MHP

Hygiene & Medizin 9/2013

Aktuell

  • Robert-Koch-Stiftung vergibt erstmals Preis für Krankenhaushygiene
  • Erster Impfstoffkandidat gegen neues Coronavirus
  • Erstes Kleintiermodell für humane Noroviren
  • Vogelgrippe: Enten als Ausgangspunkt identifiziert
  • Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission veröffentlicht
  • HICARE-Aktionsbündnis veröffentlicht Broschüre zu Qualifizierungsangeboten in MV

Übersicht

  • Die räumliche Ausbreitung von Infektionskrankheiten aus dem Blickwinkel der Geographie und Medizin

    Holger Scharlach, Heyo Eckel

    HygMed 2013; 38 [9]: 356–360

    Infektionskrankheiten werden seit Jahrtausenden als Bedrohung für die Menschheit wahrgenommen. Die wissenschaftliche Suche nach den Ursachen und wirkungsvollen Bekämpfungsmaßnahmen beginnt im 16. Jahrhundert und erreicht einen ersten Höhepunkt während der großen Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts. Durch die Auswertung raumbezogener Informationen eines Cholera-Ausbruchs im Londoner Stadtteil Soho gelang es dem Mediziner John Snow in einer epidemiologischen Auswertung zu beweisen, dass die Übertragung der Cholera durch kontaminiertes Trinkwasser erfolgte. Infektionsausbrüche der vergangenen Jahre, wie die Pandemische Influenza H1N1 2009 oder EHEC/HUS in Deutschland 2011, zeigen, dass eine Gefährdung durch Infektionskrankheiten trotz verbesserten Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten weiterhin besteht. Die räumliche Verbreitung und Ausbreitung von Infektionskrankheiten auf der Erde unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Insbesondere moderne Transportmittel und eine zunehmend arbeitsteilige Weltwirtschaft sorgen für wachsende Zahlen im weltweiten Personen- und Güterverkehr. Mit den raumbezogenen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten beschäftigt sich die Geographie und insbesondere deren Teilbereich, die Gesundheitsgeographie oder medizinische Geographie. Nur durch eine enge Zusammenarbeit mit Medizinern, Epidemiologen und Gesundheitswissenschaftlern können raumbezogene Forschungsansätze entwickelt und erfolgreich bearbeitet werden.

  • Zwei gesundheitswissenschaftliche Perspektiven respiratorischer Erreger

    Carsten Butsch, Tobias Welte

    HygMed 2013; 38 [9]: 361–365

    Atemwegserkrankungen gehören in Bezug auf Sterblichkeit und Gesundheitskosten international zu den bedeutendsten Erkrankungen. Die Öffentlichkeit nimmt immer dann Notiz vom Auftreten respiratorischer Erreger, wenn die Medien über Erreger mit pandemischem Potenzial berichten. Das Auftreten der saisonalen Influenza in den jeweiligen Wintermonaten auf der Nord- bzw. der Südhalbkugel findet trotz der Schwere der Epidemien im Gegensatz dazu nur relativ geringen Widerhall. Dabei sind vor allem Risikogruppen von der Abschwächung der lokalen Immunantwort durch das Influenzavirus betroffen, wodurch sie empfänglicher für schwere bakterielle Infektionen werden. Die geringe Impfrate stellt aus medizinischer Perspektive daher ein gravierendes Problem dar. Aus geographischer Perspektive sind vor allem die Entstehung neuer Virentypen in Folge zunehmender globaler Verflechtungen und ihre Verbreitungsmuster von Interesse. Interessant ist auch, wie in diesem Kontext eine Schuld konstruiert wird und respiratorische Erreger politisch instrumentalisiert werden. Im globalen Vergleich wird offensichtlich, dass die Fähigkeit Epidemien oder Pandemien wirkungsvoll zu begegnen, wesentlich von der generellen Funktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme abhängt. Die Verbesserung international koordinierter Reaktionen auf respiratorische Erreger und eine adäquate Risikokommunikation bleiben auch in Zukunft eine anspruchsvolle Herausforderung.

  • Malaria – nur ein Problem der Tropen?

    Jürgen Schweikart, Jürgen May

    HygMed 2013; 38 [9]: 366–371

    Malaria ist eine parasitäre, durch Protozoen der Gattung Plasmodium hervorgerufene Infektions-krankheit. Sie gehört bezüglich Mortalität und Morbidität zu den wichtigsten übertragbaren Erkrankungen weltweit und verursacht große medizinische, wirtschaftliche und soziale Probleme. Die Malaria kam bis in das 20. Jahrhundert noch in Nordeuropa vor und ist heute fast ausschließlich in armen Ländern tropischer und subtropischer Klimazonen verbreitet. Eine aktuelle Frage ist, ob sich die Malaria aufgrund von Klimawandel und erhöhter globaler Mobilität wieder in gemäßigte Regionen ausbreiten kann. Der geographische Raum, global und lokal, ist eine wichtige Größe, um zu erklären, wie sich die Malaria verbreitet. Dabei sind es sowohl der Naturraum mit Klima, Vegetation und Topographie als auch die sozio-ökonomischen Lebensbedingungen, die Einfluss nehmen, ob Malaria sich ausbreitet oder nicht. Ein geeignetes Instrument die Prozesse zu analysieren sind Geoinformationssysteme. Fernerkundungsmethoden werden eingesetzt, um flächendeckende Daten zu generieren.

