MHP

Hygiene & Medizin 11/2009

Aktuell

  • Situation der Influenza A/H1N1
  • Neue und alte Seuchen: Wächst die Gefahr?
  • EU-weite Übereinkunft zum Schutz vor Infektionen durch Schnittverletzungen
  • Bakterien erwarten das Unerwartete

Originalia

  • Praktische Untersuchungen zur kindgerechten Modifikation der hygienischen Händedesinfektion

    Sarah Käter, Arne Simon, Martin Exner, Jürgen Gebel*

    Hintergrund: Die Händedesinfektion ist ein wichtiger Bestandteil der Infektionsprävention. Wenn die Notwendigkeit dazu besteht, sollten auch Kinder angeleitet werden, das Standardverfahren der Hygienischen Händedesinfektion durchzuführen. Da dieses Verfahren in keinster Weise den kognitiven und motorischen Fähigkeiten sowie den verhaltenspsychologischen Besonderheiten von Kindern entspricht, wurde ein kindgerechtes modifiziertes Verfahren der Händedesinfektion entwickelt und auf seine Wirksamkeit überprüft.

    Methode: Das modifizierte Verfahren der Händedesinfektion beinhaltet die Reduktion der Schritt-anzahl von 6 auf 3, der Einreibezeit auf 15 sec und der Desinfektionsmittelmenge von 2x 3 ml auf 1x 3 ml. Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde zum einen mit Hilfe eines UV-Koffers überprüft, der die Benetzungslücken an den Händen von Erwachsenen und Kindern visualisierte. Zum anderen erfolgte ein praxisnaher Versuch mit Erwachsenen in Anlehnung an die DGHM-Standardmethode, um die Wirksamkeit des Verfahrens bezüglich der Keimreduktion zu überprüfen. Neben der herkömmlichen Applikationsform des Desinfektionsmittels durch einen Spender – hier simuliert durch eine Multipette – wurde auch die Applikation mit Hilfe des berührungslosen Händedesinfektionsgerätes „Steripower“ getestet.

    Ergebnisse: In der Testreihe mit dem UV-Koffer zeigte sich bei den Erwachsenen eine nahezu gleichwertige Anzahl von Benetzungslücken bei beiden Verfahren, Unterschiede existierten nur in der Lokalisation. Keines der beiden Verfahren konnte vollständig benetzte Hände vorweisen. Bei den Kindern zeigte das modifizierte Verfahren weniger Benetzungslücken sowie eine bessere kognitive und motorische Umsetzungsfähigkeit.

    2 Kinder erreichten mittels des modifizierten Verfahrens vollständig benetzte Hände, das Standardverfahren wies bei jedem Kind Benetzungslücken auf. Bei der Versuchsreihe in Anlehnung an die DGHM-Standardmethode erzielte die Standard-Händedesinfektion bei beiden Applikationsformen signifikant höhere Keimreduktionen (Mittelwert der Reduktionsfaktoren: 3,92 log10-Stufen mit Multipette; 4,08 log10-Stufen mit Steripower-Gerät) als das modifizierte Verfahren (Mittelwert der Reduktionsfaktoren: 3,12 log10-Stufen mit Multipette; 3,62 log10-Stufen mit Steripower-Gerät). Beim modifizierten Verfahren war eine geringere Variationsbreite in der Keimreduktion festzustellen und es lieferte bessere Ergebnisse mit Hilfe des Steripower-Gerätes.

    Diskussion: Bezüglich der Testreihe mit dem UV-Koffer scheint eine Reduktion des Standardverfahrens auf 3 Schritte möglich und sinnvoll. Dagegen zeigte die Versuchsreihe in Anlehnung an die DGHM-Standardmethode eine Überlegenheit des Standardverfahrens, so dass die Modifikation der Einreibezeit auf 15 sec und/ oder der Desinfektionsmittelmenge auf 1x 3 ml nicht ausreichend erscheint. Das Steripower-Gerät stellte sich als interessante Alternative heraus, besonders für das modifizierte Verfahren. Bisher wurde bei allen Untersuchungen einer der wichtigsten Parameter bezüglich der Effizienz der Hygienischen Händedesinfektion bei Kindern, nämlich die Compliance, vernachlässigt. Kinder, die in der Lage sind, die Händedesinfektion durchzuführen ohne an ihrer Komplexität zu scheitern, gewinnen an Motivation, die die Compliance und somit die Händedesinfektion nur fördern kann.

