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Hygiene & Medizin 12/2016

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  • Überarbeitung des Methodenpapiers: IQWiG stellt Entwurf für Version 5.0 zur Diskussion
  • Datenannahme Qesü-RL: Beschluss zur Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung tritt in Kraft
  • WHO-Leitlinie: Empfehlungen zur Reduktion von postoperativen Wundinfektionen und Resistenzen
  • "Critical Incident Reporting System" (CIRS) für Hygiene
  • Mit neuester Mikroskopietechnik den Tricks des Influenza A-Virus auf der Spur

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Bedeutung der Händedesinfektion beim Nachweis der Alkoholabstinenz

Günter Kampf*, Christoph Meißner

Hyg Med 2016; 41(12): D189–D193.

Schlüsselwörter: Händedesinfektion · Ethylenglucuronid · Abstinenznachweis

Wenn Mitarbeiter im Gesundheitswesen durch unachtsamen Alkoholkonsum den Führerschein vorübergehend abgeben müssen, kann sogar ein Abstinenznachweis erforderlich sein. Alkoholabstinenz wird meist über Ethylenglucuronid (EtG) nachgewiesen, z. B. aus dem Urin. Eine EtG-Konzentration > 0,1 mg/L im Urin gilt als Hinweis auf Alkoholkonsum in den letzten 3–4 Tagen. Ein Mitarbeiter in der Patientenversorgung wendet pro Arbeitstag im Durchschnitt 25 Mal ein Händedesinfektionsmittel an. Risikobereiche mit besonders infektionsgefährdeten Patienten wie beispielsweise die neonatologische Intensivstation, die hämatologische Onkologie oder Stationen für Organtransplantationen werden vermutlich auf höhere Durchschnittswerte der Händedesinfektion pro Mitarbeiter und Arbeitstag kommen. Nach Anwendung von 1 mL eines Präparats auf Basis von 62 % Ethanol (alle 5 Minuten über 10 Stunden an drei Tagen) wurde im Durchschnitt ein EtG-Wert von 0,278 mg/L nachgewiesen, wohingegen die Ethylsulfat-Werte durchgängig < 0,1 mg/L blieben. Andere Studien zeigen nach Händedesinfektion EtG-Höchstwerte im Urin von 0,062, 0,114 sowie 0,713 mg/L. Selbst bei Personen, die keine Händedesinfektion durchgeführt hatten, sich aber in Bereichen aufhielten, in denen Händedesinfektionen durchgeführt wurden, wurden EtG-Werte von bis zu 0,6 mg/L gefunden. Bei Bestimmung des EtG-Wertes im kommerziell erhältlichen Immunoassy kann es aufgrund einer Kreuzreaktivität von 2-Propylglucuronid (69–84 %) und 1-Propylglucuronid (4–9 %) sogar nach Verwendung propanolischer Händedesinfektionsmittel zu einem falsch positiven EtG-Ergebnis kommen. Die indikationsgerechte Anwendung alkoholischer Händedesinfektionsmittel kann zur Folge haben, dass durch das Ansteigen des EtG, beispielsweise im Urin, ein Abstinenztest nicht bestanden wird, obwohl keine alkoholischen Getränke konsumiert wurden. Dieser Aspekt ist bei der Bewertung positiver EtG-Befunde bei den Mitarbeitern zu berücksichtigen, die aus einer beruflichen Notwendigkeit heraus zum Schutz der Patienten alkoholische Händedesinfektionsmittel anwenden müssen.

 

 

 

Aus der Praxis >>

Anwendungsstudie zu aerosolreduzierenden Hygienesiphons zur Kontrolle eines 4MRGN Pseudomonas aeruginosa – Ausbruchsgeschehen auf einer neurologischen Frührehabilitationsstation der Phase B

Sylvia Parthé*, Andreas Welker, Cornelia Meier, Britta Knorr, Sebastian Schumacher

Hyg Med 2016; 41(12): D194–D199.

