MHP

Hygiene & Medizin 7+8/2013

Aktuell

  • Kommentar zur Anlage 8 „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatz instrumentariums“ der Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“
  • Differenziertes Auftreten von Krankheitserregern in Nutztieren und Lebensmitteln
  • Hilfe für Kinder mit multiresistenten Erregern
  • Dromedare: Übertragungsquelle für MERS-Coronavirus?

Übersicht

  • MRSA bei Haustieren: Bedeutung für den Menschen

    R. Köck*, C. Cuny, B. Walther für den Forschungsverbund MedVet-Staph

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 284–287

    Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind wichtige Infektionserreger bei Haustieren und bei Menschen. Untersuchungen zur zoonotischen Bedeutung des Erregers haben gezeigt, dass MRSA zwischen Mensch und Haustier (z. B. Pferd, Hunde, Katzen, Papageien) in beiden Richtungen übertragen werden kann. Deshalb sollte das Haustierreservoir nicht vergessen werden, insbesondere wenn Dekolonisierungstherapien bei Haustierbesitzern durchgeführt werden sollen.

  • Umweltmedizinische Bewertung von Bioaerosol-Immissionen in der Nachbarschaft von Tierhaltungsanlagen

    B. Brenner, S. Walser, S. Hörmansdorfer, I. Tesseraux, T. Eikmann, C. Herr*

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 288–293

    Zwischen Bioaerosolemissionen aus Intensivtierhaltungsbetrieben und Erkrankungen von Anwohnern solcher Anlagen gibt es noch keine kausalen Zusammenhänge, dennoch deuten immer mehr Studien auf gesundheitlich nachteilige Wirkungen hin. Im Rahmen von Baugenehmigungs- und Nachbarklageverfahren wird hierzu häufig Stellung genommen. Die umweltmedizinische Bewertung kann auf Grundlage der Richtlinie VDI 4250 Blatt 1 (Gründruck) „Bioaerosole und biologische Agenzien – Umweltmedizinische Bewertung von Bioaerosol-Immissionen – Wirkungen mikrobieller Luftverunreinigungen auf den Menschen“ vorgenommen werden. Nach dem Bewertungsschema dieser Richtlinie ist es aus präventiver Sicht unerwünscht, dass die ortsübliche natürliche Hintergrundkonzentration in der Nachbarschaft durch anlagenspezifische Immissionen deutlich überschritten wird. Die für diese Beurteilung erforderlichen realen, d. h. gemessenen, Bioaerosolkonzentrationen liegen jedoch zumeist nicht vor. Ersatzweise werden Immissionsprognosen und für die natürliche ortsübliche Hintergrundkonzentration als Bezugsgröße ein Wertebereich aus der Literatur herangezogen. Aufgrund der damit verbundenen Ungenauigkeiten in Bezug auf Emissionsraten und spezifische Bioaerosolcharakteristika kann es erforderlich sein, die tatsächlichen Bioaerosol-Immissionen im Zweifelsfall durch reale Messungen nach Errichtung der Anlagen zu verifizieren. Da die gesundheitliche Relevanz der Bioaerosol-Immissionen nicht quantifiziert werden kann und es keine Grenzwerte gibt, sind emissionsbegrenzende Maßnahmen im Regelfall rechtlich nicht einforderbar.

  • ESBL-Bildner als Infektionserreger beim Menschen und die Frage nach dem zoonotischen Reservoir

    Y. Pfeifer*, C. Eller, R. Leistner, G. Valenza, S. Nickel, B. Guerra, J. Fischer, G. Werner

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 294–299

    Beta-Laktam-Antibiotika hydrolysierende Enzyme (Beta-Laktamasen) sind die Hauptursache der Resistenz gegenüber Penicillinen, Cephalosporinen und Carbapenemen bei Enterobacteriaceae. In den letzten zehn Jahren wurde eine besorgniserregende Zunahme der Resistenz gegenüber Cephalosporinen der 3. und 4. Generation beobachtet, deren Hintergrund zumeist die Bildung der „extended-spectrum beta-lactamases“ (ESBL) ist. Die Lokalisation der ESBL-Gene auf Plasmiden ermöglicht die schnelle Weiterverbreitung der Resistenz sowohl innerhalb einer Spezies als auch zwischen den verschiedenen gramnegativen Spezies. ESBL-bildende Bakterien findet man nicht nur bei Patienten im Krankenhaus sondern auch als Besiedler der menschlichen und tierischen Darmflora sowie in der Umwelt. Molekulare Untersuchungen von ESBL-Isolaten zeigen, dass in Deutschland bestimmte ESBL-Typen, wie die CTX-M-Enzyme, überproportional häufig vorkommen. Die Mehrheit der Escherichia coli- und Klebsiella pneumoniae-Isolate vom Menschen bilden die Enzymvarianten CTX-M-15 und CTX-M-1, während bei Nutztieren die Variante CTX-M-1 dominiert. Der detaillierte Vergleich von ESBL-bildenden Bakterien und ESBL-Plasmiden aus Mensch, Tier und Nahrungsmittel im Rahmen des RESET-Forschungsverbundes Deutschland (www.reset-verbund.de) soll die genauen Verbreitungswege und Reservoire untersuchen und bewerten.

  • Diphtherie als Zoonose: zum Vorkommen toxigener Corynebakterien bei Mensch und Tier

    A. Berger, R. Konrad, H. Bischoff, S. Hörmansdorfer, A. Sing*

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 300–305

    Die Diphtherie ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die zwar seit Einführung der wirksamen Impfung in Europa extrem selten geworden ist, in Ländern mit geringen Durchimpfungsraten und instabilen gesellschaftlichen Strukturen jedoch weiterhin endemisch auftritt. Lange Zeit galt der Mensch als einziges Erregerreservoir und Übertragungsquelle der Diphtherie. In den letzten Jahren beobachten wir in Europa und somit auch in Deutschland eine zunehmende Verdrängung des klassischen Diphtherie-Erregers Corynebacterium (C.) diphtheriae durch toxinbildende zoonotische C. ulcerans-Stämme, wobei Übertragungen zwischen Haus- und Nutztieren und dem Menschen eine wichtige Rolle spielen. Demgegenüber sind humane Infektionen durch C. pseudotuberculosis, den Verursacher der sogenannten Pseudotuberkulose (käsige Lymphadenitis) beim Schaf, weiterhin eine absolute Rarität.

  • Hygienische, veterinärmedizinische und rechtliche Aspekte zum Einsatz von Kangalfischen am Menschen

    C. Höller*, S. Hörmansdorfer, N. Schramek, J. Moritz

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 306–311

    In Deutschland wie auch in anderen Ländern gibt es vermehrt Bestrebungen, therapeutische und kosmetische Behandlungen mit sog. Kangalfischen, Garra rufa, anzubieten. Die Tiere werden in Tank- oder Wannensystemen gehalten, in denen die üblichen Reinigungs- und Desinfektionsverfahren wegen der Schädigung der Fische nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt, angewendet werden können. Durch die natürliche Besiedelung der Fische, den Keimeintrag der Nutzer sowie das im Kreislauf geführte Wasser entstehen mögliche Infektionsgefahren, die bei einer Risikoanalyse neben der Tatsache, dass es für den therapeutischen Nutzen einer Ichthyotherapie bisher keine gesicherten Daten gibt, berücksichtigt werden müssen. Beim Einsatz von Fischen zur kosmetischen oder therapeutischen Behandlung ist eine Reihe von gesetzlichen Auflagen einzuhalten, die sich, wenn man die Anforderungen des Tierschutzes und die der Infektionshygiene miteinander vergleicht, nicht miteinander vereinbar sind. Eine Auflösung des Konfliktes ist derzeit nicht absehbar.

  • Hygiene zwischen Stall und High-Tech-OP: Pferdekliniken

    B. Walther*, L. H. Wieler, T. Janßen, A. Lübke-Becker

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 312–315

    Nosokomiale Infektionen, welche in der Vergangenheit hauptsächlich für humanmedizinische Einrichtungen bekannt geworden sind, werden zunehmend auch in Pferdekliniken ein ernstzunehmendes infektionsmedizinisches Problem. Häufig werden sie durch multiresistente und zudem leicht übertragbare Infektionserreger, wie ESBL-bildende Enterobacteriaceae oder Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), verursacht. Das Verhüten dieser Infektionen hat nicht nur den Schutz der equinen Patienten zum Ziel, es besteht ein vitales Interesse an der Verbesserung der Arbeitssicherheit der Mitarbeiter sowie dem Schutz der Patientenbesitzer. Bei der Entwicklung eines evidenzbasierten Hygienemanagements und Antibiotikaregimes müssen die besonderen Eigenschaften der Patienten noch stärker als in anderen Bereichen der intensivmedizinischen Versorgung berücksichtigt werden und stellen damit häufig eine besondere Herausforderung dar. Die Größe der Patienten, die nötige Unterbringung im Stall, die anatomischen, physiologischen und psychischen Besonderheiten von Pferden erfordern die Entwicklung ganz neuer Konzepte, da die Übertragbarkeit aus dem Human- und Kleintierbereich hier nur eingeschränkt möglich ist.

Originalia

  • MRSA bei Schweinen – eine Gefahr für den Menschen?

    S. Hörmansdorfer*, J. Frick, C. Höller, C. Herr, C. Tuschak, M. Eddicks

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 316–320

    Hintergrund: Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind in der Humanmedizin seit vielen Jahren als Problemerreger besonders im Krankenhaus- und Pflegebereich bekannt. Immer mehr Berichte zeigen eine ähnliche Problematik auch im Veterinärbereich. Seit 2004 kommt es zunehmend zum Nachweis von MRSA des klonalen Komplex (CC) 398 bei Schweinen mit ersten Berichten zur Übertragung vom Schwein auf den Menschen und deren Verschleppung in Krankenhäuser.

    Methode: Nasentupfer von insgesamt 634 Schweinen verschiedener Altersgruppen aus 60 bayerischen Schweinehaltungen verschiedener Nutzungsrichtungen wurden kulturell auf das Vorhandensein von MRSA untersucht. Die Isolate wurden biochemisch differenziert und ihr Resistenzspektrum gegenüber gebräuchlichen human- und veterinärmedizinischen Antibiotika mittels Mikrodilution erfasst. Die molekularbiologische Charakterisierung erfolgte durch Nachweis des mecA-Gens, spa-Typisierung, MLST-Typisierung sowie Überprüfung auf das Gen des Panton-Valentin-Leukozidins. Nasentupfer von 116 Betriebsangehörigen von 57 Betrieben wurden entsprechend untersucht.

    Ergebnisse: In 45 % der Betriebe wurden Schweine als Träger von MRSA ermittelt. Ferkelerzeuger waren mit 28 % am wenigsten betroffen, während Mastbetriebe mit 63,2 % und geschlossene Systeme mit 50 % deutlich höher belastet waren. Ältere Tiere (Sauen) sind mit 23,9 % statistisch signifikant geringer besiedelt als Ferkel (37,6 %) oder Mastschweine (35,7 %). Von 634 untersuchten Schweinen waren 211 Tiere (33,3 %) MRSA-Träger. 34 von 116 Betriebsangehörigen (29,3 %) waren mit MRSA kolonisiert. Dabei hatten Landwirte von MRSA-positiven Beständen eine 25-fach höhere Besiedelungswahrscheinlichkeit als Landwirte von MRSA-negativen Beständen. Keines der 245 MRSA-Isolate (211 porcine und 34 humane) trug das Gen für das Panton-Valentin-Leukozidin. Jeweils mehr als 95 % der porcinen und der humanen Isolate gehörten zu den spa-Typen t011 und t034, die dem mit landwirtschaftlichen Nutztieren assoziierten CC398 zugerechnet werden. Während gegen veterinärmedizinisch gebräuchliche Antibiotika wie Tetracyclin, Gentamicin, Erythromycin und Clindamycin hohe Resistenzraten festgestellt wurden, waren gegenüber rein humanmedizinisch eingesetzten Substanzen wie Daptomycin, Levofloxacin, Rifampin sowie gegenüber den Reserveantibiotika Teicoplanin und Vancomycin alle Stämme sensibel.

    Schlussfolgerung: MRSA CC 398 sind auch in bayerischen Schweinehaltungen weit verbreitet. Die Daten legen eine Erregerübertragung von den Sauen auf die Ferkel nahe, die durch hohe Aktivität und häufige Körperkontakte den Erreger bis zum Beginn der Mastperiode untereinander weitergeben. Als wichtiger Selektionsfaktor muss die besonders in der frühen Lebensphase häufige Antibiotikaanwendung angesehen werden. Die Übertragung auf den Menschen wird durch direkten Tierkontakt, wie er insbesondere mit Sauen und Ferkeln vorkommt, begünstigt.

Aus der Praxis

  • Umgang mit Tierkontakten bei immunsupprimierten Kindern

    A. Simon*

    HygMed 2013; 38 [7/8]: 321–324

    Das Behandlungsteam hochgradig immunsupprimierter Kinder und Jugendlicher muss über (mögliche) Tierkontakte im häuslichen Umfeld der Patienten informiert sein. Bei Beachtung einer guten Basishygiene, einiger Vorsichtsmaßnahmen und ggf. der Beaufsichtigung von Tierkontakten bei Kleinkindern, ist es mit wenigen Ausnahmen nicht erforderlich, Haustiere abzuschaffen, wenn ein Kind an Krebs erkrankt oder aus anderen einer immunsupprssiven Behandlung bedarf. Hochgradig immunsupprimierte Kinder und Jugendliche sollten keinen Kontakt zu Reptilien haben. Lediglich bei Patienten während der Induktionstherapie einer Leukämie oder eines hoch malignen Lymphoms oder nach Stammzelltransplantation sind Tierkontakte vorübergehend zu vermeiden.

Referate

  • ESBL-produzierende E. coli bei Haustieren
  • Signifikanter Rückgang von ESBL/AmpC-bildenden E. coli in der Schweinemast durch Verzicht auf Cephalosporine

DGKH

  • Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013

    P. Walger, W. Popp, M. Exner

Veranstaltungen

  • „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – stark für die Schwachen“

    63. Wissenschaftlicher Kongress der Bundesverbände der Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) und 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP)