MHP

Hygiene & Medizin 1&2/2009

Aktuell

  • 8. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen
  • Zitronenmelisse hält Herpes-Viren in der Zell-Kultur in Schach
  • Hygiene-Tipps für Kids im Krankenhaus
  • Risiko für AIDS steckt in den Genen

Originalia

  • Deutschlandweite Referenzdaten des Verbrauchs an Händedesinfektionsmittel

    Christiane Reichardt*, Nadine Mönch, Sonja Hansen, Christine Geffers, Petra Gastmeier

    Hintergrund: Die hygienische Händedesinfektion ist eine der Hauptmaßnahmen, um Krankenhaus-assoziierte Infektionen zu vermeiden. Daher ist es das vorrangige Ziel der nationalen Kampagne „AKTION Saubere Hände“, die Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen zu verbessern. Die Messung der Compliance ist somit ein wichtiger Bestandteil der Aktion. Eine indirekte Messmethode zur Bestimmung der Compliance ist die Erfassung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs, der als Surrogatparameter fungiert.

     

    Methode: Im Rahmen der „AKTION Saubere Hände“ wurde innerhalb des Krankenhaus Infektions Surveillance Systems (KISS) das neue Modul „Hand-KISS“ entwickelt, in das die an der Aktion teilnehmenden Krankenhäuser sowie weitere interessierte Kliniken ihre Daten zum Händedesinfektionsmittelverbrauch eingeben können. Die Erfassung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs erfolgt jährlich, stationsbezogen und pro Patiententag.

     

    Ergebnisse: Bis zum Januar 2009 haben sich über 472 Krankenhäuser für das Modul angemeldet. Bis zum Oktober 2008 lagen Verbrauchsdaten aus dem Jahre 2007 aus 160 Krankenhäusern vor, mit einem Überblick über mehr als 14 Millionen Patiententage. Insgesamt wurden mehr als 290.000 Liter Händedesinfektionsmittel verbraucht. Der Median des Verbrauchs aller 269 Intensivstationen lag bei 67 ml pro Patiententag; der Median auf den 1715 Nichtintensivstationen liegt bei 14 ml pro Patiententag. Zwischen den Intensivstationen und den einzelnen Fachdisziplinen gab es große Unterschiede.

     

    Schlussfolgerung: Die bisher vorhandenen Daten verdeutlichen – auch ohne vorhandene Sollwerte – dass in den meisten Bereichen ein erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. Die Referenzdaten des Händedesinfektionsmittelverbrauchs bieten die Möglichkeit, sich auf der Grundlage objektiver Daten mit vergleichbaren Stationen einzuordnen.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 8–11

  • Umsetzung der Händehygiene in Frankfurter Kliniken

    Ursel Heudorf*, Sonja Stark

    Hintergrund: Eine wesentliche, wenn nicht die bedeutendste Maßnahme zur Infektionsprävention schlechthin, ist die Händedesinfektion. Die Compliance kann mit aufwändigen Beobachtungsstudien untersucht werden, eine weitere Möglichkeit ist die Erfassung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs als Marker für durchgeführte Händedesinfektionen.

     

    Material und Methode: Im Rahmen der infektionshygienischen Begehungen nach § 36 IfSG hat das Gesundheitsamt Frankfurt am Main seit 2004 den Händedesinfektionsmittelverbrauch der 17 Krankenhäuser in der Stadt erfragt. Ab 2007 wurden die Häuser gebeten, den Desinfektionsmittelverbrauch pro Jahr und Station sowie die Pflegetage pro Station anzugeben; daraus wurde der Verbrauch pro Pflegetag errechnet.

     

    Ergebnisse: Alle Krankenhäuser konnten problemlos aus den vorhandenen Controlling-Daten die gewünschten Daten zur Verfügung stellen. In den einzelnen Krankenhäusern wurden je 30–60 % des Gesamtverbrauchs auf den bettenführenden Stationen verwendet; im Operationsbereich wurden < 10 bis > 60 % des Gesamtverbrauchs eingesetzt, < 5 bis > 30 % in weiteren Bereichen, wie z. B. Ambulanzen, Funktionsbereichen (Röntgen, EKG, Physiotherapie). Für 212 Stationen (1.367.148 Pflegetage) wurden die Verbrauchszahlen pflegetagebezogen berechnet: Die mittleren Verbrauchszahlen (P 50) pro Pflegetag betrugen für Stationen für Erwachsene (in Klammern für Kinder): Intensivstationen 82 ml (108 ml), nicht-intensiv-Pflegestationen 18 ml (43 ml), onkologische Stationen 24 ml (141 ml) und psychiatrische Stationen 4,5 ml (3,7 ml).

     

    Schlussfolgerung: Der seit einigen Jahren erfragte Verbrauch an Händedesinfektionsmittel konnte in nahezu allen Frankfurter Kliniken gesteigert werden und er liegt über den bundesweiten Vergleichsdaten aus dem Hand-KISS. Das Amt konnte im Jahre 2008 alle Kliniken seines Bereiches überzeugen, an der „AKTION Saubere Hände“ teilzunehmen. Seither sind in den Kliniken zahlreiche Aktivitäten zur Verbesserung der Händehygiene gestartet worden. Angesichts dieser positiven Entwicklung ist geplant, weitere Fortbildungen zur Händehygiene auch in Altenpflegeheimen und im Rettungsdienst anzubieten und auch dort den Händedesinfektionsmittelverbrauch zu erheben, als Grundlage für weitere Verbesserungen der Händehygiene.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 12–18

     

  • Auswirkungen einer Verkürzung der Anwendungsdauer und der standardisierten Bewegungsabfolge sowie Verringerung des Desinfektionsmittelvolumens bei der hygienischen Händedesinfektion mit 2-Propanol (60 % V/V)

    Manfred Rotter*, Miranda Suchomel, Martina Weinlich, Michael Kundi

    Hintergrund: Die klinische Realität der Durchführung der hygienischen Händedesinfektion und der Wunsch nach einer durch die wissenschaftlichen, mit Krankenhaushygiene befassten Gesellschaften akzeptierten Verkürzung der Desinfektionsdauer auf 15 s – verbunden mit einer entsprechenden Wirksamkeitsprüfung – veranlassten uns die Auswirkungen einer solchen und anderer Verfahrensänderungen im Laboratoriumsversuch gemäß EN 1500 zu überprüfen.

     

    Methode: Anhand des in EN 1500 beschriebenen Referenzdesinfektionsverfahrens mit 2-Propanol 60 % V/V wurden die Auswirkungen folgender Veränderungen auf die bakterizide Wirksamkeit im Vergleich mit dem Ergebnis des normgerechten Referenzverfahrens gemessen: Desinfektionsdauer von 15 und 30 s (bei gleichzeitiger Halbierung des Desinfektionsmittelvolumens); Verminderung der auf die Hände aufgetragenen Volumina des Alkohols auf 1 oder 2 ml versus das in der Wirksamkeitsbestimmung vorgeschriebene Volumen von 3 ml bei einer verkürzten Desinfektionsdauer von nur 15 s; Verringerung des in EN 1500 standardisierten 6-teiligen Bewegungsablaufes beim Einreiben des Desinfektionsmittels auf 5 und 4 Teile, sowie nur 3malige Wiederholung jeden Schrittes bei letzteren anstatt der in der Norm vorgeschriebenen 5maligen.

     

    Ergebnisse: Die Verkürzung der Desinfektionsdauer war mit einer hochsignifikanten Verringerung der mittleren Reduktionsfaktoren (RF) von 4,5 lg bei 60 s auf bis zu 3,5 lg bei 15 s korreliert. Die Reduktion des auf die Hände aufgetragenen Alkoholvolumens bei einer Desinfektionsdauer von 15 s bewirkte eine hochsignifikante Verminderung der mittleren lg RF von 3,5 bei 3 ml auf 2,9 bei 1 ml. Ferner stellte sich heraus, dass selbst bei einem Volumen von nur 1 ml die Trocknungsdauer der Hände unter unseren Versuchbedingungen im Mittel über 23 s, also mehr als die Dauer der Desinfektion betrug. Die Verkürzung der standardisierten Desinfektionstechnik auf 5 oder 4 Schritte, sowie auf eine Verminderung der Anzahl Wiederholungen jeden Schrittes bei letzteren von fünf auf drei hatte nur geringe Auswirkungen, führte aber bei der 4-Schritt-Sequenz zu einer Verminderung der lg RFs, die es nicht erlaubt, dieses Verfahren als äquivalent dem Standardverfahren zu beurteilen.

     

    Schlussfolgerungen: Eine zeitliche Verkürzung der hygienischen Händedesinfektion mit 2-Propanol 60 % V/V , verbunden mit einer Halbierung des Desinfektionmittelvolumens, führt klar zu einer Verringerung des Desinfektionserfolges. Nach dem derzeitigen Wissenstand sollte von einer Verkürzung auf nur 15 s bei der Evaluierung der bakteriziden Wirksamkeit von Produkten nach EN 1500, unabhängig von der Desinfektionspraxis im klinischen Alltag, Abstand genommen werden. Eine Vereinfachung der standardisierten Desinfektionstechnik von sechs auf fünf Schritte scheint bei geringer Wirkungseinbuße möglich zu sein.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 19–23

  • Einfluss der Einreibetechnik auf die benötigte Einreibezeit und die Benetzung der Hand bei der hygienischen Händedesinfektion

    Günter Kampf*, Mirja Reichel, Yvonne Feil, Sven Eggerstedt, Paul-Michael Kaulfers

    Hintergrund: Aktuelle Daten besagen, dass Händedesinfektionsmittel für die hygienische Händedesinfektion ihre vollständige Wirksamkeit innerhalb von 15 Sekunden (s) erreichen können. Beim Wirksamkeitstest nach der Europäischen Norm (EN) 1500 werden jedoch nur die Fingerkuppen beprobt.

     

    Methode: Wir untersuchten daher die Benetzung der Hände mit 16 verschiedenen Einreibevarianten. Dem Händedesinfektionsmittel wurde ein fluoreszierender Farbstoff hinzugefügt und die Hände unter UV-Licht vor und nach dem Einreiben bewertet. Bis auf einen Test, an dem 20 Mitarbeiter aus der klinischen Praxis teilnahmen, wurden alle Einreibevarianten mit 15 Testpersonen durchgeführt, die nicht im Gesundheitswesen beschäftigt sind. Außer beim Referenzverfahren wurden bei allen Tests

    3 ml des Händedesinfektionsmittels aufgetragen. Das Referenzverfahren gemäß EN 1500 diente als Kontrolle, das aus sechs spezifischen Einreibeschritten besteht, die zweimal mit jeweils 3 ml Produkt durchgeführt werden. In einem Teil dieser Studie wurde jeder der sechs Schritte ein- bis fünfmal ausgeübt, bevor mit dem nächsten Schritt fortgefahren wurde. In einem anderen Teil der Studie wurde die komplette Abfolge der sechs Schritte ein- bis fünfmal durchgeführt. Schließlich wurden die Testpersonen aufgefordert, beide Hände ohne konkrete Vorgabe vollständig zu benetzen („eigenverantwortliche Anwendung“). Jede Einreibemethode wurde anhand der unbehandelten Hautareale verblindet bewertet.

     

    Ergebnisse: Die Einreibedauer beim Referenzverfahren betrug durchschnittlich 75 s, 53 % der Testpersonen wiesen hier mindestens eine Benetzungslücke an den Händen auf. Die fünf Wiederholungen der Einreibeschritte dauerten im Durchschnitt 37 s und führten bei 67 % der Teilnehmer zu Benetzungslücken. Die einmalige Durchführung dauerte durchschnittlich 17 s und führte bei allen Testpersonen zu mindestens einer Benetzungslücke. Die Wiederholung der kompletten Abfolge dauerte länger, erzielte jedoch keine besseren Ergebnisse. Die „eigenverantwortliche Anwendung“ war mit 25 s (Testpersonen) und 28 s (Mitarbeiter aus der klinischen Praxis) recht schnell. Darüber hinaus war sie zur Benetzung effektiv: 53 % und 55 % der Hände waren lückenhaft benetzt. Die neuen Techniken waren genauso schnell und effektiv wie die „eigenverantwortliche Anwendung“. Große Benetzungslücken kamen nur bei kurzer Einreibedauer vor. Fingerkuppen und Handflächen waren oft vollständig benetzt.

     

    Diskussion: Die Händedesinfektion in der klinischen Praxis erwies sich als besser als Hygienefachleute häufig erwarten. Basierend auf unseren Daten ist eine qualitativ hochwertige Händedesinfektion innerhalb von 15 s nicht möglich. Eine Einwirkzeit von 30 s kann hingegen für die klinische Praxis empfohlen werden. Die derzeit empfohlenen sechs Schritte gemäß EN 1500 sind nicht wirklich für die klinische Praxis geeignet, da sie vergleichsweise schlechte Ergebnisse erzielen. Die „eigenverantwortliche Anwendung“ oder eine der anderen neuen Techniken scheinen die Einreibeverfahren zu sein, die am besten geeignet sind.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 24–31

     

Übersicht

  • Alte und neue Erkenntnisse zur Virus-Wirksamkeit der hygienischen Händedesinfektion

    Jochen Steinmann*, Britta Becker, Birte Bischoff, Dajana Paulmann, Jörg Steinmann, Eike Steinmann

    Die hygienische Händedesinfektion ist eine der wichtigsten Maßnahmen in der Krankenhaushygiene zur Verhinderung nosokomialer Virusinfektionen. Die Wirksamkeit der Präparate wird in vitro im quantitativen Suspensionsversuch und/oder in vivo an der künstlich kontaminierten Hand bestimmt. Für die in-vitro-Prüfungen stehen sowohl eine nationale Leitlinie von der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) e.V. und des Robert Koch-Instituts (RKI) als auch eine europäische Norm (EN 14476) zur Verfügung. In dem quantitativen Suspensionsversuch nach der Leitlinie der DVV/RKI werden Händedesinfektionsmittel gegenüber Polio-, Adeno-, Vacciniavirus, BVDV und SV40 ohne und mit Belastung (fötales Kälberserum = FKS) geprüft. In den Untersuchungen nach der EN 14476 ist eine Prüfung mit dem Polio- und dem Adenovirus in Gegenwart von Phosphatpuffer vorgeschrieben, um eine Virus-Wirksamkeit ausloben zu können.

    Basierend auf dem Suspensionsversuch wird mittlerweile in Deutschland zwischen viruzider und begrenzt viruzider Wirksamkeit der Präparate unterschieden. Präparate mit viruzider Wirksamkeit für die hygienische Händedesinfektion basieren entweder auf einem sehr hohen Gehalt an Ethanol mit Zusätzen, deren Zusammensetzung patentrechtlich geschützt ist, oder auf einem reduzierten Ethanolgehalt mit Säurezusatz und/oder einer synergistischen Wirkung der Kombination verschiedener Inhaltsstoffe. Neben der umfassenden viruziden Wirksamkeit von Händedesinfektionsmitteln kann im quantitativen Suspensionsversuch nach der deutschen Leitlinie auch eine begrenzte Viruzidie ausgelobt werden. Diese schließt nach der Deklaration eines Arbeitskreises am RKI eine Wirksamkeit gegenüber allen behüllten Viren ein. Begrenzt viruzid wirksame Händedesinfektionsmittel können neben Ethanol auch 1-Propanol und/oder 2-Propanol als alkoholische Wirkstoffe enthalten. Die Produkte werden nach erfolgreicher Prüfung mit dem BVDV und dem Vacciniavirus als Testviren der Leitlinie mit der Auslobung begrenzt viruzid als Arzneimittel in Deutschland zugelassen. Begrenzt viruzide Präparate sind häufig schon nach sehr kurzer Einwirkzeit (15 Sekunden) im Suspensionsversuch wirksam. Dies führt allerdings nicht zu entsprechenden Anwendungsempfehlungen, da die praktische Einwirkzeit bei der hygienischen Händedesinfektion nicht weniger als 30 Sekunden betragen darf. Für eine umfassende viruzide Wirksamkeit im quantitativen Suspensionsversuch werden meistens längere Einwirkzeiten (0,5 bis 2 Minuten) benötigt als für die begrenzte Viruzidie. Für praxisnahe Untersuchungen kann auf die Methoden der ASTM 1838 und ASTM 2011 zurückgegriffen werden. Hier werden die Fingerkuppen und/oder die Hände von Probanden zunächst mit dem Prüfvirus kontaminiert und dann mit einer Test-Formulierung im Plastikröhrchen (ASTM 1838) oder an der gesamten Hand (ASTM 2011) behandelt. Zu beachten ist hier, dass die Ergebnisse, erzielt im Versuch mit den Fingerkuppen oder der ganzen Hand, durchaus von denen aus dem Suspensionsversuch abweichen können. Generell muss in Situationen, in denen unbehüllte Viren eine Rolle spielen können, die hygienische Händedesinfektion mit einem viruziden Präparat durchgeführt werden. Auch bei Ausbrüchen mit unbekannten Viren sollten nur Präparate zum Einsatz kommen, die als viruzid wirksam deklariert worden sind.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 32–40

  • Prävention von postoperativen Wundinfektionen, Teil 2: Bedeutung der chirurgischen Händedesinfektion und aktuelle Gesichtspunkte zur praktischen Durchführung

    Axel Kramer*, Ojan Assadian, Nils-Olaf Hübner, Günter Kampf

    Die chirurgische Händedesinfektion ist unerlässlicher Bestandteil der Multibarrierenstrategie zur Prävention postoperativer Wundinfektionen, weil der Operationshandschuh keine sichere Erregerbarriere darstellt.

    In der vorliegenden Übersicht werden die Anforderungen an Präparate zur chirurgischen Händedesinfektion im Hinblick auf Wirksamkeit und Verträglichkeit diskutiert, die Notwendigkeit von Hautschutz und Hautpflege begründet und die weiteren Voraussetzungen zur Gewährleistung der Effektivität der Händedesinfektion (Händereinigung, kein Tragen von Schmuck, Anforderungen an die Sanitärarmatur, die Bereichskleidung und an den Hautzustand sowie Training und Supervision) dargestellt.

    Auf der Grundlage des aktuellen Schrifttums lassen sich folgende Schlussfolgerungen zur Optimierung der chirurgischen Händedesinfektion ableiten: Die Händewaschung sollte im Idealfall > 10 min vor der ersten chirurgischen Händedesinfektion eines Tags durchgeführt werden. Eine Wiederholung im weiteren Tagesablauf ist nur bei sichtbarer Verschmutzung erforderlich. Zur Desinfektion werden die Hände lückenlos durch eingeübte Einreibetechnik benetzt. Die Gesamtanwendungsdauer des chirurgischen Händedesinfektionsmittels beträgt in Abhängigkeit von der mikrobioziden Wirksamkeit des Präparats 1 min, 1,5 min oder 3 min und schließt die Benetzung der Unterarme ein.

    Bezüglich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwendungskomfort sind Alkohol-basierte Präparate Mittel der Wahl, da sie in diesen Eigenschaften jedwede andere Wirkstoffgruppe übertreffen. PVP-Iod und Chlorhexidin sind sowohl in wässriger oder Tensid-basierter Grundlage als auch als Zusatz zu Alkoholen bezüglich der Wirksamkeit entbehrlich zur chirurgischen Händedesinfektion, aus toxikologischen Gründen ist ihr Einsatz abzulehnen.

    Bei korrekter Durchführung und Einhaltung der erforderlichen Rahmenbedingungen kann die chirurgische Händedesinfektion einen positiven Beitrag zur Infektionsprävention leisten.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 41–49

Aus der Praxis

  • Verbesserung der Händehygiene am Universitätsklinikum Freiburg: Wir haben es in der Hand!

    Andreas Conrad*, Markus Dettenkofer

    Die hygienische Händedesinfektion mit einem alkoholischen Händedesinfektionsmittel ist die wichtigste Maßnahme, um „Healthcare-associated Infections“ zu verhindern. Sie ist einfach durchzuführen, preiswert und effektiv. Dennoch wird Händehygiene in der Praxis nachweislich zu selten praktiziert. Daher ist die Verbesserung der Händehygiene eine notwendige und vordringliche Aufgabe. Der vorliegende Beitrag fasst vor dem Hintergrund der Erfahrungen und Untersuchungen am Universitätsklinikum Freiburg wesentliche Aspekte zur Verbesserung der Händehygiene zusammen: Teilnahme an der „AKTION Saubere Hände“, Förderung von Hautschutz und Hautpflege, Einführung von farbstoff- und parfümfreien Händehygienepräparaten, Einsatz von „Kitteltaschenflaschen“ in Ergänzung zu konventionellen Wandspendern und die Durchführung von Kurzfortbildungen. Dieses gezielte Vorgehen führte in den letzten fünf Jahren zu einem deutlichen Anstieg des Händedesinfektionsmittelverbrauchs am Universitätsklinikum Freiburg.

     

    Hyg Med 2009; 34 [1/2]: 50–53

     

     

     

Blickpunkt

  • Get your disinfection – eine Kampagne im Ruhrgebiet

    W. Popp

DGKH

  • Ausschreibung des Projekt- und Forschungspreises