MHP

Hygiene & Medizin 5/2016

Aktuelles

  • Neuer Vorstand des Berufsverbands deutscher Hygieniker
  • Bakterien im Urin: Keine Symptome, kein Antibiotikum
  • Ökologisch erzeugte Rohmilch enthält weniger antibiotikaresistente Bakterien als konventionell erzeugte
  • Neue Zika-Diagnostik zuverlässig
  • Infektionen können Diabetes-Risiko bei Kindern erhöhen
  • Legionellen schwächen Abwehr durch Voraus-Kommando
  • Neue Medikamente erkennen Clostridium difficile speziellen Zuckermolekülen seiner speziellen Oberfläche
  • Abgabe von an sich harmlosen Proteinen macht Bakterien zu erfolgreicheren Krankheitserreger

Originalarbeit

Kosten-Nutzen-Analyse eines antimikrobiellen Transparentverbands für Kathetereintrittsstellen auf der Intensivstation

Matthias Trautmann, Jörg Saatkamp

Hyg Med 2016; 41 [5], D65–D70.

Schlüsselwörter: Zentraler Venenkatheter · Gefäßkatheter-assoziierte Septikämien · Transparentverband · Chlorhexidin

Hintergrund: Ein neuer Transparentverband für die Insertionsstelle zentraler Venenkatheter verfügt über ein chlorhexidinhaltiges Geldpad, welches an der Insertionsstelle eine antibakterielle Wirkung ausübt. In einer multizentrischen Studie reduzierte der Verband die Rate Venenkatheter-assoziierter Septikämien um 1,0 Episoden pro 1000 Katheterliegetage.

Methodik: Um zu überprüfen, ob diese Reduktion auf der chirurgischen Intensivstation (29 Betten) eines kommunalen Maximalversorgungshauses die Verwendung des Verbandes auch unter Kostengesichtspunkten rechtfertigt, führten wir eine ökonomische Analyse durch. Hierzu wurden die ermittelten, realen Kosten eines Intensivliegetags, die theoretisch vermeidbaren Kosten durch Verkürzung der Liegedauer infolge Vermeidung Venenkatheter-assoziierter Septikämien sowie die zusätzlichen Kosten für den Einkauf der Verbände gegeneinander aufgerechnet.

Ergebnisse: Der Einsatz des Verbandes bei Zugrundelegung der oben genannten Reduktionsrate und der Anschaffungskosten des Verbandes führte rechnerisch zu einer jährlichen Netto-Kosteneinsparung von 32.192 e.

Schlussfolgerung: Die Verwendung des Verbandes war in dem von uns untersuchten Setting chirurgischer Intensivpatienten hochgradig kosteneffektiv.

 

 

Originalarbeit

Gelebte Hygiene im OP – eine kritische Analyse

Sabine Gleich, Bernarda Lindner

Hyg Med 2016; 41 [5], D71–D80.

Schlüsselwörter: OP · Hygienestandards · Compliance · Öffentlicher Gesundheitsdienst

Hintergrund: In Deutschland wurden 2012 bei den aus vollstationärer Krankenhausbehandlung entlassenen Patienten knapp 51 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren durchgeführt. Nationale repräsentative Prävalenzuntersuchungen zu nosokomialen Infektionen (NI) in Deutschland (NIDEP 1-Studie) ergaben eine Rate von 16 % an postoperativen Wundinfektionen bezogen auf alle NI. Auch in der zweiten nationalen Prävalenzstudie war der Anteil der postoperativen Wundinfektionen mit 24,3 % am größten von allen NI. Präventive Interventionsmaßnahmen zur Senkung der Rate postoperativer Wundinfektionen sind in der Literatur beschrieben. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gab 2011 zentral ein Konzept für die infektionshygienische Überwachung von Einrichtungen im Gesundheitswesen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst vor. 2011 wurde verfügt, dass alle OP-Abteilungen der Akutkrankenhäuser zu begehen sind: In Bayern handelte es sich um 288 OP-Abteilungen in 239 Kliniken. In der Landeshauptstadt München fielen darunter 59 OP-Abteilungen in 35 Kliniken (= 21 % der bayerischen OP-Abteilungen).

