MHP

Hygiene & Medizin 7&8/2009

Aktuell

  • Aktuelle Studie mit Impfstoff gegen die Neue Grippe
  • Neue Lebensform von Listerien entdeckt
  • Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission
  • Bald Tuberkulose-Nachweis per Chip?

Originalia

  • Prüfung der Wirksamkeit desinfizierender Waschverfahren gegen Viren mittels Einsatz phagenhaltiger Bioindikatoren mit dem Surrogatvirus MS2 Teil 1: Niedertemperaturverfahren

    A. Gerhardts, C. Wilderer, H. Mucha, D. Höfer

    Hintergrund: Die viruzide Wirksamkeit desinfizierender Waschverfahren wird momentan ausschließlich in quantitativen Suspensionsversuchen (QSV) beurteilt, praxisnahe Methoden fehlen. In der vorliegenden Arbeit sollte das Surrogatvirus MS2, ein den meisten viralen Gastroenteritiserregern vergleichbarer Bakteriophage, untersucht werden, ob es sich für die Viruzidie-Prüfung desinfizierender Waschverfahren im QSV eignet. Außerdem sollten phagenbeladene Bioindikatoren entwickelt und deren Anwendbarkeit zur Viruzidie-Prüfung desinfizierender Waschverfahren unter Praxisnähe getestet werden.

     

    Methoden: Der MS2-Phage wurde mit Hilfe von Stabilitätsversuchen (pH-Stabilität, Stabilität bei unterschiedlichen Temperaturen, Temperaturstabilität in Abhängigkeit von der Zeit) auf seine Eignung als Teststamm hin untersucht. Für die praxisnahen Waschversuche wurden MS2-Bioindikatoren entwickelt. Dabei handelt es sich um Keimträgerläppchen (KTL) aus Standard-Baumwollgewebe, die mit dem Surrogatvirus MS2 beladen wurden. Zur Simulation der Praxisnähe desinfizierender Waschverfahren bei der Aufbereitung von Alten- und Pflegeheimwäsche, wurde das Virus in einer organischen Prüfanschmutzung (artifizieller Kot) verwendet. Mit den MS2-Bioindikatoren wurde zunächst ein viruzid gelistetes desinfizierendes Waschverfahren im Niedertemperaturbereich von 40 °C untersucht, bei welchem eine thermische Inaktivierung nicht per se erwartet werden kann.

     

    Ergebnisse: Die durchgeführten Versuche zur Kultivierbarkeit, Nachweisspezifität, Stabilität und Desinfizierbarkeit unterstreichen die Praktikabilität des Bakteriophagen MS2 als Surrogatvirus. In den quantitativen Suspensionsversuchen mit Eiweißbelastung wurde der MS2-Phage mit dem eingesetzten Verfahren bei 40 °C in Suspension nicht ausreichend inaktiviert. Auf KTL mit artifizieller Kotanschmutzung war der Phage ausreichend temperatur-, pH- und lagerstabil. Bei Waschversuchen unter praxisnahen Bedingungen zeigte sich an den Bioindikatoren eine unzureichende Wirkung des Niedertemperaturwaschverfahrens gegenüber diesen Viren.

     

    Schlussfolgerung: Diese ersten Untersuchungen zeigen, dass sich phagenhaltige Bioindikatoren als mögliches Prüfinstrument eignen, um desinfizierende Waschverfahren im Niedertemperaturbereich unter Praxisnähe auf ihre Wirkung gegenüber Viren zu prüfen.

     

    Hyg Med 2009; 34 [7/8]: 272–281

Aus der Praxis

  • Sterilisation von HEPA-Filtern in Sicherheitswerkbänken der Klasse 2 mittels Formaldehydbegasung

    Heiner Schaal, Roland Schulze-Röbbecke, Marc Thanheiser, Walter Glück

    Hintergrund: Die Sterilisation von High-Effi

    ciency-Particulate-Air- (HEPA-) Filtern aus mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken ist ein oft diskutiertes Problem. Da die Wirksamkeit der Formaldehydbegasung zur Sterilisation von HEPA-Filtern bislang nicht nachgewiesen wurde, stellt eine in-situ-Formaldehydbegasung bislang keine anerkannte Alternative zum Autoklavieren der Filter dar. Vertreter aus Wissenschaft, Behörde und Industrie fanden sich zu einem Expertenkreis zusammen, um aufgrund der Inaktivierung von Bioindikatoren (Sporen von Geobacillus stearothermophilus) einen Wirksamkeitsnachweis der Formaldehydbegasung von HEPA-Filtern in mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken zu erbringen.

     

    Methodik: Für die Nachweisführung eines wirksamen Sterilisationserfolgs bei den Bioindikatoren wurden diese im Arbeitsraum und in den H14-HEPA-Filtern (Vor- und Hauptfilter) einer Sicherheitswerkbank der Klasse 2 verteilt und über einen Zeitraum von 9 Stunden bei ca. 65 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100 % mit Formaldehyd begast.

     

    Ergebnisse: Die besonderen Materialeigenschaften der typischen HEPA-Filter der Sicherheitswerkbänke und die Anforderungen an eine Sterilisation erfordern eine spezifizierte Anpassung des anerkannten Raumdesinfektionsverfahrens mit Formaldehyd. Unter Einhaltung der hier ermittelten Parameter von Luftfeuchtigkeit, Temperatur und verdampfter Formaldehydmenge wird ein Wirksamkeitsnachweis der Formaldehydbegasung von HEPA-Filtern einer Sicherheitswerkbank mittels Bioindikatoren erbracht.

     

    Schlussfolgerungen: Die hier beschriebene Formaldehydbegasung erweist sich als wirksames Verfahren zur Sterilisation von HEPA-Filtern einer Sicherheitswerkbank für Mikroorganismen und deren Dauerformen. Lediglich der Sonderfall der Prioneninaktivierung ist hiervon ausgenommen. Diese Ergebnisse beenden die Jahrzehnte andauernde Debatte um die Wirksamkeit der Formaldehydbegasung von HEPA-Filtern in Sicherheitswerkbänken.

     

    Hyg Med 2009; 34 [7/8]: 282–286

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger (MRE)

VAH

  • Mitteilung Nr. 2 / 2009 der Desinfektionsmittel-Kommission: Anforderungen an Prüflaboratorien
  • Hinweise zur Nutzung der neuen VAH-Liste im Internet
  • Fragen und Antworten: Desinfektionsmittel zur Bekämpfung von Schimmelbefall an Büchern und Akten

Veranstaltungen

  • Die infizierte Problemwunde 3. Symposion der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene