MHP

Hygiene & Medizin 12/2014

Aktuell

  • Bewegliche Antibiotika-Resistenzen
  • Robert Koch-Institut veröffentlicht Rahmenkonzept Ebola
  • Schnelltest für MRSA
  • Neue Möglichkeiten zur effizienten Vor-Ort-Sterilisation

Praxis

MRSA-net Twente/Münsterland: Rückblick und Ausblick

Inka Daniels-Haardt*

HygMed 2014; 39 [12]: 486–490

Schlüsselwörter: Netzwerk, EUREGIO, Qualitätssiegel, Surveillancedaten, Vergütungsvereinbarung

Zusammenfassung
Das EUREGIO-Projekt MRSA-net Twente/Münsterland war das erste Netzwerk zur Prävention und Bekämpfung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in Deutschland. An dem Projekt nahmen sämtliche 40 Akutkrankenhäuser der Region, regionale Laboratorien, die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Krankentransport- und Rettungsdienste sowie Alten- und Pflegeheime teil. Im Rahmen des Projektes wurden im Qualitätsverbund der teilnehmenden Einrichtungen grenzüberschreitende, vergleichbare Qualitätsziele zur Prävention der Verbreitung von MRSA und anderen (multi)resistenten Erregern entwickelt. Die KVWL als Mitglied des MRSA-net hat Symbolnummern/Ausnahmekennziffern für die ambulante Fortführung von im Krankenhaus begonnenen MRSA-Dekolonisierungen entwickelt. Die Surveillancedaten des MRSA-net Twente/Münsterland repräsentieren die Region vollständig und sind daher für ein regionales Benchmarking geeignet. Das MRSA-net Twente/Münsterland hat exemplarisch gezeigt, dass regionale Netzwerkbildung entlang der Versorgungskette ein erfolgreiches Instrument zur Prävention und Bekämpfung von multiresistenten Erregern ist.

Praxis

Vier Jahre EurSafety Health-net in der Ems-Dollart-Region

Dagmar Rocker, Peter Bergen, Jörg Herrmann, Matthias Pulz*

HygMed 2014; 39 [12]: 491–495

Schlüsselwörter: EurSafety health-Net, Netzwerkbildung, Qualitätssiegel

Zusammenfassung
Krankenhausinfektionen durch multiresistente Erreger (MRE), insbesondere durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) stellen weltweit eine der größten infektiologischen Herausforderungen dar. Bereits 2006 empfahl die Gesundheitsministerkonferenz die Bildung regionaler Netzwerke zur Bekämpfung von MRSA im gesamten Bundesgebiet. In der Nachfolge des Euregio-Projekts MRSA-net wurde 2009 das Projekt EurSafety Health-net ins Leben gerufen, das sich entlang der gesamten deutsch-niederländischen Grenze erstreckt und die Verbesserung der Patientensicherheit sowie den Schutz vor Infektionskrankheiten zum Ziel gesetzt hat. Das koordinierte Zusammenwirken der Akteure des Gesundheitswesens auf lokaler und überregionaler, sowie grenzüberschreitender Ebene und das Erreichen definierter Qualitätssiegel von Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen sind zentrale Elemente zum Erreichen dieser Projektziele.

Praxis

Seit fünf Jahren gemeinsam auf dem Weg: das MRE-Netzwerk Hessen-Saarland

Dorothea Nillius, Daniel Pieroth, Alik Dawson, Lutz von Müller, Barbara Gärtner, Uwe Schlotthauer, Sigrid Thieme-Ruffing, Charlotte Meyer, Jörg Rech, Vera Hennefeld, Frank Spinath, Patrick Walther, Carsten Ullrich, Christoph Igel, Renate Klein, Dorothea Mischler, Ursel Heudorf*, Mathias Herrmann*

HygMed 2014; 39 [12]: 496–503

Schlüsselwörter; Netzwerk, MRE-Netzwerk Rhein-Main, MRSAar-Netzwerk Saarland MRSAar/netz, Antibiotika-Resistenz, Prävalenz, Öffentlichkeitsarbeit, Wirkungsevaluation, Elektronisch gestützte Lehr-/Lernverfahren

