MHP

Hygiene & Medizin 10/2013

Aktuell

  • Neue Erkenntnisse über das MERS-Coronavirus
  • 19 Wochen Grippe – Vorbeugen vor der neuen Grippewelle
  • 80.000 Patienten/innen pro Tag infizieren sich in Europa mit Krankenhauserregern
  • Studie zur Besiedlung mit MRSA von Aufnahmepatienten saarländischer Akutkrankenhäuser

Originalia

  • Ist eine Schnelldesinfektion von mobilen elektronischen Geräten ohne Schäden möglich?

    Richard Bloß, Stephanie Fehling, Herbert Hopfstock, Günter Kampf, Constanze Wendt

    HygMed 2013; 38 [10]: 420–426

    Hintergrund: Die Desinfektion patientennaher Flächen ist eine grundlegende Voraussetzung zur Unterbindung der Infektionskette im Flächenbereich. Insbesondere mobile elektronische Geräte, die häufig von pflegerischem und ärztlichem Personal patientennah angefasst werden, entziehen sich bisher häufig wegen ihrer besonders empfindlichen Materialien einer desinfizierenden Behandlung. Hier galt es eine Lösung zu finden, zumal die elektronische Datenerfassung und Kommunikation am Krankenbett verstärkt eingesetzt wird. Deshalb wurde untersucht, ob eine materialschonende Schnelldesinfektion sehr empfindlicher Oberflächen möglich ist.

    Methode: In Modellversuchen wurde die Materialverträglichkeit von Produkt A (Alkoholgehalt 30 %) im Vergleich zu Produkt B (Alkoholgehalt 30 %) und Produkt C (Alkoholgehalt von 74,7 %) überprüft. Die Untersuchungen wurden sowohl in Einlegeversuchen als auch im Biegestreifenverfahren zur Prüfung des Spannungsrissverhaltens durchgeführt. Die Prüfung im Biegestreifenverfahren erfolgte mit sehr kurzen Kontaktzeiten von 3, 5, 10 und 15 Minuten. Zusätzlich wurde eine alternierende Prüffolge durchgeführt, bei der 5 Zyklen mit jeweils 5-minütigem Kontakt zum Desinfektionsmittel und 5-minütiger Ruhepause ohne Kontakt zum Desinfektionsmittel erfolgten (Gesamtkontaktzeit von insgesamt 25 Minuten). In zwei getrennten Praxisversuchen wurde die Materialverträglichkeit mit Produkt A auf den empfindlichen Oberflächen von Mobiltelefonen, Smartphones, Flachbildschirmen, Touchscreens, Computern und Tastaturen über einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten überprüft.

    Ergebnisse: Das Produkt mit einem hohen Alkoholgehalt war für empfindliche Kunststoffe nicht geeignet und führte zu Spannungsrissbildungen. Bei den beiden Produkten mit niedrigem Alkoholgehalt konnten schon nach kurzer Zeit entscheidende Unterschiede in der Materialverträglichkeit aufgezeigt werden. In der Praxisanwendung bestätigte sich die gute Materialverträglichkeit auf empfindlichen Oberflächen mit Produkt A.

    Schlussfolgerung: Mit einem passenden Produkt auf Basis einer ausgewogenen niedrigalkoholischen Zusammensetzung ist eine Schnelldesinfektion alkoholempfindlicher Oberflächen wie Smartphones, Touchscreens, Displays, Flachbildschirme, Mobiltelefone und anderer mobiler elektronischer Geräte schonend möglich.

Übersicht

  • Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes durch die Landeshygieneverordnungen

    Axel Kramer, Ojan Assadian, Jan Helfrich, Colin M. Krüger, Ingo Pfenning, Sylvia Ryll für die Initiative Infektionsschutz, Sebastian Werner

    HygMed 2013; 38 [10]: 427–432

    Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) und die Landeshygieneverordnungen geben mit den Vorgaben zur Ausstattung mit Hygienefachpersonal, zum Aufbau eines mehrdimensionalen schnittstellenübergreifenden Qualitätsmanagements einschließlich Antibiotic Stewardship und zur Evaluation mittels Surveillance eine solide Grundlage zur Gewährleistung der Struktur- und Prozessqualität als Voraussetzung zur erfolgreichen Prävention von Infektionen im Gesundheitswesen. Um die Entwicklung der Praxis einer Guten Krankenhaushygiene im Interesse des Patientenschutzes voranzutreiben, wurde im vorliegenden Beitrag die Umsetzung des IfSG in den Landeshygieneverordnungen einer vergleichenden Analyse unterzogen. Die Analyse ergab, dass das Ziel einer bundesweit einheitlichen, sektorenübergreifenden Präventionsstrategie bisher nur zum Teil erreicht wurde. So weisen die länderspezifischen Hygieneverordnungen z. B. unterschiedliche und sogar widersprüchliche Geltungsbereiche auf. Ein Grund ist darin zu sehen, dass den Landesregierungen überlassen wird, ob Leiter von Arzt- und Zahnarztpraxen innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festzulegen haben. Ebenso sind die Dokumentation von Antibiotikaresistenzen und -verbrauch sowie die Überwachung der Praxen durch Gesundheitsämter nur als „Kann-Regelung“ vorgesehen. In der Auswertung der Analyse werden zehn Schwerpunkte herausgestellt, deren Inhalt im Interesse der weiteren Entwicklung z. T. bewusst über den derzeitig gesetzlichen Rahmen hinausgeht. Der Geltungsbereich sollte neben Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe auf stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste sowie Einrichtungen der Altenpflege und des Rettungsdienstes erweitert werden, um eine einheitliche Hygienequalität in allen Sektoren des Gesundheitswesens in Verbindung mit einem Sektoren übergreifenden Überleitungsmanagement zu gewährleisten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die frühzeitige Erkennung von Risikopatienten mit Problemerregern zum Schutz des Betroffenen und zur Unterbindung der Weiterverbreitung dieser Erreger. Als wichtige Rahmenbedingungen sind die qualifizierte personelle Aufstockung der unteren Gesundheitsbehörden sowie der Wiederaufbau bzw. Ausbau der Lehrstühle für Hygiene und Umweltmedizin in Angriff zu nehmen. Zusätzlich erscheint es sinnvoll, versicherungsrechtliche Anreize zur Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen zu schaffen.

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • Hygieneanforderungen bei Infektionen mit Respiratorischem Synzytialvirus (RSV)
  • Hygieneanforderungen bei invasiven Untersuchungen und Behandlungen im Herzkatheterlabor

VAH

  • Materialien für prEN 16615 (4-Felder Test)

    Mitteilung 5/2013 der Desinfektionsmittel-Kommission des VAH

DGKH

  • Mitteilung der Arbeitsgruppe von DGKH, DGSV und AK Zur „Leitlinie von DGKH, DGSV und AKI für die Validierung und Routineüberwachung maschineller Reinigungs- und thermischer Desinfektionsprozesse für Medizinprodukte und zu Grundsätzen der Geräteauswahl“
  • Vergleichende Übersicht: Voraussetzungen für die Tätigkeiten von Hygienefachpersonal gemäß der Landeshygieneverordnungen
  • Leserbrief: Konsensuspapier Blutzuckermessung

Blickpunkt

  • Maßnahmen zum Management von Ausbrüchen durch respiratorische Erreger in Pflegeeinrichtungen

Referate

  • Aktuelle Meta-Analyse belegt Reduktion von Beatmungspneumonien durch Probiotika

Veranstaltungen

  • 7. Forum Hygiene und Infektiologie, 12. Juni 2013 in Mannheim „Menschen, Tiere, Sensationen"