MHP

Hygiene & Medizin 6/2007

Aktuell

  • Semmelweis-Forschungspreis 2008
  • Neuer Vorsitz im Arbeitskreis „Krankenhaus- und Praxishygiene“ der AWMF
  • Malaria-Risikogebiete auf einen Blick
  • Kopflausbefall
  • UKE-Forschung zu Hepatitis C
  • WHO kämpft gegen Gelbfieber
  • Zecken auf dem Vormarsch
  • Flussblindheit: Fadenwürmer entwickeln Resistenz
  • FLI koordiniert Großprojekt zu Chlamydien-Infektionen

Übersicht

  • Wasseraufbereitungssysteme und Flüssigkeiten in der Dialyse

    R. Nystrand*

    Hyg Med 2007; 32 [6]: 226–233

    Da der Patient während eines Dialysevorganges Blutkontakt zu sehr viel Wasser hat, muss das verwendete Wasser eine hohe chemische und mikrobiologische Qualität aufweisen. Die Hygiene der in der Dialyse verwendeten Flüssigkeiten muss daher sorgfältig eingehalten und überprüft werden. Dementsprechend existieren europaweit eine Reihe von Empfehlungen und Standards zur Qualität der eingesetzten Flüssigkeiten, die tendenziell eher verschärft werden.

     

    Die Grenzwerte zur mikrobiologischen Qualität in den verschiedenen Standards sind angegeben, die mikrobiologischen Techniken, die zum Einsatz kommen, sind dagegen sehr unterschiedlich. Dadurch wird es schwierig, die verschiedenen Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Zudem zeigen einige mikrobiologische Kultivierungstechniken eine ungenügende Empfindlichkeit, das Wachstum aller relevanten Mikroorganismen nachzuweisen. Beispielsweise kann ein Oberflächenwachstum bzw. die Biofilmbildung das Bewerten der mikrobiologischen Qualität erschweren. Außerdem ist es wichtig, dass nicht nur das fließende Wasser, sondern auch das Wasserverteilsystem die empfohlenen Werte einhalten. So zeigte sich in einigen Beispielen, dass die Grenzwerte für das Wasser eingehalten waren, andererseits im Wasseraufbereitungssystem (Umkehrosmose, Ringleitung, Einlassschläuche) 100.000 mal so viele Mikroorganismen in der Form von Biofilmen vorhanden waren.

     

    In dieser Arbeit werden einige Analytikresultate von Wasseraufbereitungssystemen als Beispiele vorgestellt. Es zeigt sich, dass die Desinfektion des gesamten Leitungssystems – vorbeugend und häufig durchgeführt – entscheidend zur Verbesserung der Qualität der in der Dialyse verwendeten Flüssigkeiten beiträgt.

Originalia

  • Intermittierende Ozonierung zur Optimierung der Wasserqualität und Reduzierung von Biofilm-Bildung in der Wasserversorgung von Dialysezentren

    M. Moritz, A. Otte, Th. Kistemann, W. Speuser, K. A. Brensing, S. Büttgen, A. Kirsch-Altena, M. Exner, J. Gebel*

    Hyg Med 2007; 32 [6]: 234–240

    Hintergrund: Die Letalitätsrate der in 2004 einer Dialysetherapie unterzogenen Menschen betrug 12,5 %. Kontaminationen des zur Dialyse verwendeten Wassers mit Bakterien sind eines der schwerwiegendsten Probleme im Bereich der Hämodialysetherapie. Die Wirksamkeit des Desinfektionsmittels Ozon sollte in einer Studie unter Beweis gestellt werden.

     

    Methode: Wasserqualität und Biofilmbildungspotential eines auf Umkehrosmose basierenden Wasseraufbereitungssystems für Dialysewasser wurde über einen Zeitraum von 33 Wochen mit der eines Wasseraufbereitungssystems, das zusätzlich einer wöchentlichen Ozonbehandlung unterzogen wurde, verglichen. Die Bakterienkonzentrationen (KBE/ml) im Permeat sowie in Schlauchproben von Anfang und Ende des Wasserverteilungskreislaufs (KBE/cm2) wurden ermittelt. Darüber hinaus erfolgte eine molekularbiologische Differenzierung der vorhandenen Spezies.