     

    Hyg Med 2009; 34 [11]: 434–442

Aus der Praxis

  • Hygienemanagement in der außerklinischen Intensivpflege – Anforderungen an Struktur- und Prozessqualität

    Sabine Gleich*, Werner Fulle, Maria-Theresia Linner, Sabine Perugia, Verena Heimstädt, Manuela Kaser, Heinz Eckert, Christine Motz

    Hintergrund: Durch den medizinisch-technischen Fortschritt und die verkürzte Klinikverweildauer nimmt die Gruppe langzeitbeatmeter bzw. intensivpflegebedürftiger Menschen stetig zu. Um diese Patienten zu versorgen, hat sich als neue Form die außerklinische Intensivpflege etabliert, die zu Hause, in Wohngruppen oder in stationären, spezialisierten Pflegeeinrichtungen erfolgen kann. Ziel war es, sich einen Überblick über das Hygienemanagement in der außerklinischen Intensivpflege zu verschaffen, da diese Patienten neben einer hohen Device-Anwendungsrate häufig mit multiresistenten Erregern kolonisiert sind und dies hohe hygienische Anforderungen an die Pflege stellt.

    Methode: Der MDK Bayern und das RGU der Landeshauptstadt München untersuchten im Rahmen einer Schwerpunktüberprüfung „Außerklinische Intensivpflege“ zwischen November 2006 und August 2009 verschiedene Anbieter außerklinischer Intensivpflegedienste mit Geschäftssitz im Stadtgebiet München. Die Überprüfungen erfolgten standardisiert anhand von Checklisten.

    Ergebnisse: Die Überprüfung gab einen ersten Einblick in die Organisationsform und das Hygienemanagement einer noch recht jungen Versorgungsstruktur. Große Anbieter mit einem großen Personalstamm und einer großen Anzahl zu betreuender Patienten setzten auf die Form der Wohngruppenversorgung, wo der überwiegende Teil der beatmeten Patienten örtlich konzentriert und aus Effizienzgründen in einem Schichtsystem wie in stationären Einrichtungen versorgt wird. Charakteristisch für die Patienten der außerklinischen Intensivpflege waren die hohe Device-Anwendungsrate sowie die überdurchschnittliche MRSA-Prävalenz. 9,8 % der Patienten waren mit MRSA kolonisiert, wobei die MRSA-Prävalenz bei tracheostomierten und/oder beatmeten Patienten 29,6 % betrug. Die Mehrheit der Pflegedienstanbieter besaß kein suffizientes Hygienemanagement: Die Sichtung der vorliegenden Hygienepläne ergab, dass nur

    75 % der Anbieter über Standards zur Händehygiene, 56 % der Anbieter über Standards zum Umgang mit MRSA-Patienten und lediglich 50 % der Anbieter über Standards zu typischen infektionskritischen Tätigkeiten in der außerklinischen Intensivpflege verfügten. Die insgesamt schlechte Strukturqualität der Hygiene spiegelte sich unmittelbar in einer schlechten Prozessqualität im Rahmen der Überprüfungen wieder.

    Schlussfolgerung: Da einerseits hohe hygienische Anforderungen an das Personal in der außerklinischen Intensivpflege bestehen, andererseits hierzu aber bislang keine fachlichen Standards existieren, konstituierte sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die eine Checkliste für die außerklinische Intensivpflege mit ihren drei unterschiedlichen Versorgungsformen erarbeitete. Diese soll den Anbietern die strukturierte Implementierung eines Hygienemanagements erleichtern.

     

    Hyg Med 2009; 34 [11]: 443–453

DGKH

  • Unbegründete Infragestellung von Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) führt zu verantwortungsloser Verunsicherung der Praxis

    Stellungnahme des Vorstands der DGKH

VAH

  • Desinfektionsmittel-Kommission veröffentlicht aktuelle Liste

    Mitteilung der Desinfektionsmittel-Kommission

Referate

  • Influenzaimpfung bei medizinischem Personal – Über die Rolle subjektiver Empfindungen

    Dr. Franziska Schaaff

Veranstaltungen

  • 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie