MHP

Hygiene & Medizin 5/2011

Aktuell

  • Gefährlichere Zeckenstiche in wärmerem Klima
  • Salmonellen infizieren nicht nach Schema F
  • Europäische Impfwoche
  • Uniklinika fordern größere Verantwortung der Bundesregierung beim Hygienegesetz
  • Multiresistenten Erregern auf der Spur

Übersicht

  • Infektionsprävention bei immunsupprimierten Patienten in der Gastroenterologie

    O. Leiß

    In einer Übersicht wird auf das erhöhte Infektionsrisiko von immunsupprimierten Patienten in der Gastroenterologie eingegangen. Mögliche endogene Infektionsquellen und exogene Quellen im häuslichen Umfeld oder medizinischen Bereich werden dargestellt. Auf präventive Maßnahmen, die Patienten und Angehörige selbst im häuslichen Bereich treffen können, wird hingewiesen. Ausführlicher werden Maßnahmen erörtert, die im medizinischen Kontext zu beachten sind. Insbesondere werden die Risiken bestimmter Immunsuppressiva (Azathioprin, Methotrexat, Cyclosporin, Infliximab, Adalumumab) besprochen und auf die Notwendigkeit von Impfungen zur Infektionsprävention verwiesen.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 176–182.

  • Hautantiseptik in 30 Sekunden ohne Differenzierung?

    G. Kampf, M. Reichel, B. Christiansen

    In Deutschland wurde in 2010 ein gefärbtes Arzneimittel auf Basis von 70 % Isopropanol und 2 % Chlorhexidingluconat vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Hautdesinfektion vor invasiven Behandlungen mit einer allgemeinen Einwirkzeit von 30 s zugelassen. Eine Differenzierung der Einwirkzeit nach Talgdrüsendichte der Haut wurde bei der Bewertung der Wirksamkeit offenbar nicht zugrunde gelegt, wie es in Deutschland nach den Wirksamkeitsanforderungen des Verbundes für angewandte Hygiene (VAH) und den Methoden der DGHM für Hautdesinfektionsmittel erforderlich ist. Auf Basis der Literatur ist davon auszugehen, dass die Formulierung auf talgdrüsenreicher Haut wie z. B. am Kopf in 30 s keine ausreichende Wirksamkeit erzielt. Deshalb sollte das Präparat auf talgdrüsenreicher Haut nicht ohne den Beleg einer ausreichenden Wirksamkeit mit einer Einwirkzeit von lediglich 30 s eingesetzt werden.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 183–185

  • Durchführung der präoperativen Hautantiseptik im Rahmen der Prävention postoperativer Wundinfektionen und Auswahl der infrage kommenden Hautantiseptika

    O. Assadian, A. Kramer

    Die präoperative Hautantiseptik gehört innerhalb der Multibarrierestrategie zu den wichtigen Standards zur Prävention postoperativer Wundinfektionen. Durch die Hautantiseptik soll erreicht werden, dass die transiente Flora gänzlich und die residente Hautflora in ihrer Erregermenge möglichst stark reduziert werden, damit Erreger nicht in primär sterile Körperregionen verschleppt werden. In der Übersicht werden die Anforderungen an die Einwirkzeit und die praktische Durchführung kritisch hinterfragt. Mittel der Wahl sind Alkohol-basierte Hautantiseptika. Durch Zusatz eines remanenten Wirkstoffs (z. B. Octenidindihydrochlorid, PVP-Iod oder Chlorhexidindigluconat) kann die erwünschte Langzeitwirkung verstärkt werden. Im Ergebnis einer umfangreichen Literaturrecherche bleibt allerdings offen, ob sich die Kombination von Chlorhexidin bzw. PVP-Iod mit Alkohol in vivo in der infektionspräventiven Wirksamkeit bei Anwendung zur Hautantiseptik unterscheidet. Wässrige Iodophor-Lösungen oder nicht Alkohol basierte Präparate auf Basis von Octenidindihydrochlorid sind auf Grund der länger benötigten Einwirkungsdauer Mittel der zweiten Wahl.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 186–190.

  • Hygienisch-mikrobiologische Probleme wasserführender Bedienungselemente von Dental- einheiten – Teil 1: Minireview

