MHP

Hygiene & Medizin 3/2011

Aktuell

  • Vier sind manchmal besser als drei
  • Von Vögeln und Menschen
  • GABRIEL-Studie
  • AIDS: Neuer Impfstoff-Kandidat

Originalia

  • Interventionsstudie zur Verbesserung der Compliance bezüglich der hygienischen Händedesinfektion

    M. Knoll, A. Wienke

    Studiendesign: Die vorliegende Untersu-chung beschäftigte sich mit der Beeinflussung von Mitarbeitern, um die Compliance zur hygienischen Händedesinfektion zu verbessern. Als Messparameter für die Compliance diente die Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels. Diese wurde definiert als die gemessene Zeit, die zwischen der Entnahme des Desinfektionsmittels und der nächsten Tätigkeit lag.

    Methodik: In einem 500 Betten-Krankenhaus in Mitteldeutschland wurden über einen Zeitraum von einer Woche teilnehmende Beobachtungen bei Ärzten sowie Pflegepersonal durchgeführt und die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels bei der hygienischen Händedesinfektion registriert. Nach einer anschließenden Schulung des gesamten ärztlichen und pflegerischen Personals erfolgte nach einer Wartezeit von vier Wochen eine einwöchige Wieder-holungsbeobachtung. Die gewonnenen Daten als Indikatoren der Veränderungen der Qualität des Hygienezustandes wurden mit Hilfe von 95 %-Konfidenzintervallen für die Verlängerung der Einwirkzeit analysiert.

    Ergebnisse: Vor der Intervention wurden bei Ärzten und Pflegepersonal (N = 568 Beobachtungen) Einwirkzeiten von durchschnittlich 7,9 s (Ärzte 4,4 s; Pflegepersonal 8,6 s) gemessen. In 1,8 % (Ärzte 1,2 %; Pflegepersonal 1,9 %) der Beobachtungen wurde die vom Hersteller angegebene minimale Einwirkzeit von ≥ 30 s berücksichtigt. Nach der Schulung zeigte sich in der Wiederholungsmessung, dass sich die Einwirkzeiten bei Ärzten und Pflegepersonal (N = 228 Beobachtungen) auf durchschnittlich 19,5 s (Ärzte 23,2 s; Pflegepersonal 18,9 s) verlängert hatten. In 20,2 % (Ärzte 19,4 %; Pflegepersonal 20,3 %) der Fälle wurde die minimale Einwirkzeit von

    ≥ 30 s berücksichtigt. Die Verlängerung der Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels nach der Schulung (CI95 Ärzte+Pflegepersonal = (10,2; 12,8); CI95 Ärzte = (15,7; 21,8);

    CI95 Pflegepersonal = (8,9; 11,6)) erwies sich als hoch signifikant (jeweils p < 0,001).

    Schlussfolgerung: In den meisten Fällen wurde die hygienische Händedesinfektion von Ärzten und Pflegepersonal nicht korrekt durchgeführt. Dies war auf die deutlichen Wissenslücken des Klinikpersonals bezüglich der Einwirkzeit von Händedesinfektionsmitteln zurückzuführen. Nach der Schulung konnte zwar eine deutliche Verbesserung der Compliance festgestellt werden, im Rahmen der Nachhaltigkeit sind jedoch weitere Schulungsmaßnahmen notwendig.

     

    HygMed 2011; 36 [3]: 76–80

Aus der Praxis

  • Multiresistente Erreger in Langzeitpflegeeinrichtungen

    C. Mohr Edokpolo

    Multiresistente Erreger (MRE) gewinnen im Gesundheitswesen eine immer größere Bedeutung. Diese Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf den Akutbereich, sondern zunehmend auch auf die Langzeitpflegeeinrichtungen. Empfehlungen für den Umgang mit MRE in Langzeitpflegeeinrichtungen sind v.a. für Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) vorhanden. Für Extended-Spektrum-Betalaktamase-Bildner (ESBL) oder andere MRE bestehen derzeit nur wenige Empfehlungen, wie in Langzeitpflegeeinrichtungen damit umgegangen werden soll. Dieser Artikel soll die allgemein empfohlenen Maßnahmen zusammentragen und einen Überblick verschaffen. Die bestehenden Empfehlungen für den Umgang mit MRE-tragenden Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Standardhygiene, wobei der Fokus auf der Händehygiene liegt. Werden diese hygienischen Gesichtspunkte berücksichtigt und umgesetzt, ist die Unterbringung in Einzelzimmern nicht zwingend erforderlich, wenn bei den jeweiligen Mitbewohnern keine Risikofaktoren vorliegen. Dekolonisationsmaßnahmen sollten in Niedrigprävalenzgebieten immer erwogen werden.

     

    HygMed 2011; 36 [3]: 81–84

Empfehlung

  • Einstufung von Risikowunden (Wounds at Risk; W.A.R. Score) und deren antimikrobiellen Behandlung mit Polihexanid – eine praxisorientierte Expertenempfehlung

    J. Dissemond, O. Assadian, V. Gerber, A. Kingsley, A. Kramer, D.J. Leaper, G. Mo-sti, A. Piatkowski, G. Riepe, A. Risse, M. Romanelli, R. Strohal, J. Traber, A. Vasel-Biergans , T. Wild, T. Eberlein

    Bisher existieren keine allgemein akzeptierten Definitionen für infektionsgefährdete Wunden. In der klinischen Praxis werden bei fehlenden Vorgaben und Empfehlungen zu viele Wunden als infektionsgefährdet eingestuft. Daraus resultiert eine zu häufige und/oder zu langzeitige Anwendung antiseptisch wirksamer Produkte. Auf der Basis von Expertengesprächen und dem aktuellen Wissen wurde ein Bewertungsscore entwickelt, welcher nun eingeführt wird. Der Sinn dieses Wounds At Risk (W.A.R.) Scores soll es sein, die Entscheidungsfindung für die Anwendung von Antiseptika auf der Basis von Polihexanid zu erlauben. Insgesamt soll diese Empfehlung zur Begriffsklärung beitragen und Entscheidungshilfen zur sinnvollen Auswahl lokaler antimikrobieller Maßnahmen mit Fokus auf die Substanz Polihexanid bieten. Dies geschieht mit dem Ziel, Wundinfektionen zu verhindern. Der W.A.R. Score beruht auf einer klinisch orientierten Risikoerhebung unter Berücksichtigung der konkreten Patientensachverhalte. Die Indikation für den Einsatz von Antiseptika ergibt sich aus der Addition unterschiedlich zu gewichtender Gefährdungsursachen, für welche Punkte vergeben werden. Bei drei oder mehr Punkten ist eine antimikrobielle Behandlung zu rechtfertigen.

     

    HygMed 2011; 36 [3]: 85–93

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • Prävention blutübertragbarer Virusinfektionen

DGKH

  • Positionspapier zur Qualifizierung von Krankenhaushygienikern

VAH

  • Aktualisierte Liste der Prüflaboratorien

Blickpunkt

  • Zur Entwicklung nosokomialer Infektionen im Krankenhausinfektions-Surveillance-System (KISS)

    P. Gastmeier

Referate

  • Einzelzimmerisolierung und Händehygiene bei MRSA

    H. T. Panknin

  • MRSA-Ausbruch auf einer gemischten Intensivstation

    T. H. Panknin