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Hygiene & Medizin 9/2015

Aktuell

  • Asiatische Tigermücke überwintert in Süddeutschland
  • 2+1 statt 3+1
  • Erstmals Impfstoff gegen Ebola erfolgreich getestet
  • Bakterielle Biofilme besser untersuchen
  • UK Essen eröffnet Klinik für Infektiologie
  • Läuserückfallfieber bei Migranten

Übersicht

Ein Jahr Erfahrung mit der neuen KRINKO-Empfehlung MRSA

Sebastian Schulz-Stübner

Hyg Med 2015; 40 [9]: 352–360

Schlüsselwörter: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, MRSA, Basishygiene, Kontaktschutzmaßnahmen, Persönliche Schutzausrüstung, Implementierungsstrategien, Risikoanalyse

Obwohl die Prävalenz von Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in Deutschland abnimmt, stellt MRSA nach wie vor ein relevantes Problem für Patienten, medizinisches Personal und das Gesundheitswesen als Ganzes dar. Dieser Übersichtsartikel fasst die 2014 erschienen KRINKO-Empfehlungen zum Umgang mit MRSA zusammen und beleuchtet ihre Wirkung und praktische Umsetzung im Lichte der aktuellen Diskussionen in der wissenschaftlichen Literatur sowie eigener Erfahrungen. Hauptfokus der Übersicht sind die dynamische Risikoanalyse, die Umsetzung der Empfehlungen in Form einrichtungsspezifischer Präventionsbündel, der Gebrauch der persönlichen Schutzausrüstung und die Aspekte der speziellen Bereiche Rehabilitationskliniken, Rettungswesen und MRSA in der Schwangerschaft.

Praxis

Stellen an das Trinkwassernetz angeschlossene Kaffeeautomaten ein Risiko für Patienten dar?

Stefanie Maczewski, Anne Graetz, Ingo Winterfeld, Christine Jakob, Frauke Mattner*

HygMed 2015; 40 [9]: 361–364.

Schlüsselwörter: Kaffeemaschine Kontaminierte Kaffemaschine Kaffeeautomat Patientenkaffee Gramnegative Erreger

Hintergrund: Auf vielen Stationen finden sich fest an das Trinkwassersystem angeschlossene Kaffeemaschinen, aus denen sich Patienten selbständig mit Kaffee versorgen können. Bei mikrobiologischen Untersuchungen dieser Maschinen wurden bakterielle Kontaminationen nachgewiesen. Die Autoren untersuchten die Häufigkeit der Kontamination, die Art der Erreger, den Kontaminationsort sowie den Zusammenhang mit dem herstellerseits empfohlenen Reinigungsprocedere.

Methode: Eine systematische Beprobung von Kaffeeautomaten wurde durchgeführt. Die Beprobungsorte an den Maschinen sowie die sich anschließende Analyse der Proben wurden zuvor festgelegt. Nach Aufbereitung durch die Herstellerfirma wurde die Beprobung wiederholt. Eine erneute Beprobung erfolgte nach durch die Untersuchungsergebnisse veranlasstem Austausch der Kaffeeautomaten mit Anpassung des Reinigungsprocederes.

Ergebnis: Die Kaffeeauslaufdüsen waren bei Probenentnahme im Routinebetrieb in 83 % (5/6) mit gramnegativen Erregern kontaminiert. In 67 % (4/6) fanden sich Umweltkeime in Proben des fertigen Kaffees. In der Beprobung nach Aufbereitung durch den Hersteller konnten weiterhin neben Umweltkeimen auch gramnegative Erreger nachgewiesen werden. Nach der Einführung neuer Kaffeeautomaten, die die Kaffeeausgabe im Gegensatz zu den Vorgängermodellen stoppen, wenn das Reinigungsintervall überschritten ist und einer Optimierung des Reinigungsprocederes traten keine signifikanten Kontaminationen mehr auf.

Schlussfolgerung: Eine Kontamination verschiedener Teile von fest an das Trinkwassersystem angeschlossenen Kaffeeautomaten mit gramnegativen Erregern kann durch fest programmierte Reinigungsintervalle sowie einer Optimierung des Reinigungsprocederes verhindert werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass Automaten, die nicht nach o.g. Kriterien gewartet werden, eine Kontamination mit gramnegativen Erregern aufweisen können, die sich auch im fertigen Kaffee nachweisen lassen. Eine Aufbereitung in diesem Stadium scheint kaum mehr möglich. Eine Übertragung gramnegativer Erreger auf Patienten durch Kaffee ist theoretisch möglich und die Untersuchung von Kaffeemaschinen muss gegebenenfalls in Ausbruchsuntersuchungen einbezogen werden.

Kurzbeitrag

Multiresistente gramnegative Erreger in Spülrändern von Krankenhaustoiletten

Walter Popp*, Frank Mosel, Nina Parohl, Melanie Monats, Birgit Ross, Jan Buer

Auf dem 12. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene 2014 berichtete Prof. Dr. Steffen Engelhart, Universitätsklinikum Bonn, dass bei Umgebungsuntersuchungen im Rahmen eines Ausbruchs mit 4MRGN die relevanten Erreger in den Spülrändern der Toiletten gefunden wurden und erst nach dem Ersatz durch spülrandfreie Toiletten der Ausbruch beendet werden konnte [1]. Der Vortrag veranlasste uns, eine kleine Studie am Universitätsklinikum Essen durchzuführen, um zu untersuchen, inwieweit ein MRGN-Nachweis auch hier gelingt. Ziel der Untersuchung war zu prüfen, ob in Toiletten, die von MRGN-Trägern genutzt werden, MRGN nachgewiesen werden können. Weiterhin sollte geprüft werden, ob eventuell durch Aerosole, die beim Abspülen entstehen, die Erreger auf die Umgebung übertragen werden können.

 

 

Empfehlung

- Hygienemaßnahmen bei intraartikulären Punktionen und Injektionen
Empfehlung des Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

- Händedesinfektion und Händehygiene 
Empfehlung des Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF 

Blickpunkt

Hinweis des BfArM und des RKI zu komplex aufgebauten Endoskopen (Duodenoskopen), deren Aufbereitung und damit verbundenen Infektionsrisiken
Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und des Robert Koch-Instituts (RKI) 

Referate

  • Kontamination von Stethoskopen und Arzthänden nach der körperlichen Untersuchung von Patienten
  • Übertragungen von Staphylococcus aureus auf der Intensivstation sind seltener als angenommen

Veranstaltungen

Mittags-Symposium des BODE SCIENCE CENTER Gesunde Haut – besserer Infektionsschutz