MHP

Hygiene & Medizin 5/2012

Aktuell

  • Gründung der Deutschen Gesellschaft für angewandte Hygiene in der Dialyse e.V.
  • Schwachstelle von Staphylococcus aureus
  • Erläuterungen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (DVV) zur neuen Leitlinie zur quantitativen Prüfung der viruziden Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel auf nicht-porösen Oberflächen (Anwendung im Bereich Humanmedizin
  • Mikrozine – künftige Alternative zu Antibiotika?
  • Neuer Naturstoff schützt vor Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus
  • IfL-Karte zeigt Borreliose-Risiko im deutschlandweiten Vergleich

Übersicht

  • Infektionshygienische Überwachung medizinischer Einrichtungen in Frankfurt/Main – Konzept, Erfahrungen, Erfolge

    U. Heudorf

    Die infektionshygienische Überwachung der medizinischen Einrichtungen ist eine gesetzliche Aufgabe der Gesundheitsämter. In dem Beitrag werden das Konzept, die Erfahrungen und Erfolge des Frankfurter Gesundheitsamts vorgestellt. Für den Krankenhausbereich wurde das Konzept der themenzentrierten Begehungen entwickelt, für den ambulanten Bereich wurde zunächst eine risikobasierte Priorisierung nach Risiko der Patienten und der Invasivität der Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden gewählt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass alle Praxen begangen werden sollten, da angesichts der in den Praxen oft fehlenden Hygienestrukturen erhebliche Infektionsrisiken entstehen können, die durch die Beratung des Gesundheitsamts leicht vermeidbar sind. Bei der Beratung/Überwachung der Kliniken hat sich ein partnerschaftliches Vorgehen mit fachlicher Beratung und Abstimmung im Vorfeld bewährt. Für den ambulanten Bereich wurde die Strategie des Perspektivenwechsels entwickelt und erfolgreich umgesetzt: Größtmögliche Hilfe und Unterstützung der Praxen, zielgruppenorientierte Fortbildung und Information, Übersetzen schwieriger Anforderungen in für die Praxen verständliche Sprache, Konzentration auf Wesentliches und Formulierung erreichbarer Zwischenziele. Die Ergebnisse der standardisierten Begehungen werden regelmäßig ausgewertet und veröffentlicht; wesentliche Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden in diesem Beitrag vorgestellt.

    HygMed 2012; 37 [5]: 164–172

  • Qualitätssicherung im ÖGD – Neue Wege in der infektionshygienischen Überwachung von Krankenhäusern gemäß IfSG

    Gerhard Pallasch, Doris Arnold, Axel Köppert, Eckart Mayr, Gerhard Reimers, Gerhard Wermes, Ingrid Braun-Anhalt

    Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD)und hier insbesondere die kleineren Gesundheitsämter zeichnen sich dadurch aus, dass ein sehr breites Aufgabenfeld oft von nur wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bearbeiten und die Erledigung mancher Aufgaben nur selten erforderlich ist. Dies schränkt die Möglichkeiten von Spezialisierungen in diesen Ämtern ein. Es ist notwendig, die infektionshygienischen Begehungen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst vor diesem Hintergrund zu standardisieren, so dass die Begehung in ihrer Effizienz gesteigert und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess eingeleitet wird. Diese Arbeit stellt den Weg in Niedersachsen vor, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll und begründet diesen. Dazu wurden leicht anzuwendende Checklisten und Orientierungshilfen entwickelt, die die Begehungsroutine erleichtern. Dabei dienen die Checklisten im Wesentlichen dazu, die Vollständigkeit der Begehungen sicherzustellen. Die Bewertung der erhaltenen Ergebnisse bleibt der für die Begehung verantwortlichen Person – unter Berücksichtigung der vorgefundenen individuellen Situation vor Ort – vorbehalten. Die Checklisten sind im Internet eingestellt und somit allen verfügbar. Nutzer werden um Verbesserungsvorschläge gebeten.

    HygMed 2012; 37 [5]: 173–177

  • Konzept der infektions- hygienischen Überwachung von Einrichtungen im Gesundheitswesen durch den ÖGD in Bayern

    Bernhard Liebl, Verena Lehner-Reindl, Caroline Herr, Ulla Kandler, Stefanie Kolb, Eva Hartmann, Silke Nickel, Peter Stadtmüller, Kerstin Finger, Wolfgang Hierl, Andreas Zapf, Christiane Höller

    Hintergrund: Im Rahmen eines Maßnahmenpakets des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit zur Verbesserung der Qualität der Hygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens wurde vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ein Konzept zur Verbesserung der infektionshygienischen Beratung und Überwachung durch den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) entwickelt.

    Methoden: Im Zuge einer Neuausrichtung der behördlichen Strukturen wurde am LGL die „Spezialeinheit Infektionshygiene“ (SEI) neu gegründet. Sie plant das Überwachungsprogramm, stellt Materialien (Checklisten, Standards) bereit und unterstützt die Regierungen und Gesundheitsämter (GÄ) vor Ort. Inhaltlich fußt das Überwachungsprogramm auf drei Säulen: 1) Regelüberwachung 2) Schwerpunktprojekte (vertiefte Bearbeitung spezifischer Problemfelder) 3) Anlassbezogene Überwachung (bei konkreten Hinweisen über das Vorliegen von infektionshygienischen Missständen). Weitere Elemente des Konzepts sind die Netzwerkarbeit auf Ebene der Landesarbeitsgemeinschaft multiresistente Erreger (LARE) und die regionalen Netzwerke auf Ebene der Gesundheitsämter. Integraler Bestandteil des Konzepts sind auch Qualifizierungsmaßnahmen des Personals im ÖGD und in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. Das Konzept verfolgt den Qualitätsmanagement-Ansatz des „Plan-Do-Check-Act“.

    Ergebnisse: Im ersten Jahr der Umsetzung des Konzepts (2011) wurde bei den Akutkrankenhäusern des bayerischen Krankenhausplans eine Risikoprofilerfassung mittels standardisierter Abfrage vorgenommen. Der Bedarf an Hygienefachpersonal wurde zahlenmäßig erfasst. Als Schwerpunktprojekt überprüften die GÄ zwei Risikobereiche der Kliniken (OP und Intensivstationen) mit speziellen modularen Checklisten. Die SEI hat 40 Begehungen der GÄ begleitet und ein eigenes Schwerpunktprojekt zur Surveillance nosokomialer Infektionen durchgeführt. In der Regel bemühten sich die Verantwortlichen in den Krankenhäusern um ein gutes Hygienemanagement. Positiv erlebt wurde der beratende Charakter der Begehungen. Verbesserungsbedarf wurde insbesondere bei der Surveillance nosokomialer Infektionen festgestellt. Die detaillierte Auswertung befindet sich noch in Arbeit.

    Schlussfolgerungen: Das System hat sich insgesamt bewährt.

    HygMed 2012; 37 [5]: 178–185

Originalia

  • Erfahrungen mit neuen Wegen der infektionshygienischen Überwachung von Krankenhäusern

    Ronald Woltering

    Einleitung: Steigende Anforderungen an die Hygiene in Krankenhäusern erfordern verbesserte systematische Methoden der Überwachung durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst.

    Methodik: Zur Verbesserung der infektionshygienischen Überwachung wurde die Hygienekompetenz der Krankenhausmitarbeiter durch eine systematische Befragung und Beobachtung überprüft. Die Ergebnisse wurden bewertet und den Krankenhäusern mitgeteilt.

    Ergebnisse: Insgesamt wurden 184 Personen in fünf Krankenhäusern überprüft. Durchschnittlich wurden sieben von zehn Fragen zum Hygienewissen richtig beantwortet, 74 % der Personen führten eine korrekte Händedesinfektion durch und 66 % trugen keinen Schmuck an den Händen. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen Ärzten und Pflegekräften bei der Hygienekompetenz. Die geringen Unterschiede zwischen den fünf Krankenhäusern wurden in eine Rangfolge übertragen.

    Schlussfolgerungen: Die Methode liefert zusätzliche Daten zur Hygiene in Krankenhäusern und ermöglicht einen Vergleich der Hygienekompetenz der Mitarbeiter. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für einen Dialog zwischen Krankenhaus und Öffentlichem Gesundheitsdienst.

    HygMed 2012; 37 [5]: 186–189

Aus der Praxis

  • Konzept zur Hygieneüberwachung in Rheinland-Pfalz – warum, wie oft und wer?

    Jürgen Rissland, Ute Teichert-Barthel

    Zu den originären Aufgaben der Gesundheitsämter gehört die infektionshygienische Überwachung einer Vielzahl von Einrichtungen. Ihr Ziel ist der Schutz vor vermeidbaren Infektionen und deren Weiterverbreitung durch kontinuierliche Beobachtung der Situation vor Ort zusammen mit Vorgaben von bestimmten Hygienestandards und Beratung zu deren Umsetzung. Obwohl die zu prüfenden Einrichtungen im Infektionsschutzgesetz (IfSG) als Bundesgesetz und in verschiedenen Landesgesetzen (z. B. über den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)) ausreichend festgelegt sind, fehlt es an klaren Aussagen hinsichtlich Begehungsfrequenzen und Umfang. Mit Einführung (und erneut durch die kürzliche Überarbeitung) des IfSG wurden die Überwachungsaufgaben zudem ausgeweitet, ohne dass in aller Regel eine entsprechende Personalzuweisung für die hygieneüberwachenden Behörden erfolgte. Angesichts des zunehmenden Akademikermangels im ÖGD als Folge der vergleichweise unattraktiven Verdienstmöglichkeiten ist eine Bewertung des Infektionsrisikos als Grundlage einer effektiven Arbeitsplanung sinnvoll und vielerorts auch bereits unerlässlich. In Rheinland-Pfalz hat daher eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Gesundheitsministeriums ein systematisches und qualitätsorientiertes Regelüberwachungskonzept auf der Basis einer empirisch-fachlichen Risikoeinstufung erarbeitet. Dieses enthält Empfehlungen zur risikobasierten Begehungsfrequenz der einzelnen Einrichtungen und zur fachlichen Kompetenz der bei der infektionshygienischen Überwachung Tätigen. Seine praktische Umsetzung soll zum einen dazu dienen, Transparenz, Berechenbarkeit und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen. Zum anderen soll das Konzept im Zusammenwirken mit den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut als „Verständigungsgrundlage“ zu einem intensiveren Dialog zwischen „Überwachern“ und „Überwachten“ führen. Es ist die explizite Hoffnung der Autoren, dass eine risikoorientierte Handhabung der Überwachungstätigkeit und eine fachliche Beratung, die auf einrichtungsorientierte und -spezifische Umsetzung der KRINKO-Empfehlungen abzielt, auch vor dem Hintergrund zunehmend begrenzter Personalressourcen im ÖGD flächendeckend zu einer verbesserten Infektionshygiene beiträgt.

    HygMed 2012; 37 [5]: 190–195

  • Infektionshygienische Überwachung medizinischer Einrichtungen in München – Konzepte und Erfahrungen

    Sabine Gleich, Stefan Schweitzer

    In diesem Beitrag werden die Arbeitsweise eines Großstadtgesundheitsamtes praxisnah dargestellt und die besonderen Anforderungen und Rahmenbedingungen des Tagesgeschäftes einer modernen Behörde näher erläutert. Es wird über die sich derzeit stark verändernden Arbeitsbedingungen eines Gesundheitsamtes berichtet, insbesondere unter dem Aspekt der aktuellen medialen und politischen Aufwertung der Hygienethemen (nosokomiale Infektionen, multiresistente Erreger) in medizinischen Einrichtungen.

    HygMed 2012; 37 [5]: 196–201

  • Qualitätssiegel für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – Hintergrund, Konzept und Erfahrungen

    Sebastian Thole, Inka Daniels-Haardt

    Infektionen durch mehrfach antibiotikaresistente Bakterien (multiresistente Erreger, MRE) stellen das Gesundheitswesen in Deutschland vor eine besondere Herausforderung. Grundlegende Maßnahmen zur Prävention der Entstehung und Verbreitung antibiotikaresistenter Erreger sind lange bekannt und einfach umzusetzen. Jedoch ist die Prävalenz von z. B. Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in Deutschland anhaltend hoch im Vergleich zu den Niederlanden. Das Problem multiresistenter Erreger betrifft Krankenhäuser in besonderem Maße, letztlich aber alle Akteure im Gesundheitswesen. In dem Maße, in dem die patientenversorgenden Einrichtungen verbunden sind und medizinische Behandlungen ineinandergreifen, müssen auch die Strategien zur Infektionsprävention sektor- und grenzübergreifend etabliert werden. Solche Maßnahmen können von der Bildung regionaler Netzwerke zur Prävention von MRSA und MRE profitieren. Aus dem 2005 gegründeten Netzwerk in der Region Münsterland/Twente ist inzwischen das Projekt EurSafety Health-net für Patientensicherheit und Infektionsprävention entstanden, welches die gesamte deutsch-niederländische Grenzregion umfasst. Aus dem anfänglichen Netzwerk ist ein Qualitätsverbund entstanden, in dem z. B. Krankenhäuser, Laboratorien, Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsämter zusammenarbeiten. Als wichtiger Knotenpunkt mit Kontakt zu allen Leistungsträgern im Gesundheitswesen fungieren die Gesundheitsämter als Moderatoren, die die Netzwerke initiieren und moderieren. Innerhalb des Verbunds wurden zunächst für die Krankenhäuser gemeinsam abgestimmte Qualitätskriterien zum Infektionsschutz entwickelt. Bei Erreichen dieser Qualitätsziele werden die Häuser mit einem Qualitäts- und Transparenzsiegel ausgezeichnet. Der Aufwand der Kliniken für die Optimierung des Infektionsschutzes wird durch diese Siegel öffentlich sichtbar und stellt somit einen Anreiz zur konsequenten Einhaltung der Präventionsmaßnahmen dar. Begleitet wird dieser Prozess durch die kommunalen Gesundheitsämter, die Audit und Evaluation der Qualitätskriterien übernehmen. Insgesamt sollen die Krankenhäuser fünf Qualitätssiegel erlangen können, die verschiedene Bereiche der Infektionsprävention abdecken. Auch für Alten- und Pflegeeinrichtungen wurden Qualitätskriterien entwickelt.

    HygMed 2012; 37 [5]: 202–208

  • MRSA-Daten in Nordrhein-Westfalen – Wegmarken der Infektionsüberwachung für den öffentlichen Gesundheitsdienst

    Annette Jurke, Inka Daniels-Haardt

    Wirksame Infektionsprävention erfordert gezielte, ausdauernde und abgestimmte Anstrengungen. Ein Weg ist, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) die Umsetzung der Richtlinien der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut risikobasiert anhand transparenter Qualitätsindikatoren einschätzt, erfasst und bewertet. Die so generierten Eckdaten können hilfreiche Werkzeuge sein, um Anstrengungen zu bündeln, Maßnahmen aufeinander abzustimmen und dadurch einen wirksameren Infektionsschutz zu etablieren. Daten aus regionalen Netzwerken, Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) und in landesweiten Umfragen erhobene Daten ergeben ein Gesamtbild der MRSA-Situation und können für den ÖGD die Grundlage gezielter Interventionen sein.

    HygMed 2012; 37 [5]: 209–213