Zusammenfassung
Seit 2009 haben sich im Rahmen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) zwei regionale Netzwerke zur Prävention von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und multiresistenten Erregern (MRE) – das MRE-Netzwerk Rhein-Main und das MRSAar/netz – in einer gemeinsamen Fördermaßnahme zum MRE-Netzwerk Hessen-Saarland zusammengeschlossen. Mittlerweile konnten zahlreiche Projekte zur Prävalenz-Erfassung, Intervention, Schulung, Erstellung von Informationsmaterial und Öffentlichkeitsarbeit initiiert und zum Teil mit einer begleitenden Wirkungsevaluation umgesetzt und abgeschlossen werden. Unterstützt werden die Maßnahmen vom Bundesministerium für Gesundheit und dem Saarland. In der letzten Zeit rücken die Aspekte klassischer wie elektronischer Schulungsmaßnahmen in den Vordergrund. Die Kooperation der beiden Netzwerke, die Regionen mit unterschiedlicher Infra- und Bevölkerungsstruktur adressieren, hat sich als ausgesprochen positiv erwiesen – auch im Hinblick auf den Austausch und Vergleich von Methoden und wissenschaftlichen Daten. Für die Netzwerke ergeben sich kontinuierlich neue Herausforderungen, sei es durch die Verschiebung der multiresistenten Resistenzproblematik, das Auftreten nosokomial bzw. ambulant erworbener Erreger mit besonderen Charakteristika (z.B. Clostridium difficile) oder aber durch die Notwendigkeit, etablierte und durch die Institutionen nachgefragte Beratungs- und Interventionsangebote trotz zeitlich befristetem Förderrahmen fortzuführen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Tätigkeit beider Netzwerke insbesondere in der zweiten DART-Förderphase und beleuchtet die verschiedenen Aspekte sektorenübergreifender Aktivität. Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine multimodale Netzwerkaktivität ein vielversprechender Ansatz ist, um der Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen und dem Auftreten von durch multiresistente Erreger verursachten Erkrankungen entgegenzuwirken.

Praxis

Bedarf an Hygienefachpersonal in der Rehabilitation – ein Diskussionsbeitrag aus dem MRE-Netzwerk Rhein-Main

Ursel Heudorf*, Angelika Hausemann, Martin Exner

HygMed 2014; 39 [12]: 504–509

Schlüsselwörter: Rehabilitationseinrichtungen, Infektionsprävention, Hygienefachpersonal, Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO)

Zusammenfassung
Hintergrund: Die Anforderungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut zur Ausstattung der medizinischen und ambulanten Einrichtungen mit Hygienefachpersonal sind in den meisten Landeshygieneverordnungen    übernommen worden – auch für Rehabilitationseinrichtungen, obgleich nur wenige Rehabilitationspatienten bezüglich ihres Infektionsrisikos mit Krankenhauspatienten gleichgesetzt werden können. Auf der Grundlage des Risikoprofils von Eichhorn et al. hat das MRE-Netz Rhein-Main anhand aktueller Daten von Rehabilitationspatienten eine Alternativberechnung zum Bedarf an Hygienefachpersonal in Rehabilitationseinrichtungen vorgenommen.
Material und Methode: Die KRINKO-Empfehlung zum Bedarf von Hygienefachpersonal sowie die entsprechenden Angaben in den 16 Landeshygieneverordnungen werden dargelegt und mit dem Risikoprofil für Rehabilitationspatienten und der entprechenden Bedarfsermittlung nach Eichhorn et al. verglichen. Anhand von aktuellen Daten zu Patientencharakteristika von Rehabilitanden (n=412) im Rhein-Main-Gebiet wurde das Risikoprofil nach Eichhorn et al. erstellt und der sich daraus ergebende Bedarf an Hygienefachpersonal berechnet.
Ergebnisse: Bei der Anwendung des (modifizierten) Risikoscores von Eichhorn et al. auf die im Rhein-Main-Gebiet untersuchten Rehabilitationspatienten zeigte sich eine gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen von Eichhorn et al. und ein deutlich niedrigerer Bedarf an Hygienefachkräften als von der KRINKO empfohlen.
Schlussfolgerung: Der nach dem Risikoprofil von Eichhorn et al. errechnete Bedarf an Hygienefachkräften für Rehabilitationseinrichtungen liegt deutlich unter der Forderung der KRINKO von 1:500 Betten. Bislang sind beide Forderungen nicht mit Daten zum tatsächlichen Infektionsrisiko unterlegt. Die Gesundheitsämter sollten deswegen die Maßnahmen der Infektionsprävention und die Ausstattung mit Hygienefachpersonal in den Rehabilitationseinrichtungen eng begleiten, um ggf. notwendige Anpassungen frühzeitig anregen zu können.

Praxis

MRSA-Patienten in der Rehabilitation – eine ärztliche Risikoanalyse nach KRINKO

Ursel Heudorf*, Martin Exner

HygMed 2014; 39 [12]: 512–516

Schlüsselwörter: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, MRSA, Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO), Risikoanalyse, Rehabilitationseinrichtungen, Altenpflegeheime

Zusmmenfassung
Hintergrund: Patienten mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) und anderen multiresistenten Erregern (MRE) haben ebenso wie andere rehabilitationspflichtige Patienten ein Recht auf Rehabilitation. Verschiedene MRE-Netzwerke haben Empfehlungen zum Hygienemanagement bei MRE-besiedelten Rehabilitanden veröffentlicht. Die aktuelle Empfeh­lung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) fordert eine ärztliche Risikoanalyse zur Festlegung der Hygiene- und Präventions­maßnahmen in den Einrichtungen.  Diese sollen prüfen, ob sie eher dem Risikoprofil eines Krankenhauses oder einer Pflegeeinrichtung entsprechen. Ziel ist, einen optimalen Kompromiss zwischen der Verhinderung von MRSA-Übertragungen und der Möglichkeit zur Teilnah­me an der Rehabilitation zu schaffen.
Material und Methode: In der vorliegenden Arbeit werden die Anforderungen der KRINKO-Empfehlung für die ärztliche Risikoanalyse vorgestellt. Das MRE-Netz Rhein-Main untersuchte deren Praktikabilität anhand von zwei aktuellen Untersuchungen zu Patienten/Bewohnercharakteristika sowie MRE-Prävalenzen bei Altenpflegeheimbewohnern (n=880) und Rehabilitationspatienten (n=412).
Ergebnisse: In den Altenpflegeheimen war die Prävalenz MRSA-positiver Personen und damit der Kolonisationsdruck ca. 4-fach höher als in den Rehabilitationseinrichtungen (ohne neurologische Einrichtungen mit Frührehabilitation). Bei mehr als einem Drittel der Altenpflegeheimbewohner waren Risikofaktoren für eine MRSA-Besiedelung oder disponierende Faktoren für eine MRSA-Besiedelung und/oder -Infektion vorhanden – im Vergleich zu weniger als 5 % bei den Rehabilitanden. Darüber hinaus waren ca. 60 % der Altenpflegeheimbewohner desorientiert und mehr als 80 % inkontinent, sodass hier eine mangelnde persönliche Hygiene angenommen werden muss – im Vergleich zu 1 % bei den Rehabilitanden.
Schlussfolgerung: Die Anwendung der Fragen zur ärztlichen Risikoanalyse zeigte, dass die Rehabilitanden aus den Bereichen Orthopädie, Kardiologie und Chirurgie ein geringes Risiko für MRSA-Besiedelungen und -Infektionen haben. Da keine Patienten der neurologischen Frührehabilitation oder der geriatrischen Rehabilitation eingeschlossen waren, kann für diese Gruppe jedoch keine Aussage getroffen werden. Die Gesundheitsämter/MRE-Netzwerke sollen deswegen die Situation in den Rehabilitationseinrichtungen eng begleiten, mit dem Ziel eine gute Rehabilitation auch von MRE-Patienten zu ermöglichen.

Praxis

Fünf Jahre MRE-Netzwerk Baden-Württemberg – eine Bilanz –

Doris Reick*, Frauke Büttner, Kathrin Hartelt, Peter Weidenfeller

HygMed 2014; 39 [12]: 517–522

Schlüsselwörter: MRE-Netzwerk Baden-Württemberg, Zentrale Koordinierung, Regionale Netzwerke

Zusammenfassung
Vor fünf Jahren wurde das Konzept des MRE-Netzwerkes Baden-Württemberg (BW) etabliert, welches zunächst aus fünf regionalen Netzwerken (sogenannten Pilotkreisen) und der zentralen Koordination durch das Landesgesundheitsamt BW bestand. Die Evaluation des Konzeptes nach knapp einem Jahr der Pilotphase zeigte, dass es sinnvoll ist, die Arbeit des MRE-Netzwerkes BW fortzusetzen und eine flächendeckende Netzwerkbildung in den Kreisen schrittweise umzusetzen. Aufgrund der guten Vorarbeit und der Ergebnisse der Evaluation erklärten sich die Krankenkassen in BW bereit, eine Anschubfinanzierung zur flächendeckenden Umsetzung bereitzustellen. Was zunächst mit fünf Pilotkreisen begann, hat sich nun zu einer fast landesweiten Etablierung regionaler Netzwerke entwickelt. Von 38 Gesundheitsämtern in Baden-Württemberg haben inzwischen 36 Ämter in ihren Kreisen ein regionales Netzwerk aufgebaut.

Praxis

Arbeitsweise, Struktur und Finanzierungsmodell desregionalen MRE-Netzwerkes im Rheinland: mre-netz regio rhein-ahr

Luba Lendowski*, Claudia Rösing, Martin Exner, Steffen Engelhart

HygMed 2014; 39 [12]: 523–526

Schlüsselwörter: Kommunales Finanzierungskonzept, Krankenhausdichte, Nachhaltigkeit, Verzahnung, Gesundheitsämter, Wissenschaft, MRE-Netzwerk

Zusammenfassung
Hintergrund: Ein wesentliches Problem von MRE (Multiresistente Erreger)-Netzwerken ist die Sicherstellung der Rahmenbedingungen über eine längere Laufzeit. Ohne diese kann sich eine erfolgreiche Netzwerkarbeit nicht entfalten. Bei der Gründung des mre-netz regio rhein-ahr wurde ein neuartiges, auf Nachhaltigkeit zielendes Konzept eingeführt.Konzept: Das mre-netz regio rhein-ahr besteht aus neun Kommunen, die gemeinsam zwei Arztstellen für die an das Universitätsklinikum Bonn angebundene Netzwerkkoordinationsstelle finanzieren. Der Anteil berechnet sich aus der Einwohnerzahl und der Krankenhausdichte der jeweiligen Kommune. Die Abstimmung der Projekte erfolgt in ca. 6-wöchigen Treffen im Rahmen einer Lenkungsgruppe. Hierdurch ist eine enge Verzahnung zwischen Gesundheitsämtern, Netzwerkpartnern und wissenschaftlicher Expertise sichergestellt. Die Projekte erstrecken sich auf alle Sektoren des Gesundheitswesens.Ergebnisse: Die erfolgreiche Arbeit spiegelt sich u.a. in den durchgeführten Siegelungsaktionen (Krankenhäuser, Altenheime), Projektbeteiligungen und etablierten Arbeitsgruppen wider. Die Möglichkeit, sich bei einem Netzwerk zu informieren, wird sehr wertgeschätzt. Die Durchdringung des Wissens zum Umgang mit MRE wächst mit der Anzahl der durchgeführten Projekte. Um den Bekanntheitsgrad und die Durchdringung des Wissens weiter zu steigern, ist eine Kontinuität der Netzwerkarbeit erforderlich.Schlussfolgerung: Nachhaltige Finanzierungskonzepte, die eine lange Laufzeit des Netzwerkes ermöglichen, und eine gute Verzahnung zwischen Öffentlichem Gesundheitsdienst und Wissenschaft sind Grundvoraussetzungen für eine fruchtbare Netzwerkarbeit.

MRE-Netzwerke

  • Neue Rubrik „MRE-Netzwerke“
  • Netzwerk Hygiene in Sachsen-Anhalt (HYSA): Praktische Umsetzung der Hygieneempfehlungen
  • Hygienenetzwerk Südostniedersachsen: Regionale Strategien gegen resistente Erreger

Verbund für Angewandte Hygiene (VAH)

Mitteilung der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH   
Antrag auf Listung von Flächendesinfektionsmitteln

Referate

Vergleich des Outcomes von nosokomialen Infektionen bei über und unter 80-jährigen Intensivpatienten

Veranstaltungen

BMBF-Klausurwoche in Essen: Was ist Aufklärung … über Hygiene, Medizin und Gesellschaft?