MHP

Hygiene & Medizin 10/2010

Aktuell

  • Deutsche Schüler wissen kaum etwas über Chlamydien
  • Infektöse WG auf Fleisch
  • Rätselhafte Influenzaviren
  • Wissenschaftspreis „Klinische Virologie“ für Eike Steinmann
  • Wenn Herpesviren erwachen

Originalia

  • Die Berücksichtigung von Aspekten des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung im modernen Gewässermanagement

    Christiane Schreiber, Thomas Kistemann

    Hintergrund: Mit seiner Ratifizierung ist das Protokoll über Wasser und Gesundheit in Deutschland im Januar 2007 rechtsverbindlich in Kraft getreten. Für die erforderliche Umsetzung der disziplinübergreifenden Ziele in den kommenden Jahren ist die Mitwirkung der verschiedenen Akteure aus dem Gesundheitssektor ebenso notwendig wie die Unterstützung aus dem Bereich der Wasserwirtschaft. Außerdem gilt es, eventuell vorhandene Synergien zu nutzen, die sich durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Gewässermanagement ergeben. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Bedeutung der Wasserrahmenrichtlinie für den Menschen und seine Gesundheit, dem Bekanntheitsgrad der Wasserrahmenrichtlinie und des Protokolls über Wasser und Gesundheit bei den Akteuren an der Basis und nach der Kompatibilität beider Rechtsdokumente.

    Methoden: Am Beispiel eines deutschen Rheinzuflusses wurden auf Einzugsgebietsebene die Handlungsmotivation und Beziehungsstrukturen der Akteure, ihre Einschätzung zu Synergiepotentialen und möglichen Konflikten sowie die Bekanntheit beider Rechtsdokumente mit Hilfe 16 qualitativer Interviews mit Experten unterschiedlicher Bereiche von Gewässermanagement und Gesundheit untersucht. Die Auswertung erfolgte auf intentional subjektiver sowie objektiver Ebene.

    Ergebnisse: Der ganzheitliche Ansatz der Wasserrahmenrichtlinie ist in der Wasserwirtschaft keine Neuheit, verstärkt jedoch generell die interdisziplinäre Vorgehensweise im Einzugsgebiet. Die Beteiligung der verschiedenen Akteure innerhalb des Einzugsgebietes war uneinheitlich, das Einbeziehen der Gesundheitsämter in Gewässerangelegenheiten wurde nur selten forciert, wenn Belange der Gesundheit als berührt angesehen wurden. Die befragten Akteure sahen die menschliche Gesundheit selbst als untergeordneten Belang in der Wasserrahmenrichtlinie. Berührungspunkte zur Gesundheit wurden in den Bereichen Trinkwasser, Abwasser-einleitungen, Altlasten oder auch der Selbstreinigungskraft von Gewässern sowie Freizeitnutzung (Badegewässer) und Hochwasserschutz gesehen. Daher wurden Positiveffekte der Wasserrahmenrichtlinie auf die Gesundheit vermutet, ebenso ein allgemein gesteigertes Wohlbefinden durch eine verbesserte Aufenthaltsqualität am Gewässer. Negativeffekte auf die Gesundheit waren den befragten Akteuren dagegen nur schwer vorstellbar, etwa eingeschränkte Barrierefreiheit oder die Gefahr der Ausbreitung Vektor-übertragbarer Krankheiten durch Renaturierung von Gewässern. Meist wurde von den befragten Experten Gewässerschutz mit vorbeugendem Gesundheitsschutz gleichgesetzt. Dies stand im Widerspruch zur geringen Bedeutung des Themenfeldes Gesundheitsschutz für den Großteil der Akteure im Untersuchungsgebiet. Das Protokoll über Wasser und Gesundheit war den Akteuren im Untersuchungsraum allgemein unbekannt, obwohl sich die Handlungsfelder zum Teil mit denen der Wasserrahmenrichtlinie decken. Auch die Gesundheitsfachleute hatten sich noch nicht eingehender mit diesem befasst.

    Schlussfolgerungen: Trotz des hohen Standards im Bereich der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland bleibt noch einiges zu tun und viel Aufklärungsarbeit ist notwendig: Strukturen der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Sektoren Gesundheit und Wasserwirtschaft müssen gefördert und Ressortdenken abgebaut werden, wenn das Protokoll über Wasser und Gesundheit über zufällig existierende, gesundheitsförderliche Effekte des Gewässermanagements im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie hinaus Wirkung entfalten soll.

     

    Hyg Med 2010; 35 [10]: 352–360

Aus der Praxis

  • Haftungsfragen im Hygienebereich – Hygienemängel gelten juristisch als „voll beherrschbare Risiken“

    Matthias Klein

    Der stetige Anstieg von Arzthaftpflichtverfahren ist auf eine Stärkung der Patientenrechte auch und gerade beim Verstoß gegen Hygienestandards zurückzuführen. Derartige Verstöße werden von der Rechtsprechung als „voll beherrschbare Risiken“ eingestuft, wenn sie nicht aus den Eigenheiten des menschlichen Organismus erwachsen, sondern durch den Klinikbetrieb oder die Arztpraxis gesetzt und durch sachgerechte Organisation und Koordinierung des Behandlungsgeschehens objektiv voll beherrscht werden können. Die Frage der „Beherrschbarkeit“ von Infektionsrisiken wird ausschließlich von der medizinischen Wissenschaft bestimmt. Das zur Entscheidung berufene Gericht muss sich deshalb sachverständig beraten lassen.

    Klinikleitung und ärztlichen Direktoren kommt haftungsrechtlich Organisationsverantwortung zu. Die juristischen Konsequenzen des ärztlichen Handelns, die neuesten Anforderungen der Rechtsprechung sowie der Ablauf eines Haftungsprozesses sind nur selten Gegenstand der ärztlichen Weiterbildung. Nur wer aber die Besonderheiten des Arzthaftungsprozesses kennt, kann verstehen, weshalb Organisation, Aufklärung und Dokumentation im Klinikalltag keine unnötige Förmelei darstellen, sondern wegen der besonderen Beweisregeln im Hygienebereich unmittelbar prozessentscheidend sein können.

     

    Hyg Med 2010; 35 [10]: 361–365.

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • OP-Kleidung und Patientenabdeckung

DGKH

  • Antrag der DGKH auf Beibehaltung eines technischen Maßnahmewertes für die Bewertung von Pseudomonas aeruginosa

    Martin Exner, Bärbel Christiansen, Hans-Curt Flemming, Jürgen Gebel, Thomas Kistemann, Axel Kramer, Heike Martiny, Werner Mathys, Werner Nissing, Stefan Pleischl, Arne Simon, Matthias Trautmann, Klaus-Dieter Zastrow, Steffen Engelhart

  • Konsensuspapier zur – Mehrfachverwendung von Injektionskanülen bei Insulinpens und Insulin-Einmalspritzen – Hautantiseptik (Hautdesinfektion) vor der subcutanen Insulininjektion

    Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege/Rehabilitation“

Blickpunkt

  • Tropenkrankheiten rücken näher

    RKI

Referate

  • Prävention postoperativer Wundinfektionen bei nasalen Staphylococcus-aureus-Trägern