MHP

Hygiene & Medizin 10/2014

Aktuell

  • Fremder Stuhl statt Antibiotika
  • Große Unterschiede: Antibiotikavergabe an Kinder und Jugendliche in fünf europäischen Ländern
  • Dritte Datenerhebung zur Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin
  • Vorbericht zum Bakteriurie-Screening bei Schwangeren veröffentlicht
  • Ausschreibung Hygiene-Preis 2015 der RUDOLF SCHÜLKE STIFTUNG
  • 7. Kolloquium „Medizinische Instrumente“ 2015: Call for Papers

Originalarbeit

Antibiotikafreie Sanierung von libyschen und syrischen Kriegsverletzter mit multiresistenten Erregern

Bernhard Klein*, Manuela Urbach, Günther Mügge

HygMed 2014; 39 [10]: 386–391

Schlüsselwörter: Antibiotikafreie Dekontamination, Hygienekonzept, Kriegsverletzte, Nosokomiale Infektion, Multiresistente Erreger, Octenidindihydrochlorid, Wundversorgung

Hintergrund: Im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion wurden in den Jahren 2011 und 2013 Kriegsverletzte aus den Bürgerkriegsgebieten Libyen und Syrien zur medizinischen Versorgung nach Deutschland ausgeflogen. Die im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg behandelten Patienten (sechs libysche Patienten, neun syrische Patienten) wiesen neben komplizierten multiregionalen Schussbruchverletzungen, frischen Amputationswunden und Splitterverletzungen zum Teil auch Besiedelungen mit multiresistenten Erregern auf (3MRGN- bzw. 4MRGN-Erreger, Vancomycin-resistente Enterokokken, Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme). Bei den Patienten wurde neben der komplikationsfreien Genesung der multiregionalen Verletzungen die Ganzkörper-Dekontamination der insbesondere vorherrschenden gramnegativen Erreger angestrebt. In der vorliegenden Arbeit wird ein antibiotikafreies Gesamtkonzept bestehend aus Personalschulung, allgemeinen Hygienemaßnahmen und gezielter Ganzkörper-Dekontamination vorgestellt.
Methode: Aufgrund der Besiedlung mit multiresistenten Erregern bestand für das Personal eine besondere Herausforderung in der Vorbereitung sowie der Durchführung umfangreicher Hygienemaßnahmen. Diese umfassten neben regelmäßigen Desinfektionen der Patientenumgebung auch die Behandlung der Patienten mit dem Antiseptikum Octenidin. Die Wunden wurden mit speziellen Octenidin-haltigen Wundspüllösungen und Wundgelen behandelt. Darüber hinaus wurden die Patienten zur täglichen Körper- und Haarwäsche mit Octenidin-haltigen Produkten sowie der Anwendung von Nasengelen und Mundspüllösungen auf Basis von Octenidin angehalten.
Ergebnisse: Bei allen vier kolonisierten libyschen und sieben der neun kolonisierten syrischen Kriegsverletzten konnte eine erfolgreiche Dekontamination unter Verwendung Octenidin-haltiger Produkte erzielt werden. Durch die Umsetzung des im Vorfeld entwickelten Hygienekonzeptes wurde zudem eine Verbreitung der Erreger außerhalb des Isolationsbereichs verhindert.
Schlussfolgerung: Anhand des positiven Outcomes für die Patienten und den im Rahmen der Behandlung der Kriegsverletzten gesammelten Erfahrungen wird deutlich, dass durch die konsequente Vorbereitung und Einhaltung umfassender Hygienemaßnahmen sowie den Einsatz eines adäquaten Antiseptikums, auch ohne sofortige Antibiotikagabe, die Dekontamination multiresistenter Erreger und die Ausheilung schwerwiegender Verletzungen möglich ist.

Empfehlung

Empfehlung der Arbeitsgruppe MRGN der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und des Paed IC Projektes
Infektionspräventives Vorgehen bei Nachweis von MRGN im Kindesalter
Hyg Med 2014; 39 – 10

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

  • Infektionsprophylaxe in der Minimal Invasiven Chirurgie (MIC)
  • Hygienische Anforderungen bei der interdisziplinären Nutzung von OP-Funktionseinheiten (Hybrid OPs)

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)

Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene e. V.
Struktur und Arbeitsschwerpunkte der DGKH Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken-/Altenpflege und der Rehabilitation“

Blickpunkt

Schwer verlaufende Clostridium difficile-Infektionen: IfSG-Surveillancedaten von 2013

Ausbruchsmanagement

Skabies-Ausbruch auf einer interdisziplinären Intensivstation

S. Burck, E. Fischnaller, H.-P. Heisterbach, S. Mann

Die Skabies ist eine durch die Krätzmilbe Sarcoptes scabiei var. hominis verursachte Infektionskrankheit des Menschen, die auf das Stratum corneum der Epidermis beschränkt ist. Im Folgenden wird anhand einer Ausbruchbeschreibung und Falldarstellung von einem Skabies-Ausbruch auf einer interdisziplinären Intensivstation berichtet. Betroffen waren 20 Mitarbeiter verschiedener Professionen und Funktionsbereiche sowie deren Angehörige, jedoch keine Patienten. Aufgrund der zeitgleichen untypischen Symptomatik bei mehreren Mitarbeitern wurden zunächst allergische Reaktionen im Zusammenhang mit der vom Dienstgeber zur Verfügung gestellten Bereichskleidung als Ursache vermutet. Eine Fehlfunktion in der Aufbereitung der Bereichskleidung, die eine starke allergisch-toxische Reaktion hervorrufen kann, wurde bestätigt, so dass eine infektiologische Ursache nicht in Betracht gezogen und die Krankenhaushygiene nicht eingeschaltet wurde. Im weiteren Verlauf kam es bei den betroffenen Mitarbeitern zu keiner Verbesserung der Symptome. Trotz Einschalten des Betriebsarztes wurde weiterhin nicht der Verdacht einer Skabies-Infestation oder anderer infektiologischer Ursachen geäußert. Erst nach über drei Monaten konnte eine fachärztliche Diagnosestellung durch einen Dermatologen und der mikroskopische Nachweis von Skabies erbracht werden, so dass mit der topischen Behandlung aller Mitarbeiter begonnen wurde. Der Ausbruch wurde nach §6 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz als eine Häufung nosokomialer Infektionen an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet und die Hygiene-maßnahmen gemeinsam festgelegt. Kurz darauf konnte der Skabies-Ausbruch durch die erfolgreiche Therapie der Betroffenen mit Permethrin 5%-Salbe und die Umsetzung konsequenter Hygienemaßnahmen im Umgang mit Kleidung und Kontakten für beendet erklärt werden. Retrospektiv ließ sich trotz genauer Aufarbeitung der Daten durch die Abteilung Krankenhaushygiene kein eindeutiger Indexpatient ermitteln. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt konnten auch in den Folgemonaten keine Skabies-Infektionen bei ehemaligen Patienten oder deren Kontaktpersonen im Einzugsgebiet des Krankenhauses im Zusammenhang mit dem Ausbruch detektiert werden.

Referate

Erfolgreiche Dekolonisation einer nasalen Staphylococcus aureus-Besiedlung bei medizinischem Personal mit einem ethanolhaltigen Antiseptikum