Schlüsselwörter: 4MRGN · Pseudomonas aeruginosa · Abwassersystem · Ausbruchsmanagement · Hygienesiphon

Hintergrund: Auf einer Station der neurologischen Frührehabilitation der Phase B bestand ein mehrphasiger bzw. mehrjähriger Ausbruch mit einem 4MRGN Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa), welcher durch eine Kolonisation der Waschbeckensiphons unterhalten wurde und sich durch einen einfachen Austausch von Waschbecken und Siphons nicht beheben ließ. Im Folgenden berichten wir über unsere klinische Erfahrung mit dem Einsatz der HygieneSiphons der Firma Aqua free GmbH in Zusammenschau mit umfassenden mikrobiologischen Untersuchungen.

Methoden und Ergebnisse: Nach mehrmonatiger Sperrung aller Patientenwaschbecken der Station aufgrund einer wiederkehrenden Besiedelung mit einem 4MRGN P. aeruginosa wurden im November 2015 die horizontal verlaufenden Abflusseckrohre durch herkömmliche S-förmige Siphons ersetzt, in welche aerosolreduzierende HygieneSiphons installiert wurden. Im Rahmen eines vorab festgelegten Studienprotokolls folgten mikrobiologische Abstrich- bzw. Abklatsch-Untersuchungen der HygieneSiphons, Waschbecken und Perlatoren bis zu 4 Wochen nach Installation. Nach 3-monatiger Standzeit wurden die HygieneSiphons gemäß Hersteller ausgetauscht und ebenfalls mikrobiologisch geprüft. Hierbei wurde eine Kontamination der HygieneSiphons durch von außen bzw. anterograd (nach vorne gerichtet) eingebrachte Mikroorganismen festgestellt. Die mikrobiologischen Untersuchungen von originärem Siphon, Waschbecken und Perlator konnten belegen, dass ohne HygieneSiphons eine retrograde Kontamination des Waschbeckens aus dem originären Siphon nach Füllung des Beckens erfolgt, die durch den Einbau eines HygieneSiphon unterbunden werden kann. Nach 3-monatiger Standzeit kontaminieren die HygieneSiphons per se mit von extern eingebrachten Erregern.

Schlussfolgerung: Eine retrograde Kontamination der Waschbecken mit Erregern aus besiedelten Siphons kann durch Einbau von HygieneSiphons verhindert werden. Der Einbau von HygieneSiphons ist eine einfache Methode, um bei bestehender Besiedlung der Rohre/ Siphons mit 4 MRGN P. aeruginosa oder sonstiger hygienerelevanter Erreger einen Rückfluss von Erregern in das Becken zu verhindern, und somit ein relevanter Beitrag zur Reduktion von nosokomialen Kolonisierungen/Infektionen aus Sanitärinstallationen. Auch im aktuellen vorliegenden Beispiel war der Einbau der HygieneSiphons als Alternative zur Waschbeckensperrung die zielführende Maßnahme zur Beendigung des Ausbruchsgeschehens.

KRINKO >>

Kapazitätsumfang für die Betreuung von Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen durch Krankenhaushygieniker/ innen

Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, Deutschland

DGKH >>

Hinweise für die Aufbereitung ausgewählter semikritischer Medizin

Mitteilung des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene

VAH >>

  • Neuer Wirksamkeitsbereich begrenzt viruzid PLUS – was ist das?
  • Relaunch der VAH-Liste online

Blickpunkt >>

Infektionsgefahr durch Transfusionsprodukte?

Andrea Grisold

Referate >>

  • Intestinale Besiedlung mit ESBL-produzierenden Enterobakteriazeen: Häufigkeit und Risikofaktoren bei gesunden Personen
  • Langzeitfolgen von Krankenhausinfektionen: Einfluss auf Lebensqualität und Lebenserwartung

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  • Infektiologie- und Hygienekongress vom 24.–26. Oktober 2016 in Freiburg