MHP

Hygiene & Medizin 7+8/2015

Aktuell

  • Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin sinkt weiter
  • BfArM: Medizinprodukte-Meldesystem bei Infektionen mit Mycobacterium chimaerea nach Herz-Operationen beachten
  • Neues Bornavirus auf den Menschen übertragbar
  • MERS: Eine Impfung für Alle
  • Antibiotikaresistenzen können sich in der Umwelt weiter ausbreiten

Originalarbeit

Evaluierung der mikrobiellen Dichtigkeit von Closed System Transfer Devices am Beispiel eines nadelfreien Ventilkonnektors

S. Kuriakose*, B. Grüter, M. Exner, S. Gemein, J. Gebel

Hyg Med 2015; 40 [7/8]: 292–296. 

Schlüsselwörter: Katheter-assoziierte Infektionen Nadelfreier Ventilkonnektor Closed System Transfer Device

Hintergrund: Nadelfreie Ventilkonnektoren, die anstelle eines Luer-Lock-Anschlusses auf Infusionsleitungen, Venenkathetern oder Spritzen eingesetzt werden, sollen ein „Closed System“ gewährleisten. Dennoch stellen sie einen direkten Zugang zur Blutbahn dar und somit auch eine Eintrittspforte für mikrobielle Kontaminationen mit assoziierten Blutstrominfektionen. Ziel der vorliegenden Studie war es, die mikrobielle Dichtigkeit des Ventilkonnektors in einer mit Mikroorganismen angereicherten Umgebung („airborne“) sowie durch eine Oberflächen-Kontamination („touch“) zu testen.

Methode: Für die „Airborne“-Kontamination wurde ein nadelfreier Ventilkonnektor in eine Werkbank gebracht, welche mit einem mit Bacillus subtilis-Sporensuspension befüllten Vernebler sowie mit Infusionsflaschen ausgestattet war. In die Infusionsflaschen wurde jeweils ein Infusionsbesteck eingestochen und das Schlauchende mit einem Verschlussstopfen versehen. Der mit einem Verlängerungsschlauch verbundene Ventilkonnektor wurde anschließend einem Sporennebel ausgesetzt, welcher einer 100-fach höheren Konzentration als die Luftkeimzahl in der Umgebungsluft in Operationssälen und auf Intensivstationen entsprach, die dort bei 101 – 102 KBE/m3 liegt. Nach einer Wischdesinfektion der Ventilmembran wurde der Konnektor mit dem Infusionsschlauch verbunden. Das System wurde mit der NaCl-Lösung aus der angehängten Infusion gespült und die aufgefangene Infusionslösung auf Sporenkontamination mikrobiologisch untersucht. Der Versuchsaufbau für die „Touch“-Kontamination war identisch mit dem für die „Airborne“-Kontamination. Als Testorganismus kam Staphylococcus aureus zum Einsatz, der als Suspension in einer 10.000-fach höheren Konzentration als auf Händen von ärztlichem Personal (10 KBE/cm2) nachweisbar auf die Membran des Ventilkonnektors aufgebracht wurde.

Ergebnisse: Unter „Airborne“-Kontamination wiesen die durch die Ventilkonnektoren gelaufenen Infusionslösungen sowohl mit als auch ohne Wischdesinfektion des Ventilkonnektors keine mikrobiologischen Kontaminationen auf. Bei der Touch-Kontamination konnte nach Wischdesinfektion ebenfalls keine mikrobiologische Kontamination nachgewiesen werden. Bei ausbleibender Wischdesinfektion des Ventilkonnektors zeigten sich bei diesem Versuchsaufbau in der Infusionslösung hingegen deutliche Kontaminationen.

Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie zeigt, dass der getestete nadelfreie Ventilkonnektor bei korrekt durchgeführter Desinfektion eine sichere mikrobielle Barriere darstellt. Er kann somit als ein „Closed System Transfer Device“ im Sinne der NIOSH-Definition angesehen werden.

Praxis

Hygienerichtlinien auf der Kinderpalliativstation der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln

Pia Schmidt, Dörte Garske, Christine Geffers, Arne Simon, Boris Zernikow, Carola Hasan*

HygMed 2015; 40 [7/8]: 297–305.

Schlüsselwörter: Kinderpalliativversorgung Kinderpalliativstation Prävention Nosokomialer Infektionen MRE MRGN

Hintergrund: Die erste Kinderpalliativstation in Deutschland wurde 2010 an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln eröffnet. Das Ziel der Palliativversorgung von Kinder und Jugendlichen mit einer lebensbedrohlichen oder lebenslimitierenden Erkrankung ist die Linderung belastender körperlicher Symptome, wie Atemnot oder Schmerzen, und das Angebot einer altersgerechten Unterstützung bei psychosozialen Problemen. Bei jedem fünften lebensbedrohlich erkrankten Kind wird bei Aufnahme auf die Kinderpalliativstation eine Besiedlung mit einem multiresistenten Erreger (MRE) nachgewiesen.

Methode: Für die Kinderpalliativstation wurden eigene „Hygienerichtlinien – Palliativstation“ bei Nachweis von MRE entwickelt, die bewusst auf eine strikte Einzelzimmerisolierung verzichten.

Ergebnisse: Die „Hygienerichtlinien – Palliativstation“ konnten auf der Kinder-palliativstation eingeführt und umgesetzt werden. Dies erforderte zusätzliche Aufklärung, Anleitung und Wissensvermittlung der Patienten, ihrer Angehörigen und der Mitarbeiter des Palliativzentrums. Es bedurfte einer Akzeptanz durch die gesamte Vestische Kinder- und Jugendklinik.

Schlussfolgerung: Die „Hygienerichtlinien – Palliativstation“ ermöglichen sowohl die Einhaltung der Infektionsprävention als auch die Teilhabe an palliativmedizinischen Angeboten auf der Station. So können die Infektionsprophylaxe und eine Steigerung der Lebensqualität in Einklang gebracht werden.

Empfehlung

Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen

Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)

DGKH

Nachruf auf Medizinalrat Dr. med. habil. Peter Lüderitz

Blickpunkt

Eigenschaften, Häufigkeit und Verbreitung von MRSA in Deutschland – Update 2013/2014

Epidemiologisches Bulletin 28/2015 des Robert Koch Institutes

Referate

  • Nulltoleraz für Venenkatheter-assoziierte Blutstrominfektionen: Ergebnisse einer nationalen Kampagne in den USA
  • Noroviren in Altenheimen: Eintragswege und Risikofaktoren für die Weiterverbreitung

MRE-Netzwerke

Qualitätssiegel für Hygiene in Alten- und Pflegeheimen des mre-netz regio rhein-ahr

Veranstaltungen

  • 11. Forum Hygiene und Infektiologie, 17. Juni 2015, Mannheim
  • Interdisziplinäre Fachtagung für Wundbehandler, 29. Mai 2015, Magdeburg
  • 11. Ulmer Symposium, 28. bis 30. April 2015, Ulm