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Hygiene & Medizin 1+2/2016

Aktuelles

  • Aktuelle Informationen zum Zika-Virus
  • Neues Resistenzgen mcr-1 auch in Deutschland nachgewiesen
  • Neue, übertragbare Colistinresistenz in Escherichia coli – Aufruf zur Einsendung von Isolaten
  • Lifestyle-Switch – Bacillus cereus kann sich bestimmten Antibiotika-Therapien entziehen
  • Viele Blasenentzündungen heilen ohne Antibiotika

Originalarbeit

Ausbruch von 4MRGN Pseudomonas aeruginosa auf einer neurologischen Rehabilitationsstation

Sebastian Schumacher*, Andreas Welker, Britta Knorr, Sabine Schütt, Sylvia Parthé, Rainer Schwertz

Hyg Med 2016; 41 [1/2]: D1–D4

Schlüsselwörter: 4MRGN · Pseudomonas aeruginosa · Ausbruch · Neurologische Frührehabilitation

HintergrundPseudomonas aeruginosa ist ein häufiger Erreger nosokomialer Infektionen mit einer signifikanten Zunahme des Anteils antibiotikaresistenter Isolate. Dies zeigen auch die Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance in Deutschland (ARS) und die Berichte des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger. Es wird ein mehrphasiger Ausbruch mit einem 4MRGN P. aeruginosa beschrieben, der sich auf einer neurologischen Frührehabilitation der Phase B ereignete und durch Probleme im Abwassersystem der Klinik verursacht wurde.

Verlauf des Ausbruchs: Im Zeitraum von Februar 2013 bis Juli 2015 kam es auf einer neurologischen Frührehabilitation zu einem Ausbruch mit einem 4MRGN P. aeruginosa. Insgesamt waren 29 Patienten betroffen. 28 Patienten wurden nosokomial besiedelt. Eine symptomatische Infektion wurde beobachtet. Es gab keine Todesfälle. Die Umgebungsuntersuchungen wiesen auf eine Kontamination der Siphons der betroffenen Patientenzimmer hin. Diese Nachweise zusammen mit beobachteten Rückflussstörungen in den Handwaschbecken führten zu der Hypothese, dass die Waschbecken aufgrund der Abflussstörungen retrograd kontaminiert wurden und von hier ausgehend der Erreger im Rahmen von Waschungen auf die Patienten übertragen wurde und zu einer überwiegend genitoanalen Besiedelung führte. Die initial veranlassten Barrieremaßnahmen konnten zwar die Anzahl der betroffenen Patienten verringern, aber einen mehrphasigen Verlauf nicht vollständig unterbinden. Auch eine intensive bauliche Sanierung war kein Garant für die Beseitigung des Erregerreservoirs. Trotz umfangreicher Umgebungsuntersuchungen konnte der Ausbruchsmechanismus bis dato nicht abschließend aufgeklärt werden.

Schlussfolgerung: Die Durchführung baulicher Maßnahmen bietet keine Gewährleistung für die Sanierung von Erregerreservoiren im Abwasserbereich. Die Druck- und Fließeigenschaften in der Sanitärinstallation sind besonders bei möglicher retrograder Rekontamination durch Regurgitation entscheidend. Zum frühzeitigen Erkennen einer Ausbruchssituation hospitalisierter Patienten in Risikobereichen ist die Surveillance von mikrobiologischen Daten erforderlich.

 

 

 

Originalarbeit

Effektives Ausbruchs- management: Was können wir aus „prominenten Ausbrüchen“ lernen?

