MHP

Hygiene & Medizin 9/2010

Aktuell

  • HTA-Bericht: Infektionsschutz beim Einsatz künstlicher Kniegelenke
  • Händedesinfektion schützt besser vor Darminfektionen und Erkältungen als erwartet
  • Burger wird neuer Präsident des Robert Koch-Instituts
  • Ausschreibung KHK-Stiftungspreis 2011
  • Unberechenbare Grippe
  • Ausschreibung Hygienepreis der Rudolf Schülke Stiftung
  • Erratum
  • Leitfaden „Textilien in Pflegeeinrichtungen“
  • Stoff-Einkaufstaschen sind mit Erregern belastet
  • Zum Gedenken an Herrn Dr. Ulrich J. Kirschner
  • SAFETY FIRST! fordert besseren Schutz vor Nadelstichverletzungen in Arztpraxen

Originalia

  • Erfahrungen mit einem neuen MRSA-Management im Klinikverbund Südwest

    Thilo Rünz, Jörk Volbracht, Gunther Weiß, Miriam Kellner

    Hyg Med 2010; 35 [9]: 306–314

    Hintergrund: Um die Anzahl nosokomialer MRSA-Infektionen/-Kolonisationen zu minimieren, wurde 2006 im Klinikverbund Südwest eine MRSA-PCR etabliert. Der langfristige Erfolg blieb jedoch aus. Das Gesamtkonzept wurde Mitte 2009 von der Fachabteilung für Hygiene und Infektionsprävention, zusammen mit der Geschäftsführung und dem Labor neu überdacht und umstrukturiert.

    Methode: Mit Hilfe einer MRSA-Checkliste wurde definiert, welche Patienten einem MRSA-Screening unterzogen werden müssen. Die Verantwortlichkeit hierfür wurde dem ärztlichen Dienst entzogen und dem Pflegedienst übertragen. Eine sogenannte „Cave“-Funktion im KISS wurde konsequent zum Einsatz gebracht. Des Weiteren wurde ein molekularbiologischer MRSA-PCR-Test etabliert, mit dem problemlos 100 Abstriche pro Tag untersucht werden können. Labordiagnostische Untersuchungsergebnisse sollten innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Die Ergebnisse des MRSA- und Hand-KISS sollten regelmäßig reportiert werden.

    Ergebnisse: MRSA-kolonisierte/-infizierte Patienten wurden durch die Umsetzung der konsequenten Screening-Maßnahmen schneller und häufiger entdeckt. Die Rate nosokomialer MRSA-Infektionen konnte signifikant reduziert werden. Die Auswertung der ökonomischen Daten zeigte, dass die Kosten des MRSA-Screenings durch die DRG-Mehrerlöse nicht gedeckt werden konnten.

    Schlussfolgerung: Da das gesamte Hygieneregime gegenüber 2006 unverändert fortgeführt wurde, kann geschlossen werden, dass allein durch die Einführung der konsequenten Screeningmaßnahmen die Rate an nosokomialen MRSA-Infektionen/-Kolonisation signifikant reduziert werden konnte – allerdings nicht kostendeckend. Doch durch die frühzeitige Erkennung von MRSA-Trägern kann nicht nur das Risiko der kostenintensiven Behandlung von MRSA-Infektionen minimiert werden, sondern auch eine „stille“ Transmission auf Mitpatienten und damit die Weiterverbreitung Antibiotika-resistenter Erreger verhindert werden.

  • Was wissen die Deutschen über Krankenhausinfektionen und was fordern sie? Ergebnisse einer repräsentativen Befragung

    Günther Rosenberger

    Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage hat die Resonanz der Medienberichterstattung über Krankenhausinfektionen ermittelt. Überraschend viele Menschen haben bereits einmal von Krankenhausinfektionen gehört oder gelesen. Sie zeigten sich bei genauerer Kenntnis über die Häufigkeit nosokomialer Infektionen und der hiermit assoziierten Sterbefälle betroffen und verlangten nachdrücklich Verbesserungen der Hygienevorsorge im Krankenhaus. Für dieses Ziel waren viele der Befragten sogar bereit, ein persönliches finanzielles Opfer zu bringen. Sie erwarten von der Politik, dass sie sich der Problematik stärker annimmt und insbesondere, dass in einem entsprechenden Bundesgesetz einheitliche Hygienevorschriften geregelt werden. Allerdings ist diese Thematik nach Einschätzung der Befragten bisher von keiner Partei als Schwerpunktthematik erkannt worden.

     

    Hyg Med 2010; 35 [9]: 320–325

  • Quantitative Analyse praxis- relevanter Anschmutzung in Endoskopen zur Charakterisierung der Reinigungsleistung von Reinigungs-Desinfektionsgeräte

    Johanna Köhnlein, Sebastian Werner

    Hintergrund: Das Medizinproduktegesetz sowie die Medizinprodukte-Betreiber-Verordnung fordern, eine Aufbereitung von Medizinprodukten, die keimarm und steril zur Anwendung kommen, mit geeigneten validierten Verfahren durchzuführen. Damit ist der Erfolg der Verfahren gewährleistet und die Sicherheit von Patienten, Anwendern und Dritten wird nicht gefährdet. Da die Typprüfung eines Reinigungs- und Desinfektionsgerätes und die Validierung der Aufbereitungsverfahren mit Prüfanschmutzungen erfolgt, müssen diese Prüfanschmutzungen reproduzierbar, standardisierbar, quantifizierbar und praxisrelevant sein.

    Methode: Zur Prüfung der Reinigungs- und Desinfektionsleistung wurden entsprechend ISO 15883-4 Teflonschläuche zur Simulierung der Kanäle in Endoskopen eingesetzt. Die Anschmutzung erfolgte mit heparinisiertem Schafblut, reaktiviert mit Protamin. Zur Bestimmung der Desinfektionsleistung wurde das Schafblut mit Enterococcus faecium ATCC 6057 versetzt. Zur Rückgewinnung der Blutanschmutzung wurde der Prüfkörper entweder mit 0,85 % NaCl-Lösung, 1 % SDS-Lösung oder 1 % SDS-Lösung mit 10 min Ultraschallbehandlung plus Nachspülen mit 1 % SDS-Lösung behandelt. Zur Rückgewinnung der keimhaltigen Prüfanschmutzung erfolgte ein 5-maliges Durchspülen der Prüfkörper mit jeweils 20 ml CSL, 0,85 % NaCl-Lösung, VE-Wasser und Neutralreiniger. Das Eluat wurde für jeden Spülgang auf seinen Keimgehalt untersucht und die Bestimmung der organischen Ausgangskontamination der Prüfkörper erfolgte mit der modifizierten OPA-Methode.

    Ergebnisse: Die Rückgewinnbarkeit bei koaguliertem Blut aus den Prüfkörpern nach Durchspülen mit 0,85 % NaCl-Lösung lag bei 53 % der Anschmutzung. Das Durchspülen mit 1 % SDS-Lösung resultierte in einer deutlich höheren Rückgewinnung von 78 %. Die Kombination von 1% SDS-Lösung und Ultraschall verbesserte das Ergebnis auf 89 %. Die Rückgewinnung von E. faecium in heparinisiertem Blut zeigte schon visuell nach 5-maligem Durchspülen der Teflonschläuche, dass nur ein Bruchteil der Prüfanschmutzung aus dem Prüfkörper herausgelöst war. Mit allen vier Verfahren konnte im 1. Eluat die höchste Keimzahl bestimmt werden. Insgesamt konnten maximal 0,9 % der Prüfanschmutzung mittels Durchspülen rückgewonnen werden.

    Diskussion: Entscheidend ist das Ausmaß der Rückgewinnung der Restanschmutzung von den Prüfkörpern. Es muss sichergestellt sein, dass mit dem gewählten Verfahren die Prüfanschmutzung möglichst vollständig abgelöst werden kann. Reines Abspülen oder Durchspülen der Prüfkörper löst zum Teil nur 5 bis 10 % der vorhandenen Prüfanschmutzung ab. Die nach dem Reinigungs- und Desinfektionsprozess zurückbleibende Prüfanschmutzung muss quantifizierbar sein. Eine rein visuelle Kontrolle kann einen Reinigungserfolg vortäuschen, denn optisch „saubere“ Prüfkörper können noch messbare Konzentrationen von Proteinen aufweisen und bedeuten somit ein hohes Sicherheitsrisiko. Um einen verlässlichen europäischen Standard in der Aufbereitung von Medizinprodukten zu erreichen, ist es daher wichtig die in TS/ISO 15883-5 aufgeführten Prüfanschmutzungen auf die Kriterien Quantifizierbarkeit, Standardisierbarkeit, Reproduzierbarkeit und Praxisrelevanz, sowie Ausmaß der Rückgewinnbarkeit zu überprüfen und nur jene Anschmutzungen in die Norm aufzunehmen, welche diese Kriterien optimal erfüllen.

     

    Hyg Med 2010; 35 [9]: 315–319

Blickpunkt

  • Zum Auftreten multiresistenter NDM-1-Carbapenemase bildender Escherichia coli und Acinetobacter baumannii in Deutschland

    RKI

  • Auswertung der bundesweit übermittelten Meldedaten zu Adenovirus-Konjuktivitiden

    RKI

Referate

  • Ausscheidungsdauer von Noroviren – Unterschiede zwischen zuvor gesunden Personen und Pflegeheimpatienten

Leserforum

  • Ergänzende Stellungnahmen zur Abgrenzungsdiskussion bzgl. von am Menschen anzuwendenden Desinfektionsmitteln und Antiseptika mit medizinischer Auslobung