MHP

Hygiene & Medizin 10/2011

Aktuell

  • Giftwirkung von Darmbakterien aufgeklärt
  • Krankenhaushygiene wird durch IHMoS messbar
  • Neues Antibiotikum treibt Bakterien in den Selbstmord
  • Magenbakterium schädigt menschliches Erbgut

Originalia

  • Multiresistente Erreger bei Patienten des deutschen Bundeswehr-Einsatzlazaretts in Masar-e Scharif

    S. Vandersee, M. Hannemann, F. Herrmann, P. Becker

    Hintergrund: Multiresistente Erreger (MRE) sind weltweit ein wachsendes Problem in der ambulanten und stationären Patientenversorgung. Sie stellen eine epidemiologische, mortalitäts- und letztendlich kostensteigernde Komplikation jeder medizinischen Intervention dar. Im nord-afghanischen Masar-e Scharif betreibt die Bundeswehr im Rahmen des ISAF-Mandats (international security assistance force) ein Einsatzlazarett zur Behandlung verwundeter und erkrankter Soldaten, Angehöriger von Non-Governmental Organizations (NGOs) und anderen staatlichen Organen sowie afghanischer Militär- und Polizeikräfte und, im Rahmen freier Kapazitäten, von afghanischen Einheimischen. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des aktuellen Wissensstands sowie ein infektionsepidemiologischer Überblick über das Spektrum und die Häufigkeit der in Afghanistan relevanten MRE.

    Methode: Dargestellt werden die Ergebnisse von umfangreichen Screenings und gezielten mikrobiologischen Abstrichuntersuchungen an jedem im Lazarett behandelten Patienten von Mai bis September 2010. Differenziert wird nach dem Erreger, der Herkunft des Patienten und der Art der Hospitalisation.

    Ergebnisse: Extended-spectrum-betalactamase-(ESBL)-bildende Enterobacteriaceae machten hierbei 78% der Isolate aus. Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) spielte mit einem Anteil von 8 % eine deutlich untergeordnete Rolle. Die höchste Prävalenz einer Kolonisation mit MRE bestand bei afghanischen Patienten mit über 45 % der intensivpflichtigen und 29 % der peripher geführten Patienten. Zum Vergleich zeigte sich bei Patienten deutscher Nationalität eine Kolonisationsprävalenz von 4,1 % bei peripher Hospitalisierten und 0 % bei Patienten der Intensivstation.

    Schlussfolgerung: Der Betrieb medizini-scher Einrichtungen in Krisengebieten erfordert insbesondere mit Hinblick auf die limitierten personellen und infrastrukturellen Gegebenheiten und die Kennt-nisse über das vom Inland abweichende Erregerspektrum die Etablierung von Konzepten, die sich auch für den künftigen Aufbau und die Unterhaltung eines Gesundheitssektors in diesen Regionen als hilfreich erweisen könnten.

     

    HygMed 2011; 36 [10]: 384–392.

  • Ergebnisse einer in-vitro- Untersuchung zur antimikrobiellen Wirksamkeit von Polihexanid (PHMB)- und Silberionen- freisetzenden Wundauflagen bei verschiedenen pH-Werten

    Horst Braunwarth*, Florian H. H. Brill, Holger Brill

    Hintergrund: Der Wund-pH-Wert von akuten und chronischen Wunden unterscheidet sich deutlich und verändert sich im Laufe der Wundheilung. Bisher bleiben die klinisch relevanten, unterschiedlichen Wund-pH-Werte bei der Prüfung der in-vitro-Wirksamkeit von antimikrobiellen Wundtherapeutika unberücksichtigt. In der vorliegenden Studie sollte untersucht werden, ob die in den Wundauflagen verwendeten antimikrobiellen Substanzen – Silberionen und Polihexanid (PHMB) – eine pH-abhängige antimikrobielle Wirkung aufweisen.

    Methode: Im Agardiffusionstest wurde an ausgewählten Wundauflagen untersucht, ob die in den Wundauflagen verwendeten und freigesetzten, antimikrobiellen Wirkstoffe – Silberionen und Polihexanid (PHMB) – eine pH-abhängige antimikrobielle Wirkung haben. Prüforganismen waren Staphylococcus aureus, Methicillin-resistenter Staphylococus aureus (MRSA), Enterococcus faecium und Pseudomonas aeruginosa. Geprüft wurden Biatain Ag (Schaumverband, Coloplast GmbH, Hamburg), Seasorb Ag (Alginatverband, Coloplast GmbH, Hamburg) und Suprasorb X+PHMB (Hydrobalance Wundverband, Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG, Neuwied).

    Ergebnisse: Die PHMB-haltige Wundauflage hatte im sauren pH-Bereich (pH 5,5) gegenüber allen Testkeimen keine Wirkung (Hemmhof 0 mm). Bei pH 6,0 zeigte sich keine Wirkung gegenüber MRSA (Hemmhof 0,3 mm), E. faecium und P. aeruginosa (Hemmhof jeweils 0 mm), jedoch eine Hemmwirkung gegenüber S. aureus (Hemmhof 1,8 mm). Im neutralen (pH 7,0) und alkalischen Bereich (pH 8,0) besaß diese Wundauflage mit Ausnahme von P. aeruginosa eine bakteriostatische Wirkung (Hemmhof 1,0–6,8 mm). Bei pH 9,0 wurde für alle Prüforganismen eine bakteriostatische Wirkung nachgewiesen (Hemmhof 1,5–9,3 mm). Die Silberionen-freisetzenden Wundauflagen zeigten dagegen im getesteten pH-Bereich (5,5 bis 9,0) eine gleichmäßig gute bakterio-statische Wirksamkeit (Hemmhof 0,8–5,5 mm). Für den Schaumverband wurde im Vergleich zum Alginatverband eine stärkere Wirksamkeit nachgewiesen.

    Schlussfolgerung: Aus diesen Ergebnissen können noch keine endgültigen Empfehlungen für die Praxis getroffen werden. Unsere Ergebnisse machen jedoch deutlich, dass der pH-Wert der Wunde einen Einfluss auf die antimikrobielle Wirksamkeit von antimikrobiell ausgerüsteten Wundauflagen hat.

     

    HygMed 2011; 36 [10]: 393–398

DGKH

  • Einbettzimmer im Krankenhaus

    Vorstand der DGKH

  • Methode zur Überprüfung der Reinigungsleistung von Reinigungs- Desinfektionsgeräten für flexible Endoskope

    M. Wehrl, U. Kircheis

  • Empfehlung zu Anforderungen an Seifen- und Händedesinfektionsmittelspender in Einrichtungen des Gesundheitswesens

    O. Assadian, A. Kramer, B. Christiansen, M. Exner, H. Martiny, A. Sorger, M. Suchomel

Blickpunkt

  • Definition der Multiresistenz gegenüber Antibiotika bei gramnegativen Stäbchen im Hinblick auf Maßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung

    Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO)

  • Auftreten von MRSA mit negativem Nachweis für mecA (PCR) und Penicillin-Bindeprotein PBP2a (Agglutinationstest)

    Christiane Cuny, Wolfgang Witte

Referate

  • Transurethrale Harnwegskatheter
  • Surveillance nosokomialer Infektionen

Veranstaltungen

  • 3. Forum Hygiene und Infektiologie des Labor Limbach