MHP

Hygiene & Medizin 7&8/2012

Aktuell

  • Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission
  • U35: Reisestipendium für die neue Generation in der Klinikhygiene
  • Aktuelle Daten zur Häufigkeit nosokomialer Infektionen
  • Qualifizierungsmaßnahme zum Technischen Sterilisationsassistenten „Fachkunde I – DGSV®“ wird aktualisiert
  • Gut geschützt: Krankheitserreger im Biofilm
  • Saubere Sache – Infektionen vermeiden lernen

Übersicht

  • Bedeutung von medikamentenresistenten Viren im Krankenhaus und in der Allgemeinbevölkerung

    Barbara C. Gärtner, Mathias Herrmann

    Virale Infektionen mit resistenten Erregern spielen eine weit geringere Rolle als solche bei bakteriellen Infektion. Wichtige Gründe hierfür sind, dass a) nur sieben virale Erreger antiviral therapierbar sind, b) von diesen in der Praxis nur wenige therapiert werden, c) die Resistenzentwicklung oft zu einer verringerten Replikationsfähigkeit führt und d) Resistenzen zwischen Viren (z. B. über Plasmide) nicht übertragbar sind. Für die Krankenhaushygiene sind resistente Viren wenig relevant, weil die Standardhygienemaßnahmen eine Übertragung verhindern müssten. Lediglich bei HIV und Influenza sind Resistenzen für die Postexpositionsprophylaxe bedeutend. In der Allgemeinbevölkerung hingegen hat die Ausbreitung von Resistenzen gegen HIV dazu geführt, dass sich etwa 10–15 % aller Patienten mit primär resistenten Erregern infizieren. Bei Hepatitis-B- (HBV) und -C-Viren (HCV) hat sich die antivirale Therapie noch nicht in einer Ausbreitung von resistenten Mutanten in der Allgemeinbevölkerung manifestiert. Problematisch könnte bei HBV sein, dass unter Therapie im Hepatitis B Surface Antigen (HBsAg) Mutanten selektiert werden, gegen die eine Impfung nicht schützt. Bei den Herpesviren kann man bei Herpes-simplex-Virus eine minimale Ausbreitung in der Allgemeinbevölkerung zeigen, die in der Regel unter 1 % liegt. Für Zytomegalievirus und Varizella-Zoster-Virus sind noch geringere Zahlen zu erwarten. Die Resistenzsituation bei Influenza ist komplex und sehr schwer vorhersagbar. Aktuell sind alle Isolate gegen Amantadin resistent und gegen Zanamivir wie auch Oseltamivir empfindlich.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 280–285.

  • Infektionen mit Respiratorischen Syncytial- Viren bei hämatologischen Patienten

    Paul Schnitzler

    Das Krankheitsbild einer Infektion mit Respiratorischen Syncytial-Viren (RSV) ist durch eine Erkrankung der oberen Atemwege mit Schnupfen und Husten gekennzeichnet, die dann innerhalb weniger Tage den unteren Atemtrakt erfassen kann und von starkem produktivem Husten und Dyspnoe begleitet ist. Das Virus infiziert alle Altersgruppen, aufgrund des unvollständigen Nestschutzes kommt es häufig zu Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. Reinfektionen bei Jugendlichen und Erwachsenen kommen wegen unvollständiger Immunität ebenfalls häufig vor. Bei Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder nach Stammzelltransplantation ist das Risiko, eine Pneumonie zu entwickeln stark erhöht, diese Patienten scheiden das Virus für viele Wochen aus. Die Zahl der RSV-Infektionen ist in den Wintermonaten am höchsten, der Gipfel der RSV-Saison dauert meist vier bis acht Wochen. Im Vordergrund der Diagnostik steht ein zeitnaher Erregernachweis, damit bei infizierten Personen umgehend die entsprechenden Hygienemaßnahmen eingeleitet werden, z. B. Isolation des Patienten. Strikte Barrieremaßnahmen sind unbedingt erforderlich, medizinisches Personal sollte bei Patientenkontakt Schutzkittel, Einmalhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille tragen. Bei Risikopatienten ist besonders darauf zu achten, dass ein Kontakt zu Besuchern und medizinischem Personal mit Atemwegsinfekten vermieden wird. Bei einem RSV-Ausbruch sollten alle Patienten dieser Einheit auf RSV untersucht werden. Je nach RSV-Status (positiv, negativ, Kontakt) werden bestimmte Hygienemaßnahmen, Therapiemaßnahmen und Folgeuntersuchungen empfohlen. Prospektive randomisierte Studien, die verschiedene Therapieoptionen, z. B. Ribavirin als Aeorosol, systemische Ribaviringabe, Immunglobulingabe, Prophylaxe und Therapie mit Palivizumab sowie Kombinationen hieraus vergleichen, sind dringend erforderlich.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 286–290

  • Aktueller Stand zur Viruzidieprüfung – ein Überblick

    Ingeborg Schwebke, Holger F. Rabenau

    Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Viruzidietestung insbesondere in Deutschland. Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Prüfmethoden in Form von Suspension- bzw. praxisnahen Tests werden vorgestellt und erläutert. Basierend auf Prüfungen mit diesen Tests existieren verschiedene Listen bzw. Zusammenstellungen zur Viruswirksamkeit von Desinfektionsmitteln, deren jeweilige Besonderheiten beschrieben werden.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 291–295

  • Viruzidieprüfung von Händedesinfektionsmitteln in vivo

    Jochen Steinmann, Eike Steinmann

    Viele Studien mit artifiziell viruskontaminierten Händen hatten in der Vergangenheit vorrangig das Ziel, die Übertragbarkeit von humanpathogenen Viren von Hand zu Hand zu untersuchen. Zusätzlich ist bei diesen Arbeiten auch geprüft worden, wie die Transmission der Viren durch eine hygienische Händedesinfektion unterbrochen werden kann. Wenig Bedeutung hat man aber der Frage nach einer Entwicklung und Beschreibung einer geeigneten in-vivo-Prüfmethode für Händedesinfektionsmittel beigemessen. Folglich existiert bis heute in Europa keine Prüfrichtlinie (Norm) für eine praxisnahe Prüfung von Händedesinfektionsmitteln. Im Gegensatz dazu werden in den Vereinigten Staaten von Amerika seit Jahren zwei unterschiedliche in-vivo-Prüfmethoden für Händedesinfektionsmittel angewandt, die sich hinsichtlich der Kontamination der Hände mit dem Prüfvirus und der Durchführung der hygienischen Händewaschung und Händedesinfektion deutlich unterscheiden. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Prävention nosokomialer Infektionen sollte auch in Europa möglichst schnell eine Norm zur Überprüfung von Desinfektionsmitteln gegenüber Viren an der künstlich kontaminierten Hand entwickelt werden, die parallel mit der EN 1500 für die Bakteriologie durchgeführt werden könnte. Auf diesem Wege würden nach erfolgreicher Prüfung Anforderungen an die Desinfektionsmittel für die hygienische Händedesinfektion entstehen, die sowohl die Eliminierung der Bakterien als auch die der Viren berücksichtigen. Im Folgenden wird ein Überblick über die bisherigen praxisnahen Untersuchungen mit Viren sowie ein Ausblick über zukünftige Entwicklungen zu Viruzidieprüfungen von Händedesinfektionsmitteln an der artifiziell viruskontaminierten Hand gegeben.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 296–302

  • Viren und Lebensmittel

    Friedrich von Rheinbaben

    Die Rolle von Viren in Lebensmitteln ist bislang wenig untersucht, obgleich zufällige Befunde sowie die epidemiologischen Eigenarten vieler Viren auf eine Übertragung durch Lebensmittel und Wasser hindeuten. In der klassischen Sichtweise wird die Lebensmittelvirologie vor allem auf die Erreger humaner Durchfallerkrankungen beschränkt. Löst man sich jedoch von dieser einseitigen Sichtweise und schließt auch Agenzien wie Bakteriophagen ein, so zeigen sich zahlreiche weitere Aspekte von erheblicher wirtschaftlicher und technischer Bedeutung, wie z. B. in Veredlungsprozessen von Lebensmitteln. Bei der Prävention viraler Lebensmittelinfektionen ist vor allem die Anwendung geeigneter Inaktivierungsmaßnahmen wichtig. Diese müssen durch prophylaktische Maßnahmen ergänzt werden, insbesondere durch wirksame Desinfektionsmaßnahmen.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 303–311

Originalia

  • Saisonale Verteilung von viralen Erregern – Konsequenzen für das Hygienemanagement

    Elena Terletskaia-Ladwig, Maren Eggers

    Hintergrund: Die wichtigste Maßnahme gegen die Verbreitung nosokomialer Infektionen stellt die Desinfektion dar. Dabei kann das Wissen über die jahreszeitliche Häufung viraler Infektionen das Hygiene-management durch den Einsatz eines geeigneten Desinfektionsmittels verbessern.

    Methode: Patienten wurden untersucht auf Influenzavirus, Respiratorisches-Synzytial-Virus (RSV), Rhinovirus, Bocavirus, Metapneumovirus, Parainfluenzavirus 3, Adenovirus, Enterovirus, Norovirus und Rotavirus. Die saisonale Verteilung der Erreger wurde ermittelt.

    Ergebnisse: Respiratorische Erkrankungen: In respiratorischen Proben wurden am häufigsten Influenzaviren (40,1 %), Rhinoviren (33,9 %), RSV (31,5 %) und Bocaviren (16,4 %) nachgewiesen. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember wurde der größte Teil der respiratorischen Infektionen durch Rhinoviren verursacht, gefolgt von der saisonalen Influenzawelle, die meist nach Weihnachten begann und bis März/April andauerte. Eine früh beginnende RSV-Saison (November/Dezember) wechselte sich im Zweijahres-Rhythmus mit einer später beginnenden Saison ab (Januar/Februar). RSV-Ausbrüche dauerten drei bis sechs Monate. Enteroviren: Enteroviren kamen in der warmen Jahreszeit von Juli bis Oktober vor und verursachten grippale Infekte, zum Teil mit der schweren Komplikation einer Meningitis. Gastrointestinale Infektionen: Noroviren traten vorwiegend zwischen September und April mit dem Gipfel im Dezember bis Februar auf. Rotaviren haben eine ähnliche, jedoch ca. zwei bis drei Monate zeitversetzte, Periodik (Dezember bis Juni).

    Schlussfolgerung: Bei der Auswahl von Desinfektionsmitteln zwischen „voll viruzid“ und „begrenzt viruzid“ sollten die gerade saisonal vorherrschenden Erreger berücksichtigt werden. In den Monaten Dezember bis April empfiehlt sich z. B. bei Patienten mit infektiöser Gastroenteritis die Verwendung eines uneingeschränkt viruziden Mittels, da in diesem Zeitraum besonders häufig mit Noro- und Rotaviren zu rechnen ist – beides unbehüllte Viren mit einer ausgeprägten Desinfektionsmittelresistenz.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 312–319

  • Praxisnaher Test zur Prüfung der viruziden Wirksamkeit von chemischen Instrumentendesinfektionsmitteln zur Aufbereitung von transvaginalen Ultraschallsonden

    Julia Strohhäcker, Maren Eggers

    Hintergrund: Für die praxisnahe und anwendungsbezogene Prüfung der viruziden Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln zur Instrumentenaufbereitung bestehen im humanmedizinischen Bereich bisher keine verbindlichen Europäischen Prüfmethoden. Basierend auf der Norm EN 14561:2006 zur Bestimmung der bakteriziden Wirkung von Instrumentesdesinfektionsmitteln wurde ein praxisnaher Glaskeimträgerversuch entwickelt.

    Methode: Prüfsubstanzen wurden mit geringer und hoher Belastung an kontaminierten Mattglaskeimträgern im Eintauchverfahren getestet. Die Prüfviren wurden im Hinblick auf die Fragestellung nach der Aufbereitung von Ultraschallsonden – insbesondere transvaginalen Sonden – ausgewählt. Das Simianvirus 40 (SV40) diente als Surrogatvirus für humane Papillomviren (HPV), die für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs eine wichtige Rolle spielen. Die behüllten Viren, wie das Hepatitis-B-Virus (HBV), das Hepatitis-C-Virus (HCV), das Humane Immundefizienzvirus (HIV) sowie die Herpesviren Herpes-simplex-Virus (HSV) und Cytomegalievirus (CMV), wurden mit dem Vacciniavirus erfasst, dem etablierten Prüfvirus für die begrenzte Viruzidie. Die Methode wurde mit den vier Desinfektionsmittelwirkstoffen Peressigsäure, Glutaraldehyd, einem Alkylaminderivat und der quartären Ammoniumverbindung (QAV) Benzalkoniumchlorid bei verschiedenen Kontaktzeiten (5, 15, 30 und 60 Minuten) validiert.

    Ergebnisse: Mit beiden Modellviren, dem behüllten Vacciniavirus sowie dem unbehüllten SV40, war ein Keimträgertest im Eintauchverfahren möglich. Das Vacciniavirus konnte bereits durch niedrige Konzentrationen von Peressigsäure und Glutaraldehyd schnell inaktiviert werden. Mit Benzalkoniumchlorid wurde hingegen eine lange Einwirkzeit von 30 Minuten sowie eine hohe Anwendungskonzentration benötigt, die bei SV40 nochmals 5-fach so hoch war. Das chemoresistente SV40 benötigte mit der Ausnahme von Peressigsäure insgesamt längere Einwirkzeiten.

    Schlussfolgerung: Ein praxisnaher Test zur Überprüfung der viruziden Wirksamkeit von Instrumentendesinfektionsmitteln steht nun zur Verfügung.

    HygMed 2012; 37 [7/8]: 320–329

Referate

  • Personalschutz gegen Influenza
  • Was leisten die verschiedenen Maskentypen?

Veranstaltungen

  • 62. Wissenschaftlicher Kongress von BVÖGD und BZÖG: Im Mittelpunkt die Prävention