Methode: 2013 wurden in einem Zeitraum von sechs Monaten alle OP-Abteilungen angemeldet nach dem Vieraugenprinzip überprüft. Vor Ort erfolgte ein Abgleich der vorab ausgefüllten Checklisten mit der tatsächlichen Situation sowie die Sichtung der angeforderten Unterlagen. Anschließend erfolgte eine Personalbefragung vor Ort und eine in Abhängigkeit von der Abteilungsgröße mindestens halbtägige Prozessbeobachtung/Delta-Analyse im laufenden OP-Betrieb. Die erhobenen Kriterien bezogen sich auf die Ausstattung der Kliniken mit Hygienefachpersonal, das Vorliegen von Hygiene- und Reinigungs-Desinfektionsplänen, die Personalhygiene im laufenden OP-Betrieb, die Prävention postoperativer Wundinfektionen und Sepsisprävention. Die Prüfergebnisse wurden im Anschluss tabellarisch erfasst und ausgewertet.

Ergebnisse: Folgende perioperative Risikofaktoren für den Erwerb einer postoperativen Wundinfektion konnten in einer nicht unerheblichen Zahl von Kliniken festgestellt werden: nicht sachgerechte präoperative Haarentfernung (15 %), Durchführung einer präoperativen Rasur mit Einmalrasierern (19 %), nicht sachgerechte präoperative Hautreinigung/-desinfektion, wie z. B. das Besprühen der Haut ohne Mechanik (8 %), keine sachgerechte Technik beim Abwischen (18 %), keine Einhaltung der vorgegebenen Einwirkzeit (12 %). Eine nicht sachgerechte perioperative Antibiotikaprophylaxe bzw. kein Vorliegen von Standards hierzu wurde bei 41 % der Kliniken erhoben. An weiteren Risikofaktoren, bei denen in der Literatur eine direkte Auswirkung auf die Wundinfektionsrate beschrieben ist, wurden festgestellt: kein korrektes Tragen von Hauben (61 %) und Mund-Nasen-Schutz (25%), keine Einhaltung der Einwirkzeiten bei der chirurgischen Händedesinfektion (12 %), Tragen von Baumwollkitteln als OP-Schutzkittel (7 %), keine ausreichende Umsetzung der Indikationen zur hygienischen Händedesinfektion vor aseptischen Tätigkeiten (56 %) und nach Patientenkontakt (71 %). Der Umgang mit i.v. Medikamenten ist als kritisch zu beschreiben: in 51 % der Kliniken wurden aufgezogene Medikamente länger als 1 Stunde vorgehalten, Propofol wurde nur in 51 % unmittelbar nach dem Aufziehen verwendet.

Schlussfolgerung: In München standen bei den OP-Begehungen strukturelle Probleme oder Baumängel nicht so sehr im Vordergrund, vielmehr war das Personalverhalten im OP kritisch zu hinterfragen. Das Nichteinhalten von Hygienestandards ist neben den möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit des Patienten auch unter haftungsrechtlichen Aspekten für den Klinikbetreiber zu werten: Eine Nicht-Einhaltung der KRINKO-Empfehlungen, die laut gängiger Rechtsprechung den Stand des Wissens darstellen, kann im Schadensfall, d.h. dem Auftreten einer postoperativen Wundinfektion, zu einer Beweislastumkehr für die Klinik führen.

DGHM

  • 0. Berliner Workshop der StAG Allgemeine und Krankenhaushygiene: Woran erkennt man ein gutes Krankenhaus im Hinblick auf die Infektionsprävention?

VAH

  • Maschinelle Vortränkung von Wischbezügen und Reinigungstüchern

Aus dem Robert-Koch-Institut

  • IfSG-Anpassungsverordnung: Zur Umsetzung der neuen Umsetzungsverordnung
  • Wirkstoffe der alkoholischen Händedesinfektionsmittel – ein Beitrag zum Internationalen Tag der Händehygiene

Referate

  • Antibiotikaresistenz vermeiden: Was kann die Pflege dazu beitragen?
  • Ablegen von Schutzkleidung: Erregerverbreitung wird unterschätzt