     

    Ergebnisse: Die Anzahl der Bakterien überschritt die aktuellen Grenzwerte nur in wenigen Ausnahmen. Die Bakterienkonzentration pro cm2 und Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop deuteten darauf hin, dass sich von extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) umgebene Mikro- und Makrokolonien auf der Oberfläche beider Schlauchsysteme bildeten, aber kein flächendeckender Biofilm. Eine molekularbiologische Charakterisierung der Bakterienpopulation zeigte, dass 90,5 % aller isolierten Organismen Gram-negativ waren. 51,5 % bzw. 35,7 % gehörten zur Klasse der Alpha- und Betaproteobakterien. Die am häufigsten isolierten Organismen waren Sphingomonas rhizogenes (25,9 %), Pseudomonas saccharophila (20,2 %) und Ochrobactrum intermedium (6,0 %). Pseudomonas aeruginosa trat sporadisch auf. Untersuchungen 6 Tage nach der Ozonierung zeigten keinen nachweisbaren, signifikanten positiven Einfluss auf die hygienisch-mikrobiologische Wasserqualität des zirkulierenden Wassers. Ebenso konnte keine Verschiebung in der Zusammensetzung der Bakterienpopulation aufgrund einer Ozonbehandlung festgestellt werden. Untersuchungen, die ein Tag nach der Ozonbehandlung erfolgten, zeigten hingegen eine Reduktion der Bakterienkonzentration um 1 log10 in der Wasserphase und bis um 0,75 log10 im Biofilm. Des Weiteren konnten in der Phase der Studie weder Pseudomonaden noch Mykobakterien in der Wasserphase nachgewiesen werden, welches aufgrund der hohen Relevanz der Bakterien gegenüber immunsupprimierten Patienten von großer Bedeutung ist.

     

    Schlussfolgerung: Auf Grundlage der Versuchsergebnisse ist von einer wöchentlich intermittierenden Ozonierung mit 0,03–0,05 mg/l Ozon für 1 h abzuraten. Eine täglich intermittierende Ozonierung hatte einen günstigen Einfluss auf die hygienisch-mikrobiologische Wasserqualität. Dies müsste durch weitere Untersuchungen quantifiziert und abgesichert werden. Der eingesetzte Biofilm-Monitor erwies sich als gutes, praktikables Instrument zur Qualitätssicherung.

Aus der Praxis

  • Ausbruchsuntersuchungen nosokomialer Hepatitis-C-Virus-Infektionen in Hämodialyse-Einheiten und krankenhaushygienische Konsequenzen

    S. Engelhart *, A. M. Eis-Hübinger , H. U. Klehr, A. Simon, E. Fischnaller, B. Matz, M. Exner

    Hyg Med 2007; 32 [6]: 246–249

    Hämodialyse-Patienten unterliegen einem erhöhten HCV-Infektionsrisiko. Eine Analyse der Outbreak-Database (Zeitraum 1996–2006) zeigt, dass 15 von 41 (36,6 %) HCV-Ausbrüchen auf Einrichtungen der Hämodialyse zurückzuführen bzw. 15 von 102 (14,7 %) der in Hämodialyse-Einrichtungen registrierten nosokomialen Ausbrüche durch HCV bedingt sind. Die am häufigsten identifizierten Risikofaktoren waren Mehrdosisbehältnisse (insbesondere Heparin-Kochsalzlösung), gemeinsame Unterbringung im gleichen Raum bzw. der gleichen Schicht und Verstöße gegen Standard-Hygienemaßnahmen. Während es insgesamt in den einschlägigen Leitlinien einen guten Konsens bezüglich der Bedeutung der Standard-Hygienemaßnahmen gibt, wird insbesondere die Frage der Isolierung/Kohortierung und der Durchführung des HCV-Screenings bei den Patienten in den einzelnen Empfehlungen unterschiedlich akzentuiert. Aus Sicht der Autoren sollte zumindest bei HCV-RNA-positiven Patienten eine räumliche Isolierung/Kohortierung erfolgen, um eine weitere Absenkung des Transmissionsrisikos zu erzielen. Aufgrund der höheren Sensitivität und des früheren Nachweises sollte die Bestimmung der HCV-RNA zum Standard bei der Routine-HCV-Diagnostik in Hämodialyse-Einrichtungen werden.

     

Referate

  • Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung und Händehygiene bei Beschäftigten in der Hämodialyse
  • Kontaminierte Desinfektionsmittelkompressen als Ursache einer Sepsis-Epidemie bei Dialysepatienten

Blickpunkt

  • Zur infektionshygienischen Überwachung von Dialyseeinrichtungen – ein Erfahrungsbericht aus dem Gesundheitsamt München
  • Das GENIUS®-Dialysesystem – Hygienische Aspekte

VAH

  • Desinfektionsmittel-Kommission im VAH – Fragen und Antworten: Sprühdesinfektion