MHP

Hygiene & Medizin 6/2016

Aktuelles

  • Krankheitserreger in der Lunge schneller nachweisen
  • Mikrobenvielfalt in der Nase

Originalarbeit

Standardisierte und fachübergreifende Begehungen von Einrichtungen für ambulantes Operieren in Hessen, 2012–2013

B. Thiede*, A. M. Hauri, M. Arvand, P. Heinmüller, D. Bobyk, L. Voegeli-Wagner, A. Wirtz et al.

Hyg Med 2016; 41 [5], D81–D92.

Schlüsselwörter: Ambulantes Operieren, Begehungen,  öffentlicher Gesundheitsdienst,  Begehungen, Hessen

Hintergrund: Die Behandlung in Einrichtungen für ambulantes Operieren birgt aufgrund der Invasivität durchgeführter Maßnahmen Gesundheitsrisiken für die Patienten, wie beispielsweise schwerwiegende Infektionen oder die Verbreitung multiresistenter Keime. Auch die Entstehung von Granulomen durch Partikelanhaftungen an nicht ordnungsgemäß aufbereiteten Instrumenten ist möglich. Daher initiierte das Hessische Ministerium für Soziales und Integration ein Projekt, um die Hygieneüberwachung in diesen Einrichtungen zu intensivieren und eine zusammenfassende, anonymisierte Auswertung der Ergebnisse zu ermöglichen. Ziele der Hygieneüberwachung waren die Überprüfung des allgemeinen Hygienemanagements und die Umsetzung eines einheitlichen Standards bei der Instrumentenaufbereitung.

Methode: Die Einrichtungen wurden von Vertretern der Gesundheitsämter und der Regierungspräsidien gemeinsam begangen. Zur Standardisierung der Begehungen wurden von einer Arbeitsgruppe verschiedene Dokumente entwickelt (Selbstauskunftsbogen, Checklisten zur Überprüfung des Hygienemanagements und der Instrumentenaufbereitung, Anschreiben, Info-Flyer). Diese Unterlagen wurden im Rahmen einer Pilotphase im praktischen Einsatz getestet und anhand der Rückmeldungen weiterentwickelt.

Ergebnis: Von 2012 bis 2013 wurden 104 Einrichtungen für ambulantes Operieren anhand der Checklisten begangen. In 83  % der Einrichtungen wurde ein für die Hygiene verantwortlicher Arzt benannt, der nur selten (17 %) über die fachspezifische Ausbildung zum Hygienebeauftragten Arzt verfügte. Die Erfassung und Bewertung von Erregern mit besonderen Resistenzen erfolgte in 56 % der Einrichtungen. Fast alle Einrichtungen (93 von 99 Einrichtungen mit Angaben) bestätigten eine Aufbereitung von Instrumenten in der Einrichtung. In 15 Einrichtungen (16 %) konnte das bei der Aufbereitung eingesetzte Personal die erforderliche Sachkenntnis nicht nachweisen. Bei Vorliegen eines praxisspezifischen und aktuellen Hygieneplans war die Anzahl der vorgefundenen Mängel im Aufbereitungsprozess geringer als in Einrichtungen mit einem nur ungenügend ausgearbeiteten Hygieneplan. Auch das Vorliegen der erforderlichen Qualitätsmanagement-Dokumente korrelierte mit der Anzahl von vorgefundenen Mängeln im Aufbereitungsprozess.

Schlussfolgerung: Im Rahmen der standardisierten Begehungen wurden personelle, bauliche und organisatorische Missstände identifiziert und Optimierungsprozesse in Gang gebracht.

Originalarbeit

Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in der Hygiene beim ambulanten Operieren – Beobachtungen aus den Jahren 2014 und 2015

D. Warburg, S. Gleich*

Hyg Med 2016; 41(6): D 93–D104

Schlüsselwörter: Ambulantes Operieren, Hygienestandards, öffentlicher Gesundheitsdienst, Begehungen, Bayern

Hintergrund: Das ambulante Operieren ist in der Patientenversorgung neben der stationären und der ambulant konservativen Behandlung seit langem als dritte Säule etabliert. Insbesondere in Ballungszentren konzentrieren sich Einrichtungen für ambulantes Operieren, für deren Überwachung im Stadtgebiet München das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) die zuständige Gesundheitsbehörde ist.

Methode: Aufgrund einer durch das Bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege erlassenen Verwaltungsvorschrift überprüfte das RGU in der Zeit von März 2014 bis November 2015 im Rahmen einer bayernweit durchgeführten Schwerpunktüberprüfung 32 Einrichtungen für ambulantes Operieren im Stadtgebiet München.

Ergebnisse: Hinsichtlich der Strukturqualität konnte festgestellt werden, dass die in der KRINKO-Empfehlung veröffentlichten „personellen und organisatorischen Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“ bei den begangenen ambulant operierenden Einrichtungen in 16 % der Fälle vollständig erfüllt wurden. 69 % der Einrichtungen konnten einen überwiegend angepassten, wenngleich auch nicht immer vollständigen, Hygieneplan vorweisen. Bei den baulich-funktionellen bzw. apparativ-technischen Gegebenheiten erfüllten 75 % der Einrichtungen die Vorgaben der KRINKO. Defizite ergaben sich u. a. bei den Voraussetzungen für eine korrekte Händehygiene und bei der Raumlufttechnik. Die Überprüfung der Prozessqualität zeigte u. a., dass bei der Personalhygiene, beim Umgang mit multiresistenten Erregern, bei der Flächendesinfektion und Wäscheaufbereitung, beim Umgang mit Medikamenten und bei der Medizinprodukteaufbereitung der aktuelle Wissensstand teilweise nicht bekannt war. In maximal 25 % kamen die Einrichtungen ihrer Verpflichtung zur Durchführung einer gesetzeskonformen Surveillance nach.

Schlussfolgerung: Es können Schlussfolgerungen gezogen werden, die einen Optimierungsbedarf der Einrichtungen vor allem im Bereich Ausstattung mit Hygienefachpersonal, der baulich-funktionellen Voraussetzungen und Prozessqualität sowie bei der Erfassung der Ergebnisqualität im Vergleich zu Kliniken aufzeigen.

Übersichtsarbeit

Verfahren zur Erfassung des Händehygieneverhaltens – Eine methodische Betrachtung aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive

S. Diefenbacher, A. Siegel, J. Keller

Hyg Med 2016; 41(6): D105–D119

Schlüsselwörter: Händehygiene, Messmethoden, direkte Beobachtung, Compliance, Monitoring, Validität, Reaktivität

Die vorliegende Arbeit liefert einen aktuellen Überblick über verschiedene methodische Ansätze zur Erfassung von Händehygiene im Gesundheitswesen. Dabei gehen wir auf den Status Quo sowie aktuelle Entwicklungen in der Händehygiene-Compliance-Forschung ein und erweitern diese Perspektive durch Berücksichtigung relevanter Erkenntnisse aus den Verhaltenswissenschaften. Bei den Messverfahren unterscheiden wir zwischen den Kategorien Produktverbrauch, Selbstbericht, Beobachtung und automatisierte Verfahren. Bei der Bewertung der Verfahren betrachten wir den Informationsgrad der Daten zu Händehygiene, die praktische Umsetzbarkeit der Verfahren und die Verlässlichkeit der ermittelten Daten. Im Fazit wird die Eignung einzelner Verfahren für unterschiedliche Forschungsfragen der Händehygieneforschung diskutiert und mit der videobasierten Beobachtung eine mögliche Alternative zum bisherigen Goldstandard, der direkten Beobachtung, aufgezeigt.

Verbund für Angewandte Hygiene (VAH)

  • Listung von Flächendesinfektionsmitteln

Referate

  • Übertragung von antibiotikaresistenten Erregern auf Station: Spielt die Vorbelegung eines Zimmers eine Rolle?