MHP

Hygiene & Medizin 9/2016

Aktuell

  • Stellungnahme: Patientensicherheit in Gefahr – Chirurgen und Hygieniker fordern höhere Hygienestandards im OP
  • Wie kommen die gefürchteten multiresistenten Bakterien ins Krankenhaus?
  • Antibiotika-resistentes mcr-1-Gen erstmals bei Patientenprobe aus 2012 nachgewiesen
  • Krankenhausinfektionen erfolgreich behandeln: Die Ausbildung der Ärzte macht den Unterschied
  • Reisende importieren "Super-Keime"
  • Erkältungsviren haben ihren Ursprung in Kamelen – genau wie MERS
  • Neue Behandlungsmöglichkeit gegen tödliche Pilzinfektion 

Originalarbeit

Einfluss von Material und Oberflächeneigenschaften auf die Persistenz von Staphylococcus aureus auf krankenhausüblichen Oberflächen

I. Dreßler, M. Honisch, L. Ziegler, H. Budelmann, D. P. Bockmühl*

Hyg Med 2016; 41 – 9: D131–138

Schlüsselwörter: Infektionsprävention, Krankenhaushygiene, Benetzungsverhalten, Rauheit, Sterberate

Einleitung: Die Minimierung mikrobieller Kontaminationen, die auf Oberflächen in Krankenhäusern ein Erregerreservoir darstellen, ist eine wichtige Maßnahme zur Reduzierung des Risikos einer nosokomialen Infektion. Neben regelmäßiger Flächendesinfektion könnte auch die Wahl geeigneter Materialien einen Beitrag zur Senkung dieses Risikos leisten. Die Datenlage zur Persistenz von verschiedenen Mikroorganismen auf unterschiedlichen Materialien ist allerdings inkonsistent und der Einfluss von Oberflächeneigenschaften weitgehend unerforscht.

Methode: Daher wurde in dieser Studie die Persistenz von Staphylococcus aureus auf krankenhausüblichen Oberflächen untersucht. Polyvinylchlorid (PVC)- und Edelstahl-Probenkörper unterschiedlicher Rauheit und Benetzbarkeit wurden mit S. aureus in einer Matrix aus bovinem Serumalbumin inokuliert und für 72 h inkubiert.

Ergebnisse: Die Verläufe der verbleibenden Zellzahlen über die Inkubationszeit bestätigen den Einfluss des Materials auf die Persistenz. Durch Bildung eines Verhaltensmodells für die jeweiligen Materialien wurden für PVC die Rauheit und für Edelstahl Rauheit und Benetzbarkeit als Einflussgrößen festgestellt. Im beobachteten Parameterbereich führt eine hohe Rauheit zu einer niedrigeren Persistenz.

Schlussfolgerung: Die Anwendung dieser Erkenntnisse zur Auswahl optimaler Materialien in Krankenhäusern erfordert weitere Untersuchungen, da die Oberflächeneigenschaften auch die Gebrauchseigenschaften der Materialien bestimmen.

Praxis

Betriebliche medizinische Abfälle in Arzt- und Zahnarztpraxen in Österreich – eine Umfrage zur Entsorgung

O. Assadian*, A. Blacky, K. Fink, H. Hirschmann, A. Kramer, für die Österreichische Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Hyg Med 2016; 41 – 9: D139–143

Schlüsselwörter: Abfall, medizinischer Abfall, Entsorgung, Ordination, Zahnärztliche Praxis, niedergelassener Bereich

Einleitung: Ziel der von der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene durchgeführten Fragebogen-basierten Studie war es, die derzeitige Entsorgungssituation und das Aufkommen von medizinischen Abfällen in österreichischen Arzt- und Zahnarztpraxen in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern zu erfassen, um Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich Lagerung, hygienischem Umgang und Bedarf an Informationsvermittlung zu identifizieren.

Ergebnisse: Innerhalb eines Rücklaufs von 7 % aller angeschriebenen österreichischen Arzt- und Zahnarztpraxen (n = 358/5114) zeigte sich, dass über 92 % der Befragten Praxisbetreiber, die eine Antwort gegeben haben, ihren medizinisch nicht gefährlichem Abfall vorbildlich trennen. 85 % der Befragten waren mit der aktuellen Situation der Restmüllentsorgung überwiegend zufrieden. In der Regel stehen pro Arzt- und Zahnarztpraxis eine Entsorgungstonne mit 240 L Fassungsvermögen zur Verfügung, die 1 3 wöchentlich entleert wird. Allerdings nutzen lediglich 22 % der Praxen die Möglichkeit, das Volumen des anfallenden Restmülls durch Pressen oder Vakuumieren vor der Entsorgung zu reduzieren. Aufgrund der infrastrukturellen Gegebenheiten teilen sich 83 % der befragten Praxen den Müllraum mit anderen Bewohnern von Wohnhausanlagen. Dabei sind über 72 % der Restmülltonnen allgemein zugänglich oder nur unzureichend verschlossen. Aufgrund von teilweiser ungesicherter Restmülllagerung durch ungenügend verschlossener Abfallsäcke, Geruch oder übervoller Entsorgungstonnen treten bei 15 % der Befragten regelmäßig Konflikte mit anderen Hausparteien auf. Insgesamt die Hälfte der Befragten fühlt sich über die Entsorgung von medizinisch gefährlichen Abfällen gemäß ÖNORM S 2104 prinzipiell gut informiert. Allerdings waren die Angaben zur Informationslage über die Handhabung der Entsorgung von medizinisch nicht gefährlichen Abfällen sowie daraus erwachsende Konsequenzen weniger gut. Hierzu fühlten sich 56 % der Ärztinnen und Ärzte sowie 53 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger bis nicht ausreichend informiert.

Fazit: Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um die größte im niedergelassenen Bereich durchgeführte Studie zum Thema medizinischer Abfall in Österreich. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Situation der Restmüllentsorgung in österreichischen Arzt- und Zahnarztpraxen zufriedenstellend ist und sich die Betreiber gut hinsichtlich des Umgangs mit problematischem Abfall informiert fühlen. Durch Komprimierung und Verschweißen der Abfallbeutel mit anfallenden Restmüllvolumina vor der Entsorgung von medizinisch nicht gefährlichem Abfall können Friktionen hinsichtlich übervoller Entsorgungstonnen verhindert und Kosten bei der Entsorgung reduziert werden. Diese Lösungen wird derzeit jedoch lediglich von rund einem Fünftel der befragten Praxen genutzt.

AWMF

  • Hygieneanforderungen bei ausgewählten respiratorisch übertragbaren Infektions-Erkrankungen (aerogen und Tröpfchen)
  • Hygienemaßnahmen bei intravasalen Punktionen und intravasaler Medikamentenapplikation

Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF

DGKH

  • Nachruf auf Prof. Dr. med. Peter Brühl

VAH

  • Desinfektionsmittel-Liste des VAH (Zertifikatsstand 1.6.2016)
  • Fragen & Antworten: Hautantiseptik vor venöser Blutentnahme

Aus dem Robert-Koch Institut

  • Aktualisierte Empfehlung zur Händehygiene
  • Ständige Impfkommission veröffentlicht neue Impfempfehlungen
  • Das Risiko einer Influenza-Erkrankung ernst nehmen
  • Bericht des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger (Zeitraum: 1. 1 2015 bis 31.12.2015)

Referate

  • Antibiotikatherapie der Reisediarrhoe: Erhöhtes Risiko für den Erwerb multiresistenter Darmerreger