MHP

Hygiene & Medizin 4/2014

Aktuell

  • Energie sparen im OP, ohne an Hygiene zu sparen
  • Neues zur Tuberkulose in Deutschland
  • Informationen zu Ebola in Guinea
  • Infektionen mit bloßem Auge erkennen
  • Start der systematischen Antibiotika-Minimierung in der Tierhaltung
  • Einladung zum Austausch mit Validierern und Anbietern von Prüfsystemen für die Leistungs-Qualifikation von RDG-E-Prozessen
  • Natürliche Mikropiraten gegen multiresistente Bakterien
  • Hygiene erfordert Ausbildung

Originalarbeit

Einfluss von Desinfektionsmitteln auf die Barrierewirkung von OP-Mänteln und OP-Abdeckmaterialien

Kim Hughes*, Lutz Vossebein

HygMed 2014; 39 [4]: 126–132

Schlüsselwörter: Textil, Membran, Aufbereitung, Wassersäule, Desinfektionsmittel

Hintergrund: OP-Mäntel und -Abdeckmaterialien müssen eine wirksame Erregerbarriere darstellen, um den Infektionsweg vom Personal zur Wunde, vom Patienten zur Wunde als auch vom Patienten zum Personal zu unterbinden. Obwohl es eigentlich Aufgabe dieser Textilien sein sollte, flüssigkeitsdicht zu sein, um eine Übertragung von Infektionserregern und Körperflüssigkeiten zu verhindern, zeigen Beobachtungen in der Praxis, dass Desinfektionsmittel, respektive Antiseptika, durch OP-Textilien dringen können. Daher stellte sich die Frage, ob die Barrierewirkung dieser Textilien durch Desinfektionsmittel negativ beeinflusst wird und damit eine potenzielle Schwachstelle bildet.

Methode: Um den Einfluss von Desinfektionsmitteln auf die Barrierewirkung von OP-Textilien zu untersuchen, wurden verschiedene Membrantextilien (Trilaminate) im Originalzustand und nach zehn Aufbereitungszyklen (Waschen, Trocknen nach DIN EN ISO 15797 und anschließende Dampf-sterilisation bei 121 °C für 20 Minuten) mit verschiedenen Desinfektionsmitteln behandelt. Es wurde untersucht, ob die in der Norm DIN EN 13795 definierten Anforderungen für OP-Mäntel und OP-Abdeckmaterialien hinsichtlich ihrer Barrierewirkung gegen Wasser erfüllt werden. Dazu wurde die in der DIN EN 13795 angegebene Methode des Widerstandes gegen Wasserpenetration gemäß DIN EN 20811 angewendet.

Ergebnisse: Die Tests haben gezeigt, dass alle untersuchten Membrantextilien den Anforderungen der DIN EN 13795 in Bezug auf den Widerstand gegenüber Flüssigkeitspenetration entsprechen. Laut Norm müssen High-Performance-OP-Textilien im kritischen Bereich einen Wasserdruck von mindestens 100 mbar Widerstand (entsprechend einer Wassersäule von einem Meter) leisten können. Bei kompakten Membranen gab es keine Penetration. Auch bei der mikroporösen Membran wurden die Anforderungen nach der Einwirkung von Desinfektionsmitteln um mindestens das Doppelte übertroffen.

Schlussfolgerung: Obwohl bspw. alkoholische Desinfektionsmittel durch OP-Abdeckmaterialien penetrieren können, ist die normativ geforderte Barrierewirkung gegenüber Wasser nicht beeinträchtigt. Der Flüssigkeitsdurchtritt von alkoholischen Desinfektionsmitteln, im Gegensatz zu Wasser, könnte seine Ursache in der geringeren Oberflächenspannung haben, so dass einzelne Alkoholmoleküle leichter durch Materialien penetrieren können als Wasser. Zusammenfassend gibt dieser Stand der Ergebniserhebung keinen Anlass zu der Sorge, dass die normativen Anforderungen hinsichtlich Barrierewirkung von OP-Mänteln und -Abdeckmaterialien unter dem Einfluss von Desinfektionsmitteln nicht erfüllt werden.

Originalarbeit

Seit 2010 in Baden-Württemberg etabliert: Landesspezifisches QS-Verfahren MRSA

Johannes Giehl*, Markus Schappacher, Christiane Langendörfer, Ursula Häupler, Jürgen Kußmann, Wolfgang Lange, Matthias Trautmann, Constanze Wendt

HygMed 2014; 39 [4]: 133–138

Schlüsselwörter: Externe stationäre Qualitätssicherung, MRSA, Screening

Seit 2010 ist in Baden-Württemberg ein landesspezifisches externes QS-Verfahren, das für alle nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäuser verpflichtend ist, etabliert. Die elektronische Datenerfassung beinhaltet Informationen aus den „IfSG-Listen“ nach § 23 Abs. 4 IfSG und Merkmale des jeweiligen Krankenhauses. Kennzahlen erfassen Screening-Raten, MRSA-Erstnachweisraten und nosokomiale Kolonisationen/Infektionen. Die halbjährlichen Ergebnisauswertungen, die mit den Krankenhäusern kommuniziert werden, zeigen eine kontinuierliche Zunahme der Screening-Aktivität und einen Rückgang der nosokomialen MRSA-Erstnachweise in Baden-Württemberg seit der Verfahrenseinführung im Jahr 2010. Die Maßnahme zeichnet sich durch eine geringe Aufwändigkeit und eine gute Akzeptanz bei den Beteiligten aus; gleichwohl ist sie ein lernender Prozess, der diskutiert wird.

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • Anforderungen der Hygiene bei chronischen und sekundär heilenden Wunden
  • Strategien zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen

Blickpunkt

Empfehlungen an CF-Ambulanzen zur Risikominimierung einer möglichen Übertragung von nicht-tuberkulösen Mykobakterien (z. B. Mycobacterium abscessus)
Gemeinsame Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Ärzte im Mukoviszidose e.V. (AGAM) und der Forschungsgemeinschaft Mukoviszidose (FGM)

Die Hygienehypothese – wer sind „die Guten“ und wie schützt man sich gegen „die Bösen“?
S. F. Bloomfield

Ausbruchsmanagement

Management eines Ausbruchs mit 4 MRGN Acinetobacter baumannii in einem Brandverletztenzentrum

S. Fanghänel*, F. Siemers, K. Staake, G. O. Hofmann

In dem Beitrag wird das strukturierte Vorgehen bei einem Ausbruch mit 4 MRGN Acinetobacter baumannii im Brandverletztenzentrum (BVZ) der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Kliniken Bergmannstrost beschrieben. Sieben Patienten waren in den Ausbruch involviert. Nach der Feststellung des Ausbruchs und der Analyse der aktuellen Situation wurde von der Krankenhaushygiene umgehend das Ausbruchsmanagementteam einberufen und es wurden Interventionsmaßnahmen zur Unterbrechung der Infektkette eingeleitet. Durch umfangreiche Umgebungsuntersuchungen konnte der Bronchoskopieturm als Quelle ermittelt werden. Der Ausbruch war nach Verlegung der Patienten, Schlussdesinfektion und anschließender Verneblung mit 5 bis 6 % Wasserstoffperoxid innerhalb von 18 Tagen beendet.

Referate

Erhöhte Arbeitsbelastung von Pflegepersonal als Risikofaktor für nosokomiale Infektionen auf Intensivstationen