MHP

Hygiene & Medizin 4/2016

Aktuelles

  • Borreliose: Übertragung durch Mückenstich?
  • Welttuberkulosetag 2016: Neue Entwicklungen bei der Tuberkulose in Deutschland
  • Bakterien verursachen gefürchtete Komplikation nach Bauch-OPs
  • Möglicher Ansatz gegen Infektionen mit Krankenhauserregern
  • Erfolg in der HIV-Behandlung: Entstehung von resistenten Viren in der Schweiz praktisch gestoppt

Originalarbeit

Innovationsanalyse zum Hygienemanagement bei multiresistenten Erregern in deutschen Krankenhäusern

C. Hübner*, S. Fleßa

Hyg Med 2016; 41 [4], D49–D55.

Schlüsselwörter: Innovationsmanagement · Hygienemanagement · Barrieren · Promotoren · Multiresistente Erreger

Hintergrund: Die Implementierung von gezielt gegen die Ausbreitung multiresistenter Erreger ausgerichteten Hygienemaßnahmen kann als Prozessinnovation in der Organisation eines Krankenhauses betrachtet werden. Beeinflussende Barrieren und Promotoren zu erkennen, ist Aufgabe eines integrativen Innovationsmanagements. Da Arbeiten auf diesem Gebiet bisher stark unterrepräsentiert sind, hat der HICARE-Projektverbund (Gesundheitsregion Ostseeküste – Aktionsbündnis gegen multiresistente Erreger) sich dieser Fragestellung in einer eigenen Studie gewidmet.

Studiendesign und Methodik: Die Datenerhebung erfolgte im Juli 2015 im Rahmen einer bundesweit angelegten Onlinebefragung von Krankenhausmitarbeitern. Als Ergebnis der Innovationsanalyse werden Promotoren und Inhibitoren identifiziert, bewertet und in ein Innovationsmodell übertragen. Dabei werden gesundheitspolitische und rechtliche Rahmenbedingungen, organisatorische, strukturelle und prozessuale Gegebenheiten der Einrichtungen wie auch die persönliche Einstellung des individuellen Mitarbeiters in vier Analyseebenen in die Befragung einbezogen.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 101 Personen in die Auswertung eingeschlossen werden. Es konnten Faktoren der extrinsischen Motivation aufgezeigt werden. Hierzu zählen gesetzliche Rahmenbedingungen, das Krankenhausfinanzierungssystem, Eigeninteressen von Stakeholdern, auftretende Reibungsverluste sowie die Integrierbarkeit von konkreten Präventionsmaßnahmen in Krankenhausstrukturen und -prozessen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Faktoren, die die Innovationsneigung des einzelnen Mitarbeiters und damit seine intrinsische Bereitschaft, die Innovation anzunehmen, beeinflussen.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Analyse bilden eine gute Grundlage, um Strategien für eine schnellere und nachhaltige Implementierung von innovativen Hygienekonzepten im Kampf gegen die weitere Ausbreitung von multiresistenten Erregern zu entwickeln.

Übersichtsarbeit

Hygienische Aspekte der mehrfachen Verwendung von Applikationssystemen für Röntgenkontrastmittel

L. Jatzwauk*, R. Papke, P. Lüderitz, B. Wilbrandt

Hyg Med 2016; 41 [4], D56–D60.

Schlüsselwörter: Röntgenkontrastmittel · Applikationssysteme · Infektionsrisiken

Injektomaten unter Verwendung von Injektorspritzen, die mit einem T-Schlauch und einem „Patientenwechselschlauch“ mit dem Venenzugang des Patienten verbunden sind, gehören zum Standardequipment bei radiologischen Untersuchungen unter Verwendung von Kontrastmitteln. Im Gegensatz zu anderen Infusionen werden in zahlreichen Kliniken wesentliche Teile des Applikationssystems ebenso wie die Behältnisse mit den Kontrastmittellösungen zwischen den Patienten nicht gewechselt und als Mehrwegsystem betrachtet. Diese mehrfachen Anwendungen können zur Kontamination der Kontrastmittelbehältnisse und der Infusionssysteme führen. Mehrfach wurden nosokomiale Infektionen nach radiologischen Untersuchungen beschrieben. Zur Minimierung des Infektionsrisikos sind durch die Hersteller der Applikationsysteme definierte Angaben notwendig. Patientenwechselschläuche müssen nach jedem Patienten gewechselt werden und mindestens zwei Rückschlagventile mit Öffnungsdruck aufweisen. Der Einsatz der für mehrere Patienten verwendeten Teile des Applikationssystems sowie der Kontrastmittellösung ist zeitlich zu begrenzen.

Praxis

Ohne Schlauch geht`s auch

K. C. Täubel, B. E. Lemmer, J. Gutknecht, R. Schmidt, C. Schoerle, L. T. Zabel*

Hyg Med 2016; 41 [4], D61–D64

Schlüsselwörter: Bündel · Nosokomiale Infektion · Harnwegsinfektion · Harnwegskatheter 

Hintergrund: Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Auf einer orthopädisch/unfallchirurgischen Abteilung wurde in den letzten zwei Jahren eine Steigerung nosokomialer Harnwegsinfektionen beobachtet. Dies war Anlass, das derzeitig praktizierte Vorgehen mit Harnwegskathetern auf dieser Abteilung zu überprüfen und ein Maßnahmenbündel einzusetzen.

Methode: Das Maßnahmenbündel beinhaltete die Einführung von verbindlichen Indikationen zur Anlage von Kathetern und einer zeitlichen Begrenzung der Liegedauer, sowie Schulungen zur Katheteranlage und Katheterpflege. Das Maßnahmenbündel wurde interdisziplinär unter Beteiligung aller Berufsgruppen erstellt. Zur Messung des Effekts wurde das letzte Halbjahr vor der Intervention mit dem folgenden Halbjahr nach Umsetzung der Maßnahme verglichen.

Ergebnisse: Die Zahl der nosokomialen Harnwegsinfektionen war im Vergleichszeitraum nach Einführung des Maßnahmebündels signifikant geringer (p<0,0001). Als Nebeneffekt zeichnete sich eine deutliche Reduktion von mikrobiologischen Urinuntersuchungen ab.

Schlussfolgerung: Wesentliches Merkmal des Maßnahmenbündels war die Reduktion der Anwendungsrate von Harnwegskathetern durch eine eindeutige Indikation zur Katheteranlage und die Terminierung der Katheterliegezeit. Wichtig bei der Einführung des Maßnahmenbündels ist die konsequente Umsetzung der Vereinbarungen, die eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen erfordert.

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DGKH

  • Maßnahmenplan für multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) in Gesundheits-/Pflege- und Betreuungseinrichtungen

VAH

  • Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in Sanitäranlagen von Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge
  • MERKBLATT: Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in Sanitäranlagen von Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge

Aus dem Robert-Koch-Institut

  • Infektionsschutzgesetz (IfSG): Änderungen durch das Präventionsgesetz
  • Nationaler Pandemieplan – Veröffentlichung des wissenschaftlichen Teils

Referate

  • Enterokokken, Clostridium difficile und ESBL-Bildner – Epidemiologie, klinische Bedeutung und Infektionsprävention bei Intensivpatienten