    Th. Kistemann, S. Völker, S. Vogel, J. Gebel

    Seit über 50 Jahren spielt Wasser in der zahnärztlichen Behandlung eine wichtige Rolle, weil es zur Kühlung der modernen, hochtourigen Bohrer ebenso wie bei der Anwendung von Ultraschallinstrumenten erforderlich ist. Fast genau so lange ist das Problem der mikrobiellen Besiedlung der wasserführenden Bedienungselemente von Dentaleinheiten bekannt. Es steht heute außer Zweifel, dass neben dem exogenen Eintrag durch das eingespeiste Wasser, aber auch retrograd durch Ansaugen kontaminierter Flüssigkeit aus dem Patientenmund, die Bildung von Biofilmen wesentlich zur Unterhaltung der mikrobiellen Kontamination beiträgt. Kontrollmaßnahmen richten sich deshalb einerseits gegen die bekannten Eintragspfade, andererseits gegen Bildung und Persistenz von Biofilmen. Hierbei kommen kontinuierliche und intermittierende, dezentrale und neuerdings auch zentrale chemische Desinfektionsverfahren mit verschiedenen Wirksubstanzen zum Einsatz. Ungeachtet spärlicher Berichte über nosokomiale Infektionen in Zusammenhang mit zahnärztlicher Behandlung muss es Aufgabe einer präventiv verstandenen, verantwortungsbewussten Hygiene sein, in Dentaleinheiten dauerhaft Wasser von einer Qualität sicherzustellen, von welcher keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Nur durch Etablierung eines differenzierten, abgestimmten Hygieneprotokolls kann die mikrobiologische Qualität langfristig sichergestellt und Biofilmbildung vermieden werden. Wesentliche Teilmaßnahmen sind außer einer effizienten Desinfektion die Verwendung geeigneter Materialien, Spülung und Vermeidung von Stagnation, Pflege und Wartung sowie Schulung des Personals und hygienisch-mikrobiologische Kontrollen.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 191–197

Originalia

  • Können persönliche Stoff-OP-Hauben ohne erhöhtes Kontaminationsrisiko in der Haushaltswaschmaschine gewaschen werden? Ergebnisse einer orientierenden Pilotstudie

    N.-O. Hübner, J. Haak, S. Ryll, A. Kramer

    Hintergrund: Aufgrund des Wunsches einiger Mitarbeiter, persönliche textile OP-Hauben im Haushalt durch Waschen in der Haushaltswaschmaschine aufzubereiten und in den OP mitzuführen, überprüften wir die Kontamination der Hauben nach dem Tragen und die Effektivität der Aufbereitung in der häuslichen Waschmaschine im Vergleich zur Kontamination von Einweg-OP-Hauben.

    Methode: Sowohl in der häuslichen Waschmaschine gewaschene und in den OP zurückgeführte textile OP-Hauben als auch frisch getragene textile OP-Hauben und Einweg-OP-Hauben wurden in 500 ml 0,9 % NaCl-Lösung 15 min gevortext. Das Eluat wurde direkt ausplattiert bzw. sterilfiltriert und die Gesamtanzahl koloniebildender Einheiten (KbE) bestimmt sowie eine Speciesdifferenzierung vorgenommen.

    Ergebnisse: Die Anzahl KbE auf im eigenen Haushalt gewaschenen textilen OP-Hauben war nicht nur relevant höher als auf fabrikneuen Einweghauben, sondern übertraf sogar die Koloniezahl unmittelbar nach dem Tragen. Unter der nachgewiesenen Mikroflora befanden sich auch potentiell pathogene Species. Auf den textilen OP-Hauben befanden sich nach dem Waschprozess im Mittel 67 KbE/cm2. Im Vergleich dazu waren auf den Einweghauben nur 0,009 KbE/cm2 nachweisbar.

    Schlussfolgerung: Auf den persönlichen OP-Hauben fand sich eine im Vergleich zu Einmalhauben 7000fach höhere Gesamtkeimzahl, was einer deutlichen Überschreitung akzeptabler Richtwerte entsprach. Durch die Pilotstudie wird die Forderung der KRINKO unterstrichen, wonach das Einbringen persönlicher Gegenstände in den OP-Trakt den hygienischen Anforderungen im OP widerspricht und daher zu untersagen ist.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 198–200.

  • Zehn Jahre Infektionsschutzgesetz: Hygiene beim ambulanten Operieren in der Arztpraxis – Daten des Amtes für Gesundheit in Frankfurt am Main

    U. Heudorf

    Hintergrund: Das im Jahre 2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz erweiterte die Hygiene-Aufgaben der Gesundheitsämter und die infektionshygienische Überwachung der „Einrichtungen für ambulantes Operieren“ (§ 36 Abs. 1).

    Methode: Das Gesundheitsamt Frankfurt nahm im Jahr 2002/03 – nach ausführlicher Beratung und Information der niedergelassenen Ärzte – erstmals standardisierte infektionshygienische Begehungen in allen 94 Praxen vor, in denen ambulant Operationen durchgeführt werden. Ab 2007 wurden alle neuen Praxen für ambulantes Operieren mit dem bereits 2002/03 eingesetzten Erhebungsbogen standardisiert überwacht und die bereits in früheren Jahren kontrollierten Praxen erneut begangen.

    Ergebnisse: Bei den Begehungen von 121 Praxen in den Jahren 2007/10 wurden deutlich bessere hygienische Verhältnisse in den Praxen vorgefunden als 2002/03. Verbessert waren die Voraussetzungen zur Händehygiene und zur Hautdesinfektion, die Flächen- und auch die Instrumentenaufbereitung. Hatte im Jahre 2002/03 nur eine Praxis (1 %) ihre Instrumente maschinell aufbereitet, waren es 2007/10 insgesamt 11 (9,2 %) und weitere 11 Praxen ließen ihre Instrumente durch Dritte aufbereiten. 2007/10 ergab sich auch eine bessere Ausstattung mit Sterilisatoren. Dennoch waren weiterhin in vielen Praxen Hygieneforderungen nicht umgesetzt: zwar war in 86 % der Praxen eine Risikobewertung der eingesetzten Instrumente vorgenommen (2002/ 03: 0 %), aber nur in 63 % der Praxen waren gute/ausreichende Arbeitsanweisungen erstellt worden (2002/03: 10 %). Nur in der Hälfte der Praxen waren die Mitarbeiter ausreichend in der Instrumentenaufbereitung geschult und war die Sterilisation dokumentiert.

    Schlussfolgerung: Die infektionshygienische Beratung und Überwachung der Praxen für ambulantes Operieren ist notwendig, um die Praxen für die Bedeutung der Hygiene zu sensibilisieren. Die deutlichen Verbesserungen belegen den Erfolg dieser Aktivitäten des Amtes. Die weiterhin bestehenden Mängel zeigen aber auch, dass wiederholte Beratungen und Begehungen notwendig sind, um hier noch weitere Verbesserungen anzumahnen – mit dem Ziel der Prävention nosokomialer/iatrogener Infektionen und der Verbesserung der Patientensicherheit.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 201–209.

  • Einfluss dezentraler HEPA- Filtrationsgeräte auf die Schimmelpilz-Exposition in einer Transplantations-Nachsorgeeinheit während des Abbruchs eines benachbarten Bettenhauses

    S. Engelhart, A. Simon, S. Hirschberg, M. Exner

    Hintergrund: Bauaktivitäten sind in der Regel mit einer erhöhten Freisetzung von Staub und Schimmelpilzsporen assoziiert. Dies impliziert in Patientenbehandlungsbereichen ein erhöhtes Aspergillose-Risiko für immunabwehrgeschwächte Patienten.

    Methode: Im Rahmen des Abbruchs eines Altbaus in unmittelbarer Nähe von Krankenversorgungsbereichen wurde neben der detaillierten Festlegung emissionsmindernder Maßnahmen eine krankenhaushygienische Risikoabschätzung vorgenommen, um Risikopatienten zu identifizieren und besonders zu schützen. Die Transplantations-Nachsorgeeinheit (TPN) wurde als Bereich mit dem höchsten Aspergillose-Risiko identifiziert und transient mit portablen HEPA-Filtrationsgeräten (MedicCleanAir® Pro) ausgestattet, da eine räumliche Verlagerung nicht umsetzbar war. Begleitend erfolgte eine Aspergillose-Surveillance sowie ein Umgebungs-Monitoring mit einem volumetrischen Impaktions-Sammler (Merck MAS-100).

    Ergebnisse: Durch die emissionsmindernden Maßnahmen (extensive Befeuchtung, schichtweiser Abbruch) konnte die Außenluftbelastung auf mäßig erhöhte Werte begrenzt werden, die Innenraumbelastung reduzierte sich durch die portablen Luftreiniger um eine weitere Log-Stufe auf ein Niveau deutlich unterhalb der durchschnittlichen Innenraum-Hintergrundbelastung. Aspergillose-Fälle traten nicht auf.

    Schlussfolgerung: durch eine Risikoabschätzung sowie abgestufte Maßnahmen kann das Infektionsrisiko für empfängliche Patienten minimiert werden. Der Einsatz portabler Luftreiniger kann unter besonderen Bedingungen für umschriebene Zeiträume sinnvoll sein, wird aber durch Geräuschpegel, Innenraumklima und Patientencompliance limitiert.

     

    HygMed 2011; 36 [5]: 210–213.

Blickpunkt

  • Aktuelle Situation der Krankenhaushygiene in Europa und weltweit

    W. Popp, D. Hansen, R. Loss, K.-D. Zastrow

    Im Rahmen der Globalisierung und des verstärkten Wissensaustausches sowie der zunehmenden Zusammenarbeit vieler Staaten – gerade in Europa – gewinnen transnationale Entwicklungen der Krankenhaushygiene eine immer größere Bedeutung, die ihrerseits wieder auf nationale Strukturen und Prozesse zurückwirken. Auf weltweiter Ebene sind die Arbeiten der WHO zu nennen, aber auch mancher Organisationen wie der IFIC (International Federation of Infection Control). Auf Ebene der Europäischen Union gibt es offizielle Strukturen wie ECDC, weiterhin wissenschaftliche Gesellschaften wie z. B. ESCMID. Daneben existieren eher lose Netzwerke wie IPSE oder TRICE, die teilweise von der Europäischen Kommission initiiert wurden und zum Teil von Einzelpersonen oder Einzeleinrichtungen gepflegt und vorangetrieben werden. Ein Teil dieser Strukturen soll nachfolgend – beispielhaft – dargestellt werden.