Reimund Hoheisel*, Georg-Christian Zinn, Bernhard Zöllner

Hyg Med 2016; 41 [1/2]: D5–D10

Schlüsselwörter: Ausbruchsmanagement · Ausbruch · MRGN · Multirestente Erreger

Auf Intensivstationen für erwachsene und neonatologische Patienten werden in den letzten Jahren zunehmend Häufungen von Nachweisen mit gramnegativen Erregern beobachtet. Nicht selten kommt es dabei zu schweren Infektionen mit Todesfolge. Zudem treten Ausbrüche mit multiresistenten Erregern (MRE) mehr und mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die von Infektionen mit MRE betroffenen Patienten weisen eine höhere Sterblichkeit, höhere Raten an Komplikationen und eine längere Krankenhausverweildauer auf. Auf die betreuenden Krankenhäuser und das Gesundheitssystem insgesamt kommen durch verschiedene Faktoren deutlich erhöhte Kosten zu. Kompliziert wird die Situation durch eine nicht selten undifferenzierte Berichterstattung in der Presse und in anderen Medien. Umso wichtiger erscheint für alle Verantwortlichen im Gesundheitssystem die Implementierung eines wirkungsvollen und transparenten Ausbruchsmanagements, bei dem präventiv diejenigen Strukturen geschaffen werden, die im Fall eines Ausbruchs schnell und effektiv abgerufen werden können. Praktische Hilfestellung hierfür gibt die 2002 veröffentlichte Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) zum Ausbruchmanagement und strukturierten Vorgehen bei gehäuftem Auftreten nosokomialer Infektionen, die das Vorgehen in eine proaktive Phase mit fünf wesentlichen Punkten und eine reaktive Phase mit zehn aufeinander folgenden Schritten einteilt.

Übersichtsarbeit

Die Aufbereitung von Duodenoskopen: ein beherrschbares Risiko?

Brar Piening*, Ralf-Peter Vonberg, Petra Gastmeier 

Hyg Med 2016; 41 [1/2]: D11–D14

Schlüsselwörter: Duodenoskop, Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie, ERCP, Aufbereitung

Hintergrund: In den letzten Jahren sind verschiedene Ausbrüche durch Infektionen mit multiresistenten Erregern nach Duodenoskopie berichtet worden. Leider haben die zuständigen Aufsichtbehörden sehr verzögert auf diese Ausbrüche reagiert. Entsprechend spät wurde das Fachpersonal darauf aufmerksam und geeignete Präventionsmaßnahmen konnten ergriffen werden. Deshalb will der vorliegende Artikel verstärkt auf dieses Problem aufmerksam machen.

Methodik: Systematisches Review von Ausbrüchen durch Infektionen mit multiresistenten Erregern nach Duodenoskopie im Zeitraum 2010 bis 2015. Literatursuche mit Hilfe von PubMed.

Ergebnisse: Es wurden fünf Ausbrüche aus den USA, Deutschland und den Niederlanden gefunden, die allesamt durch Carbapenemase-bildende Enterobakterien oder andere multiresistente Erreger hervorgerufen wurden. Bei allen beschriebenen Ausbrüchen wurden keine Fehler in der Aufbereitung der Geräte durch das Personal nachgewiesen.

Schlussfolgerung: Die publizierten Ausbrüche durch multiresistente Erreger nach Duodenoskopie stellen vermutlich nur die Spitze des Eisbergs da, weil in der Regel auf den Nachweis von Erregern der normalen Standortflora des Duodenums nicht im Sinne einer Ausbruchuntersuchung reagiert wird. Die amerikanische Food and Drug Association (FDA) geht inzwischen davon aus, dass es wohl unmöglich ist, bestimmte Duodenoskop-Typen komplett sicher aufzubereiten. Die veröffentlichten zusätzlichen Präventionsempfehlungen wälzen das Problem auf den Anwender ab. Notwendig ist daher eine Optimierung des Designs der Geräte.

Übersichtsarbeit

Norovirusausbrüche in Krankenhäusern – wohin führt uns der Weg der Prävention?

Cornelia Henke-Gendo, Peter Häussermann, Brigitte Hofmann, Christian Jenke und Frauke Mattner* für den DVV Fachausschuss „Prävention von Norovirusinfektionen“

Hyg Med 2016; 41(1/2): D15–23

Schlüsselwörter: Norovirus, Ausbruch, Krankenhaus, Leitlinie, Evidenzbasierte Medizin

Norovirusausbrüche in Krankenhäusern kommen noch immer zahlreich in deutschen Krankenhäusern vor. Im vorliegenden Beitrag wird versucht, bestimmte Muster von Norovirusausbrüchen in Krankenhäusern darzustellen. Außerdem werden die Möglichkeiten von Indexpatienten-Analysen dargestellt und aufgezeigt, welche evidenzbasierten Präventionsmaßnahmen bei Norovirusausbrüchen in internationalen Guidelines im Moment verfügbar sind. Bei der Darstellung wurde sich ausschließlich auf die Maßnahmen beschränkt, die nach der HICPAC-Evidenzklassifizierung eine Evidenz von mindestens IB aufweisen. Die Maßnahmendarstellung macht deutlich, dass offensichtlich weiterhin eine große „Evidenzlücke“ zwischen häufig empfohlenen und durchgeführten Maßnahmen sowie dem wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit besteht. Zukünftig sollte nicht nur das Management von Norovirusausbrüchen, sondern auch und besonders ihre Verhinderung im Vordergrund stehen.

Übersichtsarbeit

Nosokomiale Ausbrüche durch Carbapenemase- produzierende Klebsiella pneumoniae – Ergebnisse eines systematischen Reviews

Miriam Bitzer, Petra Gastmeier, Ralf-Peter Vonberg*

Hyg Med 2016; 41(1/2): D24–31

Schlüsselwörter: Klebsiella pneumoniae,  Ausbruch, Nosokomial, Systematisches Review

Hintergrund: Carbapenemase-positive Klebsiella pneumoniae (CPKP) werden in vielen Ländern zunehmend häufig in Krankenhäusern nachgewiesen. Insbesondere nosokomiale Ausbrüche durch diese Erreger stellen dabei gegenwärtig ein großes epidemiologisches Problem dar. Mittels einer systematischen Literaturrecherche werden in der vorliegenden Arbeit die Charakteristika solcher Ausbrüche vorgestellt. Darüber hinaus werden die dabei durchgeführten Hygienemaßnahmen mit Ausbrüchen durch Stämme von Carbapenemase-negativen Klebsiella pneumoniae (non-CPKP) verglichen.

Methodik: Als Datenquelle wurden die Outbreak Database, PubMed sowie die Literaturverzeichnisse aller verwendeten Artikel herangezogen. Die dabei verwendeten Schlagworte waren wie folgt: “CARBAPENEMASE” AND “KLEBSIELLA” AND “NOSOCOMIAL” AND (“OUTBREAK” OR “EPIDEMIC”).

Ergebnisse: Insgesamt wurden 47 Ausbrüche durch CPKP mit 966 Betroffenen (Median: 12,5), darunter 586 Infizierten (Median: 7) und 205 Todesfällen (Median: 4; Letalität: 35,0%) eingeschlossen. Die Ausbruchsdauer betrug 0,5 bis 31 Monate (Median: 6). Die häufigsten nosokomialen Infektionen waren Sepsis (227), Harnwegsinfektionen (112), Pneumonien (99) und Wundinfektionen (56). Zum Vergleich der Hygienemaßnahmen wurden 123 Ausbrüche durch non-CPKP mit 3.364 Patienten (Median: 15) eingeschlossen. Die folgenden Hygienemaßnahmen wurden in Ausbrüchen durch CPKP signifikant häufiger durchgeführt: Isolationsmaßnahmen, Desinfektions- und Sterilisationsmaßnahmen, die Verwendung von Schutzkleidung, Fortbildungen für Mitarbeiter, eine Verbesserung des Personalschlüssels sowie Umgebungsuntersuchungen.

Schlussfolgerung: Ausbrüche durch CPKP sind ein großes krankenhaushygienisches Problem. Diese Erreger verursachen extrem schwer behandelbare nosokomiale Infektionen und gehen dabei mit einer hohen Letalität einher. Daher ist die konsequente Umsetzung der entsprechenden Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Transmissionen dringend geboten.

Übersicht

Die Bedeutung von Screeninguntersuchungen bei nosokomialen Ausbrüchen aus epidemiologischer Perspektive

Muna Abu Sin*, Hans-Peter Blank, Tim Eckmanns, Sebastian Haller

Hyg Med 2016; 41(1/2): D32–37

Schlüsselwörter: Mikrobiologisches Screening, Ausbruchsuntersuchung, Kolonisierte Patienten, Surveillance nosokomialer Ausbrüche, Fall-Kontroll-Studie,  Kohortenstudie

Screeninguntersuchungen sind zur Erfassung des Ausmaßes eines nosokomialen Ausbruchsgeschehens und zur Erkennung von kolonisierten zum Ausbruch gehörigen Patienten, der Implementierung von Kontrollmaßnahmen und zur Durchführung von epidemiologischen Studien unabdingbar. Wir haben Daten aus der Surveillance nosokomialer Ausbrüche im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes und aus nosokomialen Ausbruchsuntersuchungen, bei denen das Robert Koch-Institut beteiligt war, ausgewertet, um die Bedeutung von Screeninguntersuchungen im Rahmen von Management und Untersuchung von nosokomialen Ausbruchsgeschehen durch ausgewählte bakterielle Erreger darzustellen. Bei allen analysierten nosokomialen Ausbruchsuntersuchungen wurden mehr Kolonisationen als Infektionen erfasst. Dies war besonders deutlich, wenn Screeninguntersuchungen frühzeitig im Ausbruchsverlauf implementiert worden waren. Das Verhältnis infizierte zu kolonisierte Patienten bei den im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes übermittelten Ausbrüchen war im Median weniger deutlich zu den kolonisierten Patienten verschoben. Mögliche Gründe hierfür können in der Datenqualität liegen oder fehlende systematische Screeningsuntersuchungen sein. Die Durchführung von epidemiologischen Studien im Rahmen von nosokomialen Ausbrüchen setzt eine Klassifizierung in Fälle und Nicht-Fälle voraus und erfordert eine Eingrenzung von Expositionszeiträumen. Dies kann nur erfolgen, wenn Patienten, die mit dem Ausbruchserreger infiziert oder kolonisiert sind und Patienten ohne den Nachweis des Ausbruchserregers entsprechend erfasst und negative und positive Befunde aus mikrobiologischer Diagnostik und Screeninguntersuchungen dokumentiert sind. Ein systematisches mikrobiologisches Screening sollte frühzeitig direkt nach Ausbruchserkennung implementiert und solange fortgeführt werden, bis es keine Hinweise mehr auf mögliche Transmissionsereignisse gibt. Empfehlungen sollten neben Aspekten wie Ausmaß, Häufigkeit und Labormethode des Screenings auch die Bedeutung von Ergebnissen aus Screeninguntersuchungen für die effektive Implementierung von Kontrollmaßnahmen sowie die Durchführung von epidemiologischen Studien im Rahmen von nosokomialen Ausbrüchen adressieren.

Praxis

Hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen zur Identifikation von Quellen bei der Analyse von nosokomialen Ausbrüchen

Constanze Wendt*

Hyg Med 2016; 41(1/2): D38–44

Schlüsselwörter: Ausbruchsuntersuchung, Nosokomiale Infektion, Umgebungsuntersuchung

Zur Ermittlung der Infektionsquelle bei Ausbruchsuntersuchungen (Ursachenfindung) gehören krankenhaushygienische Ortsbegehungen, Überprüfungen von Handlungsabläufen, systematische epidemiologische Analysen und hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen. Im Rahmen einer Übersicht wird dargestellt, welche Überlegungen dabei helfen, die richtigen Orte für die Probenentnahme auszuwählen, zu entscheiden, mit welchem Besteck welche Art von Probe entnommen wird, die Untersuchungsmethode im Labor festzulegen und letztendlich die Ergebnisse der Probenentnahmen zu interpretieren. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Ausbruchsmanagement-Teams, sowie dem mikrobiologischen als auch dem krankenhaushygienischen Labor sind erforderlich, um die erforderlichen Umgebungsuntersuchungen zielführend und kosteneffizient durchzuführen.

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

Hygienische Aufbereitung von Patientenbetten

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

  • Versorgung mit Arbeitskleidung (synonym Dienst- oder Berufskleidung) von Leasingpersonal und Hospitanten, Praktikanten, Aushilfen, Grünen Damen in Krankenhäusern/Pflegeeinrichtungen o.ä.
  • Antragstellung für die Anschubfinanzierung von Forschungsanträgen im Bereich der Krankenhaushygiene

Aus dem Robert Koch-Institut

Bericht des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger

Ausbruchsmanagement

Was verursachte den Ausbruch mit ESBL Klebsiella pneumoniae auf einer neonatologischen Intensivstation in Norddeutschland?

Referate

20 Jahre KISS-System: Bestandsaufnahme des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance