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Hygiene & Medizin 12/2009

Aktuell

  • Rudolf Schülke Stiftung: „Hygiene-Preis 2009“
  • Bei Schutzimpfung gegen „Schweinegrippe“: Korrekten Ablauf beachten!
  • Arzneimitteleigenschaft von Haut- und Händedesinfektionsmitteln
  • Schweinegrippe und der Umgang mit Unsicherheit
  • Schweinegrippe, Experten, Impfstoff und Chaos – eine nachdenkliche Glosse

Übersicht

  • Nutzung Geographischer Informationssysteme für die Krankenhaushygiene

    Thomas Kistemann*, Christoph Höser, Ina Wienand

    Hyg Med 2009; 34 [12]: 482–491

    Geographische Informationssysteme (GIS) sind heute mehr als ein unverzichtbares Arbeitsmittel

    der modernen Geographie. Unter Einbeziehung der dritten Dimension, temporaler Animationen

    und Modellbildung haben sie inzwischen für sehr kleinräumige Anwendungen Analyse- und Modellierungsoptionen geschaffen. Dadurch wird es möglich, GIS auch in der Krankenhaushygiene für Surveillance, Kontrolle und Prävention nosokomialer Infektionen zu nutzen.

    Eine besondere Herausforderung stellt dabei allerdings die Erfassung raumbezogener Daten von

    Personen und Objekten im Krankenhaus dar. Eine nachträgliche Rekonstruktion von Pfaden und Aufenthaltsorten ist meist nicht in der erforderlichen Präzision und Geschwindigkeit verfügbar. Mit Hilfe automatisierter Erfassungstechniken lässt sich die herkömmliche Modellierung einer Infektionsausbreitung in einem mehr deterministischen Ansatz als bisher darstellen: nicht wahrscheinliche Pfade und Begegnungen werden für die Modellierung genutzt, sondern tatsächlich beobachtete.

    Aufbauend auf einem Real Time Location System (RTLS) kann, für eine spezifische Kombination von Primärinfizierten und Pathogen, eine virtuelle und temporal animierte „Kontaminationslandschaft“ errechnet werden. In dieser Kontaminationslandschaft

    führen die Aufenthalte und Begegnungen aller Personen und Objekte zu individuell bestimmbaren Infektions- bzw. Kontaminationsrisiken. Unterschiedliche Infektiösität und Tenazität werden in diesem InfektionsInfoSystem (IIS) pathogenspezifisch

    berücksichtigt.

    Es können Handlungsoptionen abgeleitet werden, um die verfügbaren Kräfte für eine Unterbrechung der Infektionskette wirkungsvoll, frühzeitig und effizient einzusetzen. Dies führt zu einer optimierten Prävention und Kontrolle, die Qualitätssicherung wird unterstützt. Damit geht das IIS weit über die Beobachtung eines Infektionsgeschehens hinaus. Die erforderliche informationstechnische Infrastruktur steht inzwischen preiswert zur Verfügung und wird in vielen Krankenhäusern, insbesondere im Ausland, für andere Zwecke bereits genutzt. Ein

    Mehraufwand für das Klinikpersonal fällt nicht an. Es wird empfohlen, das IIS-Verfahren nach der bereits erfolgten Evaluation nun in einer Pilotstudie in der Praxis zu überprüfen.

Aus der Praxis

  • Wie wirksam ist Händewaschen gegen Influenzaviren?

    Maren Eggers*, Elena Terletskaia-Ladwig, Martin Enders

    Hyg Med 2009; 34 [12]: 492–498

    Hintergrund: Influenzaviren werden nicht nur aerogen – beispielsweise durch Husten oder Niesen – von Mensch zu Mensch übertragen, sondern auch indirekt durch das Anfassen von mit Virussekret kontaminierten Oberflächen. Über die kontaminierten Hände können dann die Influenzaviren in Nasen-, Augen- oder Mundschleimhäute gelangen und eine Infektion verursachen. Mit einer adäquaten Händehygiene kann einer solchen Kontaktinfektion vorgebeugt werden. In dieser Arbeit sollte daher in einer praxisnahen Untersuchung geprüft werden, ob durch das Händewaschen die Influenzaviruslast auf den Händen effektiv reduziert werden kann.

     

    Methode: Hierfür wurde die Fingerkuppe oder die Handinnenflächen von Probanden mit einem Influenza A/H1N1-Impfstamm (ein A/H1N1/Brisbane/59/2007-ähnliches Virus) kontaminiert. Das Influenzavirus wurde zuvor mit einer Dreifach-Proteinbelastung versetzt, die das Nasensekret imitieren sollte.

     

    Ergebnisse: Der Virustiter, der nach dem Verreiben und Antrocknen von den Händen bzw. Fingerkuppen der Probanden eluiert wurde, zeigte eine Reduktion von 1–2 log10-Stufen (im Median 5,8 log10 PFU/ml). Ohne Stabilisierung fiel der Virustiter um 3,5 log10-Stufen ab (3,9 log10 PFU/ml). Nach artifizieller Kontamination von Handinnenflächen und Fingerkuppen mit Influenza A-Viren und anschließendem 20-sekündigen Händewaschen mit Seife konnte bei allen Probanden kein infektiöses Influenzavirus mehr nachgewiesen werden.

     

    Schlussfolgerung: Regelmäßiges Händewaschen könnte daher bei der Bewältigung einer Influenza-Epidemie oder Pandemie eine wichtige Rolle spielen.

Empfehlung

  • Management der neuen Influenza A/H1N1-Virus-Pandemie im Krankenhaus: Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

    Die neue A/H1N1-Influenzavirus-Pandemie scheint nach den bisherigen Beobachtungen klinisch häufig mild zu verlaufen, allerdings ist die weitere Entwicklung der Pandemie schwer vorhersehbar. In dieser Empfehlung wird zu den folgenden Fragen Stellung genommen: Wie bestimmt man den Schweregrad einer Influenza und welches sind die Indikationen zur Hospitalisation? Welche Vorschläge können für das Patientenmanagement im Krankenhaus gemacht werden und welche Hygienemaßnahmen sind zu beachten? Welche diagnostischen Schritte sind in der Notaufnahme bei Influenzaverdacht und im Krankenhaus bei Influenza-Patienten notwendig und wie wird behandelt? Welche häufigen Komplikationen der Influenza gibt es (Pneumonie und respiratorische Insuffizienz) und wie sieht deren Therapie aus?

DGKH

  • Einladung zum 10. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in Berlin 2010

VAH

  • Fragen und Antworten

    Kathetereintrittspforten

Referate

  • Reduktion Venenkatheter-assoziierter Infektionen – Ergebnisse einer Interventionsstudie am Universitätsklinikum Zürich

Leserforum

  • Astronautenhauben im OP – Übertriebene Maßnahme oder hygienisch erforderlich?