MHP

Hygiene & Medizin 5/2014

Aktuell

  • MERS-Coronavirus von Kamel auf Mensch übertragbar
  • Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance in Krankenhäusern und der öffentliche Gesundheitsdienst
  • Impfstoff gegen Leishmaniose
  • MRSA-Sanierungsbehandlung in der häuslichen Krankenpflege jetzt GKV-Leistung
  • GfV fordert, die Versorgung mit Impfstoffen sicher zu stellen
  • Neue TRBA 205 seit 1.4.2014 in Kraft getreten
  • Mit Bakterien, Viren und Co. bei der Arbeit sicher umgehen
  • Ein Modellprojekt beweist: Der Antibiotikaverbrauch lässt sich in Kliniken gezielt senken
  • Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung erhöht die Häufigkeit humanpathogener Bakterien in der Umwelt

Originalarbeit

Das Audit als Instrument zur Bewertung des Hygienemanagementsystems von medizinischen Einrichtungen

Annette Schrauder*, Constanze Wendt

HygMed 2014; 39 [5]: 174–183

Schlüsselwörter: Audit, Hygienemanagement, Ressourcen, Organisationsgrad, Umsetzung, Kommunikation, Standard, Schulung, Monitoring, Surveillance, Multiresistente Erreger, Nosokomiale Infektionen, Antibiotic Stewardship, Händehygiene

Hintergrund: Um das Hygienemanagementsystem einer medizinischen Einrichtung umfassend bewerten zu können, ist eine systematische Vorgehensweise notwendig. Da sich Managementsysteme am besten durch Audits bewerten lassen, wurde ein auf die Hygiene und Infektionsprävention zugeschnittenes Auditsystem entwickelt.

Methode: Das Hygienemanagement wurde in die Bereiche Kommunikation, Standards, Schulung, Audits, Monitoring, Surveillance Multiresistente Erreger (MRE) und Nosokomiale Infektionen (NI), Antibiotic Stewardship und Händehygiene unterteilt und hinsichtlich der jeweiligen Ressourcen, des Organisationsgrads und der Umsetzung bewertet. Diese Bewertung folgte dem Ampelprinzip (Rot: sofortiger Handlungsbedarf aufgrund wesentlicher Mängel, gelb: deutliche Mängel, die mittelfristig behoben werden müssen, grün: keine Mängel).

Ergebnisse: Von 2010 bis 2013 ist in 36 stationären Einrichtungen das Hygienemanagement systematisch auditiert worden. Dabei wurde in zehn der 36 Einrichtungen nach zwei Jahren ein Folgeaudit durchgeführt. Als Ergebnisse der Erstaudits zeigte sich, dass nur eine Einrichtung ausreichend personelle Ressourcen hatte, um eine suffiziente Kommunikation in der Einrichtung gewährleisten zu können. In den Bereichen Surveillance (MRE, NI), Antibiotic Stewardship und Händehygiene fanden sich bei über der Hälfte der Einrichtungen wesentliche Mängel bei den Ressourcen. Bei den Ressourcen für die Standards wiesen dagegen über die Hälfte der Einrichtungen keine Mängel auf (56 %). Nur 6 % der Einrichtungen konnten beim Organisationsgrad für den Bereich Monitoring eine vollständige Übersicht über alle durchzuführenden Prüfungen (Geräte, Wasserqualität) aufweisen. Die Umsetzung in den Bereichen Surveillance der NI und Antibiotic Stewardship war bei keiner der auditierten Einrichtungen ohne Mängel. In den zehn Einrichtungen, die sich einem Folgeaudit unterzogen, konnten in nahezu allen Bereichen Verbesserungen erzielt werden.

Schlussfolgerung: Das Audit eines Hygienemanagementsystems ermöglicht es, Stärken und Schwächen zu verdeutlichen und auf der Basis des Auditberichtes zukünftige Schwerpunkte für eine Verbesserung des Hygienemanagements zu setzen.

Praxis

Gepoolter Hautabstrich „vom Scheitel bis zur Sohle“: Eine sinnvolle Ergänzung beim MRSA-Screening?

Sebastian Schulz-Stübner*, Petra Zimmer, Peter Leonards, Patrick Weißgerber

HygMed 2014; 39 [5]: 184–186

Schlüsselwörter: Hautabstrich, Sensitivität, MRSA, MRE

Zur Vereinfachung und Optimierung des MRSA-Screeningsystems wurde in einem Haus der Schwerpunktversorgung ein gepoolter Hautabstrich vom Scheitel bis zur Sohle als zusätzliche Maßnahme zum Nasen-Rachen-Abstrich eingeführt. Sämtliche MRSA-Screeningergebnisse vom Januar 2012 bis zum Juli 2013 wurden über die Befunderfassung aufzeichnungspflichtiger Erreger mit besonderen Resistenzen und Multiresistenzen im Rahmen dieser Pilotstudie mit klinischen Befunden verglichen. Insgesamt erbrachte der gepoolte Hautabstrich in 19 % der Fälle (51 von 266) einen nicht mit dem Nasen-/Rachen-Abstrich erfassten Befund. Im Vergleich mit der gezielten Abstrichentnahme an mehreren einzelnen Entnahmepunkten scheint ein durchgehender Abstrich vom Scheitel bis zur Sohle, der mit einem separaten Nasen-/Rachenabstrich kombiniert wird, alle wichtigen anatomischen Regionen inkl. der Axillar- und Leistenregion zu berücksichtigen und stellt ein in der Praxis einfach anzuwendendes Verfahren dar.

Praxis

Hygienebeauftragte Pflegekräfte im Krankenhaus: interessiert, qualifiziert, motiviert?

Hans Holzmann*

HygMed 2014; 39 [5]: 187–191

Schlüsselwörter: Hygienebeauftragte in der Pflege, 40-Stunden-Kurs, Multiplikatoren, Personalbündel

Hygienebeauftragte in der Pflege (HBP) sind wichtige Multiplikatoren für hygienische Belange und können in ihren Stationen/Abteilungen eine Reihe von Aufgaben erfüllen. Voraussetzung hierfür ist eine Qualifikation mit einem Umfang von mindestens 40 Stunden. Um Fachkompetenz und Motivation für die Beauftragtenstellung zu entwickeln, spielt die Qualität des Kurses eine entscheidende Rolle. Ebenso wichtig ist die Unterstützung durch das Leitungspersonal und die wohlüberlegte Entscheidung, wer die Aufgabe übernehmen soll. Bei Beachtung dieser Faktoren steht uns mit den HBP eine Ressource zur Verfügung, die einen positiven Einfluss auf die infektionspräventiven Gegebenheiten vor Ort, in den Teams und bei der direkten Patientenversorgung nehmen kann. Im vorliegenden Beitrag wird über die Erfahrungen bei der Etablierung von HBP in der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin berichtet. Außerdem werden die Ergebnisse einer Umfrage unter Kursteilnehmern präsentiert, die an unseren HBP-Weiterbildungen teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden den ebenfalls befragten Stations-/Abteilungsleitern gegenübergestellt. Es stellte sich heraus, dass gut qualifizierte HBP ihr Fachwissen im Team weitergeben und für die Stationsleitung eine wertvolle Unterstützung darstellen. Sie werden von ihren Kollegen gut akzeptiert und im Ergebnis wird festgestellt, dass sich die hygienischen Abläufe tatsächlich verbesserten.

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)

Mitgliederversammlung 1.4.2014
Neuer DGKH-Vorstand gewählt

Blickpunkt

  • Wirkungsbereiche der Händedesinfektionsmittel
  • WHO warnt vor weltweiter Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Bakterien

Referate

Pseudomonas aeruginosa-Biofilme in Leitungswasserauslässen als Ursache von Infektionen auf der neonatologischen Intensivstation

Veranstaltungen

12. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene
Gemeinsam etwas bewegen