MHP

Hygiene & Medizin 4/2009

Aktuell

  • Mini-Eiweiße für sichere Implantate
  • Wenn Darmbakterien surfen gehen
  • Herpesgefahr durch Textilien?
  • Welttuberkulosetag 2009
  • Start der Aktion „Wir gegen Viren“
  • Verursacher von Muschelvergiftungen identifiziert

Originalia

  • Wachstumsverhalten und Persistenz von Aspergillus fumigatus und Fusarium solani in Trinkwasser

    Steffen Engelhart*, Arne Simon, Martin Exner

    Hintergrund: Unlängst postulierten amerikanische Wissenschaftler die Hypothese, dass Schimmelpilze in der Hausinstallation von Krankenhäusern eine Quelle für invasive Aspergillosen und Fusariosen bei immunsupprimierten Patienten darstellen können. Ziel der vorliegenden Pilotstudie war es daher, Erkenntnisse über das Wachstumsverhalten und die Persistenz von zwei der in diesem Zusammenhang wichtigsten Schimmelpilzarten, Aspergillus fumigatus und Fusarium solani, im Trinkwasser zu gewinnen.

    Methode: Trinkwasserproben wurden in vitro mit Referenzstämmen inokuliert und bei einer Wassertemperatur von 5 °C, 25 °C, 37 °C und 55 °C über einen Zeitraum von vier Jahren inkubiert.

    Ergebnisse: Beide Schimmelpilzspezies persistierten über mindestens 12 Monate bei 5 °C

    und mehr als 48 Monate (nach einer vorübergehenden Wachstumsphase) bei 25 °C, bei höheren

    Wassertemperaturen kam es zu einer zunehmend rascheren Inaktivierung. Während F. solani rasch extrazelluläre Matrix im Trinkwasser ausbildete, war A. fumigatus lediglich an den renzflächen zur Luft nachweisbar.

    Schlussfolgerung: Aufgrund des Wachstumsverhaltens und der Assoziation zu Biofilmen ist

    grundsätzlich die Möglichkeit einer Kolonisation der Hauswasserinstallation durch F. solani gegeben, für A. fumigatus ist dies dagegen aufgrund der vorliegenden Daten wenig wahrscheinlich. Die klinische Bedeutung dieser möglichen Quelle für invasive Schimmelpilzinfektionen muss in weiteren Studien abgeklärt werden.

     

    Hyg Med 2009; 34 [4]: 128–131

Aus der Praxis

  • Prospektive Pilotstudie zur MRSA-Eradikation mittels Polyhexamethylbiguanid (PHMB)-haltiger Substanzen

    Andreas K. Joos

    Hintergrund: Multiresistente Erreger, vor allem Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Stämme stellen unverändert ein großes Problem dar. In dieser prospektiven Pilotstudie sollte untersucht werden, ob und unter welchen Bedingungen bzw. Voraussetzungen eine Eliminierung von MRSA unter Verwendung von Polyhexamethylbiguanid (PHMB)-haltigen Substanzen möglich ist.

    Methode: Insgesamt sechs Patienten wurden nach Einwilligung und positiven MRSA-Abstrichen vor Studienbeginn eingeschlossen. Die Eradikation galt als erfolgreich, wenn drei Tage nach Beendigung der 9-tägigen Therapie an drei aufeinanderfolgenden Tagen kein MRSA-Erreger mehr nachweisbar waren. Neben den allgemeinen Hygiene-, Desinfektions- und Isolierungsmaßnahmen erfolgte eine morgendliche Ganzkörperwaschung und die Wundpflege mit PHMB-Präparaten sowie die dreimal tägliche Eradikation des äußeren Ohres, des Nasen- und Rachenraums über insgesamt neun Tage. Alle Abstriche wurden jeweils morgens vor den Eradikationsmaßnahmen entnommen, an Tag 0, 2, 4, 6 und 8 jeweils an Kopf, Bart, Nacken, Ohren, Nase, Rachenraum, Axilla, Leiste, Perineum und vorhandenen Wunden. An Tag 11, 12 und 13 erfolgten die letzten Abstrichserien; waren diese negativ, wurde die Isolierung des Patienten aufgehoben. Zur Abschätzung eines langfristigen Eradikations-Erfolges wurde nach ca. 30 Tagen eine abschließende Abstrichentnahme durchgeführt. Die Patientenzufriedenheit wurde mittels Fragebogen evaluiert, Zeitaufwand und Kosten wurden erfasst.

