MHP

Hygiene & Medizin 6/2013

Aktuell

  • Aspekte der mikrobiologischen Diagnostik im Rahmen der Prävention von nosokomialen Infektionen
  • Erkrankungsfälle durch das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV)
  • Dengue-Risiko weltweit dreimal so hoch wie bislang angenommen
  • Grippe und Bakterien: Neue Heilungschancen der potenziell tödlichen Kombination

Originalia

  • Die Schmetterlingsmücke Clogmia albipunctata als neuer mechanischer Vektor: aktuelle Verbreitung in Deutschland und ihr infektiologisches Potenzial in deutschen Krankenhäusern

    Michael Spiesberger, Michael K. Faulde

    HygMed 2013; 38 [6]:228–237.

    Hintergrund: Die vormals in den Tropen und Subtropen heimische Schmetterlingsmücke Clogmia albipunctata ist offensichtlich aus dem mediterranen Raum nach Deutschland eingewandert. Durch ihr verstärkt synanthropes Verhalten fällt sie seitdem durch häufigen, ganzjährigen Gebäudebefall, auch in Krankenhäusern, auf. Ziel dieser Studie war es, ihre derzeitige Verbreitung in Deutschland, ihre bevorzugten Brutplätze in Krankenhäusern sowie ihr hygieneschädliches Potenzial als mechanischer Vektor nosokomialer Erreger festzustellen.

    Methode: Von August 2011 bis Mai 2012 wurden 271 C. albipunctata aus vier Krankenhäusern asserviert und qualitativ sowie quantitativ auf bakterielle Besiedlung der Körperoberfläche sowie des Gastrointestinaltrakts/Körperinneren untersucht. Das Erregerspektrum in Wasserproben identifizierter Brutplätze wurde mit dem bakteriellen Besiedlungsmuster auf und in den Mücken verglichen. Die Bakteriendifferenzierung erfolgte durch Standarddifferenzierungsmedien und -tests. Bestätigungsdiagnostik und Erstellung der Antibiogramme wurde mittels des automatisierten Phoenix-Systems durchgeführt.

    Ergebnisse: Derzeit hat C. albipunctata ihren geografischen Verbreitungsraum mit einer nördlichen, den 54. Breitengrad überschreitenden Verbreitungsgrenze bei Kiel, weiter ausgedehnt. Bevorzugte Brutplätze in Krankenhäusern waren mit Haarknäuel verschmutze Siphons in Duschkabinen, unregelmäßig genutzte Toiletten und Urinale sowie stehendes Wasser aus Rohrleckagen und Kondenswasser. 271 C. albipunctatawurden individuell qualitativ sowie teilweise quantitativ auf Bakterienkolonisierung hin untersucht. Insgesamt konnten an diesen Insekten aus den untersuchten Krankenhäusern 45 Bakterienspezies aus 40 Gattungen isoliert werden. Unter diesen befanden sich bekannte nosokomiale Pathogene wie Acinetobacter baumannii-Komplex, Aeromonas hydrophila, Alcaligenes faecalis, Bacillus cereus, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae ssp. pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa, P. fluorescens und Stenotrophomonas maltophilia mit Kolonisierungsraten von jeweils 0–17,5 %, 0–16,7 %, 0–12,5 %, 0–62,1 %, 0–2,5 %, 0–4,1 %, 0–12,5 %, 0–7,6 %, und 0–10% pro Probennahme-Begehung (n=7). Zudem wurde jeweils ein Stamm von Yersinia fredericksenii und Nocardia sp. detektiert. Außer elf Isolaten von multiresistenten Carbapenemase-produzierenden S. maltophilia konnten keine weiteren besonderen Resistenzmuster oder Multiresistenzen innerhalb der untersuchten Enterobacteriaceae festgestellt werden. Acinetobacter sp. kolonisierte C. albipunctata mit Raten von 2,9–36,8 % und bis zu 2080 Kolonie-bildenden Einheiten pro Insekt, wobei eine hohe Affinität zur Oberfläche der stark hydrophoben Exokutikula nachgewiesen werden konnte.

    Schlussfolgerung: Die erhaltenen Ergebnisse belegen deutlich, dass C. albipunctata als Hygieneschädling definiert und als mechanischer Vektor mit dem Potenzial der Übertragung nosokomialer Erreger betrachtet werden sollte. Gleichzeitig stellt ein Befall mit dieser Schmetterlingsmückenart in Krankenhäusern einen hervorragenden Indikator für mangelnde Reinigung und insuffizientes Wasser- sowie Abwassermanagement dar.

  • Virusinaktivierung mit vernebelter Peressigsäure

    Jens-Peter Gregersen, Tobias Diebold, Bernhard Roth

    HygMed 2013; 38 [6]:238–244.

    Studiendesign: Als Alternative zur Formaldehydbegasung wurde die Raumdesinfektion mit vernebelter Peressigsäure auf ihre Virus-inaktivierenden Eigenschaften untersucht. In einer voll ausgestatteten Laboreinheit samt angrenzenden Schleusen wurde die Wirksamkeit von Peressigsäure-Mikroaerosol auf stabile, unbehüllte Modellviren, insbesondere gegen Parvovirus, geprüft.

    Methode: Virus in Kulturmedium oder versetzt mit Serum oder in Frischblut wurde auf Mattglasträger aufgetragen, getrocknet und an ausgewählten Orten in offenen oder geschlossenen Petrischalen ausgelegt. Wasser, ausreichend um eine 70 % relative Raumfeuchte zu erreichen, wurde mit Peressigsäure (2 mL 5–6 % Peressigsäure/m3 Rauminhalt) versetzt und mit einem kommerziell erhältlichen Gerät vernebelt. Nach Abschluss der Vernebelung und einer weiteren Stunde Verweilzeit wurde der Raum für etwa 1 Stunde belüftet. Der Restvirustiter auf ausgelegten Virusträgern wurde bestimmt und mit Kontrolltitern nicht exponierter Träger verglichen, um die Virusreduktion zu bestimmen.

    Ergebnisse: Virustiter-Verluste durch Trocknung oder Zugabe von Serum oder Blut waren sehr gering oder nicht nachweisbar. Die Wiedergewinnung von Virus von unbehandelten Kontrollträgern war annähernd verlustfrei. Virus in Kulturmedium oder in Serum war an allen Auslegeorten und selbst in geschlossenen Petrischalen vollständig inaktiviert bis unter die Nachweisgrenze von 1 infektiösen Einheit. Parvovirus eingeschlossen in Blutgerinnseln aus 20 % Blut wurde an Orten mit geringerer Exposition nicht vollständig inaktiviert.

    Schlussfolgerung: Die Vernebelung von Peressigsäure in Räumen erwies sich als einfache und robuste Methode zur Flächendesinfektion und Virusinaktivierung. Hohe Titer sehr stabiler Viren wurden auch an schwer zugänglichen Stellen zuverlässig inaktiviert. Die reduzierte Wirksamkeit gegen Parvoviren in Blutproben zeigte, dass eine Reinigung grober Verschmutzungen grundsätzlich unentbehrlich ist, um eine gute Desinfektion zu erzielen.

Aus der Praxis

  • MRSA: Screening und Sanierung im ambulanten Bereich nach der neuen EBM-Vergütungsvereinbarung (EBM 87.8) – klarer Halbzeitrückstand

    Peter Schäfer

    HygMed 2013; 38 [6]: 245–249

    Bis vor kurzem durften niedergelassene Ärzte bei gesetzlich versicherten ambulanten Patienten keine präventiven Untersuchungen auf Kolonisation mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) oder Sanierungsmaßnahmen abrechnen. Zum 01.04.2012 ist eine Vergütungsvereinbarung in Kraft getreten, die das Screening und die Sanierung von Patienten mit definierten Risikofaktoren für MRSA-Besiedlung ermöglicht. Dies war längst überfällig, weil es unerlässlich ist, auch außerhalb der Krankenhäuser Screening und Sanierung durchzuführen, wenn MRSA-Risikopatienten adäquat behandelt werden sollen. Leider ist die Akzeptanz der Vergütungsvereinbarung unter den Ärzten bislang gering, was aber nur bedingt überrascht, weil diese zu viele Schwachpunkte enthält. Am schwersten wiegt dabei die geringe Vergütung der Leistungen, was die niedergelassenen Kollegen vor dem zusätzlichen Aufwand zurückschrecken lässt. Außerdem ist die Vergütung des Screenings präoperativ vor elektiven Eingriffen oder bei Pflegeheimbewohnern nicht vorgesehen. Des Weiteren müssen die Substanzen, die für eine sachgerechte MRSA-Dekolonisierung notwendig sind, bisher zu einem erklecklichen Teil von den Patienten selbst bezahlt werden. Fazit: Es muss vieles noch nachgebessert werden, wenn die neue Vergütungsvereinbarung einen nachhaltigen Effekt haben soll.

DGKH

  • Konsensuspapier Blutzuckermessung

    Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege/Rehabilitation“

VAH

  • Überprüfung der Wirksamkeit der Kombination von einem spezifizierten Wischtuch und einem Desinfektionsmittel im praxisnahen 4-Felder-Test (z. B. Tuchtränkesysteme)
  • Empfehlung zur Kontrolle kritischer Punkte bei dezentralen Desinfektionsmittel-Dosiergeräten
  • Umfüllen von Händedesinfektionsmitteln: hygienische und haftungsrechtliche Aspekte

Ausbruchsmanagement

  • Ein Ausbruch sternaler Wundinfektionen durch Gordonia bronchialis

Referate

  • Clostridium difficile: Zwei neue Studien zur Diagnostik und Umgebungskontamination