MHP

Hygiene & Medizin 1+2/2013

Aktuell

  • Strukturierte curriculare Fortbildung „Krankenhaushygiene“
  • Hepatitis-C-Virusinfektionen im Drogenmilieu
  • Neu im Herausgeberbeirat: Prof. Dr. Heike von Baum
  • Nachruf Dr. med. dent Karlheinz Kimmel

Übersicht

  • Hygiene in Krankentransport und Rettungsdienst – Empfehlungen unter besonderer Berücksichtigung des Personalschutzes

    Birgit Ross*, Jörg Spors, Dieter Oberndörfer, Heike Engelberg, Walter Popp

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 8–15

    Da Krankheitserreger durch Patiententransporte über große Strecken verbreitet werden können, müssen hygienische Grundsätze gerade bei Transporten strikte Beachtung finden. Auch im Hinblick auf den Schutz des Personals vor übertragbaren Erkrankungen ist beim Patiententransport große Sorgfalt erforderlich, zumal Expositionen – z. B. gegenüber multiresistenten Erregern – häufiger zu sein scheinen als bei den meisten anderen Angestellten im Gesundheitswesen. Eine einheitliche Leitlinie für Rettungsdienste und Krankentransporte existiert derzeit in Deutschland nicht. Es gibt aber Empfehlungen zu verschiedenen Themen, die sich mit einzelnen Aspekten des Patiententransports befassen. In der vorliegenden Arbeit werden daher die vorhandenen Empfehlungen zusammengefasst und durch Literatur und eigene Erfahrungen ergänzt. Der Artikel soll als Diskussionsgrundlage für die Entwicklung eines generellen Standards dienen.

Originalia

  • Die Ulmer SEKURE-Studie: Untersuchung der Erregerbelastung im Rettungsdienst – Eine Bestandsaufnahme

    Sarah Wildermuth, Wolfgang Stahl, Burkhard Dirks, Sebastian Hafner, Martin Wepler, Heike von Baum*

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 16–22

    Fragestellung: Der weltweite Anstieg von Patienten, die mit multiresistenten Bakterien besiedelt sind, stellt für den Rettungsdienst eine große Herausforderung dar. Es ist anzunehmen, dass auch in Rettungsdienstfahrzeugen in zunehmendem Maße multiresistente Erreger, insbesondere Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), auf Oberflächen nachweisbar sind. Ziel unserer Studie war es deshalb, das Erregerspektrum auf unbelebten Oberflächen in unterschiedlichen einsatzbereiten Rettungsmitteln zu erfassen und zu bewerten.

    Methodik: Im Einverständnis mit den verantwortlichen Rettungswachenleitern wurden bei einem unangekündigten Besuch an vorher definierten Punkten in den Rettungsmitteln Rettungswagen (RTW) sowie Krankentransportwagen (KTW) Abklatschuntersuchungen mit Kontaktmedium-Rodac®-Platten auf CASO-Abklatschagar mit Enthemmer zur differenzierten bakteriellen Untersuchung gewonnen und ausgewertet. Um repräsentative Ergebnisse zu erzielen, sollten mindestens 50 % der vorgehaltenen Rettungsmittel einer Rettungswache untersucht werden. Zusätzlich wurden standardisierte strukturelle und organisatorische Details der Wachen mithilfe eines Fragebogens erfasst. Für alle beteiligten Wachen wurde mithilfe eines Punktesystems eine Bewertung des vorgefundenen Hygienestandards erstellt.

    Ergebnisse: Insgesamt erteilten 56 Rettungswachen ihre Zustimmung, an der Studie teilzunehmen. Es konnten 86 (74 %) von 117 Rettungswagen und 64 (59 %) von 108 Krankentransportwagen untersucht werden. Das Spektrum auf den 2136 Abklatschplatten zeigte fast ausschließlich Mikroorganismen der Haut- und Umweltflora. S. aureus fand sich auf 128 (6 %) aller Abklatschplatten, davon in 18 Fällen MRSA in insgesamt 11 von 150 (7 %) einsatzbereiten Rettungsmitteln. Die genotypische Typisierung zeigte 11 unterschiedliche MRSA-Stämme. Weitere relevante Pathogene wurden nicht nachgewiesen. RTWs waren mit 16 MRSA-Nachweisen häufiger betroffen als KTWs (2 MRSA-Nachweise). Strukturelle Informationen der einzelnen Rettungswachen wurden für 88 % der Teilnehmer ebenfalls erfasst und bewertet.

    Schlussfolgerungen: Eine Standortbestimmung und Standardisierung der Hygienemaßnahmen bei Rettungsmitteln ist unbedingt empfehlenswert, um strukturierte Schulungen und weitere Interventionen anbieten zu können.

  • Mikrobielle Belastung und multiresistente Erreger im qualifizierten und nichtqualifizierten Krankentransport

    Georg-Oliver Erk, Christian Brandt, Ursel Heudorf*

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 23–29

    Hintergrund: Für den Transport von Patienten stehen der Rettungsdienst, der qualifizierte (q-KTP) sowie der nichtqualifizierte (nq-KTP) Krankentransport zur Verfügung. Während einige Studien zur mikrobiellen Belastung und zur MRSA-Kontamination im q-KTP publiziert sind, gibt es diesbezüglich bislang keine Erkenntnisse zu den Fahrzeugen des nq-KTP. In unserer Untersuchung wurden erstmals Fahrzeuge des nq-KTP und des q-KTP mit identischer Methode standardisiert auf ihre mikrobielle Belastung einschließlich multiresistenter Erreger untersucht.

    Methode: In 74 Fahrzeugen des nq-KTP und in 70 Fahrzeugen des q-KTP wurden standardisiert Abstrich- und Abklatschproben von Gurt, Kopfteil, Türgriff und – falls vorhanden – Tragegriff genommen und anschließend auf die gesamtmikrobielle Belastung sowie auf MRSA, VRE und ESBL untersucht.

    Ergebnisse: In den Wagen des nq-KTP fanden sich signifikant mehr Kokken an den Entnahmestellen Gurt, Kopfteil und Türgriff als in den Wagen des q-KTP (über 100 KBE im nq-KTP/q-KTP bei 20,3 %/1,4 % der Gurte, 10,4 %/5,8 % der Tragegriffe und 13,5 %/0 % der Türgriffe ) sowie signifikant mehr Sporenbildner am Kopfteil (8,1 %/0 %) und an den Gurten (2,7 %/0 %). MRSA wurde in keinem Wagen des q-KTP, aber in jedem vierten Wagen des nq-KTP gefunden, und zwar an 14 % der Gurte, 7 % der Tragegriffe und je 4 % der Kopfteile und Türgriffe. VRE und ESBL wurden weder in den Wagen des nq-KTP noch des q-KTP festgestellt.

    Diskussion: Im nq-KTP wurden signifikant höhere Erregerbelastungen als im q-KTP gefunden. Auch wenn aus der Höhe der gefundenen Erregerkonzentrationen auf den untersuchten Flächen nicht unmittelbar auf ein Infektionsrisiko geschlossen werden darf, zeigt eine hohe mikrobielle Belastung einen Verbesserungsbedarf bei der Reinigung/Desinfektion der Flächen an – sowohl im nq-KTP als auch im q-KTP. MRSA-Patienten werden in Frankfurt am Main fast ausschließlich im nq-KTP gefahren. Nur dort wurden auch MRSA gefunden, nicht im q-KTP. Es stellt sich demnach die Frage, ob auch für den nq-KTP definierte Hygieneempfehlungen oder Vorgaben erlassen werden sollen. Inwieweit dies für den nq-KTP als Teil des öffentlichen Transports möglich ist, bedarf einer rechtlichen Klärung.

Aus der Praxis

  • Rettungsdienstkleidung als Streuquelle von Infektionserregern

    Joachim Knoche*, Indra Schubert, Peter Witte

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 30–35

    Mitarbeiter/-innen im Rettungsdienst, Krankentransport und nicht qualifizierten Krankentransport haben täglich eine Vielzahl von Patientenkontakten. Dabei fehlen häufig Informationen über den Kolonisationsstatus des Patienten mit resistenten Erregern. Im Umgang mit Patienten, bei denen eine Besiedelung mit resistenten Erregern bekannt ist, schützen sich die Mitarbeiter durch zusätzliche Schutzkleidung. Ist der Status des Patienten nicht bekannt, finden diese zusätzlichen Schutzmaßnahmen nicht statt. Fragestellung dieser Untersuchung war, ob Rettungsdienstbekleidung mit bakteriellen Infektionserregern kontaminiert ist. Es wurden Abklatschproben von unterschiedlichen Stellen der Dienstkleidung genommen. Hierbei stellte sich heraus, dass ein Großteil der Proben eine hohe mikrobielle Belastung aufwies, wobei überwiegend Mikroorganismen der Hautflora und aus der Umwelt gefunden wurden. Jedoch konnten ebenso mögliche Problemerreger wie Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus (MSSA), eine ESBL-positive Klebsiella oxytoca und Vertreter des Acinetobacter baumannii-Komplexes isoliert werden. In Bezug auf die Aufbereitung der Dienstkleidung stellte sich heraus, dass die private Aufbereitung durch die Mitarbeiter der gewerblich organisierten Aufbereitung in der hygienischen Qualität unterlegen war.

  • Schutz- und Hygienemaßnahmen bei Infektionstransporten in Rheinland-Pfalz

    Peter Klee*, Manfred Vogt, Stefan Bent

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 36–39

    Medizinisches Equipment, Einsatzfahrzeuge und Einsatzkräfte in der Notfallrettung und im Krankentransport stellen wesentliche Berührungspunkte zwischen den beteiligten Institutionen zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung (Krankenhäuser, Arztpraxen, Altenpflegeeinrichtungen etc.) sowie dem privaten, häuslichen Bereich dar. Damit nicht auch unerwünschte „Transportbegleiter“ verteilt werden, müssen die erforderlichen Hygienemaßnahmen in der Notfallrettung und im Krankentransport sichergestellt sein. In Verbindung mit einem für alle diesbezüglichen Leistungserbringer in Rheinland-Pfalz verbindlichen Rahmenhygieneplan ermöglicht die nachfolgende Übersicht einen zielgerichteten Überblick über die erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen bei Patiententransporten mit bekannten Infektionserkrankungen oder Kolonisationen mit Infektionserregern. In Verbindung mit einem adaptierten Übergabeprotokoll kann der Informationsfluss zwischen den beteiligten Institutionen standardisiert, die Vorgabe der Landesverordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen nach einem sektorübergreifenden Informationsaustausch besser gewährleistet sowie die Anforderungen der Hygiene auf eine einheitliche Grundlage gestellt werden.

  • Rahmenhygieneplan für Rettungs- und Krankentransportdienste des „Länder-Arbeitskreises zur Erstellung von Hygieneplänen nach § 36 IfSG“

    Josefine Haak*, Rosmarie Poldrack

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 40–43

    Unsicherheiten über Hygiene-Erfordernisse im Rettungsdienst und zahlreiche Fragen über den Umfang der Schutzausrüstung für das Personal bei Infektionstransporten zeigen die Notwendigkeit von Hygienerichtlinien. Der Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Hygieneplänen nach § 36 IfSG hat im März 2011 den Rahmenhygieneplan für Rettungs- und Krankentransportdienste veröffentlicht. Dieser kann als Grundlage für den einrichtungsspezifischen Hygieneplan vor Ort genutzt werden und enthält zahlreiche wichtige Informationen, u. a. zu Händehygiene, Reinigung, Desinfektion, Aufbereitung, Wäschehygiene und Abfallentsorgung. Zudem findet man hilfreiche Tabellen über die notwendigen Maßnahmen bei verschiedenen Infektionskrankheiten, Vorlagen für Reinigungs- und Desinfektionspläne sowie eine Übersicht zu Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger.

  • Transport von hochkontagiösen lebensbedrohlich Erkrankten im Rettungsdienst

    Dieter Oberndörfer*, Reinhard Ries, Volker Wilken, Peter Wiese, René Gottschalk, Jörg Spors, Birgit Ross, Walter Popp

    HygMed 2013; 38 [1/2]: 44–48

    Patienten mit hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankungen stellen eine große Herausforderung für den Krankentransport dar. Bei einigen Feuerwehren stehen daher für solche Fälle hochspezialisierte Einsatzkräfte zur Verfügung. Am Beispiel der Feuerwehren Essen und Frankfurt wird die besondere Logistik dieser Transporte dargestellt und ein Überblick über die hygienischen Maßnahmen gegeben.

DGKH

  • Vorstellung der DGKH-Arbeitsgruppe Hygiene im Rettungsdienst
  • Neuer Leiter für die Sektion „Desinfektion und Reinigung“

VAH

  • Desinfektionsmittel-Kommission – Fragen & Antworten zum Thema Rettungsdienst

Blickpunkt

  • Organisation des Rettungsdienstes in der Bundesrepublik Deutschland

Referate

  • Nosokomiale Infektionen nach Einlieferung mit dem Notarztwagen