MHP

Hygiene & Medizin 9/2009

Aktuell

  • Neue Stechmücke breitet sich aus
  • Schweinegrippe – Hygieniker empfehlen Händedesinfektion an allen öffentlichen Orten

Übersicht

  • Spezielle Aspekte der Influenza bei stationär behandelten Kindern

    Arne Simon

    Im Verlauf der saisonalen Influenza und aktuell auch der Influenza-Pandemie durch das neue Influenza H1/N1 09-Virus werden in Notfallambulanzen pädiatrischer Behandlungszentren zahlreiche Kinder mit Influenza behandelt und stationär aufgenommen. Vor diesem Hintergrund werden in dieser Übersicht spezielle Aspekte der Influenza bei stationär behandelten Kindern diskutiert. Zur Prävention der nosokomialen Influenza bei Kindern mit Risikofaktoren für einen komplizierten Verlauf sind – neben der zeitnahen Erregerdiagnostik und der konsequenten Beachtung von Hygienemaßnahmen – die Impfung der engen Kontaktpersonen (Herdenimmunität) und die Impfung des Personals im Gesundheitswesen entscheidend. Bei Kindern vor dem 24. Lebensmonat muss von einer geringeren Effektivität der saisonalen Influenza-Impfung ausgegangen werden. Die Datenbasis für die Oseltamivir-Behandlung bei Säuglingen ist sehr begrenzt, so dass in dieser Altersgruppe während der Oseltamivir-Behandlung bis auf weiteres eine stationäre Überwachung ratsam erscheint.

     

    Hyg Med 2009; 34 [9]: 320–327

Originalia

  • Nosokomiale Infektionen nach kardiochirurgischen Operationen im Kindesalter

    Till Dresbach, Julia Prusseit, Johannes Breuer, Arne Simon*

    Hintergrund: Kinder, die sich einer Herzoperation unterziehen müssen und in kinderkardiologischen Intensivabteilungen behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für nosokomiale Infektionen (NI). Bislang liegt zu diesem Thema noch keine systematische Übersicht vor.

    Methoden: Die hier vorgestellten Daten zu diesem Thema stammten aus einer systematischen Analyse von 23 zwischen 1990 und 2009 in Englisch publizierten Originalarbeiten.

    Ergebnisse: Insgesamt wurden in die hier analysierten Studien mehr als 10.000 Patienten eingeschlossen. Die Infektionsrate (Anteil der Patienten mit mindestens einer NI) lag im Median bei 15,8 % (Range: 5,5–30,8 %). Die Inzidenzdichte nosokomialer Infektionen lag in drei Studien bei 6,8, 6,9, und 21,7 NI pro 1000 Patiententage. Neben Katheter-assoziierten Blutstrominfektionen mit 36 % aller dokumentierten NI (Range: 25–66 %) spielten vor allem postoperative Wundinfektionen (SSI) mit 23 % (Range: 8–37 %) eine wichtige Rolle. Ein relevanter Anteil der SII wurde erst nach der ersten Entlassung diagnostiziert. NI verlängerten auch in der Kinderherzchirurgie die stationäre Behandlungsdauer und erhöhten in einigen Studien das Mortalitätsrisiko.

    Diskussion: Die Ergebnisse dieser Analyse führen aufgrund der Heterogenität der Studien nicht zu Referenzdaten. Sie liefern den Klinikern und dem Hygienefachpersonal vor Ort jedoch umfassende Hinweise auf Infektionsraten und auf konkrete Ansatzpunkte für präventive Interventionen.

     

    Hyg Med 2009; 34 [9]: 328–335

  • Nosokomiale Infektionen bei pädiatrischen Intensivpflegepatienten – Daten aus ITS-KISS

    Christine Geffers, Frank Schwab, Petra Gastmeier

    Hintergrund: Pädiatrische Intensivstationen (ITS) sind in Bezug auf infektionsrelevante Daten nur schlecht mit Nicht-pädiatrischen Intensivstationen vergleichbar und benötigen daher für eine sinnvolle Surveillance, wie in §23 des Infektionsschutzgesetzes gefordert, eigene Referenzwerte zum Vergleich.

    Methode: In Deutschland besteht für pädiatrische ITS die Möglichkeit am ITS-KISS, dem Surveillance System für nosokomiale Infektionen auf Intensivstationen des nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen, teilzunehmen.

    Ergebnisse: Seit 1998 haben sich 17 pädiatrische Intensivstationen am ITS-KISS beteiligt. Für die pädiatrischen ITS werden in ITS-KISS stratifizierte Referenzdaten ausgewiesen. Insgesamt wurden 33.739 Patienten an 204.869 Patiententagen während durchschnittlich 41 Monaten auf pädiatrischen ITS in die Surveillance eingeschlossen. Insgesamt wurden 659 nosokomiale Indikatorinfektionen (312 primäre Sepsisfälle, 216 Atemweginfektionen, 132 Harnweginfektionen) beobachtet. Die primäre Sepsis ist auf pädiatrischen ITS mit einem Anteil von 47 % an den nosokomialen Indikatorinfektionen die häufigste Infektion. Das Alter der nosokomial infizierten Kinder beträgt im Median 1 Jahr und die Infektionen entwickeln sich durchschnittlich am Tag 18 des Intensivstationsaufenthaltes (Median). 81 % der Infektionen waren zeitlich zu einem Device (ZVK, Beatmung, Harnwegkatheter) assoziiert. Folgende Device-assoziierte Infektionsraten wurden auf pädiatrischen ITS für die angegebenen Zeiträume ermittelt: ZVK-ass. Sepsisrate 1998 bis 2007=3,16, 2008=1,91; Beatmungs-assoziierte Atemweginfektionsrate 1998–2004=2,62, 2005–2008=2,32; HWK-assoziierte Harnweginfektionsrate 1998–2008= 1,72. Die Geschlechterverteilung zeigt signifikante infektionsspezifische Unterschiede (Anteil männlicher Patienten bei der primären Sepsis 55 %, Atemweginfektionen 66 %, Harnweginfektionen 44 %). Die Letalität der nosokomialen Infektionen liegt zwischen 3,0 % (Harnweginfektion) und 7,9 % (Atemweginfektionen). Die beiden jeweils häufigsten Infektionserreger sind für die primäre Sepsis Koagulase negative Staphylokokken und S. aureus, für Atemweginfektionen P. aeruginosa und Klebsiella spp. und für die Harnweginfektionen E. coli und P. aeruginosa. Multiresistente Erreger haben einen Anteil von knapp 5 % an den Erregern von nosokomialen Infektionen auf pädiatrischen Intensivstationen.

    Schlussfolgerung: Das ITS-KISS stellt Referenzdaten für nosokomiale Infektionen auf pädiatrischen Intensivstationen zur Verfügung und liefert dadurch die Möglichkeit auch für diese spezielle Population das Niveau der eigenen Infektionshäufigkeiten zu beurteilen um daraus Rückschlüsse ableiten zu können. Pädiatrische Patienten unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht von anderen Intensivpatienten. So sind pädiatrische Intensivpatienten insbesondere durch die nosokomiale Sepsis bedroht. Die Geschlechterverteilung zeigt bzgl. der Infektionsarten deutliche Unterschiede. Die auf Erwachsenen-Intensivstationen häufiger gefundenen multiresistenten Erreger spielen auf pädiatrischen ITS bei nosokomialen Infektionen eine vergleichbar geringere Rolle.

     

    Hyg Med 2009; 34 [9]: 336–342.

  • In-vitro-Bestimmung der minimal erforderlichen Einwirkungszeit einer Taurolidin-haltigen antimikrobiellen Katheter-Blocklösung

    Anastasija Schlicht, Gudrun Fleischhack, Claus Herdeis, Arne Simon*

    Hintergrund: Für die Anwendung einer Taurolidin-haltigen Katheter-Blocklösung ist von erheblicher Bedeutung, wie lange der antimikrobiell wirksame Block im Katheterlumen mindestens verbleiben sollte, damit die in diesem klinischen Kontext relevanten Infektionserreger signifikant (um mindestens 5 log-Stufen) in ihrer Keimzahl reduziert werden.

    Methodik: In der hier vorgestellten in-vitro-Untersuchung wurden Isolate von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), S. epidermidis, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter baumanii, Candida albicans, Vancomycin-resistenten Enterococcus faecium, S. haemolyticus und Streptococcus salivarius in einem Time-to-kill-Experiment nach der DGHM-Methode mit TauroLock™ und TauroLock Hep 500TM exponiert.

    Ergebnisse: Im Verlauf zeigte sich eine Abnahme der Kolonie-bildenden Einheiten um mindestens

    5 log-Stufen für alle untersuchten Isolate nach einer Einwirkzeit von 4 Stunden.

    Schlussfolgerung: Hieraus kann abgeleitet werden, dass die Mindestverweildauer des Taurolidin-Blocks im Katheterlumen bei 4 Stunden liegen sollte. Dies ist von erheblicher praktischer Bedeutung bei Patienten, deren Katheter täglich genutzt wird und bei denen nur ein intermittierendes Blocken des Katheters möglich ist (z. B. bei Patienten mit zyklisierter parenteraler Ernährung).

     

    Hyg Med 2009; 34 [9]: 343–345.

Empfehlung

  • Empfehlung zur Diagnostik, Therapie und Prophylaxe der Infektion mit dem Neuen Influenza A/H1N1-Virus bei Kindern und Jugendlichen

    Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie

Konsensus

  • Gemeinsame Stellungnahme zur Erfassung nosokomialer und gesundheitssystemassoziierter Infektionen in der Pädiatrie

    Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Referate

  • Gefäßkatheter-assoziierte Septikämien bei Neu- und Frühgeborenen
  • Nosokomiale Infektionen in der Pädiatrie

Blickpunkt

  • Hygiene-Tipps für Klinikclowns

    C. Ilschner, B. Witte-Tiggemann, A. Simon, J. Gebel, M. Exner