  • Prävention und Surveillance von MRSA in der Grenzregion Deutschland-Niederlande

    Martina Scharlach, Alexander W. Friedrich

    HygMed 2013; 38 [9]: 372–376

    Antibiotikaresistenz und nosokomiale Infektionen zählen seit einigen Jahren zu den wichtigsten Gesundheitsproblemen und es wurden internationale und nationale Strategien zur Eindämmung entwickelt. Das euregionale Projekt EurSafety-Health-Net zeigt aber, dass auch eine grenzübergreifende Tätigkeit auf regionaler Ebene für Prävention und Surveillance eine wichtige Rolle spielt. MRSA ist seit vielen Jahren der prominenteste nosokomiale Infektionserreger. SeineVerbreitung ist zunächst bestimmt durch die Faktoren Exposition und Disposition sowie deren Intensität. Die daraus resultierende Übertragungswahrscheinlichkeit ist die Grundlage für Hygienemaßnahmen, die jede medizinische Einrichtung für sich bestimmen muss. Da ein Patient häufig nicht nur Kontakt mit einer, sondern mit mehreren medizinischen Einrichtungen hat, müssen Versorgungscluster identifiziert und in diesen Hygienemaßnahmen aufeinander abgestimmt werden. Für regionale Versorgungscluster sind aber regionale Surveillancedaten notwendig. Das Beispiel des Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen (ARMIN) zeigt, dass sich selbst innerhalb eines Bundeslandes die MRSA-Problematik ganz unterschiedlich darstellt. Für das Verständnis der Ausbreitung nosokomialer Infektionen und antibiotikaresistenter Erreger sowie für die Entwicklung von Maßnahmen zur Eindämmung ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizin und Geographie hilfreich. Dabei sollten neben nationalen auch regionale Strukturen beachtet werden.

  • Poliomyelitis – eine medizinisch-geographische Betrachtung

    Angela Braubach

    HygMed 2013; 38 [9]: 377–381

    Dieser medizinisch-geographische Beitrag beschreibt die Aktualität der Poliomyelitis in Deutschland: Im Mai 2013 wurden bei einem Kind aus Saudi-Arabien Impf-Polioviren (VDPV) nachgewiesen. Die World Health Organization (WHO) plant die Eradikation der Polio bis Ende 2018. Bis auf weiteres sind Impfungen gegen Polio in allen Ländern der Welt – einschließlich Deutschland – unerlässlich.

  • HIV und AIDS – eine globale Herausforderung für medizinische Episteme und Gesellschaft

    Klaus Geiselhart, Matthias Stoll

    HygMed 2013; 38 [9]: 382–388

    Das durch die HIV-Infektion ausgelöste, unbehandelt zum Tode führende erworbene Immundefektsyndrom (AIDS) wurde Anfang der 1980er Jahre erstmals beschrieben. Der inzwischen weltweit verbreitete Erreger, ein Retrovirus, ist vermutlich vor weniger als einem Jahrhundert in Zentralafrika mehrfach von anderen Primatenspezies, bei denen sehr nahe verwandten Lentiviren (SIV) endemisch sind, auf den Menschen übergegangen. Hauptübertragungsweg ist ungeschützter Sexualkontakt neben der parenteralen Transmission durch Blut oder Blutprodukte und die vertikale, perinatale Transmission von der Mutter auf das Kind.

    Durch die dauerhafte Einnahme hochwirksamer antiretroviraler Kombinationstherapien (cART) kann die Virusreplikation gehemmt und sogar ein bereits eingetretener Immundefekt rekonstituiert werden. Die Behandlung mit cART kann die Lebenserwartung HIV-Infizierter normalisieren und deren breiter Einsatz ist geeignet das Transmissionsrisiko in einer Population nachhaltig zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer hohen Bereitschaft zur HIV-Testung und zur Einnahme der cART. Diese Ziele sind gefährdet, wenn objektive Unverträglichkeiten und subjektive Vorbehalte bestehen oder kein kultureller Zugang zum virologisch deterministischen Modell der modernen Medizin vorhanden ist. Am Beispiel des Hochprävalenzlandes Botswanas zeigen sich exemplarisch die Schwierigkeiten Adhärenz und Prävention langfristig zu sichern. Die Gefahren gehen sowohl von den persönlichen und sozialen Verhältnissen der Patienten, der traditionellen Medizin aber auch der staatlichen Interventionsstrategie, die einer modernen Entwicklungslogik folgt, aus. HIV und AIDS bleibt damit eine vieldimensionale Herausforderung.

  • Chlamydien – Ein unterschätztes Gesundheitsrisiko?

    Thomas Kistemann, Sabine Jaeger, Charis Lengen

    HygMed 2013; 38 [9]: 389–395

    In den entwickelten Ländern sind Chlamydien die häufigsten bakteriellen Erreger von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs). Das Infektionsrisiko ist aufs engste mit dem Sexualverhalten verbunden, die Präventionsmaßnahmen entsprechen demnach den allgemeinen Grundsätzen der Verhütung von STDs. Lange wurde die epidemiologische Bedeutung der Infektion unterschätzt. Damit vernachlässigte man auch die möglichen Spätfolgen einer Infektion für Frauen: Pelvic inflammatory disease/PID und Infertilität. In Europa werden die höchsten Prävalenz-Raten in Skandinavien und Großbritannien erfasst. In Deutschland sind urogenitale Infektionen mit Chlamydia trachomatis nicht meldepflichtig, eine Surveillance in der Allgemeinbevölkerung fehlt. In einer Reihe punktueller Studien wurden Prävalenzen meist zwischen 3 und 5% gefunden. Die Ergebnisse lassen jedoch nur unter Vorbehalt Rückschlüsse für die Allgemeinbevölkerung zu. Auch das Schwangeren-Screening im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge (seit 1995), die Sentinel-Surveillance des RKI für ausgewählte STDs (seit 2002) sowie das Chlamydia-Screening für Frauen unter 25 Jahren (seit 2008) können aus verschiedenen Gründen diese Informationslücke nicht befriedigend schließen. In Deutschland stellt, anders als in Skandinavien, auch die Prävention von Chlamydia-Infektionen keinen nationalen Schwerpunkt der STD-Bekämpfung dar. Wir untersuchten vor diesem Hintergrund vergleichend Wissen und Aufklärung bezüglich Chlamydia-Infektionen sowie das sexuelle Verhalten dänischer (N=97) und deutscher (N=93) Schüler. Die unterschiedlichen nationalen Präventionsschwerpunkte wurden dabei deutlich sichtbar. Trotz besseren Wissens über Chlamydien gaben die dänischen Jugendlichen aber ein risikoreicheres Sexualverhalten an als die deutschen. Wenn ein erheblicher Anteil der unfreiwilligen Kinderlosigkeit auf Chlamydia-Infektionen zurückzuführen ist, dann haben Prävention, Surveillance und Frühtherapie dieser Infektionen auch eine bevölkerungspolitische Bedeutung und sollten intensiviert werden

  • 200 Jahre Infektionskrankheiten im Kartenbild

    Holger Scharlach, Wolfgang Crom

    HygMed 2013; 38 [9]: 396–402

    Ausbreitung und Verlauf von Epidemien wurden seit dem 19. Jahrhundert in Karten dargestellt. Ältere Karten zum geographisch-medizinischen Kontext sind militärischen Ursprungs und stellen die Einrichtung von Cordons, i.e. Sperrgürtel durch Soldaten, dar, um eine Seuche einzugrenzen. Mit dem Aufkommen der großen Cholera-Epidemien entwickelte sich eine graphische Aufarbeitung in Karten durch fachliche Annäherung. Geographen, Kartographen und Mediziner bereiteten diverse Fragestellungen methodisch auf, um insbesondere über die Verbreitungsmuster des Krankheitsverlaufs Rückschlüsse auf mögliche Ursachen ziehen zu können. Nachdem von staatlicher Seite statistische Erhebungen flächendeckend und auf einheitlicher Datengrundlage basierend geschaffen und Gesundheitsämter eingerichtet worden waren, wurde die Kartographie geographisch-medizinischer Themen vornehmlich von behördlicher Seite angewandt, während von wissenschaftlich-akademischer Seite immer wieder neue methodische Ansätze entwickelt wurden. Heute werden insbesondere web- und GIS-basierte Anwendungen genutzt, um auch eine breite Öffentlichkeit über den Verlauf von Seuchen zu informieren.

Kommentar

  • Zum EHEC-Ausbruch 2011 in Deutschland

    M. Pulz

VAH

  • Ankündigung VAH-Ringversuch

    Mitteilungen der Desinfektionsmittel-Kommission des VAH

  • Hinweis zur Verwendung chlorabspaltender Lösungen, die vor Ort über eine Membranzellenelektrolyse hergestellt werden

    Mitteilungen der Desinfektionsmittel-Kommission des VAH