die Anwender, indem sie das Wirkungsspektrum der Präparate angepasst an die Anwendungsgebiete berücksichtigt und Praxisbedingungen (z. B. Einbettung der Mikroorganismen in Blut, Sputum, etc.) so gut als möglich darstellt. Die aktuell gültigen mikrobiologischen Anforderungen an Desinfektionsmittel und deren Listung durch die Fachgesellschaften für den deutschsprachigen Raum sowie auf europäischer Ebene (CEN-Normen) werden in diesem Übersichtsartikel zusammengestellt.

     

     

  • Clostridium difficile – was ist für eine effektive Desinfektion zu beachten?

    Günter Kampf*

    Hyg Med 2008; 33 [4]: 153–159

    Die vegetative Clostridium (C.) difficile Zelle hat in der unbelebten Umgebung nur eine kurze Überlebensdauer und kann die Magensäure normalerweise nicht überleben. Deshalb spielt sie nur bei Patienten mit atrophischer Gastritis oder unter Behandlung mit Protonenpumpenhemmer bzw. H2-Antagonisten eine Rolle für die Übertragung von Infektionen. Die C. difficile Spore hingegen kann auf unbelebten Flächen bis zu 5 Monate überleben, die Magensäure selbst bei einem pH-Wert von 1 überdauern und im Dünndarm größtenteils innerhalb von 1 Stunde germinieren. Die Hände sind selten mit C. difficile kontaminiert. Bei Verdacht auf Kontamination der Hände sollten diese zur Abtötung der vegetativen C. difficile Zelle erst desinfiziert und anschließend kurz und gründlich gewaschen werden, um die Sporenzahl größtmöglich zu reduzieren. Unbelebte Flächen sind bis zu 30 % mit C. difficile kontaminiert und können so ein Reservoir für neue Infektionen darstellen. Die höchsten Kontaminationsraten wurden in der Umgebung von Patienten mit Durchfall gefunden, und dann insbesondere in der Umgebung der Toilette bzw. an Steckbecken. Die sporizide Flächendesinfektion hat in der Mehrzahl der Studien eine signifikante Reduktion der C. difficile Neuerkrankungsrate zur Folge gehabt. Neben dem Tragen von Schutzhandschuhen scheint die sporizide Flächendesinfektion im Ausbruchsfall das größte Potential zur Prävention zu haben.

     

     

Aus der Praxis

  • Multiresistente Erreger und Haustiere – Fallgeschichte und Literaturübersicht

    Andreas Schwarzkopf*, Irene Drubel

    Hyg Med 2008; 33 [4]: 160–162.

    Die zunehmende Haustierhaltung und der Einsatz von Haus- und Nutztieren in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes schaffen ein neues Reservoir und neue Übertragungswege für multiresistente Erreger. Insbesondere MRSA können Haus- und Nutztiere besiedeln und von da aus Menschen kolonisieren und infizieren. Durch Rekontamination beim Haustierkontakt können Sanierungen scheitern. Anhand eines Fallbeispiels werden die Probleme der Haustiersanierung angesprochen und Hygienehinweise für die tiergestützte Aktivität und Therapie gegeben.

     

     

VAH

  • – Gebührenerhöhung zur Unterstützung der DIN-Aktivitäten

    – Berichtigung zur Desinfektionsmittel-Liste des VAH mit Stand 1. Januar 2008

Blickpunkt

  • MRSA: Sekundäre Linezolidresistenz bei einem Patienten mit Beatmungspneumonie

Referate

  • Kürzere Antibiotikatherapie bei Pneumonie führt zur Kostensenkung ohne Verschlechterung des Outcomes