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Hygiene & Medizin 4/2017

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Dokumentation von Wundrevisionen nach aseptischen orthopädischen Operationen für die Surveillance schwerer postoperativer Wundinfektionen einer gesamten Klinik

Florian M. Reichle*, Constanze Wendt

Hyg Med 2017; 42(4): D64–D69.

Schlüsselwörter: postoperative Wundinfektionen · Surveillance · Orthopädie

Hintergrund: Die standardisierte Erfassung postoperativer Wundinfektionsraten nach OP-KISS ist mit hohem Aufwand verbunden und es besteht das Risiko, dass sie bei personeller Fluktuation und dem erforderlichen Einarbeitungsaufwand nicht konsistent durchgeführt werden kann. Um dennoch eine robuste Übersicht über die schweren postoperativen Wundinfektionen aller operativen Fachzentren einer Klinik sicher zu stellen, wurde ein einfaches Verfahren der Surveillance implementiert und die Ergebnisse im Verlauf bewertet.

Methodik: An einer orthopädischen Fachklinik (204 Betten) wurden über 6 Jahre (2011–15) die Revisionseingriffe nach aseptischen Operationen erfasst. Hieraus wurden Raten für Revisionseingriffe bezogen auf die Zahl der Operationen im Beobachtungszeitraum berechnet. Ausgeschlossen wurden Revisionen bei nicht primär aseptischen Eingriffen oder nicht-infektbedingten Indikationen für Revisionen solange keine zusätzlichen klinischen Hinweise auf eine Infektion vorlagen. Die erfassten Patientendaten sowie die Revisionseingriffe wurden den Operateuren der einzelnen Fachabteilungen anfangs monatlich und im Verlauf quartalsweise rückgemeldet. Die Revisionsraten wurden jährlich mitgeteilt.

Ergebnisse: Die Zahl der Operationen stieg im Beobachtungszeitraum von 6364 auf 7587 (+19%). Die Gesamtrate der erfassten Revisionseingriffe sank von 0,93% auf 0,58% (2014) und stieg wieder an auf 0,78% (2015). Im Trend zeigt sich eine Reduktion um 23,9% im Beobachtungszeitraum. Revisionen traten im Vergleich zu Hand- und Fußchirurgie sowie Kinderneuroorthopädie häufiger in der Wirbelsäulenchirurgie und der Endoprothetik auf. Bei etwa 75% der Revisionen konnten Erreger nachgewiesen werden. Staphylococcus aureus und Staphylococcus epidermidis machten dabei 39,2% bzw. 31,6% der Erregernachweise aus.

Schlussfolgerung: Die Methodik erwies sich hinsichtlich einer sensitiven Erfassung schwerer postoperativer Wundinfektionen als mit geringem Aufwand für die gesamte Klinik durchführbar. Die Erfassung und Rückmeldung der Revisionen führte vergleichbar einer Erfassung nach KISS zu einer Reduktion der postoperativen Revisionsrate.