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Hygiene & Medizin 12/2008

Aktuell

  • Welt-AIDS-Tag 2008
  • 70.000 Pflegekräfte zu wenig in Krankenhäusern
  • Antibiotikaresistenzen erkennen, bewerten, bekämpfen

  • Komplexe Infektionswege des Magenbakteriums Helicobacter pylori

  • Unbehandelte Zeckenbisse können zu Behinderungen führen

  • Immer wichtiger: Bundesgesundheitsblatt und Hygiene im Alltag

Originalia

  • Mikrobielle Kontamination von Computerbedienoberflächen (Tastatur, Maus) in einem Universitätsklinikum unter Alltagsbedingungen

    Steffen Engelhart*, Edith Fischnaller, Arne Simon, Jürgen Gebel,

    Hyg Med 2008; 33 [12]: 504–507

    Hintergrund: Die Bedeutung der Hände bei der Übertragung nosokomialer Infektionen ist allgemein bekannt und gut belegt. Ziel unserer Studie war es, das Ausmaß der mikrobiellen Kontamination von Computerbedienoberflächen (Tastatur, Maus) unter üblichen Alltagsbedingungen in einem Universitätsklinikum zu untersuchen.

     

    Methode: Hierzu wurden mittels Rodac-Platten 300 Proben von 100 PC-Arbeitsplätzen (jeweils Enter-Taste, Leertaste und Maus) entnommen.

     

    Ergebnisse: Insgesamt wurde an 32 % der Arbeitsplätze in mindestens einer Probe Wachstum von fakultativ bzw. opportunistisch pathogenen Mikroorganismen nachgewiesen (Staphylococcus aureus 12 %; Viridans-Streptokokkken 11 %; Enterokokken 8 %; Gram-negative Mikroorganismen 14 %). In Proben, die unmittelbar nach Benutzung der Arbeitsplätze entnommen wurden, wurden die höchsten Kontaminationsraten nachgewiesen (47 % vs. 25 %; p =0,028). Bezüglich weiterer Variablen (Intensivstation versus Normalstation, Raumart, Raumnutzung, Anzahl der PC-Nutzer) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Bei 25 % der PC-Arbeitsplätze konnten Schimmelpilze nachgewiesen werden, allerdings in niedrigen Kontaminationsdichten (Spanne 1 bis 2 KBE/25 cm2); der Nachweis erfolgte signifikant häufiger auf Allgemein- als auf Intensivstationen (44 % vs. 7 %, p<0,0001), welche über raumlufttechnische Anlagen verfügten.

     

    Schlussfolgerung: In Patientenbehandlungsbereichen sollte die Desinfektion der Handkontaktflächen auch die Computerbedienoberflächen (Tastatur, Maus) mit einschließen, welche daher für diese Zweckbestimmung ausgelegt sein sollten (wischdesinfizierbar, desinfektionsmittelbeständig).

     

     

  • Infektionsgefahr Bettenmachen?

    Dorothea Hansen*, Joschka Krude, Barbara Blahout, Therese Leisebein, Sebiha Dogru-Wiegand, Thomas Bartylla, Monika Raffenberg, Daniel Benner, Walter Popp

    Hyg Med 2008; 33 [12]: 508–512

    Hintergrund: Mikroorganismen von infizierten und kolonisierten Patienten können in der unbelebten Umgebung des Patienten, u. a. auch auf der Bettwäsche, nachgewiesen werden. In dieser Studie sollte untersucht werden, ob die beim Bettenmachen nicht infektiöser Patienten von der Bettwäsche aufgewirbelten Mikroorganismen nach Art und Menge eine Infektionsgefahr für Mitpatienten und Personal darstellen können.

     

    Methode: Wir bestimmten unmittelbar vor und während des Bettenmachens die Luftkonzentrationen von Bakterien, Partikeln und Feinstaub in Bettnähe von 96 Patienten. Die nachgewiesenen Mikroorganismen wurden mindestens bis zur Gattung, potenzielle Erreger nosokomialer Infektionen bis zur Spezies differenziert.

     

    Ergebnisse: Die Konzentrationen der Partikel > 5 µm und der Bakterien waren während des Bettenmachens signifikant erhöht. Während des Bettenmachens konnten vereinzelt potenzielle Erreger nosokomialer Infektionen in der Luft nachgewiesen werden, u. a. Staphylococcus aureus, Enterobacter cloacae, Acinetobacter baumanii und Stenotrophomonas maltophilia.

     

    Schlussfolgerung: Bettenmachen sollte in die Gefährdungsbeurteilung, z. B. nach TRBA 250, einbezogen werden. Bettenmachen bei gesichert infektiösen Patienten und bei inkontinenten Patienten muss der Schutzstufe 2 (offene Tuberkulose der Schutzstufe 3) zugeordnet werden. Als persönliche Schutzausrüstung ist beim Bettenmachen der Schutzstufe 2 das Tragen eines Einmalkittels, eines Mund-Nasen-Schutzes (mindestens FFP 1) und von Einmalhandschuhen zu empfehlen.

     

     

  • Vergleich der Chemoresistenz von Clostridum difficile Ribotyp 027- und Bacillus subtilis-Sporen gegenüber Desinfektionsmitteln

    Stefanie Büttgen*, Jürgen Gebel, Britt Hornei, Steffen Engelhart, Orlando N.J. Koch, Martin Exner

    Hyg Med 2008; 33 [12]: 513–517

    Hintergrund: Aufbauend auf einer Studie zur Wirksamkeitsprüfung verschiedener Desinfektionsmittel gegenüber Clostridium difficile-Sporen des Ribotyps 027 sollte in dieser Arbeit ein Vergleich der Chemoresistenz zwischen Sporen von C. difficile Ribotyp 027 und Bacillus subtilis ATCC 6633 erfolgen.

     

    Methode: Die vergleichenden Untersuchungen erfolgten im quantitativen Suspensionsversuch in Anlehnung an die DGHM 2001 unter hoher organischer Belastung. Insgesamt wurden drei Instrumentendesinfektionsmittel und vier Flächendesinfektionsmittel überprüft, die zuvor als sporizid gegenüber C. difficile Ribotyp 027 getestet worden waren.

     

    Ergebnisse: Die analoge Wirksamkeitsprüfung der Flächen- und Instrumentendesinfektionsmittel zeigte, dass sich die B. subtilis-Sporen gegenüber den getesteten Desinfektionsmitteln als durchweg widerstandsfähiger herausstellten.

     

    Schlussfolgerung: Somit ist davon auszugehen, dass Desinfektionsmittel, die gegenüber B. subtilis-Sporen wirksam sind, auch zuverlässig die klinisch relevanten C. difficile-Subtypen, inkl. Ribotyp 027, inaktivieren. Entsprechend dem Minimierungsgebot und vor dem Hintergrund der häufig auftretenden Probleme beim Einsatz sporizider Desinfektionsmittel im klinischen Alltag ist dennoch eine Prüfung gegenüber dem relativ empfindlicheren C. difficile Ribotyp 027 nachdrücklich zu empfehlen, da so die Konzentrationen sporizider Desinfektionsmittel ohne Effektivitätsverlust minimiert werden können.

     

     

Aus der Praxis

  • Evaluierung der Reinigungsleistung von Geräten zur Winkelstückaufbereitung

    Martina Schmid-Schwap*, Margit Bristela, Alexander Franz, Michael Kundi, Eva Piehslinger, Friedrich Stauffer

    Hyg Med 2008; 33 [12]: 518–521

    Hintergrund: Die Möglichkeit einer Übertragung von Krankheitserregern über Winkelstücke bei der zahnärztlichen Behandlung ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Ziel der vorliegenden Studie war es, einen neuen Dentalautoklaven (DAC Universal) in Bezug auf seine Reinigungsleistung bei Winkelstücken im Vergleich zu einem instrumentellen Reinigungsgerät (Assistina) experimentell zu untersuchen.

     

    Methode: Die Überprüfung der Reinigungsleistung des DAC Universal nach externer und interner Anschmutzung mittels Schafblut erfolgte gemäß der Norm EN 15883. Zusätzlich wurden die Luft- und Wasserkanäle der Winkelstücke mit Albumin angeschmutzt und nach der Reinigung in Assistina und DAC der Restproteingehalt bestimmt.

     

    Ergebnisse: Nach Anschmutzung mit Schafblut zeigten sich keine sichtbaren Verschmutzungen. Der Proteingehalt nach experimenteller Anschmutzung der Luft- und Wasserkanäle der Winkelstücke mit Albumin zeigte Unterschiede zwischen Assistina und DAC.

     

    Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass ein primäres Durchspülen des Wasser- und Luft-Kanals der Winkelstücke mit Wasser vor der Desinfektion mit einer Alkohollösung notwendig ist.

     

     

Blickpunkt

  • Zum Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland bis Ende 2008

    Update zur HIV-Inzidenzstudie am RKI

VAH

  • Desinfektionsmittel-Kommission im VAH, Mitteilung Nr. 5/2008:

    – Einladung zum zweiten Erfahrungsaustausch zur Begutachtung von chemischen Desinfektionsmitteln

    – Einwirkzeiten für Hautantiseptika auf talgdrüsenreicher Haut

Referate



  • H. T. Panknin

    Einsatz eines Probiotikums gegen nosokomiale Infektionen: Kein Effekt bei pädiatrischen Intensivpatienten