MHP

Hygiene & Medizin 3/2016

Aktuelle Ausgabe

  • Die Wirkung der Semmelweis´ schen Händedesinfektion
  • KRINKO-Empfehlung: Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten
  • DGKH-Empfehlung: Hygienische Aspekte in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis

Aktuelles

  • OP-Barometer 2015: Patient(inn)engefährdung in deutschen OP-Sälen nimmt zu
  • Neues Zentrum für Infektionsmedizin vereint Wissen und Können zum Nutzen der Patienten
  • Angriff auf das Gehirn: Zika-Virus und Neurologie
  • Extrem resistenter Tuberkulose-Erreger entwickelt weitere Resistenzen gegen neue Antibiotika
  • Grippe trifft besonders Menschen mittleren Alters

Originalarbeit

Die Wirkung der Semmelweis´ schen Händedesinfektion

Manfred Rotter*, Walter Koller

Hyg Med 2016; 41 [3], D45–D48.

Schlüsselwörter: Semmelweis, Händedesinfektion, Chlorkalklösung, müttterliche Mortalität

Hintergrund: Um die extrem hohe mütterliche Mortalität an der 1. K.K. Universitäts-Gebärklinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien zu beenden, führte Semmelweis nach seiner Erkenntnis des tödlichen Übertragungsmodus durch die Hände der Untersuchenden im Mai 1847 die routinemäßige Händedesinfektion durch Waschen der Hände in einer mit wässriger Hypochloritlösung, später mit 4 %iger Chlorkalklösung, gefüllten Schüssel ein. Zunächst musste jeder, der den Kreißsaal betrat, später jeder, der eine Gebärende oder Wöchnerin untersuchen wollte, dieses Ritual solange durchführen, bis sich die Hände „glitschig“ anfühlten, was etwa 5 Minuten in Anspruch nimmt. Der durchschlagende Erfolg dieser Maßnahme war unmittelbar nach deren Einführung durch eine dramatische Senkung der mütterlichen Mortalität von 18,3 % im April auf 2,2 % im Juni 1847 und weiter in den Folgemonaten erkennbar. Wir untersuchten die Wirksamkeit dieser Methode mittels der europäischen Standardtestmethode für die Prüfung von Mitteln für die hygienische Händedesinfektion und verglichen sie mit jener der Referenz-Desinfektion dieser Testmethode mit Isopropanol (60 % vol/vol), sowie mit der einer einminütigen Händewaschung mit Kernseife.

Methoden: Die Wirkung der drei Behandlungsmethoden wurde an den künstlich mit einem Stamm von Escherichia coli K12 kontaminierten Händen von 15 Versuchspersonen nach dem Protokoll der Europäischen Prüfnorm EN 1500 in Anordnung eines Lateinischen Quadrates geprüft, wobei die Behandlungszeit für das Semmelweis-Verfahren 5 Minuten, für die beiden anderen Behandlungen je 1 Minute betrug.

Ergebnisse: Die durch die Händebehandlung erzielten mittleren log10 Reduktionen der Keimabgabe von den Händen unterschieden sich signifikant (P < 0,05) voneinander: Sie betrugen nach Behandlung mit Chlorkalklösung 5,6 ± 0,7, mit Isopropanol 4,1 ± 0,5 und mit Kernseife 3,0 ± 0,4.

Schlussfolgerung: Semmelweis´ Erfolg in der Vermeidung der tödlichen Infektionsübertragung durch seine und seiner Studenten Hände fußte auf der hervorragenden Wirkung seines, allerdings die Hände sehr strapazierenden Desinfektionsverfahrens und einer strikten Anwendungsdisziplin.

KRINKO

Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten
Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, Deutschland

 

 

DGKH

Hygienische Aspekte in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis – Leitfaden zu Organisation und Hygienemanagement in der Arztpraxis (Struktur- und Prozessqualität)
AG Praxishygiene der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Prüftestate für die hygienische Sicherheit von Produkten und Verfahren
Fachkommission Hygienische Sicherheit medizintechnischer Produkte und Verfahren der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene

 

 

VAH

Zur Äquivalenz der Desinfektionsmittel-Testung gemäß VAH-Methoden und der Testung gemäß den aktuellen europäischen Normen
Mitteilung der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH

Aus dem Robert Koch-Institut

Wo stehen wir 10 Jahre nach dem ersten Treffen am RKI? – Neue Herausforderung 4 MRGN
Bericht über das 4. Treffen der Moderatoren der regionalen MRE-Netzwerke

Referate

Einfluss von Personalschlüssel und Patienten-Turnover auf die Mortalität von Patienten auf Intensivstationen