    Ergebnisse: Der auf eine Pflegekraft bezogene Zeitaufwand für die Eradikationsmaßnahmen betrug täglich 91 Minuten, für die Zimmer-Desinfektion 52 Minuten. Ein Patient konnte langfristig, zwei weitere anfänglich erfolgreich eradiziert werden; bei diesen beiden zeigte sich in der Langfrist-Kontrolle jedoch eine erneute MRSA-Besiedelung. Bei drei Patienten gelang keine Eradikation. Substanz-Nebenwirkungen wurden nicht registriert. Die Patientenzufriedenheit bezüglich der Eradikationsmaßnahmen war hoch. Die Materialkosten für die verwendeten Mittel beliefen sich durchschnittlich auf 412 e für eine insgesamt 9-tägige Eradikation.

    Schlussfolgerung: Substanzen auf PHMB-Basis mit dem Vorteil fehlender Resistenzentwicklungen und geringer Nebenwirkungen sind für eine MRSA-Eradikation geeignet, auch wenn noch nicht geklärte Faktoren eine erfolgreiche Eliminierung bei der Hälfte der Patienten verhindert haben. Die finanziellen und personellen Kosten sind ebenso gering wie die Patientenbelastung. Weitere Studien sollten verbesserte Eradikationsmöglichkeiten für Problemzonen eruieren und untersuchen, welche Faktoren für eine misslungene Eradikation verantwortlich sein könnten.

     

    Hyg Med 2009; 34 [4]: 132–137

  • Etablierung eines Hygienemanagements auf einer Station für Verbrennungen in einem staatlichen Krankenhaus in Taiz / Jemen

    Susanne Liebl

    Hintergrund: Im Auftrag des Hammer Forums sollte ein Hygienemanagement in einer Fachabteilung für Verbrennungen im Al-Thowrah-Hospital, einem staatlichen Krankenhaus in Taiz (Jemen), etabliert werden. Die Klinik verfügt über 500 Betten und hat derzeit als einziges Krankenhaus in Taiz die Möglichkeit, Brandopfer auf einer eigenen Station zu behandeln. Ziel war es, Ärzte, Pflege- und Reinigungspersonal für Hygienemaßnahmen zu sensibilisieren und Vorgaben zu deren Umsetzung zu implementieren.

    Methode: Eine Bestandsaufnahme ergab, dass die Ausstattung des Krankenhauses im Hinblick auf Wasserversorgung, medizinisches Instrumentarium, Verbrauchsmittel, die Einrichtung an sich sowie das Hygienemanagement mangelhaft waren. Zur Verbesserung der Situation wurden die Zuständigkeiten vor Ort geklärt und für Ärzte, Pflege- und Reinigungspersonal ein 11-Punkte-Plan zum hygienischen Arbeiten erstellt. Zur Sicherstellung der Maßnahmen wurden die Pflegekräfte und Ärzte geschult und in der Umsetzung durch die Teilnahme an der täglichen Arbeit begleitet und unterstützt. Die Klinik wurde mit einer hygienischen Basisausrüstung ausgestattet (Seife, Reinigungsmittel und Desinfektionslösungen, Mülltüten, Einmalhandschuhe, Instrumente). Abwurfbehälter zum Sammeln von Spritzen und Kanülen sowie Händedesinfektionsmittelflaschen wurden aus ehemaligen Wasserflaschen hergestellt und auf den Stationen verteilt.

    Ergebnisse: Trotz der erschwerten Bedingungen konnte durch die ständige Begleitung und Unterstützung seitens der Mitarbeiter des Hammer Forums eine Verbesserung des Hygienemanagements erreicht werden. Die Bereitschaft der jemenitischen Pflegekräfte war ausgesprochen hoch. Zum Teil konnte auch bei den Ärzten ein höheres Bewusstsein für Hygienemaßnahmen und deren Einhaltung erzielt werden.

    Diskussion: Die kontinuierliche Begleitung durch deutsche Pflegekräfte des Hammer Forums mit einem Projektplan zur Überprüfung der Zielvereinbarungen wären aus meiner Sicht notwendig, um einen nachhaltigen Erfolg und ein Umdenken sicherzustellen. Ein generell höheres Selbstverständnis für die Durchführung von Maßnahmen zur Infektionsprävention und zur Vermeidung von Folgeerkrankungen sowie Komplikationen wären ein wünschenswertes Ergebnis. Zur Qualitätsverbesserung und -sicherung der Hygiene in den jemenitischen Krankenhäusern wäre es dringend erforderlich, das Budget der staatlichen Kliniken aufzustocken und dessen Verteilung zu kontrollieren.

     

    Hyg Med 2009; 34 [4]: 138–143

Blickpunkt

  • Die Entdeckung der Cholera-Ätiologie durch Robert Koch 1883/84

    Martin Exner

DGKH

  • Begutachtung bei Vorwürfen hygienisch fehlerhafter Behandlung

    Walter Popp, nach Anhörung des Vorstandes der DGKH

Referate

  • Sicherheit chirurgischer Operationen: Eine Checkliste der WHO reduziert die Komplikationsrate

    Hardy-Thorsten Panknin, Bernd Reith