MHP

Hygiene & Medizin 12/2012

Aktuell

  • Antibiotika – richtig anwenden ist wichtig
  • Aktuelle Schätzung der Zahl von HIV-Infektionen in Deutschland
  • Krankenhausinfektionen: Erstmals klinikweite Langzeitzahlen
  • Asiatische Buschmücke erobert Deutschland
  • Erkrankungsfall mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland
  • Synthetisch hergestellter mRNA-Impfstoff schützt vor Grippe

Übersicht

  • Sichere Aufbereitung von Transfer- und Lagerungshilfen

    Ilka Graupner, Andrea Sack, Nils-Olaf Hübner

    In der Pflege und Betreuung von pflegebedürftigen und behinderten Menschen werden zunehmend Transfer- und Lagerungshilfen (TLH) genutzt. Diese Hilfsmittel erfüllen eine Dreifachfunktion, da sie die Eigenaktivität und Mobilität der Pflegebedürftigen unterstützen, die Dekubitusprophylaxe verbessern und den pflegerischen Umgang mit den Patienten erleichtern. Dadurch kann auch die körperliche Belastung für das Pflegepersonal verringert werden. Obwohl von vielen Herstellern die Anwendung von TLH vorrangig im häuslichen Bereich, d.h. patientenbezogen, propagiert wird, ist die Anwendung aus Sicht der Arbeitsmedizin auch in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sinnvoll. Hier erfolgt die Anwendung häufig jedoch nicht patientenbezogen. Damit gewinnt die sichere Aufbereitung dieser Medizinprodukte an Bedeutung. Ziel dieses Beitrags ist es, die Problematik der Aufbereitung dieser passiven, mobilen TLH in der Praxis darzustellen. Ausgehend von einer Risikoanalyse werden die Vorteile, die möglichen hygienischen Probleme sowie die Aufbereitungsmöglichkeiten beim Einsatz von TLH aufgezeigt. An Beispielen aus der konkreten Praxis wird gezeigt, dass in vielen Fällen Herstellerangaben zur Aufbereitung sehr ungenau sind oder keine dem Infektionsrisiko angemessene Aufbereitung erlauben. Besonders komplex aufgebaute TLH, die verschiedene Materialien kombinieren und mit Schlaufen, Bändern und Bezügen versehen sind, können ggf. bei der Aufbereitung problematisch sein. Für die Betreiber ist zu bedenken, dass die Folgekosten von schlecht oder nicht aufzubereitenden Hilfsmitteln die Anschaffungskosten um ein Vielfaches übersteigen können. Daher sollte die Aufbereitbarkeit ein wichtiges Kriterium beim Einkauf vom TLH sein. Diese sollte möglichst einfach, sicher und kostengünstig durchzuführen sein. Gleichzeitig mit dem Einkauf von Hilfsmitteln muss die entsprechende Logistik zur Aufbereitung und Lagerung zur Verfügung stehen. Die Hersteller der TLH sind dringend aufgefordert, die Produkte hinsichtlich der Anforderungen an die Reinigung und Desinfektion zu optimieren.

    HygMed 2012; 37 [12]: 496–501

  • Zur Bedeutung von MRSA als Erreger zoonotischer Erkrankungen in Deutschland

    Robin Köck, Karsten Becker, Markus Bischoff, Christiane Cuny, Tim Eckmanns, Alexandra Fetsch, Dag Harmsen, Stefan Schwarz, Thomas Selhorst, Bernd-Alois Tenhagen, Birgit Walther, Wolfgang Witte, Wilma Ziebuhr für den MedVet-Staph Forschungsv

    Staphylococcus aureus ist Erreger einer Vielzahl von Infektionen bei Menschen und Tieren. Während Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) jahrzehntelang vor allem bei Menschen in Einrichtungen des Gesundheitswesens und in der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen wurden, stellen zahlreiche jüngere Berichte dar, dass der Erreger sich seit einigen Jahren verändert hat und neben dem weiterbestehenden humanen Reservoir zunehmend in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung („livestock-associated MRSA“, LA-MRSA) sowie bei Haus- und Hobbytieren nachgewiesen wird. Auch in Lebensmitteln und in Umweltproben wird der Erreger gefunden. Obwohl einzelne genotypische Unterschiede zwischen „menschlichen“ und „tierischen“ MRSA identifiziert wurden, gibt es eine Schnittmenge, die darauf hindeutet, dass Übertragungen von MRSA zwischen Tier und Mensch bzw. Mensch und Tier auftreten. Diese Übersichtsarbeit stellt den derzeitigen Stand des Wissens zur zoonotischen Bedeutung von MRSA in Deutschland zusammen.

    HygMed 2012; 37 [12]: 502–506

Originalia

  • Halten MRSA-Schnellteste, was sie versprechen?

    Beate E. Lemmer, Lutz T. Zabel, Angelika Möricke, Heike von Baum

    Hintergrund: Zwei Jahre nach dem Beginn des Einsatzes eines PCR-basierten MRSA-Schnelltests im Rahmen des Aufnahmescreenings auf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden die Ergebnisse aus PCR und Kultur retrospektiv verglichen.

    Methodik: Nasen- und Wundabstriche wurden mit der GeneXpert® MRSA-PCR (Cepheid) jeweils unmittelbar nach dem Eintreffen im Labor untersucht, alle Abstriche wurden auch kulturell untersucht. Anhand des Schnelltests getroffene Entscheidungen bzgl. der Isolierung von Patienten wurden nach dem Vorliegen des kulturellen Ergebnisses ggf. revidiert.

    Ergebnisse: 95,7 % der 3079 PCR-Ergebnisse konnten kulturell bestätigt werden. 20 Abstriche hatten ein falsch negatives PCR-Ergebnis. Bei 111 Abstrichen mit positiver MRSA-PCR wurde kein MRSA angezüchtet. Bei der Begutachtung anhand fallspezifischer Kriterien waren 41 dieser PCR-Ergebnisse als richtig positiv zu bewerten, die übrigen 70 waren jedoch falsch positiv. Bei der Mehrzahl dieser 70 Abstriche wuchs in der Kultur ein Methicillin-sensibler S. aureus (MSSA). Mit einer weiteren PCR konnte bei solchen Isolaten ein Verlust des mecA-Gens (mecA-Deletion) aus dem SCCmec-Element festgestellt werden. Der negative prädiktive Wert der PCR war 99,3 %, der positive prädiktive Wert 80,7 %.

    Schlussfolgerungen: Die retrospektiv ermittelten Ergebnisse aus unserem Krankenhausalltag entsprechen denen publizierter prospektiver Studien. Der gute negative prädiktive Wert des Schnelltests ermöglicht, auf präemptive Isolierungen zu verzichten, wenn ein negativer PCR-Befund vorliegt. Der positive prädiktive Wert ist aufgrund des Vorkommens von mecA-deletierten Stämmen weit schlechter. Auf eine kulturelle Überprüfung des positiven PCR-Ergebnisses kann nicht verzichtet werden, um unnötige Isolierungen und Stigmatisierungen von Patienten zu vermeiden.

    HygMed 2012; 37 [12]: 507–512

  • Bei Tageslicht photokatalytisch aktive Beschichtungen für Klinikausstattungen und Medizinprodukte zur Erhöhung der Hygienesicherheit

    Norbert Laube, Falk Bernsmann

    Hintergrund: Kristallines Titandioxid entwickelt unter ultravioletter (UV) Einstrahlung photokatalytische Eigenschaften. Durch die dabei entstehenden Radikale werden die chemischen Bindungen anhaftender organischer Substanzen zersetzt. Zellmembranen aufliegender Mikroorganismen aller Art und Sporen werden angegriffen und dadurch inaktiviert; dies gilt auch für bereits antibiotikaresistente Bakterienstämme.

    Methode: Die in diesem Bericht vorgestellte nur wenige hundert Nanometer dicke plasmadeponierte Titandioxidschicht „TiX“ kann konform auf beliebige Oberflächen aufgebracht werden und verleiht diesen die genannten photoinduzierten Eigenschaften.

    Ergebnisse: Es wird gezeigt, dass schon der geringe UV-Anteil gewöhnlichen Tageslichts für eine signifikante photokatalytische Bakterienreduktion (Testbakterium: Kocuria rhizophila) ausreicht. TiX-Schichten sind bereits ohne Photoaktivierung außergewöhnlich hydrophil. Ihr hydrophiler Charakter, der durch Belichtung noch verstärkt wird, erleichtert die Reinigung von Oberflächen, da Schmutzpartikel von Wasser unterspült und somit leichter entfernt werden.

    Schlussfolgerung: Aufgrund ihrer Eigenschaften können TiX-Beschichtungen als zuverlässiges und dauerhaft wirkendes „Add-on“ auf hygienisch sensiblen Oberflächen zur Sicherung der Einhaltung von Hygienevorschriften und zur Verbesserung des allgemeinen Hygienestandards durch Reduktion der Erregertransmissionswahrscheinlichkeit dienen.

    HygMed 2012; 37 [12]: 513–519

Blickpunkt

  • Hygienefachliche und -rechtliche Bewertung der Anwendung von Leitungswasser als Wundspüllösung

    A. Schwarzkopf*, B. Assenheimer, A. Bültemann, V. Gerber, H.D. Hoppe, K. Kröger für den Vorstand der Inititative Chronische Wunden e. V.

  • Fallbericht des Nachweises eines multiresistenen Klebsiella pneumoniae- Isolates bei einem Patienten

    Marion Scharte, Hermann Schubert

Referate

  • Pilzmeningitis durch kontaminiertes Methylprednisolon
  • Krankenhauserworbene Infektionen bei alten Menschen

Veranstaltungen

  • Fürther-Erlanger-Nürnberger Hygienetage: Der Hygiene-Hype bedeutet Chance und Verantwortung