MHP

Hygiene & Medizin 7&8/2011

Aktuell

  • Bundesrat beschließt Änderung des Infektionsschutzgesetzes
  • EHEC: BfR, BVL und RKI konkretisieren Verzehrsempfehlung
  • Mehr Verbraucherschutz durch Änderung der Trinkwasserverordnung
  • Deutschlandweites Register zu Wund- und Hygienemanagement gestartet
  • Ultraschall nicht immer notwendig – neue Beurteilungsstandards bei Staphylokokkeninfektion

Übersicht

  • Hygieneaspekte bei Haushaltswaschverfahren

    Dirk Bockmühl

    Das Waschen getragener oder benutzter Textilien ist ein wichtiger Aspekt der Haushaltshygiene und wird als solcher vom Verbraucher wahrgenommen. Dabei steht vielfach nicht die Vermeidung von Infektionen im Vordergrund, sondern vor allem ästhetische Aspekte, wie etwa die Bekämpfung von Schlechtgerüchen. Die Kontamination der Textilien durch Mikroorganismen aus verschiedenen Quellen nimmt in diesem Zusammenhang eine zentrale Stellung ein, da der Waschprozess als Teil seiner hygienischen Leistung auch mikrobielle Verunreinigungen beseitigen und damit den entsprechenden unerwünschten Effekten und Risiken entgegenwirken soll. Die Faktoren, die sowohl die Ansiedlung und Vermehrung von Mikroorganismen auf Textilien als auch deren Beseitigung innerhalb des Waschprozesses beeinflussen, sind vielfältig. Aus diesem Grund ist es erstrebenswert, nicht nur die Mechanismen der mikrobiellen Schadwirkungen zu verstehen, sondern auch Methoden zur Verfügung zu haben, die eine realitätsnahe Beurteilung der antimikrobiellen Leistung von Waschverfahren zur Minimierung eines potenziellen Infektionsrisikos und zur Beseitigung anderer, unerwünschter Effekte, erlauben.

     

    HygMed 2011; 36 [7/8]: 280–286.

Originalia

  • Einfluss von Sol-Gel-Bindersystemen auf die Haltbarkeit schmutzabweisender Effekte von Textilien

    Maike Rabe, Kristina Klinkhammer, Eberhard Janssen

    Hintergrund: Antischmutz-Ausrüstungen basieren herkömmlich auf Fluorcarbonverbindungen, die einerseits eingeschränkte Permanenz aufweisen und deren Ausgangsverbindungen umwelttoxisch sein können. Durch Einsatz der Sol-Gel-Chemie soll der Einsatz dieser Verbindungen bei verbesserter Funktionalität reduziert werden.

    Methoden: Screening von Anti-Schmutz-Ausrüstungen, Entwicklung von Sol-Gel-Bindersystemen, Untersuchung der Soil- und Stain-Repellent-Eigenschaften.

    Ergebnisse: Durch Kombination von Verbindungen mit schmutzabweisenden Eigenschaften mit Sol-Gel-Bindersystemen konnten gute schmutzabweisende Effekte erzielt und die Permanenz der Anti-Schmutz-Ausrüstung erhöht werden.

    Diskussion: Funktionelle Textilhilfsmittel können gezielt mittels chemischer Vernetzung mit Organosilanen dauerhaft auf Textilien fixiert werden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Kombination schmutzabweisender Ausrüstungen mit ausgewählten Bindern die Stabilität der Funktionen gegenüber Waschprozessen und auch gegenüber mechanischem Abrieb erhöht. Durch diese Neuentwicklung und Optimierung werden Textilien für hygienisch anspruchsvolle Bereiche angepasst und die Pflegesituation bspw. in Heimen deutlich verbessert.

     

    HygMed 2011; 36 [7/8]: 287–291.

  • Hygiene in gewerblichen Wäschereien

    Manuel Heintz, Jürgen Bohnen

    Hintergrund: Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden Wäschereien, die in Anlehnung an die Hygienesicherungsbestimmungen des Robert Koch-Instituts (RKI) arbeiten (=RKI-Wäschereien), und Wäschereien, die das Risikoanalyse und Biokontaminationskontroll-(RABC)-System auf Basis der EN 14065 implementiert haben (=RABC-Wäschereien), untersucht. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die Wirksamkeit der Maßnahmengrenz- und Orientierungswerte und das damit erreichte hygienische Qualitätsniveau der Expeditware zu verifizieren und deren Eignung für Wäschereien zu überprüfen.

    Methode: Dazu wurden fünf RABC-Wäschereien und fünf RKI-Wäschereien je viermal

    (1 Mal pro Jahr) beprobt. In allen untersuchten Wäschereien wurden Abklatschproben von Textilien, Oberflächen und Händen sowie Wasser- und z. T. Luftproben genommen. Weiterhin wurde die Desinfektionswirkung von Waschverfahren mit Hilfe von Biomonitoren geprüft.

    Ergebnis: Der Vergleich der Ergebnisse zeigt, dass erstens in allen (40 von 40) Begehungen die Ergebnisse der Proben der Expeditware deutlich unterhalb der geforderten Grenzwerte lagen. Dies ist auch ein Beleg dafür, dass die verwendeten Maßnahmengrenz- und Orientierungswerte sinnvoll und sachgerecht sind. Zweitens ist die hygienische Qualität der Textilien, die mit dem RABC-System aufbereitet wurden (0–16 KBE/dm2), statistisch gleich gut wie die hygienische Qualität der Textilien, die in Anlehnung an die Bestimmungen des RKI aufbereitet wurden (0–17 KBE/dm2). Drittens liegen die Ergebnisse der Luftanalysen von den Wäschereien mit den unterschiedlichen Hygienesystemen in der gleichen Größenordnung und es ist nicht erkennbar, dass Unterschiede im Luftkeimgehalt mit einer baulichen Trennung zwischen Schmutz- und Sauberbereich korrelieren. Viertens zeigten alle überprüften Desinfektionswaschverfahren Reduktionsfaktoren von  7 log10-Einheiten (7,0–8,8 für E. faecium und 7,4–9,3 für S. aureus).

    Schlussfolgerung: Es wird vorgeschlagen, die Aussagekraft eines Grenzwertes von 5 log10-Einheiten, wie er in der Praxis sehr oft verwendet wird, um Desinfektionswaschverfahren zu validieren, neu zu überdenken. Gewerbliche Wäschereien, die die RKI-Bedingungen oder das RABC-System einhalten, können eine Textilhygiene garantieren.

     

    HygMed 2011; 36 [7/8]: 292–299.

  • Hygienische Aufbereitung von Textilien in Privathaushalten – eine Studie aus der Praxis

    Sascha Bellante, Anna Engel, Tecir Hatice, Anissa Neumann, Gamze Okyay, Miriam Peters, Lutz Vossebein

    Hintergrund: Textilien, die in hygienisch anspruchsvollen Bereichen, wie bspw. dem Gesundheitsbereich (z.B. Krankenhäuser und Arztpraxen) oder der Lebensmittelindustrie, benötigt und eingesetzt werden, müssen einer anforderungsgerechten mikrobiologischen Qualität entsprechen. Durch Maßnahmen im Zuge eines Qualitätsmanagementsystems, wie z.B. einer Risikoanalyse, sollten Fehlermöglichkeiten bei der Aufbereitung auf ein akzeptables Maß reduziert werden. Die Aufbereitung bzw. das Wiederherstellen des Originalzustandes der Textilien muss entlang der Einzelschritte jeweils reproduzierbar und nachvollziehbar sein. Nennenswerte Einzelschritte der Aufbereitungskette sind Transport der Textilien vom und zum Einsatzort, ggf. Sortieren der Textilien, desinfizierendes chemothermisches Waschverfahren, Trocknen/Finishen inkl. Glätten, Falten, Bereitstellung. In einer Praxisstudie wurde hinsichtlich mikrobiologischer Qualität geprüft, wie sicher das Waschen von Textilien im Privathaushalt ist.

    Methode: Nach Vorgaben von Waschprogrammen mit unterschiedlichen Temperaturen (20–95°C) und verschiedener Waschmittel (Colorwaschmittel oder Vollwaschmittel mit Bleichsubstanzen) wurden künstlich mit apathogenen Bakterien kontaminierte Textilien in Privathaushalten gewaschen und direkt nach dem Waschen im feuchten Zustand mittels Abklatschplatten hinsichtlich des Gehaltes an Mikroorganismen untersucht.

    Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass selbst innerhalb anzunehmender „gleicher“ Waschprogramme und -mittel erhebliche Schwankungen in der mikrobiologischen Qualität der gewaschenen Textilien auftreten. Auch vermeintlich sichere „Hygieneprogramme“ wie 60 °C und die Benutzung eines Vollwaschmittels lieferten hinsichtlich der Hygiene in „Phase 3-Untersuchungen“ keine akzeptablen Ergebnisse.

    Schlussfolgerung: Das Waschen von Textilien für hygienisch anspruchsvolle Bereiche im Privathaushalt ist aufgrund enormer Schwankungen in den Reduktionsraten kritisch zu hinterfragen. Um eine anforderungsgerechte Wäscheaufbereitung gewährleisten zu können, muss die Einhaltung sämtlicher relevanter Verfahrensparameter wie Temperatur und -haltezeit, Wasch- und Desinfektionsmittelmenge und das Flottenverhältnis kontrolliert und eingehalten werden. Professionelle Textil-Serviceunternehmen mit Qualitätsmanagementsystem wie dem RABC-System bieten die notwendige Sicherheit und sorgen für Entlastungen, denn die Kernkompetenz vieler Hygienekunden liegt nicht in der Wäscheaufbereitung.

     

    HygMed 2011; 36 [7/8]: 300–305.

Aus der Praxis

  • Umgang mit Wäsche aus Alten- und Pflegeheimen

    Nicoletta Wischnewski

    Die individuelle und professionelle Pflege bei gleichzeitigem Erhalt des häuslichen Lebensgefühls ist oftmals das Ziel von Langzeitpflegeeinrichtungen. Ein wesentlicher Beitrag zum häuslichen Lebensgefühl für die Bewohner ist das Tragen von eigener, individuell ausgesuchter Körperbekleidung (Privatwäsche). Allerdings kann es manchmal zu einer Kontamination der privaten Kleidung mit Krankheitserregern oder multiresistenten Erregern kommen. Daher wird häufig die Frage gestellt, welche geeigneten Aufbereitungsverfahren für Bewohnerwäsche anzuwenden sind und zu welchem Zeitpunkt ein desinfizierendes Waschverfahren angezeigt ist. Im nachfolgenden Beitrag wird diese Fragestellung auf der Basis der national und international verfügbaren Literatur beantwortet.

     

    HygMed 2011; 36 [7/8]: 306–308.

VAH

  • Gibt es Vorschriften zu Nachweisverfahren bezüglich der Keimbelastung von Waschmaschine / Waschgut?

DGKH

  • Grundsätze zur Charakterisierung der Reinigungsleistung von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten

    Sebastian Werner, Monika Feltgen, Lutz Jatzwauk

    Die Reinigung ist ein für die Funktionalität und den Infektionsschutz entscheidender Bestandteil der Aufbereitung von Medizinprodukten. Die gegenwärtigen in der „Leitlinie von DGKH, DGSV und AKI für die Validierung und Routineüberwachung maschineller Reinigungs- und thermischer Desinfektionsprozesse für Medizinprodukte und zu Grundsätzen der Geräteauswahl“ genannten Richt-, Warn- und Grenzwerte für den Proteinnachweis an den Produkten nach der Reinigung sind als Orientierungshilfen für die Verfahrensbeurteilung anzusehen. Die dort genannten Mengen an Restprotein sind für die nicht dampfsterilisierbaren Produkte der Klassifizierung „kritisch C“ aber nicht zu akzeptieren. Der durch die spezifische Konstruktion von Medizinprodukten bedingte Rückgewinnungsfaktor des Restproteins ist zu bestimmen. Ringversuche zur Beurteilung der Kompetenz der die Validierung von maschinellen Aufbereitungsverfahren durchführenden Prüflaboratorien sind zur Qualitätssicherung unbedingt zu etablieren

Veranstaltungen

  • Die Welt wächst zusammen – Quo vadis, Öffentlicher Gesundheitsdienst?
  • Die Hände – das helfende Infektionsrisiko?