MHP

Hygiene & Medizin 5/2009

Aktuell

  • Neuer DNA-Test zur Diagnostik der Schistosomiasis
  • Situationseinschätzung zur Neuen Influenza
  • Infektionen? Nein danke!

Originalia

  • Intermittierende Ozonierung des Wasserringsystems in einem ambulanten Hämodialyse-Zentrum

    Karl A. Brensing, Eva Neugebauer, Peter Heidkamp, Peter Raab, Uwe Pöge, Thomas Gerhardt, Michael Dedenbach, Rainer Kluth, Wilfried Speuser, Thomas Kistemann, Stefan Linke, Johannes Lenz, Stephanie Büttgen, Martin Exner, Jürgen Gebel

    Hyg Med 2009; 34 [5]: 176–182

    Hintergrund: Die Letalitätsrate von Dialysetherapiepatienten in Europa und den USA ist noch immer sehr hoch (13–20 %). Kontaminationen des zur Dialyse verwendeten Wassers mit Bakterien sind eines der schwerwiegendsten Probleme im Bereich der Hämodialysetherapie. Grund sind klinische Infektionen und/oder persistierende (Mikro-) Infektionen. Ziel der Studie war die Untersuchung der Wirksamkeit des Desinfektionsmittels Ozon, das regelmäßig in einem acht Jahre alten PVC-Wasserringsystem eingesetzt wurde, in dem keine thermische Desinfektion durchgeführt werden konnte.

    Methode: Die Studie wurde in eine Phase A mit wöchentlicher Ozonierung sowie eine Phase B mit täglicher, intermittierender Ozonierung gegliedert, bei der die Ozonierung jeweils mit niedrig dosiertem Ozon (0,03–0,05 mg/l für drei Stunden: 0–3 Uhr) erfolgte. Um die Effektivität der Ozonierung auf die mikrobielle Belastung in der Wasserphase und den Biofilm des auf Umkehrosmose basierenden Wasserringsystems einschätzen zu können, wurden Proben der Wasserphase und des Schlauchsystems jeweils am Anfang und Ende des Wasserringsystems auf die Anzahl Koloniebildender Einheiten untersucht (KBE/ml und KBE/cm2). Zusätzlich wurde mittels eines sensitiven Limulus-Assays der Endotoxin-Gehalt der Wasserphase bestimmt, sowie der Einfluss der Desinfektionsmaßnahme auf einen hochkontaminierten Biofilm (in-vitro) in einem Silikonschlauch, der in einem Hygiene-Monitor am Ende des Wasserringsystems angeschlossen wurde.

    Ergebnisse: Nach sechs bis neun Monaten wöchentlicher Ozonierung lagen alle bakteriellen Zellzahlen innerhalb der aktuellen europäischen Richtlinien-Werte. Während Bakterien der autochtonen Wasserflora detektierbar waren, im Median 16 KBE/ml, konnten keine Mykobakterien, Pseudomonaden oder Gram-negativen Bakterien nachgewiesen werden. Nach vier bis neun Monaten täglicher, intermittierender Ozonierung konnten die Bakterien der autochtonen Wasserflora um mer als 50 % auf im Median 7,5 KBE/ml reduziert werden (p<0,02), auch hier konnten keine humanpathogenen Bakterien nachgewiesen werden. Gleichzeitig konnte ein Rückgang des Endotoxin-Gehalts (EU) in der Wasserphase beobachtet werden (Median vorher 0,02 EU/mL, nachher 0,01 EU/ml) (p<0,01). Die tägliche, intermittierende Ozonierung reduzierte im Dialyseschlauch vorhandene (de novo) Biofilm-Kontaminationen nach vier bis neun Monaten um 1 log10-Stufe (Median vorher 9.2 3 103/cm2; nachher 2,44 3 102/cm2; p<0,01). Sie reduzierte auch die Menge Koloniebildender Einheiten im in-vitro kontaminierten Silikonschlauch innerhalb von sechs Wochen um 4 log10-Stufen (Median vorher: 2,5 3 107 /cm2; nachher: 4,0 3 103/cm2).

    Schlussfolgerung: 1. Die tägliche, intermittierende Ozonierung bei geringen Konzentrationen reduziert effektiv die Anzahl Kolonie-bildender Einheiten in der Wasserphase (unter 10 % des momentanen EU-Grenzwerts von 100 KBE/ml), und minimiert die untersuchten fakultativ humanpathogenen Bakterien unter die Nachweisgrenze. 2. Sie kann hohe Biofilmkontaminationen in Dialyseschläuchen innerhalb von drei Monaten signifikant reduzieren und kann 3. bereits bestehende Biofilme in Silikonschläuchen abbauen. Zwar müssen die durch tägliche, intermittierende Ozonierung erzielten Ergebnisse noch durch Langzeit-Studien bestätigt werden, jedoch scheinen sie bis jetzt sogar eine interessante Alternative zur Desinfektion von älteren PVC-Wasserringsystemen zu sein, in denen keine thermische Desinfektion durchgeführt werden kann.

Aus der Praxis

  • MRSA-Personalscreening in einer Chirurgischen Universitätsklinik

    Andreas K. Joos

    Hyg Med 2009; 34 [5]: 183–187

    Hintergrund: Die Zunahme der MRSA-Infektionen bewertet das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin als „besorgniserregend“. In den letzten Jahren stieg hierzulande der Anteil von MRSA an allen Staphylococcus-aureus-Isolaten in den Kliniken kontinuierlich an. Wichtigste Maßnahme zur Transmissionsprävention ist die Isolation der kolonisierten Patienten mit möglicher Kohorten-Isolierung, außerdem sind die grundlegenden hygienischen Maßnahmen, insbesondere die Händedesinfektion, Benutzung von Einmalhandschuhen, usw. strikt zu beachten. Auch Dekolonisierungsmaßnahmen und ein Aufnahme-Screening, zumindest von Risiko-Patienten bei stationärer Aufnahme, sind sinnvolle Maßnahmen, die aber bisher im überwiegenden Teil der deutschen Kliniken (meist aus Kostengründen) nicht zuverlässig durchgeführt werden, ebensowenig wie ein regelmäßiges Personalscreening.

