MHP

Hygiene & Medizin 1&2/2012

Aktuell

  • Mangelnde Versorgung mit Sterilgütern in OP-Bereichen: OP-Barometer 2011
  • EHEC-Ausbruch 2011: Ein Resumee aus Sicht der Risikobewertung
  • Antibiotikaresistente Bakterien im Stall – welches Risiko besteht für den Menschen?
  • Überraschung bei Antibiotika-Produktion in Höhlenbakterien
  • Hilfe nach Zeckenstich

Übersicht

  • Infektionen mit Acinetobacter baumannii – Klinische Bedeutung und Therapieoptionen

    Hilmar Wisplinghoff, Harald Seifert

    Die Bedeutung von Acinetobacter baumannii ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Gegensatz zur Vielzahl der anderen weitgehend apathogenen „non-baumannii“ Acinetobacter Spezies, die regelmäßig in Umweltproben nachgewiesen werden, sind die Erreger der A. baumannii-Gruppe (bestehend aus A. baumannii, A. pittii (ehemals Acinetobacter Genospezies 3) und A. nosocomialis (ehemals Acinetobacter Genospezies 13TU)), insbesondere A. baumannii selbst, als nosokomiale Erreger von hoher Bedeutung. Besonders für Patienten mit schweren Grunderkrankungen bzw. einem schweren Krankheitsverlauf auf Intensivstationen ist A. baumannii als Erreger einer Vielzahl von schweren Infektionen wie Sepsis, Pneumonie oder Meningitis mit zum Teil hohen Letalitätsraten beschrieben worden. Eine Therapie dieser Infektionen gestaltet sich auf Grund der stetig steigenden Antibiotikaresistenz von A. baumannii oft schwierig. Da auch gegen neuere Substanzen zunehmende Resistenzen beschrieben werden, gibt es aktuell keine Substanz mehr, die gegen A. baumannii uneingeschränkt wirksam ist. Zusätzlich werden immer häufiger multi- oder panresistente A. baumannii-Stämme beobachtet, bei denen eine vollständige Resistenz gegen nahezu alle verfügbaren Antibiotika nachweisbar ist. Die Kombination aus hoher Umweltresistenz, dem häufigen Auftreten im Rahmen von nosokomialen Ausbrüchen und der Vielzahl von intrinsischen oder erworbenen Resistenzen machen Erreger der A. baumannii-Gruppe, insbesondere A. baumannii zu einem der resistentesten und problematischsten bakteriellen Erreger, die aktuell bekannt sind.

    HygMed 2012; 37 [1/2]: 8–15

  • Carbapenemasen bei Acinetobacter baumannii: Molekulare Epidemiologie in Deutschland und Hinweise zur Diagnostik

    Martin Kaase

    Bei 97,6 % aller Acinetobacter baumannii-Isolate mit Resistenz oder intermediärer Empfindlichkeit gegenüber Imipenem oder Meropenem (n = 292), die im Jahr 2011 im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger untersucht wurden, ließ sich eine Carbapenemase nachweisen. Dabei handelte es sich in 79,1  % der Fälle um eine OXA-23 Carbapenemase, in 4,8 % um eine OXA-72 und in 3,1 % um eine Carbapenemase aus der OXA-58 Gruppe. Bei jeweils 5,1 % der Isolate fand sich eine Metallo-Betalaktamase vom Typ NDM-1 bzw. eine Insertion von ISAba1 vor dem intrinsischen Gen blaOXA-51 like. Aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer erworbenen Carbapenemase bzw. einer Überexpression einer intrinsischen Carbapenemase bei Resistenz oder intermediärer Empfindlichkeit gegenüber Carbapenemen sind phänotypische Carbapenemase-Tests bei A. baumannii von untergeordneter Bedeutung. Wenn eine nähere Carbapenemase-Charakterisierung z. B. zur besseren Erkennung von Ausbrüchen sinnvoll ist, sollten daher zunächst molekularbiologische Verfahren eingesetzt werden.

    HygMed 2012; 37 [1/2]: 16–19.

  • Empfehlungen zu Hygienemaßnahmen zur Prävention der Übertragung von Acinetobacter baumannii

    Constanze Wendt

    Acinetobacter nimmt unter den gramnegativen Stäbchen eine besondere Rolle ein. Es werden immer wieder schwer beherrschbare Ausbrüche nosokomialer Infektionen beschrieben, deren Ablauf darauf hinweist, dass Reservoire in der unbelebten trockenen Umgebung eine Rolle spielen. Die Erfahrung zeigt, dass insbesondere im Falle von Ausbrüchen spezielle und zum Teil weitreichende Maßnahmen erforderlich sind, um den Ausbruch erfolgreich zu beherrschen. Zu diesen Maßnahmen gehören Screening, Isolierung infizierter und kolonisierter Patienten, Sperrung von Stationen für Neuaufnahmen und Räumung von Stationen für die Durchführung umfangreicher Desinfektionsmaßnahmen. Nationale und internationale Empfehlungen zur Prävention der Verbreitung von multiresistenten Acinetobacter wurden zusammengestellt und hinsichtlich der einzelnen empfohlenen Maßnahmen verglichen. Obgleich unterschiedliche Definitionen für Multiresistenz bei Acinetobacter verwendet wurden, stimmen alle Empfehlungen darin überein, dass für Patienten mit Carbapenem-resistenten A. baumannii eine Isolierung im Einzelzimmer und die Durchführung von Barrieremaßnahmen (Tragen von Kittel und Handschuhen) durchgeführt werden sollen. Es empfiehlt sich die Isolierung von Patienten mit Carbapenem-resistentem A. baumanni-Nachweis in den Hygieneplan aufzunehmen.

    HygMed 2012; 37 [1/2]: 20–24.

Originalia

  • Analyse von nosokomialen Ausbrüchen mit multiresistentem Acinetobacter baumannii

    Sabine Messler, Maria Martin, Ella Ott, Johannes K.M. Knobloch, Alexander J. von Thomsen, Yvonne Pfeifer, Roland Schulze-Röbbecke, Frauke Mattner

    Hintergrund: In deutschen Krankenhäusern treten, besonders auf Intensivstationen, immer häufiger Ausbrüche mit multiresistentem Acinetobacter baumannii (MR-AB) auf. Trotz umgehend initiierter Isolierungsmaßnahmen kommt es jedoch häufig zu weiteren Übertragungen.

    Methode: Um über die Isolierungsmaßnahmen hinaus ggf. weitere Präventionsmaßnahmen vorschlagen zu können, wurden sieben Ausbrüche an drei Universitätsklinika mit insgesamt 59 betroffenen Patienten analysiert.

    Ergebnisse: Es zeigte sich, dass ein Teil der Indexpatienten als Intensivverlegungen aus Ländern aufgenommen wurden, in denen Infektionen durch multiresistente gram-negative Bakterien weit verbreitet sind. In einem Fall gab es bei dem vermutlichen Indexpatienten einen Vorbefund mit MR-AB, es war aber kein Alert-System etabliert. Für einige Übertragungen auf Patienten auf räumlich zum Teil weit entfernt liegenden Stationen konnten epidemiologische Hinweise dafür gefunden werden, dass diese durch einmalige Kontakte von Personal, das stationsübergreifend tätig ist, erfolgt sein könnten. Auch wurden Ausbrüche durch die Verlegung von Patienten auf weitere Stationen ausgeweitet.

    Schlussfolgerung: Zur Prävention von Ausbrüchen durch MR-AB ist zu überlegen, Intensivpatienten, die aus Ländern mit hoher Prävalenz multiresistenter Erreger übernommen werden, präventiv zu isolieren und ein Aufnahmescreening auf multiresistente gramnegative Bakterien durchzuführen. Dabei ist zu beachten, dass MR-AB unter wirksamer antibiotischer Therapie möglicherweise nicht nachweisbar sind. Des Weiteren ist ein Alert-System bei Wiederaufnahme von Patienten mit MR-AB zu empfehlen. Schulungen hinsichtlich der Prävention von Übertragungen sollten gerade bei diesem Erreger auch stationsübergreifend tätiges Personal einbeziehen.

    Hyg Med 2012; 37 [1/2]: 25–33.

  • Desinfektionsmittelprüfung von MDR-Acinetobacter baumannii unter praxisnahen Bedingungen

    Katrin Steinhauer, Astrid Hofmann, Klaus Peter Ebert, Martin Kaase, Ute Jürs

    Hintergrund: Die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegenüber multiresistenten Acinetobacter baumannii (MDR-A. baumannii)-Stämmen spielt bei der effizienten Bekämpfung und Prävention von Ausbrüchen im klinischen Umfeld eine große Bedeutung.

    Methode: Die Empfindlichkeit eines Carbapenem-resistenten Ausbruchisolates von A. baumannii gegenüber handelsüblichen Formulierungen von Hände- und Flächendesinfektionsmitteln wurde im quantitativen Suspensionsversuch prEN 13727 (Phase 2/Stufe 1) und im quantitativen Keimträgerversuch EN 13697 (Phase 2/Stufe 2) unter praxisnahen Bedingungen im Vergleich zu dem nicht-resistenten A. baumannii-Stamm ATCC 19606 untersucht.

    Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber den geprüften Präparaten zwischen dem Carbapenem-resistenten Ausbruchstamm und dem Kontrollstamm gibt. In allen Fällen wurde eine Reduktion von mindestens 5 log unter den getesteten Bedingungen erreicht.

    Schlussfolgerung: In Anwesenheit von organischer Belastung sowie unter praxisnahen Bedingungen zeigen gängige Präparate zur Hände- und Flächendesinfektion eine gute Wirksamkeit gegen MDR-A. baumannii bei Anwendung der ausgelobten bakteriziden Konzentrationen/Einwirkzeiten.

    HygMed 2012; 37 [1/2]: 34–39.

Referate

  • Übertragung multiresistenter gramnegativer Bakterien auf der Intensivstation
  • Protrahierter Acinetobacter baumannii-Ausbruch in einer Forschungsklinik
  • Screening auf Acinetobacter baumannii mit Hilfe von Schwammtüchern

DGKH

  • Curriculum für einen Grundkurs für hygienebeauftragte Pflegekräfte (Link-Nurse)

    Mitteilungen aus dem Vorstand

  • 11. Kongress für Krankenhaushygiene – Programmübersicht