MHP

Hygiene & Medizin 11/2007

Aktuell

  • Klimawandel kann zur Verbreitung von Krankheitsüberträgern führen
  • Leberkrebs: Doppel-Infektion mit Hepatitis-Viren
  • Dem Magenbakterium Helicobacter pylori auf der Spur
  • Neues Informationsportal der Infektionsforschung online
  • Gemeinsam gegen Tuberkulose
  • Innovationen gegen Erreger im Krankenhaus reduzieren Kosten

Übersicht

  • Interferon-gamma Release Assays zur Diagnose latenter Tuberkulose-Infektionen bei Routineuntersuchungen von Beschäftigten im Gesundheitswesen

    A. Schablon*, A. Nienhaus

    Hyg Med 2007; 32 [11]: 430–436

    Durch die Entschlüsselung des Genoms von Mycobakterium (M.) tuberculosis wurde es möglich, neue spezifische molekularbiologische Testverfahren zur Diagnose einer latenten tuberkulösen Infektion (LTBI) zu entwickeln. Zwei dieser Interferon-gamma Release Assays (IGRAs), der QuantiFeron®-TB-Gold In Tube und der T SPOT-TB™. TB, sind seit 2004 in Deutschland verfügbar. Diese neuen ex-vivo-Testverfahren stellen eine vielversprechende Alternative zum Tuberkulin-Hauttest (THT) nach Mendel-Mantoux zur Diagnose der LTBI dar. Mittlerweile wurden die IGRAs bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst in mehreren Studien evaluiert. In dieser Arbeit wird der aktuelle Stand der Literatur zur Evaluation der IGRAs unter Berücksichtigung der Einsetzbarkeit bei Routineuntersuchungen in der betriebsärztlichen Praxis dargestellt. Bei Beschäftigten mit einer Tuberkulose- bzw. BCG-Impfung oder bei einem positiven THT in der Anamnese sowie bei Beschäftigten mit erhöhtem Risiko für Starkreaktionen ist der IGRA der bessere Test. Bei jungen, nicht BCG-geimpften Beschäftigten können THT und IGRA gleichwertig eingesetzt werden.

Aus der Praxis

  • Retrospektive Analyse von ESBL-positiven Bewohnern eines Geriatriezentrums und der Einfluss von Probiotika auf die Dekolonisation

    S. Equiluz-Bruck*, P. Fasching

    Hyg Med 2007; 32 [11]: 437–443

    Hintergrund: In zahlreichen Studien wird seit Jahren weltweit ein Zuwachs von Extended-Spectrum-Beta-Lactamase (ESBL)-bildenden Gram-negativen Erregern beschrieben. Die Infektionserfassung des Geriatriezentrums Baumgarten, Wien, zeigte bei gleichzeitigem Rückgang von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) eine Progredienz von ESBL-bildenden Enterobacteriaceae.

     

    Methode: In einer retrospektiven Analyse wurden für den Zeitraum 01.01.2005 bis 31.12.2006 die epidemiologischen Daten von 86 ESBL-positiven Bewohnern des Geriatriezentrums Baumgarten ermittelt und der Einfluss von hygienischen sowie therapeutischen Maßnahmen untersucht.

     

    Ergebnisse: Bei den 86 untersuchten Bewohnern waren insgesamt 71 Harnkulturen, 16 Wundabstriche, 11 Hautabstriche und 9 Stuhlkulturen ESBL-positiv. Bezüglich des mikrobiologischen Spektrums fanden sich bei 83 Bewohnern ESBL-bildende Escherichia coli, bei zwei Bewohnern ESBL-bildende Klebsiella oxytoca und bei einem Bewohner ESBL-bildende Kluyvera. 22 % der ESBL-positiven Bewohner waren zusätzlich MRSA-positiv. Die Resistenzanalyse der ESBL-bildenden E. coli ergab eine per definitionem 100 % Beta-Lactam-Antibiotika-Resistenz sowie Koresistenzen gegenüber Gyrasehemmern und Trimethoprim. 45 der 86 ESBL-positiven Bewohner erhielten antibiotische Therapie. Nach Intervention waren 29 % dieser behandelten Bewohner ESBL-negativ, 33 % wiesen andere nicht ESBL-bildende Erreger auf, 38 % blieben ESBL-positiv Die alleinige Gabe von Probiotika (Actimel®) – ohne Antibiotika-Therapie! – führte in 9 von 14 Fällen zu einer erfolgreichen Dekolonisation von ESBL-positiven Bewohnern. Die Analyse der epidemiologischen Daten ergab als prädisponierende Risikofaktoren: Multimorbidität, hohes Alter, langer Heimaufenthalt, Pflegebedürftigkeit, Harn- und Stuhlinkontinenz sowie der Einsatz von „Medical Devices“ und eine vorangegangene Antibiotika-Therapie. Als weiterer Risikofaktor wurde Anämie bzw. Hypoalbuminämie gefunden.

     

    Schlussfolgerung: Die retrospektive Analyse von epidemiologischen Daten der ESBL-positiven Bewohner des Geriatriezentrums Baumgarten bestätigen die bisher in anderen Studien gefundenen Risikofaktoren für eine ESBL-Kolonisation bzw. -Infektion. Darüber hinaus wurden auch Anämie bzw. Hypoalbuminämie als mögliche Risikofaktoren gefunden. Besonders hervorzuheben ist der Effekt, der durch den Einsatz von Probiotika erzielt werden konnte. Zwar ist die Fallzahl zu gering, um eine gültige Aussage treffen zu können. Dennoch ist der Hinweis festzuhalten, dass Probiotika möglicherweise einen wichtigen Beitrag zur Sanierung von ESBL-Patienten leisten können.

DGKH

  • Stellungnahme der DGKH-Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege / Rehabilitation“ und Bestätigung durch den DGKH-Vorstand „Situation der Hygienefachkräfte in Krankenhäusern“
  • 15 Jahre und kein bisschen müde!

Referate

  • Erfolg eines multizentrischen Katheterhygiene-Programms

Blickpunkt

  • Zur Surveillance der Antibiotikaresistenz in Deutschland

Veranstaltungen

  • MedInform-Konferenz zur Wiederverwendung von Medizinprodukten