    Methode: Mitte 2006 wurde wegen dreier positiver MRSA-Wundinfektionen mit demselben Subtyp ein Screening der 48 Ärzte der Chirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim an Nase, Rachen, Stirn-Nacken-Haaransatz und Perineum inklusive einer Abklatsch-Untersuchung der Führungshand veranlasst.

    Ergebnisse: Bei zwei Ärzten wurde eine MRSA-Besiedelung jeweils in der Nase nachgewiesen bei ansonsten negativen Ergebnissen an den übrigen Abstrich-Lokalisationen. Die Typisierung ergab allerdings einen anderen Subtyp als bei den Patienten mit einer MRSA-Wundinfektion.

    Schlussfolgerung: Aufgrund der hier gezeigten Ergebnisse scheint bei einem Personalscreening die Untersuchung beider Nasenvorhöfe für einen potentiellen MRSA-Nachweis auszureichen, die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 15 Euro pro Person und sind damit deutlich geringer als die Testung an fünf Lokalisationen (ca. 78 Euro). Somit kann ein regelmäßiges Screening des Personals im Rahmen von Qualitätssicherungsmaßnahmen sinnvoll sein, um mögliche MRSA-Träger beim Personal identifizieren zu können. Die Kosten hierfür stellen u. E. einen vertretbaren Aufwand dar, der dazu beitragen kann, eine unbeabsichtigte Verbreitung der Erreger über das Personal zu verhindern. Somit halten wir ein solches Screening für eine sinnvolle Ergänzung der Bemühungen, eine MRSA-Verbreitung einzudämmen.

Empfehlung

  • Empfehlungen des Netzwerk Zukunft Hygiene (NZH) zu Planung, Betrieb und Abnahme von raumlufttechnischen Anlagen im OP

    M. Scherrer, C. Brandt, I. F. Chaberny, M. Dettenkofer, S. Engelhart, Th. Hauer, P. Heeg, C. Herr, P. Kaiser, F. Mattner1, F.-A. Pitten, K. Weist; Zustimmende Autorenschaft: L. Bader, A. Kola, A. W. Friedrich, A.-K. Sonntag, G. A. Wiesmüller

    Hyg Med 2009; 34 [5]: 188–191

    Die DIN 1946-4 gilt als maßgebende technische Regel für raumlufttechnische Anlagen im Krankenhaus. In der Neufassung vom Dezember 2008 wird (informativ) die Raumklasse Ia beispielhaft für ein breites Spektrum von Operationen postuliert. Aus Sorge vor einer unkritischen Perzeption dieser nicht normativen Beispiel-Liste bei Anlagenplanern und Aufsichtsbehörden wurde die vorliegende Stellungnahme erarbeitet. Nach kritischer Sichtung der internationalen Literatur und einschlägiger Empfehlungen spielt die Luft als Quelle endemischer postoperativer Wundinfektionen nach den derzeit vorliegenden Daten für die meisten Operationen keine wesentliche Rolle. Lediglich für Operationen mit großen Endoprothesen (Knie und Hüfte) gibt es Hinweise, dass eine turbulenzarme Verdrängungslüftung zusätzlichen Schutz bieten kann. Die Festlegung der Raumklasse und anderer Details muss grundsätzlich auf lokaler Ebene in Abstimmung mit dem zuständigen Krankenhaushygieniker erfolgen. Einige weitere Aspekte werden diskutiert.

  • Praxisorientierte Empfehlung zur Behandlung kritisch kolonisierter und lokal infizierter Wunden mit Polihexanid, Stand: Januar 2009

    Joachim Dissemond, Veronika Gerber, Axel Kramer, Gunnar Riepe, Robert Strohal, Annette Vasel-Biergans, Thomas Eberlein

    Hyg Med 2009; 34 [5]: 194–199

    Wundinfektionen sind besondere Herausforderungen in der Behandlung akuter und chronischer Wunden. Typische Komplikationen gefährden nicht nur den Erfolg der gesamten Behandlungsmaßnahmen, sie können Amputation nach sich ziehen oder sogar lebensbedrohlich werden. Mit Polihexanid steht eine in hohem Maße geeignete antimikrobielle Substanz zum Einsatz bei kritisch kolonisierten oder infizierten, akuten und chronischen Wunden zur Verfügung. Diese Beurteilung geht insbesondere auf das breite antimikrobielle Spektrum, die gute Zell- und Gewebeverträglichkeit, die Bindungsfähigkeit an die organische Matrix, das niedrige Risiko von Kontaktsensibilisierungen und die wundheilungsfördernde Wirkung zurück. Weiterhin ist es unter Polihexanideinsatz bisher nicht zu nachgewiesenen Resistenzentwicklungen bei Erregern gekommen.

DGKH

  • Sektion Reinigung und Desinfektion: Validieren-im-Team

VAH

  • Desinfektionsmittelliste des VAH

Blickpunkt

  • Die Neue Grippe (Influenza A/H1N1) beim Menschen Fragen und Antworten des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts

Referate

  • Einfluss impfkritischer Internetseiten auf die Wahrnehmung von Risiken des Impfens

Veranstaltungen

  • 8. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen