MHP

Hygiene & Medizin 7+8/2014

Aktuell

  • Bauchfolie bei der OP reduziert postoperative Wundinfektionen
  • Zunahme von schwer verlaufenden Durchfallerkrankungen
  • Antibakterielles Nahtmaterial kann Wundinfektionen kaum verringern
  • Nachruf: Prof. Dr. med. Axel Rethwilm
  • Update zum Ausbruch von Ebola-Virus in Westafrika

Originalarbeit

Prävention zentraler Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen: Organisations-kulturelle Aspekte in deutschen Krankenhäusern

S. Hansen*, F. Schwab, M. Behnke, P. Gastmeier und das PROHIBIT Consortium

HygMed 2014; 39 [7/8]: 268–273

Schlüsselwörter: Prävention, Organisationskultur, Intensivstation, Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen

Studiendesign: Maßnahmen zur Prävention der zentralvenösen Katheter (ZVK)-assoziierten Sepsis werden nicht immer vollständig umgesetzt. In welchem Umfang organisationskulturelle Aspekte und ein unterstützendes Arbeitsumfeld für die Prävention der ZVK-assoziierten Sepsis auf deutschen Intensivstationen (ITS) ausgeprägt sind, beschreibt die vorliegende Analyse der deutschen Daten einer EU-weiten Umfrage.

Methodik: Im Rahmen des PROHIBIT (Prevention of Hospital Infections by Intervention and Training) Projekts wurde mit Hilfe eines interdisziplinären Online-Fragebogens das leitende Pflegepersonal der ITS, das Krankenhausmanagement und das Hygienefachpersonal zur Einführung evidenzbasierter Hygienemaßnahmen und zur Sicherheitskultur befragt. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse: Daten von 200 ITS aus 149 Krankenhäusern (KH) wurden ausgewertet. Im Bereich des KH Managements hatten 125 KH Hygieneziele für das Jahr 2010 formuliert. Die Reduktion der ZVK-assoziierten Sepsis war in 32 % der befragten KH ein vorrangiges Hygieneziel. In 71 % der KH wurden sogenannte WalkRounds durchgeführt. Auf 90 % der ITS waren Leitlinien für die ZVK-Anlage und auf 91 % für das ZVK-Management vorhanden. Bei der Erstellung und Implementierung der Leitlinien waren auf 90 % der ITS das Hygienefachpersonal, auf 63 % das leitende Pflege- und auf 54 % das leitende ärztliche Personal involviert. In der subjektiven Einschätzung der Situation auf der ITS sahen es 28 % der pflegerischen Stationsleitungen als schwierig an, Präventionsmaßnahmen zu implementieren.

Schlussfolgerung: Auf vielen deutschen ITS erfolgt die Erstellung und Implementierung lokaler hygienerelevanter Leitlinien vorrangig durch das verantwortliche Hygienefachpersonal. Die Mitarbeiter der ITS sollten vermehrt in die Prozesse der Implementierung einbezogen werden und gemeinsam mit dem Hygienefachpersonal und mit der aktiven Unterstützung der Krankenhausleitung Präventionsmaßnahmen in den klinischen Alltag integrieren.

Originalarbeit

Surveillance von nosokomialen Infektionen mit Benchmarking: ein Instrument zur Verbesserung des klinischen Ergebnisses bei Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht

W. Lindner*, H. Hummler, S. Schmid, H. von Baum

HygMed 2014; 39 [7/8]: 274–280

Schlüsselwörter: Nosokomiale Infektion, Surveillance, Benchmarking, Frühgeborene mit Geburtsgewicht unter 1500 g

Ziel: Das Studienziel war es, die Auswirkungen der Teilnahme an einem Surveillancesystem auf die Rate an nosokomialen Infektionen (NI) und auf das klinische Ergebnis bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g (VLBWI) zu untersuchen.

Methodik: Die Teilnahme des Perinatalzentrums des Universitätsklinikums Ulm an einem nationalen Surveillancesystem für NI bei VLBWI begann 2006. Nach 21 Monaten wurde eine im Vergleich mit den nationalen Referenzdaten überdurchschnittliche Rate an NI festgestellt. Es wurde ein Interventionsbündel eingeführt, um den Hygienestandard zu verbessern. Die Raten von NI und klinisch relevanten Outcomevariablen, wie Überleben, bronchopulmonale Dysplasie und Retinopathia prämaturorum, vor und nach Einführung des Interventionsbündels (7616 vs 8620 Surveillancetage) wurden verglichen. Die NI-Daten wurden weitere vier Jahre erfasst, um den Langzeiteffekt der Interventionen zu untersuchen.

Ergebnisse: Die Zahl der NI (89 vs. 44, P < 0,001) und die Häufigkeit der Blutkultur-positiven Sepsis (P < 0,001) nahmen ab. NI waren Risikofaktoren für bronchopulmonale Dysplasie, Retinopathia prämaturorum und langen Krankenhausaufenthalt. Trotz mehrerer kleiner Häufungen von NI in der Langzeitbeobachtungsphase konnten die jährlichen Infektionsraten unterhalb des Medians der nationalen Referenzwerte gehalten werden.

Schlussfolgerung: Hohe Raten an NI wurden erst mit der Teilnahme an einem nationalen Surveillancesystem mit der Möglichkeit des Benchmarkings erkannt. Durch verbesserte Hygienemaßnahmen wurden die Infektionsraten gesenkt und das klinische Ergebnis verbessert. Dieser positive Effekt hält aktuell seit über sechs Jahren an.

Übersicht

Mundpflege beim intubierten beatmeten Intensivpatienten

O. Rothaug*, T. Müller-Wolff, A. Kaltwasser, R. Dubb, C. Hermes

HygMed 2014; 39 [7/8]: 281–286

Schlüsselwörter: Mundhygiene, Mundpflege, Zahnpflege, Endotrachealtubus (ETT), Intubierte beatmete Patienten, Beatmungsassoziierte Pneumonie, Intensivpflege

Bei der Versorgung intubierter beatmeter Intensivpatienten ist die Mundhygiene ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Therapie und Pflege. Sie dient neben der Inspektion der Mundhöhle und der Reduktion pathologischer Erregerkolonisationen auch zur Vorbeugung von Entzündungen, zur Verhütung von Verletzungen und zur Reduktion der Inzidenz von Pneumonien. Beim intubierten Patienten sind die physiologischen Schutzreflexe und -funktionen erheblich reduziert oder komplett aufgehoben. Hierdurch kann möglicherweise das Risiko einer beatmungsassoziierten Pneumonie infolge der Aspiration potenziell pathogener Mikroorganismen aus dem Oropharynx erhöht sein. Im Fokus der Mundhygiene-Interventionen steht die Reduktion der Erregerlast insgesamt sowie die Verringerung potenziell kontaminierter Sekrete im Oropharynx. Die Mundpflege per se und deren fachlich korrekte und strukturierte Durchführung erfordern einen evidenzbasierten Pflegeansatz und Empfehlungen. Der wissenschaftliche Ansatz muss Materialien, Substanzen und Durchführungsmethodik berücksichtigen und die jeweiligen evidenzbasierten Empfehlungen daraus ableiten.

Praxis

Anforderungen an die validierte Aufbereitung von Beatmungszubehör

S. Werner*, F. Lemm, F. von Rheinbaben

HygMed 2014; 39 [7/8]: 287–291

Schlüsselwörter: Validierung, Aufbereitung, Beatmungszubehör, Erreger von Atemwegserkrankungen

Bei Beatmungszubehör handelt es sich um Medizinprodukte, die vorzugsweise mit den unverletzten Schleimhäuten der Atemwege in Berührung kommen. Entsprechend sind sie nach den gemeinsamen Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als semikritische Medizinprodukte der Kategorie A und B einzustufen. Sie brauchen daher nur gereinigt und desinfiziert zu werden. Die Sterilisation ist dagegen optional und bei typischen Medizinprodukten in der Anästhesie, welche bestimmungsgemäß nur mit einer intakten Schleimhautoberfläche in Kontakt kommen, nicht obligater Bestandteil von Aufbereitungsverfahren. Dennoch müssen die Reinigung und Desinfektion auch einen entsprechend validierten Aufbereitungsprozess sichern.

Praxis

Einführung von standardisierten Belegungsschemata für zentrale Venenkatheter

J. Tatzel*, U. Loh, M. Trautmann

HygMed 2014; 39 [7/8]: 292–296

Schlüsselwörter: Gefäßkatheter-assoziierte Sepsis, Infektionsprävention, ZVK-Belegungsschema, Ventilmembrankonnektor, Infusionsfilter, Wechselintervalle

Die Venenkatheter-assoziierte Sepsis gehört neben den beatmungsassoziierten Pneumonien zu den häufigsten nosokomialen Infektionen auf Intensivstationen und gilt gleichzeitig als Indikator für die Qualität des Hygienemanagements. Durch deren Erfassung, welche in vielen deutschen Krankenhäusern mit standardisierten Erfassungsmodulen wie dem Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) durchgeführt wird, sollen Infektionshäufungen frühzeitig erkannt und Maßnahmen zu deren Reduktion eingeleitet werden. Im folgenden Beitrag werden verschiedene Strategien, die am Klinikum Stuttgart zur Anwendung kommen und deren Ziel die Reduktion Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen ist, genannt und diskutiert.

Praxis

Krankenhaushygienische Überwachung durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst

C. Höller*, C. Ertl, N. Grundmann, U. Kandler, S. Kolb, S. Nickel, A. Schreff, E. Tomašic, G. Valenza, V. Lehner-Reindl

HygMed 2014; 39 [7/8]: 297–302

Schlüsselwörter: Überwachung, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Gesundheitsamt

Nosokomiale Infektionen stellen in Krankenhäusern ein ernst zu nehmendes Problem dar. Die Überwachung durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) soll dazu beitragen, das Auftreten von nosokomialen Infektionen zu vermeiden und sicherzustellen, dass in medizinischen Einrichtungen hygienisch einwandfrei gearbeitet wird. Ein bewährtes Instrument der Überwachung ist die Begehung vor Ort. Die Begehung durch den ÖGD soll insbesondere als externes Beratungsangebot verstanden werden, welches das hygienische Qualitätsmanagementsystem der Klinik überprüft und ggf. zu dessen Verbesserung beiträgt. Beispielhaft wird dargestellt, auf welche Punkte bei solchen Begehungen geachtet wird.

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)

Hygieneposter für Klinik und Praxis

Blickpunkt

Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie
Kurzvergleich der neuen und alten Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut

H. von Baum*, H. Suger-Wiedeck

Blickpunkt

Beatmungsassoziierte Pneumonie – quo vadis?

F. Mattner*

Blickpunkt

Endotracheales Absaugen beim beatmeten erwachsenen Intensivpatienten

A. Kaltwasser*, R. Dubb, C. Hermes, O. Rothaug

Referate

  • Neue Metaanalyse zur Prävention der beatmungsassoziierten Pneumonie durch subglottische Sekretabsaugung
  • Portsysteme: Reduktion der Septikämierate durch Spülung mit vorbefüllten Einmalspritzen

Diskussion

Selektive Darmdekontamination/Selektive Orale Dekontamination – eine Standortbestimmung
W. Krüger