MHP

Hygiene & Medizin 6/2009

Aktuell

  • Die selbstzerstörerische Kooperation der Salmonellen
  • Neue Tests und neue Daten zur Neuen Influenza
  • Diagnose HIV
  • Verleihung der Johann-Peter-Frank-Medaille 2009
  • Neue Meldepflicht bei MRSA

Originalia

  • Vergleichende Untersuchungen zur Tenazität verschiedener Modellviren gegenüber chemischen Desinfektionsmitteln

    C. Köhler, J. Manteufel, I. Röder, U. Rösler, U. Truyen*

    Hintergrund: Die Wirksamkeitsprüfung chemischer Desinfektionsmittel für die Bereiche Tierhaltung und Lebensmittelhygiene wird in Deutschland nach den Richtlinien der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e.V. (DVG) durchgeführt. Mit dem bereits auf europäischer Ebene formulierten Ziel, die Prüfbedingungen an die Verhältnisse der praktischen Desinfektion anzupassen, wurden in Untersuchungen zur Änderung der DVG-Desinfektionsmittelprüfrichtlinien hinsichtlich der Prüftemperatur sowie der Eignung alternativer Testviren überprüft.

    Methodik: Die Prüfung der Viruzidie im Suspensionstest erfolgte gemäß den DVG-Richtlinien zur Prüfung chemischer Desinfektionsmittel. Zusätzlich zur Prüftemperatur von 20 °C erfolgte die Prüfung bei 10 °C und 4 °C. Es wurden fünf handelsübliche Desinfektionsmittel verschiedener Wirkstoffgruppen (Säuren, Aldehyde, quartäre Ammoniumverbindungen, chlor- und peressigsäurehaltige Mittel, Wasserstoffperoxidverbindungen) an acht Testviren geprüft. Drei der Viren stellen vorgeschriebene Testviren dar: das Bovine Enterovirus (ECBO), das Newcastle Disease Virus (NDV) und das Respiratory enteric orphan virus (REO). Zusätzlich wurden als Alternativviren das Bovine Virusdiarrhoe Virus (BVDV), das Enteric cytopathogenic human orphan virus (ECHO), das Feline Calicivirus (FCV), das Feline Herpesvirus (FHV) sowie das Feline Panleukopenievirus (FPV) untersucht.

    Ergebnisse: Das ECHO-Virus war deutlich resistenter als ECBO oder FPV. Als Ersatz für NDV eignet sich mit nahezu identischer Tenazität BVDV, jedoch nicht FHV. FCV als Norovirussurrogat zeigte abhängig von der Wirkstoffgruppe eine ähnliche Tenazität wie REO. In 42 % der Versuche wurde eine schlechtere Wirksamkeit bei niedrigen Temperaturen (4 °C und 10 °C) festgestellt, in 62,5 % der Versuche ergab sich eine geringere Wirksamkeit unter Eiweißbelastung.

    Schlussfolgerungen: ECHO, BVDV und FCV eignen sich aufgrund ihrer Tenazität, der besseren Handhabung und den sehr guten Eigenschaften in der Versuchsdurchführung als Testviren. Die Aufnahme von 10 °C als Prüftemperatur in die Prüfrichtlinien auf europäischer und nationaler Ebene ist unbedingt zu empfehlen.

     

    Hyg Med 2009; 34 [6]: 224–232

  • Kann man in Flüssen baden? Saprobiensystem versus Hygiene

    Franz Mascher*, Franz P. Pichler-Semmelrock, Franz F. Reinthaler, Egon Marth

    Hintergrund: Die Kriterien zur Erfassung und Beurteilung des Gewässerzustandes von Fließgewässern beruhen primär auf einer biologischen Beurteilung mittels eines Leitformensystems (Saprobiensystem). Im Rahmen dieser Arbeit wurde versucht den Zustand steirischer Fließgewässer über bakteriologische Fäkalindikatoren gemäß Bäderhygieneverordnung zu beschreiben.

    Methode: Für die quantitative Bestimmung der Fäkalcoliformen (FC) und Salmonellen (MPN-Verfahren gemäß ISO 9308-2 und ISO 8199) wurden an definierten Probenahmstellen Schöpfproben entnommen. Insgesamt wurden von 9 Flüssen 4 Analysenserien mit 228 Proben von 64 Messstellen entlang der Fließstrecken durchgeführt.

    Ergebnisse: Kein Fluss erfüllte über die gesamte Fließstrecke die Anforderungen an ein Badegewässer. In 60 % der Proben wurden Fäkalcoliforme in Konzentrationen über 2.000 MPN/100 ml und/oder Salmonellen in 1.000 ml nachgewiesen, in 19 % der Proben betrugen die MPN an Fäkalcoliformen über 10.000/100 ml. Der Nachweis von Salmonellen korrelierte mit der Konzentration der Fäkalcoliformen. Die Kontamination mit Fäkalindikatoren nahm mit der Fließstrecke zu.

    Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse stehen in krassem Widerspruch zum biologischen Gewässerzustand gemäß Gewässergüteatlas. Durch die zunehmende Nutzung für Bewässerung und v. a. für Freizeitaktivitäten (z. B. Badegewässer, Abenteuersport u. a.) sind Fließgewässer als mögliche direkte oder indirekte Infektionsquelle zunehmend von volksgesundheitlicher Bedeutung. Möglichkeiten zur Verbesserung der seuchenhygienischen Qualität der Fließgewässer werden diskutiert.

     

    Hyg Med 2009; 34 [6]: 233–239

     

Übersicht

  • Desinfektionsmittel zur Anwendung am Menschen – Einstufung als Arzneimittel auch nach der 15. AMG-Novelle

    Christian Jäkel*

    Desinfektionsmittel werden rechtlich verschiedenen Produktkategorien zugeordnet. So sind Flächendesinfektionsmittel Biozid-Produkte. Desinfektionsmittel zur Desinfektion von Medizinprodukten sind Medizinprodukte bzw. Zubehör zu Medizinprodukten. Desinfektionsmittel zur Anwendung am Menschen sind hingegen Arzneimittel. An dieser Einstufung ändert sich auch nichts durch die neue Arzneimitteldefinition im deutschen Arzneimittelgesetz. Mit der 15. AMG-Novelle will der Gesetzgeber die deutsche Arzneimitteldefinition der europäischen anpassen. Damit hat der Gesetzgeber aber nur nachvollzogen, was die Rechtsprechung seit Jahren bereits vorgegeben hat. Der Beitrag zeigt auf, warum sich an der Einstufung von Desinfektionsmitteln zur Anwendung am Menschen als Arzneimittel nichts ändert und was die Konsequenzen für die Praxis sind.

     

    Hyg Med 2009; 34 [6]: 240–247

Referate

  • Clostridium-difficile-Infektion – eine Infektionsgefahr für medizinisches Personal?

    Markus Hell

Blickpunkt

  • Aus Indien importierte Koinfektion mit dem Dengue- und Chikungunya-Virus – Informationen zum Erkrankungsrisiko
  • Situationseinschätzung zur Neuen Influenza Stand: 13.06.2009

Veranstaltungen

  • 20. Dosch-Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin