MHP

Hygiene & Medizin 4/2007

Aktuell

  • West-Nil-Erkrankungen durch Klimawandel?
  • Bovine Tuberkulose durch Menschen übertragbar
  • Grippesymptome können durch Mikroorganismen ausgelöst sein
  • Tuberkulose irgendwo heißt Tuberkulose überall
  • Nadelstichverletzungen kosten 47 Millionen Euro jährlich
  • Auszeichnung für LBK-Laborinstitut MEDILYS

Originalia

  • Nosokomiale Infektionen in der Neonatologie: Ergebnisse einer prospektiven Dreijahres-Surveillance

    M. Knoll *, U. Lieser, G. Daeschlein, R. Haase, S. Wittek, D. Körholz, M. Borneff-Lipp

    Hyg Med 2007; 32 [4]: 114–119

    Hintergrund: Für die in § 23 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) vorgeschriebene kontinuierliche Erfassung nosokomialer Infektionen eines Krankenhauses steht seit 2000 das Modul NEO-KISS zur Verfügung, das von dem Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) entwickelt wurde. Dieses Hilfsmittel erleichtert den neonatologischen Einrichtungen, den Qualitätsstand der eigenen Klinik zu ermitteln und mit einem veröffentlichten Referenzwert zu vergleichen. In Anlehnung an das NRZ-Modul NEO-KISS wurden nosokomiale Infektionen in der Neonatologie über drei Jahre (01.07.2002 bis 31.06.2005) an einem Klinikum der Maximalversorgung erfasst, beurteilt und die daraus folgenden Hygienemaßnahmen den Erfordernissen fortlaufend angepasst.

     

    Patienten und Methoden: Nach der NEO-KISS-Methode wurden alle Patienten nach dem Geburtsgewicht in eine der drei Klassen £ 499g, 500g–999g oder 1.000g–1.499g eingeteilt und die Inzidenzdichte der nosokomialen Infektionen bestimmt. Weiterhin erfolgte die Registrierung der Patiententage, der Device-Anwendungstage und -raten in Bezug auf ZVK, PVK, Tubus, CPAP und Antibiotika-Tage, sowie die Erfassung der Device-assoziierten Infektionsraten.

     

    Ergebnisse: Pneumonie, primäre Sepsis und nekrotisierende Enterokolitis konnten als nosokomiale Infektionen bestätigt werden. Die ermittelten Werte für die Device-Anwendungsraten, die Device-assoziierten Infektionsraten und die Inzidenzdichte lagen überwiegend innerhalb des vom NRZ veröffentlichten Referenzwertes für 2005. Allerdings erreichten die Device-Anwendungsraten wie die PVK- und die Tubus-Anwendungsrate ebenso wie die Antibiotika-Anwendungsrate in allen drei Gewichtsgruppen hohe Werte. Die Inzidenzdichte für Pneumonien war in allen Gewichtsgruppen erhöht. Bezüglich der Tubus-assoziierten Infektionsrate für die Gewichtsgruppe 1.000–1.499g konnte eine Überschreitung sowohl für die CPAP-assoziierte Infektionsrate bei der Gewichtsgruppe 500–999g, als auch für die Gewichtsgruppe 1.000–1.499g belegt werden.

     

    Fazit und Ausblick: Die Surveillance nosokomialer Infektionen gibt dem Kliniker die Möglichkeit, den Qualitätsstandard bezüglich der nosokomialen Infektionen in der eigenen Klinik anhand eines Referenzwerts zu ermitteln und zu vergleichen. Ziel hierbei soll primär eine Sensibilisierung für den Zusammenhang zwischen klinischer Intervention und nosokomialer Infektion sein. Weiterhin stellt der ermittelte Einsatz von Devices und von Antibiotika im Kontext festgestellter nosokomialer Infektionen eine Möglichkeit dar, tradierte Therapie- und Hygienestandards neu zu überdenken sowie sich ggf. an anderen Kliniken zu orientieren. Es wäre zu wünschen, durch die Einführung des (freiwilligen) Benchmarking im Rahmen des Qualitätsmanangements (beispielsweise auf der Grundlage des auf Ergebnisqualität orientieren EFQM-Systems) Klinikern die Möglichkeit zu geben, die eigene Einrichtung mit anderen klinischen Einrichtungen direkt zu vergleichen. So wäre gewährleistet, vom Benchmarker, also vom Exzellentesten, zum Wohl des Patienten lernen zu können.

     

Aus der Praxis

  • Noroviren-Epidemie in der Schweiz, Winter 2004 / 2005: Lehren und Maßnahmen aus der Perspektive der Spitalhygiene

    I. Uçkay *, R. Fretz, H. Schmid, D. Pittet, H. Sax

    Hyg Med 2007; 32 [4]: 120–125

    Die kurze Inkubationszeit und das geringe benötigte Inokulum, die Resistenz gegenüber gängigen Desinfektionsmitteln sowie das Überleben unter widrigsten Umweltbedingungen außerhalb des Körpers, gekoppelt mit einer hohen Infektiosität schon vor Auftreten von Symptomen, machen Noroviren zu einem Epidemie-Erreger ersten Grades. Die Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Nahrungsmittel und Gegenstände, wobei die Hände eine der Hauptquellen der Übertragung darstellen. Ausbrüche innerhalb des Spitals stellen oft einen Teil einer viel größeren gleichzeitigen spitalexternen Epidemie dar. Im Winter 2004/05 wurde die Schweiz, wie viele andere Länder auch, von mehreren spitalexternen Epidemien heimgesucht, mit eindrücklicher Mitbeteiligung von Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Es wird geschätzt, dass zwischen November 2004 und Februar 2005 viele Tausende von Personen betroffen waren. Als Folge der Ereignisse gab das Bundesamt für Gesundheit im November 2005 eine Broschüre heraus, die Empfehlungen für Prävention und Intervention außerhalb des Spitalbereichs enthält. In der Schweiz existieren für den Spitalbereich keine offiziellen Richtlinien. Deshalb werden in diesem Artikel Empfehlungen für das Vorgehen bei einem spitalinternen Ausbruch erarbeitet, ausgehend vom klinischen Beispiel eines Noroviren-Ausbruchs am Genfer Universitätsspital mit 225 registrierten betroffenen Patienten und 292 Mitarbeitern und dem Vergleich der an zwölf ausgewählten Schweizer Spitälern ergriffenen Maßnahmen.

     

DGKH

  • Einladung zum 9. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene 2008

VAH

  • Mitteilung Nr. 2 / 2007 der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH
  • Fragen und Antworten – Thema Schwimmbad

    Überprüfung der Desinfektionswirkung von Flächendesinfektionsmitteln

Referate

  • Compliance mit Händehygiene und Handschuhgebrauch: Was bewirkt ein intensives Schulungsprogramm?

Blickpunkt

  • Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren – Empfehlung und Begründung

Veranstaltungen

  • 7. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen
  • 7. Akademiekongress Hygiene – Wunde – Pflege